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@staff⊠maybe it would be better to review whoâs advertising through the site and what their adverts are doing: just got an ad on mobile for an oil change company that triggered a request to access my location data, ostensibly so that it could suggest a close-by location at which to use the coupon contained within the ad.
And I would rather not allow that, please!
15. August 2018
Der Wille zur Verirrung ist stÀrker als jede Technik
Ich mache mich auf den Weg zu einer semiberuflichen Verabredung. Sie soll in den RĂ€umen eines groĂen Telekommunikationsunternehmens stattfinden. Im Facebook Messenger habe ich Name und Adresse bekommen. Ich gebe die Adresse, Beispielweg 71, in Google Maps ein und sehe, dass es so ist, wie ich vermutet habe: Ich war dort schon mal und weiĂ, wo ich hin muss.
Ich fahre hin, sehe kurz vor der Ankunft noch mal auf die Karte wegen des Feintunings, parke dann mein Fahrrad vor dem GebĂ€ude des groĂen Telekommunikationsunternehmens und schreibe eine Nachricht:
Ich: bin vor dem Haus, kommst du runter oder soll ich rauf? N: Komme runter
Einige Minuten spÀter:
N: Wo? Ich: Àhm Ich: ich vergleiche noch mal mit Maps
Ich sehe auf der Karte den Punkt, der ich bin, am selben Ort wie die Markierung der vorhin gesuchten Adresse.
Ich: also ich bin da, wo auch der Beispielweg 71 ist.
Weil es geht, teile ich im Messenger auch gleich meinen Standort.
Ich kontrolliere in der Messenger-Kartenansicht noch mal, ob dort wirklich der richtige StraĂenname steht. Jetzt macht sich erstmals die RealitĂ€t bemerkbar: Der Beispielweg ist nirgendwo in meiner NĂ€he zu sehen.
WĂ€hrend sich das alles zutrĂ€gt, stehe ich an einer StraĂenecke, direkt unter den beiden StraĂenschildern. Ich schaue jetzt doch mal nach oben. Auch auf den StraĂenschildern ist keineswegs von einem Beispielweg die Rede.
Ich:Â oder hm Ich: bin ich ja gar nicht
Ich soll gar nicht zu Telekommunikationsgesellschaft A, vor deren GebĂ€ude ich stehe, sondern zu Telekommunikationsgesellschaft B, von deren GebĂ€ude ich ĂŒberhaupt nicht stehe.Â
N. hat mir inzwischen ihre eigene Location-Sharing-Ansicht geschickt und kommentiert sie mit âalso hier wĂ€re gutâ. Zum GlĂŒck (aber wirklich nur zufĂ€llig) ist der richtige Ort vom falschen nur fĂŒnf Fahrradminuten entfernt und ich komme fast gar nicht zu spĂ€t.
Meine Erinnerung sagt zwar eindeutig, dass Google mir den falschen Ort zur Adresse angezeigt hat, aber zum einen ist es unwahrscheinlich, dass Google die beiden Telekommunikationsfirmensitze genau wie ich miteinander verwechselt, und zum anderen lÀsst sich der Fehler auch nicht reproduzieren. Wenn ich ohne vorgefasste Meinung nach dem Beispielweg 71 suche, zeigt Google Maps das korrekte Ergebnis an.
Ich habe ein Buch ĂŒber Verirrensursachen geschrieben und bin sowohl mit meiner eigenen Blödheit vertraut als auch mit dem Konzept des âbending the mapâ, das besagt, dass die eigene defekte Meinung ĂŒberzeugender sein kann als jede Kartenansicht. Aber dass ich es geschafft habe, bei mehrmaliger Betrachtung von Google Maps und auch noch bis zum Verschicken des Standorts die korrekte Anzeige durch meinen Irrglauben zu ersetzen, das beeindruckt mich jetzt trotzdem.
(Kathrin Passig)
2018-08-03
Ein kleines Erdbeben auf der Landkarte
Die Landkarte, mit der ich auf meiner Webseite meinen gegenwÀrtigen Standort veröffentliche, funktioniert plötzlich nicht mehr. Wenn ich die Seite aufrufe, zeigt Google eine abgedunkelte Karte und eine Fehlermeldung. Mit dem API-Aufruf stimme was nicht. Falls ich der Betreiber der Webseite bin, soll ich einem Link folgen, wo mir erklÀrt wird, was zu tun ist.
Wie sich herausstellt, kostet die Landkarte jetzt Geld. Ich kann sie nicht mehr einfach so bei Google aufrufen und in meine Webseite einbetten, sondern ich muss einen API-Key generieren lassen (eine Art Passwort), und diesen API-Key bei jedem Aufruf der Landkarte an Google schicken. Google kann diese Aufrufe dann meinem Konto zuordnen und in Rechnung stellen.
Ich glaube, dass sich an diesem kleinen Detail eine groĂe VerĂ€nderung abzeichnet: Google wird von einer Werbefirma zu einem Cloud-Dienstleister. Dienste wie Google Maps, woran tausende Menschen arbeiten, wurden bisher weitgehend verschenkt, weil Google das Geld zu ihrem Unterhalt anderswo, nĂ€mlich in der Suchmaschinen-Werbung verdiente.
Das Ă€ndert sich, und ich bin froh darĂŒber. Dass das Internet bisher weitgehend dadurch funktionierte, Leuten Dinge zu zeigen, die sie eigentlich nicht sehen wollen, kam mir immer wie ein merkwĂŒrdiger Konstruktionsfehler vor.
Besonders teuer wird die Sache ĂŒbrigens nicht. Ein Maps-Aufruf kostet zur Zeit 0,7 Cent. Ich habe eine Obergrenze von hundert Aufrufen pro Tag gesetzt (realistisch sind eher drei oder vier Aufrufe), und auĂerdem kriege ich fĂŒr das erste Jahr 300 Dollar von Google gutgeschrieben.
(André Spiegel)
19. Mai 2018
Die Glimmse bewÀhrt sich
2015 wurde im Haushalt meiner Mutter Glympse eingefĂŒhrt, damit sie sich weniger Sorgen machen muss, wĂ€hrend ihre Nachfahren mit dem Auto unterwegs zu ihr oder wieder nach Hause sind. Ohne weitere Ermunterung meinerseits hat sich dieses Werkzeug dauerhaft etabliert, es wird âeine Glimmse anmachenâ genannt. (Generell herrscht in diesem Haushalt wenig Interesse an den Details englischsprachiger Namen und eine ungefĂ€hre AnnĂ€herung, âWortfoit am Bredlâ, muss genĂŒgen.) Gerade ist der Bruder wieder unterwegs, was von der Mutter aufmerksam auf dem Tablet verfolgt wird: âWie fĂ€hrt denn der! Ăber Mainburg! Und angeblich mit 85 Stundenkilometern, aber er bewegt sich gar nicht. Komisch, komisch. Na, dem wird der Saft ausgegangen sein. Ah, jetzt ist er wieder da.â
Ich habe mich in der Zwischenzeit auch hĂ€ufig daran erfreut, wie praktisch es ist, den Aufenthaltsort anderer Leute sehen zu können, mit denen man sich irgendwo zu treffen gedenkt, zuletzt waren das Gregor Weichbrodt und Hannes Bajohr in Berlin und davor Aleks Scholz in Dublin: Man muss weniger langweilige Nachrichten der âbrauche zehn Minuten lĂ€ngerâ und âdie Bahn steht jetzt auf freier Streckeâ-Art schreiben und lesen und wartet auch insgesamt nicht so viel an kalten und zugigen Orten.
(Kathrin Passig)

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3. MĂ€rz 2010
MikoĆĂłw liegt in Nordberlin
âVerbringen andere Latitude-Nutzer eigentlich auch seit ein, zwei Wochen viel Zeit in MikoĆĂłw? Und hat schon jemand rausgefunden, warum ausgerechnet MikoĆĂłw? Auf dem Satellitenbild sieht es mĂ€Ăig attraktiv aus, aber Google weiĂ ja oft besser als ich, was gut fĂŒr mich ist. Vielleicht kann man sich dran gewöhnen.â
So frage ich im MĂ€rz 2010 bei Google Buzz. Latitude ist ein Dienst von Google, mit dem man anderen Nutzern den eigenen Standort anzeigen lassen kann. Ich verwende Google Latitude seit 2009 oder so.
Auf meine Google-Buzz-Frage antwortet Matthias Rampke:
âIch bin gelegentlich nebenan, in Katowice. Manchmal auch an seltsamen Orten in Berlin. Und immer nur, wenn ich in InnenrĂ€umen bin und kein GPS habe, das scheint also ein Problem mit der Lokalisierung ĂŒber die o2-Telefonmasten zu sein. Mit Latitude an sich hat das nichts zu tun, das Telefon selbst denkt, es wĂ€re dort.â
Volker Weber schlĂ€gt vor, mit Latitude den Pfad aufzuzeichnen. Mit Hilfe dieser Aufzeichnung finde ich heraus: âMikoĆĂłw scheint in Nordberlin zu liegen, im SĂŒden ist alles in Ordnung.â
Swen Wacker kommentiert:
âIch bin anscheinend regelmĂ€Ăig in der Umgebung Londons. Da ich jemand kenne, die da in der NĂ€he wohnt, habe ich das immer fĂŒr einen Fingerzeig höherer MĂ€chte (i.e. Google) gehalten.â
Irgendwann spÀter kommt die polnische Positionsangabe wieder aus der Mode, und 2013 wird Google Latitude eingestellt. Google Buzz gibt es auch nicht mehr. Das Material zu diesem Beitrag wurde 2017 aus dem nicht kopierfÀhigen Archiv-PDF abgetippt, aber immerhin gibt es ein Archiv-PDF. Das ist mehr, als viele andere kurzlebige soziale Netzwerke von sich behaupten können.
(Kathrin Passig)
23. April 2017
Ist mir doch egal, ob Google weiĂ, wo ich bin. Meine Frau sollâs nicht wissen
Sergio Maldini (in einem GesprĂ€ch ĂŒber Familienaccounts):  ... Apps, wo du gegenseitig den Standort anschauen kannst. Das findest du normal. FĂŒr mich ist das eine grĂ€ssliche Vorstellung.
Kathrin Passig: Ich glaub auch, dass vieles von dem, was als Familien-Sicherheits- und FĂŒrsorgetools beworben wird, âimmer sehen, wo deine Lieben sindâ, dass es da in Wirklichkeit und als Hauptkaufanreiz um Fremdgehkontrolle geht. Ich frag mich, wie viele Leute wohl allgemeine Datenschutzbedenken vortragen â dass sie nicht vom Staat oder von Google oder Amazon ausspioniert werden wollen â und das aber eigentlich nur machen, um im Schatten dieses Arguments denken zu können âich will nicht, dass meine Freundin, mein Freund, mein Mann immer weiĂ, wo ich binâ. Weil du kannst ja schlecht sagen âich bin da im Prinzip dafĂŒr, ich will nur nicht, dass du es weiĂtâ. Das wird dann schwierig.
Sergio: Genau das hat ein Freund von mir gesagt: âIst mir doch egal, ob Google weiĂ, wo ich bin. Meine Frau sollâs nicht wissen.â
Kathrin: Ok, aber das hat er zu dir gesagt, Zu seiner Frau wird er sagen: âGoogle sollâs nicht wissen.â
Sergio: Ja, das stimmt wahrscheinlich.
(Kathrin Passig / Sergio Maldini)