27. Januar 2025, mit langer Vorgeschichte
Der Chat muss umziehen! Diesmal aber wirklich
Im GrĂŒndungsjahr des Techniktagebuchs, 2014, war der Facebook Messenger ein naheliegender Ort fĂŒr den Redaktionschat, denn dort waren damals ungefĂ€hr alle. AuĂerdem gab es in dem Sinn keine Entscheidung fĂŒr den Redaktionschat, zuerst waren wir zu zweit, dann zu dritt, und der Rest hat sich so ergeben.
In den Anfangsjahren war der Facebook-Chat ein AnhĂ€ngsel der Gesamt-Facebook-Seite. Ich weiĂ es zum Aufschreibezeitpunkt 2025 nicht mehr, aber es könnte sein, dass er wirklich nur in winzigen Fensterchen unten am Rand der Facebook-Seite stattfand. Die separate Seite messenger.com, in der man alle Chats ohne das ĂŒbrige Facebook sehen konnte, gab es erst ab Mai 2015.
Schon 2017 war Facebook ziemlich unbeliebt. Ich glaube aber, diese Abneigung erstreckte sich damals noch nicht auf den separaten Messenger.
Im November 2019 stimmen wir dann zum ersten Mal ĂŒber einen möglichen Umzug des Redaktions-Chats ab. Und zwar im "Systemisches Konsensieren"-Verfahren, bei dem statt Zustimmung Widerstand gemessen wird. Deshalb geht es im Folgenden immer um Minuspunkte:
"Am unbeliebtesten ist die bezahlte Slack-Version mit 193 Punkten, gefolgt von Threema mit 188, WhatsApp mit 157. Telegram ist etwas weniger unbeliebt (91 Punkte) und die kostenlose Slack-Version, bei der man keine Chatlogs bekommt, schon fast konkurrenzfĂ€hig mit 73 Punkten. Die Option âFacebook-Messenger weiterverwenden wie bisherâ ist mit 65 Punkten die am wenigsten unbeliebte, also machen wir das."
Im Dezember 2020 folgt die nÀchste Abstimmung. Beinahe wÀre sie zugunsten von Discord ausgegangen, knapp aber doch nicht:
"Am unbeliebtesten ist das bezahlte Slack (128 Punkte), gefolgt von Threema (117), WhatsApp (108), Teams (93), Telegram (92), Signal (82) und Slack kostenlos (68). Discord liegt mit 60 Punkten jetzt am nÀchsten am Facebook Messenger, der sich mit 57 Punkten knapp weiterhin durchsetzt."
Dann passiert lange nichts, und das ist vor allem meine Schuld. Irgendjemand, vielleicht auch mehr als eine Person, hat nĂ€mlich völlig zu Recht eingewendet, dass man schlecht ĂŒber den Facebook Messenger zur Abstimmung einladen kann, weil damit genau die, die ihn nicht benutzen wollen, gar nichts von der Abstimmung erfahren. Einen anderen Kontaktkanal gibt es aber nicht.
Ich glaube, ich habe insgesamt drei Mal Listen der Mailadressen und anderen Kontaktmöglichkeiten der TT-Autor*innen angelegt und zwei Mal die Liste, bevor es zu einer Abstimmung kam, wieder verschusselt. Noch viel öfter habe ich gedacht, dass das aber jetzt wirklich dringend mal gemacht werden mĂŒsste. Als Gregor Meyer diesen langen Beitrag ĂŒber seine Probleme mit dem Redaktions-Chat geschrieben hat, war ich zum Beispiel mal ziemlich motiviert. Trotzdem wurde nichts draus.
Am 7. Januar 2025 verlinkt Thomas Wiegold diesen Artikel "Meta to End Fact-Checking Program in Shift Ahead of Trump Term" und fragt "Wieder Zeit fĂŒr neue Chatsuche?" Und diesmal gelingt es mir wirklich, die Einladungsliste anzulegen. Es ist keine Liste aller Autor*innen seit 2014, aber sie enthĂ€lt die Kontaktdaten von allen, die im Jahr 2024 mindestens einen Beitrag (und insgesamt mindestens drei) geschrieben haben.
29 Personen, die sowieso schon im vorhandenen Chat sind und einfach dort zur Abstimmung eingeladen werden können
13 Personen, deren Mailadressen ich entweder schon hatte oder den Gastbeitrags-Benachrichtigungsmails von Tumblr entnehmen konnte
3, die den Facebook Messenger nutzen, aber nicht im Redaktionschat sind
3 Personen, denen ich bei Telegram Bescheid sage
2 Personen, die ich bei Mastodon erreiche
2 Personen, von denen ich WhatsApp-Kontaktdaten habe.
(Wer jetzt denkt: "da steht aber unpraktisch oft 'ich' in dieser AufzĂ€hlung", hat völlig recht. Eigentlich brĂ€uchten wir eine ordentliche Liste, die nicht davon abhĂ€ngt, von wem ich zufĂ€llig Kontaktdaten habe. Jemand mĂŒsste das mal organisieren.)
Insgesamt sind es 52 Stimmberechtigte, von denen sich 29 an der Wahl beteiligen und in einem Google Spreadsheet maximal zehn Minuspunkte fĂŒr jeden Messenger abgeben können.
Ergebnis nach einer Woche Abstimmzeit: Am unbeliebtesten ist Telegram mit 191 Gegenstimmen, gefolgt vom Facebook Messenger (190), Slack in der kostenlosen Version (186), Teams (183) und WhatsApp (160). Im Mittelfeld liegen Threema (144), Google Chat (129) und Fairchat (107). Signal verliert am Ende mit 79 Gegenstimmen knapp gegen Discord (72). Wir ziehen am selben Tag zu Discord um.
Ich habe zum Aufschreibezeitpunkt immer noch ein dauerhaft geöffnetes Facebook-Messenger-Tab im Browser. Eine Freundin will dort auf keinen Fall weg, und auch in anderen Chats kleckert immer noch ein bisschen was nach. Aber meine Nutzungszeit ist von ganztags (wegen des Redaktions-Chats) auf vielleicht einmal tĂ€glich gesunken, und ich bin zuversichtlich, dass ich das Tab demnĂ€chst ganz schlieĂen können werde.