Januar bis März 2023
Ich will zurück ins IRC, da war das alles schon vor vierzig Jahren gelöst
Mitte Januar merke ich, dass man in Slack nicht mehr die gesamte Konversation der letzten Jahre sehen kann. Die nicht-zahlende Kundschaft darf nur noch die letzten 90 Tage sehen. Ich ärgere mich, denn ich habe seit 2014 in fünf Projekten mit Slack gearbeitet und möchte die Gespräche zu diesen Themen gern behalten und durchsuchen können. Ich ärgere mich noch mehr, weil ich das Problem mit den Logfiles schon kenne und mich trotzdem nicht rechtzeitig ums Archivieren der Slack-Nachrichten gekümmert habe.
Am 29. Januar entscheide mich, den kostenlosen Probemonat in Anspruch zu nehmen und in dieser Zeit meine Logfiles aus den Slack-Projekten der letzten Jahre runterzuladen. Nicht aus allen, drei von den fünf sind mir egal (vielleicht auch einfach schon zu lange her), aber die letzten beiden waren interessant und wichtig. Danach unternehme ich erst mal nichts, denn vorerst habe ich mich genug geärgert, und ein Monat ist lang.
Als Nächstes geschieht dreißig Tage lang gar nichts, außer dass ich mich gelegentlich ärgere, weil ich schon genau weiß, dass es so laufen wird.
Am 9. März, eine Woche nach Ablauf des Gratis-Probemonats, sehe ich zufällig eine Nachricht von Slack, dass ich überraschenderweise doch noch drei Tage Zeit für den Download habe. Ich beginne sofort mit dem Exportieren der Logfiles.
Dabei finde ich heraus:
Auch in der Bezahlversion kann man nur die öffentlichen Chats exportieren, nicht die Gespräche, die man zu zweit geführt hat.
Dieser Export hat die Form vieler winziger JSON-Dateien, in denen das Gespräch auf für Menschen, naja, zwar technisch lesbare Weise archiviert ist. Die Darstellung ist aber so unkomfortabel, dass ich darin ganz bestimmt nie was nachlesen werde.
Für die privaten Chats gibt es nur eine Lösung: Man scrollt geduldig ganz an den Anfang, markiert das erste Wort, scrollt geduldig ganz ans Ende, markiert den gesamten Chat und kopiert ihn in ein Textdokument.
Danach hat man den Chat in lesbarer Form. Die Namen der Beteiligten kommen aber beim Kopieren nicht mit. Das heiĂźt, es steht nicht dran, wer was gesagt hat.
Nachdem ich auf diese Art mĂĽhsam ein Slack-Projekt archiviert habe, will ich mit dem zweiten beginnen. Bei dem ist die Frist aber bereits abgelaufen. Ich schreie im Techniktagebuch-Redaktionschat herum:
Wer dauerhafte Archive von irgendwas haben will: NEHMT NICHT SLACK
dagegen ist diese Gratisfacebookhölle* hier ein Paradies des Archivkomforts
UND HIER IST ES SCHON MIST**
ich will zurück ins IRC, da war das alles schon vor vierzig*** Jahren gelöst
* der Facebook Messenger
** Im Affekt geschrien. Das Archivieren von Chats im Facebook Messenger ist nicht mehr so schlimm wie 2015 oder 2016. Eigentlich sogar ganz erträglich inzwischen. Beinahe gut.
*** IRC gibt es seit 1988, und ich war zwar damals noch nicht dabei, nehme aber an, dass die sehr gute Logfile-Archivierungsfunktion von Anfang an existierte. Also 35 Jahre.
Dann beruhige ich mich wieder, schreibe diesen Beitrag und beschließe, nie wieder was mit Slack zu machen. Ich habe grundsätzlich gar nichts dagegen, für solche Dienste zu bezahlen. Ich hätte es in dem Fall ungern getan, weil mich Slack auch an anderen Stellen ärgert, vor allem durch seine umständlichen und (für mich) undurchschaubaren Loginprozesse. Aber vollständige und lesbare Archive finde ich schon bei kostenlosen Angeboten die Mindestvoraussetzung. Und hier bekäme man sie ja nicht mal für Geld.
(Kathrin Passig)












