Ich stelle ich mir vor...
Manchmal stelle ich mir vor, wie schön das wohl wäre... Zwei Linien auf dem Teststreifen zu sehen. Zu wissen, da ist nun etwas das dich braucht und das du jetzt schon so liebst, auf das du so lange gewartet hast.
Ich stelle mir C.s Gesicht vor, wenn er erfährt, dass wir es geschafft haben. Endlich. Wie er erst ungläubig drein schaut, sich dann aber freut und mich an sich drückt.
Ich stelle mir vor wie mir morgens schlecht wird und C. mir einen Eimer ans Bett stellt, damit ich bei der Kälte nicht ins Bad huschen muss. Wie wir online nach Mitteln gegen Morgenübelkeit suchen und wie er sanft über meinen Bauch streichelt.
Ich stelle mir vor wie wir das erste Ultraschallbild bekommen und den Herzschlag zum ersten Mal hören. Wie wir dieses schwarz-weiße Bild versuchen zu entschlüsseln. Wie wir versuchen unser Böhnchen darauf zu erkennen, was noch ein richtiger Mensch werden will.
Ich stelle mir vor, wie wir es endlich allen sagen können. Überraschung und Freude spiegelt sich in ihren Gesichtern. Sie wissen ja, wie sehr wir uns das gewünscht haben. Glückwunsche und Umarmungen. Meinerseits natürlich Tränen.
Ich stelle mir vor, wie mein Bauch immer runder wird und ich die ersten Bewegungen spüre. Ist das wirklich mein kleines Böhnchen, das sich schon so bewegt? o.O Wie C. die Hand auf meinen Bauch legt, immer zur falschen Zeit um den Tritt zu spüren. Frustriert will er schon aufgeben, als das Böhnchen sich dann doch erbarmt in dem Moment zu treten als C.s Hand noch auf meinem Bauch verharrt.
Ich stelle mir vor, wie wir rätseln was es wird. Wobei, im Grunde ist es egal. Solange es gesund ist, kann es von uns aus auch ein Apache Helikopter sein. Die Großeltern sind da etwas neugieriger. "So wie du den Bauch trägst wird es ein Mädchen.", "So stark hat C. Auch getreten. Wird bestimmt ein Junge."
Ich stelle mir vor, wie wir das Kinderzimmer einrichten. In hellen, warmen Farben. Mit einem gemütlichen Sessel neben dem Babybettchen. Dort können wir dann sitzen und ihm/ihr beim schlafen zusehen.
Ich stelle mir vor, wie ich Wehen bekomme und wir ins Krankenhaus fahren, nur um dort gesagt zu bekommen, das sei falscher Alarm. Käme sehr oft vor. Ich solle wieder nach Hause und mich nicht verrückt machen. Die haben gut reden. Immerhin ist mein imaginärer Bauch anstrengend im letzten Trimester.
Ich stelle mir vor, wie dann endlich die Fruchtblase platzt und wir im Krankenhaus aufgenommen werden. Aufgeregt sind wir beide, C. und ich. Ich atme tief ein und wir vertreiben uns die Zeit so gut es geht mit Witzen und Albernheiten. Der Muttermund ist noch nicht vollständig auf? Soll das ein Witz sein? Wie lange soll ich das denn noch mitmachen?
Ich stelle mir vor, wie dann die Presswehen kommen und ich presse und atme und schreie. Pressen, atmen, schreien. Die Reihenfolge kann leicht variieren, manchmal vermischen sie sich auch. Die PDA, nimmt zwar Schmerzen, aber den Druck spüre ich noch.
Ich stelle mir vor, wie die Krankenschwester sagt "Eine noch. Das Köpfchen ist schon zu sehen. Eine noch, dann haben Sie es geschafft." Und diese letzte Wehe ist zugleich die schwierigste. Dann ist der Druck auf einmal weg. Und die Schwester hält ein wunderschönes, kleines, blutiges, Bündel in den Händen welches sie mir nach der Durchtrennung der Nabelschnur weiterreicht.
Ich stelle mir vor, wie ich weine. Die ganzen Anstengungen haben auf einmal ein Gesicht. Ein kleines, knautschiges Gesicht, aus dessen Mund ein gurgelndes Schreien ertönt. C. steht neben mir und kann es nicht fassen, dass wir es geschafft haben. Naja, noch nicht ganz. Erst muss der letzte Rest aus mir raus und ich übergebe das kleine knautschige Bündel an die Schwester damit es gewogen und untersucht werden kann.
Ich stelle mir vor, wie C., das Bündel und ich uns in den folgenden Tagen besser kennen lernen. Das Stillen klappt. Manchmal braucht es einen Stups bis es fließt, aber insgesamt geht es gut. Die übergroßen Windeln sind zu ertragen. Also meine, nicht die des Kindes. Und dann endlich, kommt der lang ersehnte und gleichzeitig etwas gefürchtete Tag.
Ich stelle mir vor wie wir nach Hause dürfen. Wir, alleine mit dem kleinen Bündel. So ersehnt und gleichzeitig etwas beängstigend. Es liegt viel vor uns, aber ich stelle mir vor, dass wir es schaffen.
Dann mache ich die Augen auf. Und schlagartig wird mir die Realität bewusst. Es wird eine Vorstellung bleiben. Ich kann keine Kinder kriegen. Ich werde C. nicht zum Vater machen. Meine Augen werden feucht. Ich wische mir eine Träne aus dem Augenwinkel. Grundsätzlich komme ich gut damit klar. Aber hin und wieder, hin und wieder stelle ich mir vor, wie das wohl wäre...










