Paul Rieth (1871–1925), Phantasmagorie
illustration from Jugend #35, 1899

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Paul Rieth (1871–1925), Phantasmagorie
illustration from Jugend #35, 1899

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Shadow/ La sombra
Unas nociones de Jung y sexualidad para mujeres reprimidas ENG-ESP
I am not going to discuss the suitability of Sigmund Freud and his advanced disciple, Carl Gustav Jung. I am not going to recommend anything of theirs for therapy, but I am going to refer to their symbolic power as a myth or fable that teaches and heals, as are the good stories of this type that we have kept since before Christ.
No voy a discutir la idoneidad de Sigmund Freud y su avanzado discĂpulo, Carl Gustav Jung. No voy a recomedar nada suyo para terapia, sino que me voy a remitir a su fuerza simbĂłlica como mito o fábula que enseña y sana, como son los buenos relatos de este tipo que guardamos desde antes de Cristo.
Phantasmagorie. -
From Jugend, 1899.
If you like crystal balls as much as I do, gaze at my collection of vintage crystal ball imagery.
Se confier Ă la lune...
Talk to the moon...

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DAS FURCHTBARSTE DEMENTI
Während der Kommune saß Blanqui als Gefangener auf dem Fort du Taureau. Dort schrieb er die »Eternite par les Astres«. Dieses Buch krönt die Phantasmagorien des Jahrhunderts mit einer letzten, kosmischen, welche insgeheim die bitterste Kritik an den andern einschließt. Die unbeholfenen Überlegungen eines Autodidakten, die den Hauptteil der Schrift ausmachen, sind die Vorbereitung einer Spekulation, die dem revolutionären Elan des Verfassers das furchtbarste Dementi erteilt. Die Ansicht vom Universum, die Blanqui in diesem Buch entwirft, zu dem er die Daten der mechanistischen Naturwissenschaft entnimmt, ist eine wahrhaft infernalische. Sie ist zugleich das Komplement der Gesellschaft, die Blanqui an seinem Lebensabend als Sieger über sich zu erkennen genötigt war. Es ist die dem Autor selbst verborgene Ironie dieses Entwurfs, in Gestalt einer rückhaltslosen Unterwerfung unter ihre Wissenschaft die furchtbarste Anklage gegen die Gesellschaft zu erheben, die jenes Weltbild als ihre Projektion an den Himmel wirft.
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Ich in der Krise meiner Kindheit MDCLXI – häusliche Gewalt
Die häusliche Gewalt ist die bedenklichste Gewalt, die kleinste, wuchernde Zelle des Desasters. Sie vermittelt ein GefĂĽhl davon, wie es ist, als man klein war. Wie es war, als ich mit ihnen eingesperrt war. Und es muss so sein, dass ich ĂĽbertreibe, wenn ich von häuslicher Gewalt spreche, denn ich war nicht eingesperrt. Und die Phantasmagorie der häuslichen Gewalt kommt nicht von innen. Sie wohnt nicht wirklich in den Wänden des eigenen Zimmers. Sie wirkt, als wäre sie nichts Eigenes.Â
Die häusliche Gewalt ist das Desaster, weil sie dich heimsucht, vielleicht ist sie schon im Haus. Sie kommt nach Hause. Von der Schicht um 16 Uhr, von der Nachtschicht um 6:30 Uhr, aus dem Salon um 19:30 Uhr. Sie ist nicht das Haus. Denn das Haus ist kein bloĂźer Ort, nicht alle seine Zimmer sind durch diese Gewalt bestimmt. Vielleicht kann diese Gewalt ĂĽberall im Haus plötzlich erscheinen, wie eine Handkante, die einen die Zunge metallen schmecken lässt. Aber sie erscheint, sie ist nicht das 'Wesen des Hauses'.Â
Ich hatte nur selten das Bedürfnis nach Flucht. Ich habe als Selbsterzählung etabliert, dass ich einst in die Wälder geflüchtet bin. Es war die andere Phantasmagorie: Das Verschwinden im Laub, im Schilf am Bachlauf, im Moos der Fichtenschonung. Ich strich beim fahlen Mondlicht um die Felder. Ich strich mit meinen Fingern über sanft sich wiegende Ähren. So sanft wie sich ein frisch gewaschener Frotteeschlafanzug an einem Sonntagmorgen anfühlt, wenn man sich gleich fast die Knie wundergescheuert hat, weil es so schön ist, dass es schmerzt. Warum aus dieser Ritze flüchten? Und wäre das Dunkel des Waldes nicht ebenso wie das Dunkel des Kellers gewesen, wo nie das Licht ausgehen durfte? Was lebte nicht alles im Wald oder unter der Kellertreppe oder in der Waschküche, in der nie das Licht an war. Es könnte mich packen, ins Dunkeln ziehen, einfach nur leicht klatschend in den Nacken fahren, um eisern zuzupacken, wenn man gerade die Kellertreppe hoch rannte, weil da ein Schatten im Augenwinkel war, der näher kam, ankam.
Aber so war es nie: Ich hätte durch den Flur flĂĽchten mĂĽssen. Und selbst dies klingt schon so mythisch aufgeladen, als wäre dies eine Flucht gewesen: Eher ein Entwischen, ein durch die TĂĽrspalten entweichen, aber keine Flucht, an deren Ende irgendein GefĂĽhl der Freiheit das Atmen leichter gemacht hätte. Auf der Flucht in Gedanken beschlich mich stets das nicht entweichenwollende GefĂĽhl, dass es nun aus ist, dass ich gar nicht weg kann, weil alles da ist, was ich brauche, um zu fliehen – das Pferdchen, die Konsole, das Bilderbuch, die Zahnstocher, das FĂĽnf-Mark-StĂĽck am Sonntag.Â
Ich hätte durch eine verschlossene Tür flüchten müssen. Manchmal wurde der Schlüssel umgedreht und dieses mechanische Geräusch, dieses Einrasten, dieses Metall auf Metall vermittelte mir, dass ich eingeschlossen war. Es war ein bloßes, meist im Schweigen aufklackendes Geräusch. Einsamkeit, traurige Einsamkeit, heulende Einsamkeit. Und dann war da dieses Bett, die Kissen, das Weiche, das Vergraben.
Ich hätte nicht durch diese TĂĽr gehen können. Sie war wie die Wut der Mutter, ja, in gewissem Sinne der Frau. Und dies ist das Unheimliche am Streit im Haus. Meine Haut spannt sich, es kribbelt, als käme ich wirklich nach Hause, als stĂĽnde dauernd etwas zwischen uns, als könnte die ganze Zeit eine Hand heruntersausen, mich treffen, ich könnte geschlagen werden, getroffen. So schmerzhaft, dass es aus ist. Plötzlich ĂĽberall seiender Schmerz. Das dĂĽrfte das Wesen der häuslichen Gewalt sein: Sie hat Dich dort heimgesucht, wo Du Dein Innerstes vermutest. Ja, gewiss könnte auch Blut austreten, aber vor allem: der Schmerz ist wirklich.Â
Und wie graute mir vor dem Sprechen danach. Ich hätte stets verschwinden wollen, nie wieder sehen, nie wieder sprechen, nicht mehr zu Hause sein, meine Zimmertür auf ewig geschlossen. So war dieses Enden der häuslichen Gewalt, und gerade im Sprechen nach der Gewalt war ihr Anfangen beschlossen. Jeder Satz danach verwirklichte, dass ich nie diese Gewalt würde vollziehen können. Nie so ohne Zweifel, nie so unmittelbar, nie so plötzlich, nie so hereinbrechend, nie so unverschämt auszeichnend – mich.
Häusliche Gewalt ist der denkbar lächerlichste Name fĂĽr dies: Ja, das Haus ist von ihr bestimmt, es liegt eine Spannung in der Luft, man huscht durch die Flure, will keine Begegnung, kein Sprechen, kein Anblicken, keinen Kommentar, kein Bellen oder Schreien. Nichts davon, nur weg. Vom Zimmer ins Badezimmer. Vielleicht auch noch in die KĂĽche. Aber man geht nicht in ihre Zimmer, in ihre Räume, deren Ränder sich durch einen Teller, zu laute Musik, einen Spruch von vorgestern plötzlich verschieben, bis tief in mein Zimmer, bis in die Stimmen in meinem Kopf. Diese Gewalt ist nicht häuslich, sie kommt auf einen zu.Â
In mir, an meinem Leib fühlt es sich so aufgeregt an, zum Verwechseln ähnlich mit jener Aufgeregtheit, als würde man etwas Schönes empfangen. Es ist eine ambige Aufregung, eine Erregung, die sich auch so weich anfühlt, als durchströmte bald die Genitalien frisches Blut, als blähten sich dort die Adern so, als richteten sich die Härchen auf, als fühlte ich das Unheimliche von innen.
Vielleicht kĂĽhlt es ab, wenn ich es Phantasmagorie nenne, wenn es irgendwie begriffen ist von Worten und Sätzen, die es erzählen. Dann wendet sich das Innen, wird AuĂźen, wird erst etwas, was mir entgegenkommt. Das Unheimliche als etwas, als plötzliches Erscheinen, als Illuminieren der inneren und äuĂźeren Ohnmacht, diese Gewalt widerfährt Dir, sie wird sich nicht als das wohl Bestimmte zu erkennen geben. Dann hätte ich mich zu aktiv gedacht, hätte mich souverän gedacht. Das liegt aber unter so vielen Bildern der Erniedrigung, dass ich darunter nicht mehr komme. Und diese Bilder stammen aus Räumen des Hauses. Wir wohnten ein ganzes Leben in einem Haus miteinander.Â
Ich hätte diese Bilder gerne literarisch verfertigt, aber ich mag es nicht. Diese Bilder wirken nur taufrisch, nicht so, als wären sie schon diese Bilder, als hätten sie sich so wohl geschieden. Sie könnten vielleicht schockieren, sie könnten etwas grell anleuchten, aber sie hätten nie diese Gewalt einer Behausung, einer von so vielen Mündern gesprochenen Nacktheit der Ohnmacht, die grell aufleuchtet und vergeht. Der Begriff der häuslichen Gewalt ist eine Verdinglichung.