Auszug aus einer Geschichte
(...) Nur schwerfällig schaffte er es sich auf der Pritsche aufzusetzen. Sein Rücken und die Schulter schmerzten, genauso wie das rechtes Bein, wenn auch nicht mehr ganz so heftig wie zuvor im Wald. Sein besorgter, musternder Blick wanderte durch den Raum, über die Gitterstäbe des Käfigs, indessen er sich befand. Ein vertrauter Anblick, den er aus der Barackenstadt kannte. Seine Zelle dort war jedoch nicht im Ansatz so luxuriös ausgestattet gewesen, wie diese hier. Er hatte dort nie auf einem Feldbett gelegen, mit Decke und Kissen. In der linken Ecke stand sogar ein Eimer mit Wasserschüssel und Handtuch. Wer diese seltsamen Hirten auch waren, sie behandelten ihn offenbar wie einen Gefangenen und nicht wie ein Tier. Er war anderes gewohnt und fühlte sich ob dieser ungeahnten Bequemlichkeiten verunsichert. Was bezweckten sie mit dieser fast schon gastfreundlichen Art der Unterbringung? Wenn sie wirklich wussten, was er war und davon ging er nach ihrer Unterhaltung im Wald aus, warum gingen sie ein solches Risiko ein? Ihn am Leben zu lassen musste kaum einen Vorteil für sie haben. Zumal der Käfig, in welchem er fest saß, alt und ausrangiert schien. Die Straf-Behausung hatte schon bessere Zeiten gesehen, wahrscheinlich stammte sie noch aus der Vorkriegszeit, was den Rost und die abgeblätterte Farbe erklärten. Der Käfig selbst war gigantisch, vom Boden reichten die braun und grünlich angelaufenen Gitterstäbe fast bis zur Decke. Er saß in einem perfekten Würfel gefangen, vier Meter lang, hoch und breit. Die Zelle, die er zuvor sein Zuhause nannte, war ein Witz hiergegen.
Big Bad Wolf & Little Lamb – Kapitel 2 © Yona (MirrorBeast)














