Porgy and Bess, Deutsches Theater München, 07.08.2016 - Matinee
"Porgy and Bess" - von vielen bereits häufiger gehört, manche verbinden sicherlich auch einige Songs damit, aber nicht viele wissen, was nun wirklich dahinter steckt.
"Porgy and Bess" - George Gershwins wohl bekanntestes Werk, eine Oper über "das schwarze Amerika", das Leben in den Südstaaten, zwischen Baumwollplantagen und Sommerhitze. Und eigentlich doch nur über das ganz Alltägliche und das Thema aller Themen: der Liebe.
Das Stück stand schon lange auf meiner "ewigen Wunschliste", der Liste jener Stücke, die man unbedingt einmal live gesehen haben möchte. Und nun durfte ich es mir direkt vor meiner Haustür, im Deutschen Theater München, anschauen. Man hat es ja nicht immer, dass man sich am liebsten sofort wieder ins Theater setzen würde, um das Stück unmittelbar noch einmal anzuschauen, aber hier war es der Fall (ok, bei "Der Medicus" letzte Woche war es ähnlich... ;) ).
Anfangs durchaus etwas mühsam, wuchs man nach und nach in das Stück hinein, hat die Charaktere kennen- und lieben gelernt, die schwere Hitze und Atmosphäre der Südstaatensiedlung mehr und mehr gespürt und wurde in die Geschichte hineingezogen. Dank des nicht überladenen, aber gleichzeitig auch nicht zu reduzierten Bühnenbildes wurde der Ort der Handlung greifbar und in Kombination mit dem aufgeweckten Spiel der Darsteller wunderbar lebendig. Das gesamte Ensemble hat eine große Spielfreude an den Tag gelegt und mit vielen liebevollen Details eine angenehme Komik transportiert.
Die Darsteller des New York Harlem Theatre waren durch die Bank stimmlich überzeugend und haben einen immer wieder durch ihre Stimme und ihren Ausdruck in den Bann gezogen.
Für mich besonders erwähnenswert an dieser Stelle Brittany Robinson (Cover Clara), die den wohl bekanntesten Gershwin-Song "Summertime" in seiner reinsten Form mit starkem Sopran klar und für Gänsehaut sorgend dargebracht hat, sowie John Fulton als ihr Mann Jake, ein hervorragender Bariton. Beide zusammen haben als Ehepaar wunderbar harmoniert und mit liebevollen Details in ihrem Spiel einen Ruhepol in der ansonsten sehr unruhigen Geschichte dargestellt.
Ebenso erwähnenswert und hier herauszuheben ist sicherlich auch Mari-Yan Pringle, die als Serena Robbins neben einer absolut hervorragenden stimmlichen Leistung auch darstellerisch für einerseits höchst tragische Momente, andererseits für wunderbare Situationskomik gesorgt hat.
Brandie Sutton (Cover Bess) hat die weibliche Titelrolle exzellent ausgefüllt und den sprunghaften sowie unsicheren Charakter der zwischen Verführung, Sicherheit und Liebe hin- und her gerissenen Bess überzeugend dargestellt und mit fast schlafwandlerischer Präzision stimmlich umgesetzt.
Patrick Blackwell als Porgy hat ebenfalls sehr gut abgeliefert, konnte mich aber nicht immer abholen, was vornehmlich allerdings daran lag, dass Bass-Baritone es bei mir aufgrund ihrer bisweiligen "Dumpfheit" in der Stimme ohnehin oftmals schwer haben. Insgesamt hat er die Rolle aber durchaus ausgefüllt und der Titelrolle entsprechend Profil gegeben. Sein "I got plenty of nothing" hängt mir jetzt noch angenehm im Ohr.
Neben den bereits genannten Darstellern könnte man genauso gut im Prinzip das gesamte Ensemble wie Terry Cook als Bösewicht Crown, Alteouise DeVaughn als Maria oder Luther Lewis als Sportin’ Life im Detail hochleben lassen, da ausnahmslos alle grandiose Leistungen abgeliefert haben. Insgesamt war es eine wahre Freude, dem stimmgewaltigen Ensemble in Begleitung des unter der Leitung von Richard Allan Cordova hervorragend aufspielenden Orchesters zuzuschauen, zuzuhören und sich in die fernen Südstaaten der USA entführen zu lassen.
Die Darbietung in englischer Sprache mit deutschen Übertiteln war sehr gut verständlich - inwieweit man Einzelheiten folgen konnte, wenn man nicht so sicher in der englischen Sprache ist, ist schwer zu beurteilen, da aber nicht alle Passagen "wortgetreu" in den Übertiteln übersetzt wurden und die Texte auch bisweilen etwas verzögert angezeigt wurden, kann der ein oder andere ggf. manchmal ins Schleudern gekommen sein oder nicht alle Details mitbekommen haben. Allerdings dürfte das dem Verständnis wenig Abbruch getan haben, da die Geschichte insgesamt so dargebracht wurde, dass man ihr auch ohne gute Englischkenntnisse sicherlich gut folgen konnte.
Wäre das Stück noch länger in München, so würde ich sicherlich noch das ein oder andere Mal reingehen und mich verzaubern lassen.
Das Team wurde absolut verdient vom Publikum mit einem lang anhaltenden Applaus bedacht und stellenweise mit aufbrausendem Fußgetrampel gefeiert.
So geht Theater. :)












