18. Juli 2017
Eine Woche war mein Internet krank
Ich beziehe seit Ende 2008 Internet und Telefon ĂŒber Kabelanschluss, also das, was frĂŒher Kabel Deutschland war und heute je nach Region bzw. Anbieter anders heiĂt. Der Zeitraum ist insofern relevant, als sich herausgestellt hat, dass auch Kabelmodems irgendwann den Geist aufgeben.
Ich habe also seit Vertragsbeginn einen ĂŒblicherweise nervös blinkenden Kasten in der Ecke stehen, der mit âThomsonâ beschriftet ist und etwa die Abmessungen eines Taschenbuchs, dessen Autor_in zum Schwafeln neigt, aufweist. Ăber all die Jahre tut besagter Kasten seinen Dienst, neben mal etwas verrauschter, meist aber akzeptabler VoiP-Telefonie kommt dort eben auch das Internet heraus (32 Mbit down-, 2 Mbit upstream oder so), wenn nicht gerade irgendwo ein grobmotorischer Baggerfahrer wieder einmal eine Leitung durchtrennt hat.
Bis dann auf einmal Anfang Juli die Probleme anfangen: die Verbindung besteht entweder gar nicht (bei dem Kasten ist es ein schlechtes Zeichen, wenn die Lichter nicht blinken), bricht wiederholt ab oder ist so derartig unterirdisch niedrig, dass nicht einmal der (grusel: flash-basierte) âSpeedtestâ des Providers aufzurufen ist.
Ich kontaktiere per Mobiltelefon, da die Festnetzsimulation naheliegenderweise nicht funktioniert, die telefonische Hotline besagten Providers. Das erste GesprĂ€ch ist zwar freundlich, aber nutzlos. Ich plaudere nett mit einer Hotlinemitarbeiterin, die irgendwelche Bauarbeiten in der Umgebung als Ursache vermutet und auch noch einen (irgendwie spooky!) aus der Ferne durchgefĂŒhrten Reset des Kabelmodems veranlasst; dadurch wird das Problem aber nicht dauerhaft gelöst; am nĂ€chsten Tag zeigen sich erneut dieselben Symptome.
Beim zweiten Anruf bei der Hotline â die Warteschleifenansage der Hotline drĂ€ngt den Anrufenden ĂŒbrigens dazu, das bewĂ€hrte âHave you tried to switch it off and on againâ-Verfahren anzuwenden â habe ich einen eher lustlosen Mitarbeiter am Telefon, der dann, nachdem er sich nicht auf mein Kabelmodem schalten kann, kurzerhand entscheidet: âJa, dann ist wohl das Modem kaputt, Sie kriegen ein ErsatzgerĂ€t, das warâs von mir, Danke, schĂŒĂâ.
Um weiterhin online gehen zu können, ohne Bandbreiten wie anno 1995 und Internet-ZuverlĂ€ssigkeit wie bei einer Akkustikkopplereinwahl zu ertragen, verbinde ich meinen Desktop-PC mittels eines glĂŒcklicherweise vorhandenen USB-WLan-Döngels mit meinem als Hotspot dienenden Alcatel-Billig-Smartphone und verbrauche wĂ€hrend der kabellosen Tage das erste Mal das eine Gigabyte, die mir mein Lebensmitteldiscountermobilfunkprovider monatlich an Datenvolumen zur VerfĂŒgung stellt. Im Ăbrigen funktioniert das verblĂŒffend problemlos; auĂer, dass es nicht lohnt, besagtes Mobiltelefon vom LadegerĂ€t zu trennen, weil dessen Hotspotverantwortung doch sehr am Akku zehrt.
Nach dem Hotlinetelefonat am Freitagmorgen kommt am darauffolgenden Dienstagnachmittag das neue Kabelmodem per DHL bei mir an. Bei diesem handelt es sich um einen deutlich gröĂeren, nicht unbedingt schön anzusehenden schwarzen, geriffelten Kasten des Herstellers âHitronâ, der ĂŒber ein geradezu grotesk scheuĂliches Webinterface zu konfigurieren ist.
Kaum, dass ich das Thomson-Modem durch das Hitron-Modem ausgetauscht habe, flieĂen die Daten wieder in gewohnter Geschwindigkeit durch die Leitung. Auch die TelefoniequalitĂ€t scheint deutlich besser zu sein. Der neue Zauberkasten soll sogar W-Lan können, aber nur, wenn ich dafĂŒr 2,- ⏠zusĂ€tzlich im Monat bezahle; das muss ich mir noch ĂŒberlegen.
Jedenfalls ist das alte Kabelmodem nun mit Retourenschein unterwegs an den Internetprovider, und es sieht derzeit ganz danach aus, dass das Teh-Intenets-is-Broken-Drama tatsĂ€chlich mit nur zwei Hotlineanrufen ein Happy End hat. Man drĂŒcke mir die Daumen.
(Florian Meerwinck)















