Hi, ich bin 13 und habe darĂŒber nachgedacht, ob ich bi bin oder nicht. Ich bin ein MĂ€dchen und ich identifiziere mich auch so, aber worĂŒber ich mir nicht sicher bin ist, ob ich hetero bin und mir nur was einbilde, oder bi, oder einfach lesbisch und es nicht wahr haben will, oder irgendwas anderes, von dem ich nichts weiĂ. Ohmaannn, es ist alles so seltsam. Wie kann ich herausfinden, was ich bin?
 Frage eingereicht von Anonym
 Es ist verwirrend, nicht wahr? Uns werden diese Symbole in Buchstabenform gegeben, damit wir sie so zusammenmischen, dass sie uns und anderen Menschen Millionen von GefĂŒhlen erklĂ€ren, aber nicht immer âpassenâ sie. Also, ich mag Buchstaben und Wörter, und ich glaube, sie geben uns unglaubliche Möglichkeiten, unsere GefĂŒhle zu verarbeiten. Zum Beispiel ist es sehr hilfreich fĂŒr mich, sagen zu können: âIch heiĂe Kristin und Demi Lovato hat sich geoutet als nicht-hetero und das fĂŒhlt sich fĂŒr mich EINFACH ZAUBERHAFT an.â
 Ich weiĂ schon, dass du mich nicht nach meinen GefĂŒhlen bezĂŒglich Demi Lovato gefragt hast, aber ich glaube, dass das wichtig ist. Hör mir zu. Jetzt gerade, im Jahr 2017, nenne ich mich selbst bisexuell, weil ich weiĂ, dass ich in der Lage bin, mehr als nur ein Geschlecht attraktiv zu finden. Ich nenne mich auch queer, weil ich das Wort liebe und es so unendliche viele Möglichkeiten bietet. In den vergangenen Jahren habe ich mich als Lesbe identifiziert, weil ich noch nicht alle meine Vorlieben vollstĂ€ndig verstanden hatte (tun wir das je?). Aber ich wusste, dass ich mich in den frĂŒhen 2000ern in der âLesbenkulturâ zuhause fĂŒhlte (denk an The L Word, Fedoras, Nadelstreifen und Lip Gloss). Ich habe im Laufe der Jahre viele Wörter benutzt, um mich durch meine verschiedenen SelbstverstĂ€ndnisse zu bewegen, aber eine Sache ist immer wahr geblieben: Wenn ich denke, dass ein MĂ€dchen schön ist (und vor allen, wenn dieses MĂ€dchen gerne andere MĂ€dchen kĂŒsst), fĂŒhlt sich das EINFACH ZAUBERHAFT an.
 Es gibt nicht wirklich ein Wort fĂŒr dieses GefĂŒhl, das ich schon habe seit ich mich erinnern kann. Es ist ein GefĂŒhl, das ich schon hatte, bevor ich ĂŒberhaupt wusste, dass ich es hatte, aber es hat auch sehr lange gedauert, bis ich es verstanden habe.
 Als ich 13 war, hatte ich eine beste Freundin namens Katie. Sie war superlustig und laut und stark und ihre Haare glĂ€nzten immer und rochen nach diesem einen unglaublich leckeren Conditioner, dessen Namen ich nicht mehr weiĂ, aber er kam aus einer blauen Plastikflasche. Ich habe nicht daran gedacht, Katie zu kĂŒssen, wirklich nie. Ich dachte daran, Jungs zu daten (das schien interessant zu sein). Und an diese Arschloch-Lehrkraft, die mich immer dazu zwang, meinen Kaugummi auszuspucken, selbst wenn es niemanden störte (furchtbar). Und wie sehr ich Musik liebte (sie gab mir das GefĂŒhl, alles schaffen zu können). Und wie ich meine Haare in Knallfarben fĂ€rben wollte (was natĂŒrlich meine Eltern schon wieder nicht erlaubt haben). Wenn ich an meine Freundschaft mit Katie zurĂŒckblicke, kann ich inzwischen ZusammenhĂ€nge erkennen zu der Art und Weise, wie ich ĂŒber sie und ihre Haare fĂŒhlte, und warum ich alles tat, nur um den gleichen Conditioner wie sie zu benutzen, damit ich diesen wunderbaren Duft die ganze Zeit riechen konnte⊠Aber das liegt daran, dass ich jetzt 36 Jahre alt bin und eine Ehefrau habe und eine Katze und eine lange Geschichte von Verliebtsein und Dating und Sich-Fragen und -Wundern â und das ist das, was du jetzt tust!
 *trĂ€llert âEin ewiger Kreisâ*
 Ein Versprechen kann ich dir geben: Du bildest es dir nicht ein. Wenn du verwirrende GefĂŒhle hast, wenn es um Menschen verschiedener Geschlechter geht, dann ist das auch wirklich so: Du hast verwirrende GefĂŒhle bezĂŒglich Menschen unterschiedlicher Geschlechter! Ich lehn mich jetzt mal so weit aus dem Fenster zu sagen, dass das waaaaaaaahrscheinlich bedeutet, dass du nicht zu 100000000% hetero bist, und dass sich das auch sehr wahrscheinlich verĂ€ndern und verschieben wird, wĂ€hrend du wĂ€chst. Und ich werd jetzt nicht anfangen mit irgendeinem âDu-bist-13-und-der-ganze-ScheiĂ-wird-noch-anders-du-bist-jetzt-jungâ â Quatsch. Sondern ich sage, dass deine Vorlieben und Begehren sich immer wieder verĂ€ndern werden.
 Ein Teil unserer IdentitĂ€t ist das Sich-Fragen. Willst du das MĂ€del aus dem Chemieunterricht kĂŒssen? Cool! An dem Punkt war ich auch schon. Willst du die Hand des Jungen halten, der drei HĂ€user weiter wohnt? Macht absolut Sinn. Willst du kuscheln mit der nichtbinĂ€ren Person, die in dem Coffeeshop in deiner NĂ€he arbeitet? Huuui, das versteh ich total. FĂŒr den Moment bedeutet das vielleicht, dass du dich fĂŒr die Bezeichnung âbisexuellâ entscheidest. Selbst wenn du dieses MĂ€del aus der Schule kĂŒsst und es sich nicht wie ein Feuerwerk anfĂŒhlt, kannst du dich immer noch bisexuell nennen! Und hey, wenn du plötzlich merkst, dass du gar nicht auf mehr als nur ein Geschlecht stehst? DAS IST OKAY! Es bedeutet nicht, dass du dich zuvor selbst belogen hast ĂŒber deine eigenen GefĂŒhle, sondern einfach nur, dass du eine Offenheit fĂŒr mehrere Möglichkeiten hast, die da drauĂen, in dieser krassen Welt existieren.
 Bevor ich jetzt abhaue und dich mit all den verwirrenden GefĂŒhlen des Lebens zurĂŒcklasse, lass mich noch zwei Dinge tun, die dir durch dieses Labyrinth helfen sollen (Wir alle mĂŒssen da durch! Wirklich!).
 Zuerst lass uns deine Frage in drei kleine Teile teilen:
 Wie weiĂt du, wie du dich *nennen* sollst?
Ich glaube, die meisten von uns suchen sich ein Wort aus, das irgendwie ansatzweise passt und verĂ€ndern es dann mit der Zeit, wenn wir etwas Passenderes finden. Es ist okay, das zu tun, und es ist nicht âum Aufmerksamkeit zu bekommenâ oder âdich selbst oder sonstwen belĂŒgenâ. Du probierst nur Worte aus, um deine IdentitĂ€t zu beschreiben und schaust, wie sie sich anfĂŒhlen.
 Woher weiĂt du, dass du dich nicht selbst belĂŒgst?
Nunja, du hast anonym eine Ratgeberseite angeschrieben, um mehr ĂŒber deine GefĂŒhle herauszufinden. Das ist nicht das typische Verhalten einer Person, die sich selbst in Bezug auf ihre GefĂŒhle belĂŒgt⊠Es ist das typische Verhalten von jemandem, der sehr echte GefĂŒhle hat und sich diese ordnen will. Vertraue auf deine GefĂŒhle. Die Welt hier drauĂen wird versuchen dir zu sagen, dass du ihnen nicht vertrauen sollst, vor allem wenn du ein MĂ€dchen bist, und das ist ein Riesen Berg Bullllllllshitttttttt. Deine GefĂŒhle sind echt. Verdammt verwirrend, klar, aber echt.
 Woher weiĂt du, was du bist?
Du bist du. Ich weiĂ schon, mein Nebenjob scheint es zu sein, GruĂkarten zu schreiben⊠ABER ES STIMMT. Du bist du, und jetzt gerade hat dieses Du verwirrende GefĂŒhle ĂŒber Vorlieben und SexualitĂ€t und IdentitĂ€t. Manche davon werden immer verwirrend bleiben, und manche werden sich mit der Zeit festigen. Jetzt im Moment, erforsche diese GefĂŒhle. Schreib sie auf. Denk daran, dir selbst zu vertrauen. Und denk daran, das du mehr als nur eine Sache sein kannst (zur gleichen Zeit! Zu unterschiedlichen Zeitpunkten! Ahhhh!).
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Und als Zweites etwas Musik. Ich habe vorhin erwĂ€hnt, dass Musik mir das GefĂŒhl gegeben hat, alles schaffen zu können, als ich 13 war. Sie gibt mir noch immer dieses GefĂŒhl. Und sie hilft mir auch, mich einer Welt zu stellen, die mir sagt, an mir selbst und meinen GefĂŒhlen zu zweifeln. Musik hilft mir, mich diesen verwirrenden GefĂŒhlen zu stellen und zu sagen: âVerpiss dich, Welt, ich kann etwas anderes sein als das, was du erwartest. Ich kann mich verĂ€ndern. Ich kann eine Million Dinge auf einmal sein, und ich muss mich nicht fĂŒr eins entscheiden und ich muss mich auch nicht dafĂŒr entschuldigen.â
 Letzte Woche hab ich alle meine Internet-friends nach Songs gefragt, die ihnen das GefĂŒhl geben alles schaffen zu können, was immer sie wollen, und so haben wir zusammen dieses Mixtape [auf Spotify] fĂŒr dich zusammengestellt. Wenn du diesen Zweifel aufkommen fĂŒhlst, setz deine Kopfhörer auf. Und denk dran, dass du bist, wer du sagst, dass du bist, und selbst wenn das bedeutet *nicht genau zu wissen wer du bist*, und wer immer das in Frage stellt, KANN DICH MAL.
https://open.spotify.com/user/everyoneisgaymusic/playlist/2Cemyf75GJgI41akJa4oCo
Cover von Isabella Rotman!
 [ ĂŒbersetzt von Anna (M) ]
Originaltext: http://everyoneisgay.com/ive-got-stripes-too/