Midemlab: Hardware & Internet Of Things
In der dritten von drei Pitch-Sessions des Midemlab auf der diesjährigen Midem, stellten sich Startups zu den Themen Hardware und Internet Of Things vor.
VideoStitch
Den Anfang machte das französische Startup VideoStitch, das fünf modifizierte GoPro-Kameras um das Ende eines Stativs gebunden hat (keine Sorge, mehr Kameras sind möglich), und somit ein virtuelles 3D-Livevideo mit 360°-Rundumblick erzeugt, das durch eine Oculus Rift gezeigt werden kann. Dadurch kann man beispielsweise als Oculus-Ruft-Träger mit auf der Bühne während eines Konzertes stehen. Und das war es auch schon, für rund 8.000 US-Dollar pro Gerät. Geld verdienen will VideoStitch aber auch mit Software für das 360°-3D-Livevideoerlebnis. Die Jury wirkte etwas unbeeindruckt. Vielleicht lag es daran, dass jemand fünf modifizierte GoPro-Kameras um das Ende eines Stativs gebunden hat.
Trak
Das französische Startup Trak ist so eine Art festes Material gewordenes Shazam. Es bietet ein Wearable-Armband für 79 Euro an, dass sämtliche Musik trackt, die Nutzer hören, während sie das Armband tragen. Nach einem langen Tag voller Musik hat man dann die gesamte Musik des Tages in einer Playlist versammelt (zurzeit können bis zu 40 Lieder gespeichert werden). Dafür, dass es am Anfang sogar für 49 Euro gekauft werden kann, gab es voreiligen Applaus vom Publikum. Später möchte Trak durch an einen Anteil an den Transaktionen, die mit dem Armband getätigt werden, Geld verdienen. Neben dem Kauf von Musik kann das an sich jede Art von drahtloser Bezahlung sein, beispielsweise auch das Bezahlen von Getränken auf Festivals. Die Jury zeigte sich ebenfalls begeistert, vor allem aber wegen dem Wearable an sich. Sicherlich auch, da dieses Startup nahezu von Shazam aufgekauft werden muss. Trak war bisher das einzige Startup beim Midemlab, dass nahezu garantiert Gewinne für Investoren darstellt.
FretX
So richtig kann ich gar nicht erklären, was FretX ist. Es sieht aus wie ein Stück zerschnittener Lappen, den man sich irgendwie auf die Saiten seiner Gitarre heftet und dadurch eine Verbindung zu einem Lernvideo erstellt. Ja, ich weiß. Mir fällt es wirklich schwer das Produkt des französischen Startups aus Labana zu erklären. Der Jury gefällt es aber offenbar, auch wenn sie noch nicht überzeugt ist, dass Leute diesen Weg wählen werden, um Lieder auf der Gitarre zu lernen. Schaut euch doch einfach das Video an:
Hooke
Das US-amerikanische Startup Hooke startet wieder mit einem Vergleich: sie wollen das GoPro für Sound bauen. Im Grunde handelt es sich um ein Paar Kopfhörer, das gleichzeitig den uns umgebenden Sound in 3D aufzeichnet. Die Verbindung einer vollkommen neuen Art Geräusche aufzunehmen mit beinahe als Alltagsgegenstand anzusehenden Kopfhörern ist wirklich beeindruckend, die Anwendungsmöglichkeiten sind nahezu unbegrenzt – vom realistischen Geräusch einer Unterhaltung in einem Podcast bis hin zum Geräusch in der Kurve eines Fußballstadions. Sound wird so definitiv wesentlicher erlebbarer. Ich habe mich erst vor wenigen Tagen mit dem Hamburger Startup Audioguide.me darüber unterhalten. Sie sind vom 3D-Sound begeistert (sucht mal Videos dazu auf YouTube und schaut sie mit Kopfhörern) und ein Paar Kopfhörer von Hooke werden sie lieben. Die Jury wirkte so, als ob ihr nur die Verbesserung der Technologie als zukünftige Entwicklung zu wenig wäre, aber das sie es hier mit einem interessanten Projekt zu tun haben, war wohl allen klar.
Lucie Labs
Lucie Labs aus Frankreich hat ebenfalls ein smartes Armband hergestellt, nur dass das Wearable diesmal den Nutzern helfen soll, ein Liveerlebnis noch besser zu erleben. Quasi Augmented Experience vom eigenen Armband ausgehend, während man beispielsweise auf einem Konzert ist. Was heißt das? Die Musiker können die Armbänder als Teil ihrer Leuchtshow benutzen – sie blinken zum Beat. Und mehr können sie auch nicht, nur leuchten. Das Armband wird 25 US-Dollar kosten und zusammen mit Konzerttickets verkauft, mit der Nutzung des Services möchte das Unternehmen weitere Einnahmen erzielen. Die Jury schien, wer mag es ihnen verdenken, nicht sehr begeistert zu sein.
Rescued Ideas
Drittes Armband beim Midemlab ist das "The Basslet" vom Berliner Startup Rescued Ideas, das einem als Nutzer Musik in 3D erleben lässt. Keine Sorge, das ist weniger schmerzhaft als der berüchtigte Musikknochen im Ellenbogen, aber laut dem im Pitch gezeigten Video ein ebenso prägendes Erlebnis – nur eben mit einem Lächeln auf den Lippen. Im Grunde kann jedes Geräusch in ein haptisches Gefühl umgewandelt werden, das Geschäft kann sich also auch einmal von der Musik wegbewegen. Aber das ist Zukunftsmusik. Erst einmal soll durch den Verkauf des Armbands Geld verdienen werden, die Technologie kann auch mit Kopfhörern und Smartphones zusammen gedacht werden. "Pretty fucking awesome" war dann auch das erste Fazit der Jury. Es sieht so als, als ob Rescued Ideas als einziges deutsches Startup beim Midemlab 2015, den beiden Berliner Vorjahressiegern als diesjähriger Gewinner folgen könnte.
Immersive Album
3D, 360° und interaktives Audio scheint ein bereits relativ breiter Trend in der digitalen Musikbranche zu sein. Auch das britische Startup Immersive Album setzt darauf und arbeitet an einer Plattform genau dafür. Im Pitchvideo gab es deshalb schon diverse Testimonials von Branchengrößen. Die Technologie scheint in ihren Features riesig zu sein. Keine Ahnung, was die hier noch auf der Bühne machen. Demnächst wird wohl jedes zweite Plattenlabel zu den Kunden gehören, denn durch Immersive Album wird eine vollkommen neue Form der Interaktion mit den Fans möglich sein. Die erste Frage der Jury war dann auch, was sie hier noch wollen. Im erster Linie wohl um Profil zu gewinnen, und Kunden zu gewinnen, sicherlich aber auch wegen dem tollen Wetter in Cannes. Irgendwie ist es klar, dass Immersive Album zu den Gewinnern des Midemlab gehören werden, andererseits wäre das auch Schade, denn ein den Push in der Entwicklung nötiger habendes Startup wird wohl auf die Plätze verwiesen werden.
Belleds Technologies
MIT-Student Michael Chen vom US-amerikanischen Startup Belleds Technologies präsentiert "The Q", ein smartes Audio- und Lichtsystem. Das bedeutet, dass sich das Licht dem Beat der Musik anpasst – es leuchtet dann ganz aufgeregt. Neben dem vermeintlichen Spaß von bunten Lichtern und lauter Musik wird wohl auch Strom gespart… Es tut mir leid, aber ich sehe da überhaupt nichts in diesen "The Q" genannten Glühbirnen. Was soll das? Wieso wurde jemand dafür von Boston nach Cannes eingeladen? Noch mehr erschreckt mich, dass es wohl Airbnb-Vermieter gibt, die Verträge mit Belleds Technologies haben und "The Q" in ihre Wohnung integrieren. Vielleicht sollte ich doch wieder öfters ganz klassisch in ein Hotel gehen. Nur zur Sicherheit. Seltsam, dass die Jury wesentlicher gnädiger als ich war und dem Produkt sogar was abgewinnen konnte.
Phonotonic
Schon wieder ein Startup aus Frankreich: Phonotonic. In der Hardware-Kategorie gibt es erstaunlich viele französische Startups. Und dieses hier weiß wirklich zu beeindrucken: der vieleckige Würfel wandelt via die App sämtliche Bewegung in Sound um. Das muss man vielleicht gesehen haben, aber mit nur wenigen Bewegungen entstand ein toller Sound. Bei einem zu erwartenden Preis von 79,90 Euro und einer Freemium-App muss eigentlich nicht mehr viel gesagt werden. Shut up and take my money! Die Jury zeigte sich sehr neugierig auf Phonotonic. Verständlich. Zurzeit sind die Lager wohl alle (auch verständlich), aber bis Weihnachten soll es den Würfel wieder geben.
Prizm
Prizm also. Man könnte sich heutzutage auch einen anderen Namen geben. Stoierhinterziehung vielleicht. Oder so. Naja, vielleicht auch was, mit weniger Nähe zu unbeliebten Themen. Vielleicht ist die Überwachung durch US-Geheimdienste aber auch kein so großes Thema in Frankreich oder ein französischer Jan Böhmermann hat den Begriff noch nicht durch Satire weiter abgewertet. Aber ich schweife ab. Zurück zum Pitch des Startup Prizm, das seinen Nutzern automatisch Musik vorspielen will, die zum Kontext und dem der Leute in der Nähe passt. Das Gerät versucht also zu raten, und das bei mehreren Leuten, welche Musik jetzt passen würde und spielt sie automatisch ab. Dies können auch noch für den Nutzer unbekannte Lieder sein, wodurch Streaming- und Musik-Plattformen Zulauf haben könnten. Die Nachfragen der Jury zeigten dann, dass das Startup beim Lernverhalten noch aufholen muss, was ihnen aber bewusst ist. Chancenlos sind sie sicherlich hier nicht. Ich bin gespannt, wie der Verkaufsstart im Oktober anläuft.













