"Wenn ich sehe und höre, wie es in vielen Vereinen läuft, ist das oft eher eine Diskussion mit dem Coach. Inzwischen ist es oft so, dass der Trainer nicht mit dem Arzt, sondern erst einmal mit dem Spieler spricht und versucht, ihn auf seine Seite zu ziehen: Geht es nicht doch etwas schneller? Die Ärzte haben sich in der Bundesliga viel wegnehmen lassen. [..] Mein Eindruck ist, dass es bei der Prävention große Schritte in die richtige Richtung gibt. Roger Schmidt hat zum Beispiel in Leverkusen eingeführt, dass bei den Spielern jeden Morgen ein bisschen Blut am Ohr abgenommen wird. So sieht man, wie hoch die Muskeln belastet sind und ob es von der Trainingssteuerung Sinn macht, dass der Spieler trainiert. Es kam dann wirklich dazu, dass der Trainer sagt: Diese zwei Spieler bleiben heute drin. Als ich als Profi anfing, da hätte ich mir das noch nicht vorstellen können. [..] Was total vernachlässigt wird, ist, dass es vor allem mentale Gründe geben kann, warum sich ein Spieler verletzt. Es sagen zwar alle, Sportpsychologie ist total im Kommen und Mentaltraining ist total wichtig im Fußball, aber es hat sich auf dem Feld in den vergangenen fünf Jahren sehr wenig getan. Die Vereine wissen, wir müssen da was machen, und der Trainer findet das eigentlich auch gut, aber auch nur eigentlich. Er sagt dann Sätze zur Mannschaft wie: Wir haben einen Sportpsychologen, wenn ihr ein Problem habt, wisst ihr, wo er ist. Nach dieser Anmoderation ist ein Sportpsychologe dann bei den Spielern in etwa so cool angesehen wie ein Zahnarzt. [..] Ich habe schon manchmal ein paar Wochen oder Monate durchgespielt auf Schmerzmitteln. Aber ich habe dann eine Ibuprofen am Tag genommen, nicht mehr. Gut ist das natürlich nicht, aber ich fand das in dem Maße noch erträglich. Allerdings habe ich in der Reha oft mit anderen Sportlern gesprochen. Ein Handballer, der sehr hochklassig spielt, hat mir einmal erzählt, dass sie im Trainingslager jeden Morgen erst einmal automatisch zwei Ibuprofen nehmen, damit sie über den Tag kommen. [..] Ein Fußballer hat einen großen Marktwert, deshalb setzt du nicht wegen der Leistung von morgen die ganze Karriere aufs Spiel und schmeißt ihn mit Schmerzmitteln zu. Ein Handballer dagegen hat keinen Marktwert in dem Sinne (es werden kaum Ablösesummen gezahlt; Anm. d. Red.), bei ihm ist die Leistung morgen viel wichtiger als die in drei Jahren. Es gibt sicherlich auch im Fußball Einzelfälle, wo der Einsatz von Schmerzmitteln extrem ist, aber ich glaube, es ist nicht durchgängig.“