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2,43 Promille
Wir haben da einen Patienten auf Station, der ist alt und dement und COPDistisch und echt schlecht mit der Luft. Der hat uns gestern Nacht schon beschäftigt und heute wird es nicht besser. Im Tagdienst wurde sich nicht so richtig drum gekümmert, ihn besser zu machen und jetzt hat er auch noch aspiriert. Antiböse war den Stationsärzten aber irgendwie zu schade und deswegen fiebert der Herr Klops jetzt pünktlich um zwei Uhr morgens auf. Versorgung und so weiter, alles für nen Anfänger wie mich schon relativ spektalulär und geht auch gut. Dann funkt die ZNA mich an, ich möge doch sehr dringend mal nach unten kommen.
Die Tür des kleinen Schockraums (wir haben mehrere) geht auf. Schwester Greta kommt raus und ruft mich her. Greta ist eine erfahrene Schwester und so leicht nicht aus der Ruhe zu bringen. Als kleiner Assistent ist man gut beraten, die Beine in die Hand zu nehmen, wenn sie einen dezent zur Eile auffordert. - "Komm mal!", ruft sie und winkt. Ich eile über den Flur. Beim Betreten des Schockraums schlägt mir eine Welle Biergeruch entgegen, gemischt mit dem süßlichen Parföng von Erbrochenem. - "Geburtstag mit Twist", sagt Greta. "Junger Kerl, 23 Jahre alt, hat Geburtstag etwas zu heftig gefeiert. Cannabis und Alkohol, Drogentest noch nicht fertig. Atmet nicht." Ein kurzer Moment des Schreckens. Nicht atmen geht nicht so schrecklich lange gut. Hier zahlt sich meine Zeit in der Anästhesie wiederum aus. Ein Handgriff zum Kinn, die Zunge ist gelöst und verlegt nicht mehr den Rachen, plötzlich schnarcht Jeremy-Dennis wieder laut. - "Wendeltubus", sage ich laut. Sekunden später schiebe ich dem Deppen einen fetten Plastikschlauch in die Nase, woraufhin er wieder normal zu atmen beginnt. Den Rest der Nacht muss ich mir anhören, wie doll ihm die Nase wehtut.
Vielleicht hätte ich Gleitgel benutzen sollen. Aber so richtig Mitleid habe ich auch nicht mit ihm. Bis 23 hatte ich mein Limit schon bis zum Erbrechen (im Wortsinne…) ausgetestet, ohne mich dabei krankenhausreif zu saufen…….










