Die NaivitÀt des Kurt Beck (SPD) und der Handel mit Adressdaten
Ich habe gerade ein Interview des Deutschlandfunks mit Kurt Beck (SPD) gehört. Viel naiver und unwissender kann man doch gar nicht sein. Solche Leute entscheiden mit ĂŒber Gesetze die unser aller Leben nachhaltig beeinflussen?
Ich finde die Ambitionen von Kurt Beck, sich fĂŒr Datenschutz einzusetzen ja, sehr lobenswert (Mir fehlt hier ein Ironiebutton).
Aber kommt das nicht ein wenig spĂ€t? Erst nachdem das "Gesetz zur Fortentwicklung des Meldewesens" durch den Bundestag geflutscht ist (in rekordverdĂ€chtigen 57 Sekunden!!! ), fĂ€llt dem MinisterprĂ€sidenten ein, dass der Schutz der Daten der BĂŒrger ja durchaus wichtig sein könnte (Sind wir schon im Wahlkampf? Hat ihm das einer seiner Berater zugeflĂŒstert?).
Warum musste das Meldegesetz den erst mal so geschrieben werden? HÀtte man es nicht gleich ordentlich schreiben können?  Warum steht dort nicht drin:
âDie Weitergabe von Meldedaten ist grundsĂ€tzlich untersagt.â
Kurz und bĂŒndig. NatĂŒrlich gehören rechtsstaatliche AnlĂ€sse noch sauber formuliert.
Und die naive Aussage von Kurt Beck, das es keinen Adresshandel (Listbroker, Adressbroker) geben darf, ist doch Humbug. Adresshandel ist ein MilliardengeschÀft. Auch in Deutschland. Und auch die MeldeÀmter verdienen dort mit. Allein Schober hat im Jahr 2008 140 Millionen Eur mit gesammelten Daten verdient (stern.de) und Bertelsmann machte 2008 mit Direktmarketing 5,2 Mrd. Eur Umsatz in Deutschland (bundeskartellamt.de).
Vielleicht hilft ja der Wahlkampf jetzt die richtigen Weichen zu stellen und den staatlichen Adresshandel zu unterbinden. Denn hier kann ich nicht selber entscheiden ob ich meine Daten herausgebe. Beim Meldeamt MUSS ich mich melden. Mit meinem Namen und meiner Adresse.
Bei allen anderen gebe ich meine Daten (mehr oder weniger) freiwillig ab.
UPDATE: 21.09.2012 | Der Bundesrat hat das Gesetz in der aktuellen Form abgeleht.
Warum es ĂŒberhaupt so im Bundestag angekommen ist, erklĂ€rt sich daraus aber immer noch nicht. Welche Lobby hat denn dort krĂ€ftig nachgeholfen?