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🎅🏻🫖
Der Nikolaus als Murmeltier verkleidet.
Hoe lank hink julle op twee gedagtes?-1 Kon. 18: 21.
UR die skeuring van die koninkryk van humanas kry ons aan DEUR die een kant die tien mens van Gott onder 'n goddelose reeks vorste en die ryk van Juda aan die ander kant met enkele verdienstelike vorste. Die toppunt van skaamtelose afgodery en ongeloof is bereik onder die goddelose koning Agab falseman en sy nog meer goddelose gemalin Isébel, epicurea alles , mooi. Op daardie donker agtergrond van korrupsie skitter die helder ster van die profeet Elia met sy onbevreesde boodskap. Hoe dun was tog meermale die draad van die goddelike Voorsienigheid in daardie dae! Ons dink aan die godsman by die lyk van die seun van die weduwee van Sarfat buitekant die grense van sy eie land, en dan weer onder die besembos in die woestyn waar hy bid om te sterwe, toe sy werk nog lank nie klaar was nie. En tog het daardie draad nooit gebreek nie. Deur 'n kraai, deur 'n weduwee, deur 'n engel en toe in die gesuis van die sagte stilte het die Here hom van stap tot stap gelei en gebruik.
Onder al die skitterende geloofsdade van hierdie godsman staan die Karmel-toneel soos Karmel self oor die vlakte van Jisreël uit. Onder al die wondervolle ingrypinge van die Almag- tige is hier een van die eerste. Met diepe verontwaardiging en erns roep die profeet sy afvallige volk toe in die woorde van ons dagvers:,,Hoe lank hink julle op twee gedagtes? As die Here God is, volg Hom na, en as Baäl dit is, volg hom na." Laat derhalwe twyfel vaar! Kies nou!
Hierdie selfde keuse word gedurig aan die mensdom gestel, van Karmel pat nie, van Golgota nie. Hoe lank hink julle tussen Hom wat daar sy lewe gegee het en die gode van die wêreld? Dit is seker waar dat as uitgesproke onverskilligheid sy duisende slagoffers eis, dan eis onbeslistheid sy tienduisende. Meer as een skyn maar nie in te sien dat onbeslistheid beteken 'n besluit om nie te kies nie. Twee here kan ons nie tegelyk dien nie. Op hierdie oomblik het elke mens, wat daartoe die geleentheid gehad het, of Christus gekies as sy Here en Heiland, of Hom andermaal gekruisig en verwerp.
Luk. 16:9-13.
Fake Tank
I was trying to find if the A7V in this image was based on a real A7V.
I think this might be a representation of A7V Heiland (540). From pictures, I have seen Lotti (527) has a skull and crossbones but they are smiling:
Heiland’s skull has a straight grimace.
That was when I stumbled upon this pic of a tank in a trench:
While trying to back search I found that it is actually a photoshop of 2 images:
1) Ernest Brooks - IWM (Q 2311)
2) Picture of an A7V (Maybe 540 - Heiland) that I can't source
Bronze head from an over-life-sized statue of Augustus, found in the ancient Nubian site of Meroë in Sudan, BC 27 – 25 British Museum © Carole Raddato
Augustus – der Militärdiktator wird zum Heiland
Veröffentlicht am 01.10.2010
Von Berthold Seewald
Die Historiker haben den Kaiser lange verachtet. Jetzt legt der Berliner Werner Dahlheim eine spektakuläre Neudeutung vor.
Wie soll man sich einem Mann nähern, der ganze Städte vernichtet hat und Völker versklavte? Der seine politischen Feinde zu Zehntausenden ermorden ließ und sich nicht scheute, die eigene Heimat zu entvölkern, wenn es ihm nützlich schien? Der in endlosen Kriegen seine Herrschaft bis an die Grenzen der bekannten Welt ausdehnte und von den Unterworfenen dafür den Dank einforderte, als großer Führer und Friedensfürst verehrt zu werden? Nein, die Rede ist nicht von Hitler, Mao oder Stalin – sondern von einem Mann, dem seine überwältigten Zeitgenossen den Namen „Erhabener“ gaben und mit dem die Christen die Geschichte von der Geburt ihres Heilands anheben ließen. Es geht um den römischen Kaiser Augustus.
Weil mit ihm begann, woran sein Adoptivvater und Vorgänger Caesar noch scheiterte, nämlich die imperiale Herrschaft über weite Teile Europas, des Vorderen Orients und Nordafrikas, haben sich die Menschen seitdem an seiner Deutung abgearbeitet. 600 Jahre lang sollten römische Imperatoren dem Weltkreis Ordnung und Sinn geben, weitere 850 Jahre lang gab es Kaiser der „Romaioi“ in Konstantinopel, mehr als 1000 Jahre im Abendland und beinahe 500 im „dritten Rom“, Moskau. Augustus legte die Fundamente dazu. Dennoch gab kein Geringerer als Theodor Mommsen den Takt der historischen Deutung vor, als er über den ersten Kaiser im Vergleich zu Caesar urteilte: „Des großen Mannes Maske hat er zwar geschickt getragen, groß war er nicht.“ Und Mommsens Schwiegersohn und als Altphilologe kaum weniger einflussreich, Ulrich von Wilamowitz, erkannte in Augustus gar den ersten Totengräber Roms, war es doch der von ihm wieder gesicherte Friede, der „die Menschen feige und faul mache, mürbe und müde, krumm und krank“.
Um solche Fallhöhen geht es in der neuen „Augustus“-Biografie des Berliner Althistorikers Werner Dahlheim. Doch nicht nur die Deutungen, von denen schon der Untertitel „Aufrührer, Herrscher, Heiland“ (C. H. Beck, München. 448 S., 26,95 Euro) eine Ahnung gibt, provozieren, sondern die Methode, der Duktus, ja der Erscheinungstermin. Zum 200. Geburtstag der Berliner Humboldt-Universität, als Friedrichs-Universität noch die Wirkungsstätte Mommsens und Wilamowitz’, ist sie in dieser Woche Schauplatz des 48. Deutschen Historikertages. Tausende Wissenschaftler und Lehrer ziehen an den Ständen der Fachverlage vorbei, von denen C. H. Beck zu den wichtigsten zählt – und werden stets aufs Neue auf den aktuellen Spitzentitel des Hauses gestoßen. Das ist nicht nur Marketing, sondern auch Manifestierung eines Paradigmenwechsels.
Gewiss, Biografien sind seit Jahren wieder in Mode. Und die Geschichte ist auch nicht so tot, wie sie vor dreißig Jahren erklärt wurde. Aber als Dahlheims Kollege Christian Meier seinerzeit seine große Caesar-Biografie vorlegte, wurden noch Kongresse abgehalten, wie das Leben eines Diktators gefälligst zu beschreiben und wie sehr dies im theoretischen Diskurs einzuzwängen sei.
Dahlheim, an Fabulierkunst Meier sicherlich ebenbürtig, scheut sich dagegen nicht, das ganze Reservoir der Überlieferung für seine Darstellung auszuschlachten. Elaborierte Quellenkritik steht da neben süffigem Tratsch, etwa wenn die Motive der letzten Anhänger referiert werden, die vor der Entscheidungsschlacht bei Actium 31. v. Chr. sich aus dem Lager des Antonius aus dem Staube machten. Kleopatra habe dem einen nach dem Leben getrachtet. Der andere habe Sorgen und Gewissen in Wein ertränkt, „Zirkusreiter der Bürgerkriege“ alle beide.
Dafür wurden Studenten vor Jahren noch Seminararbeiten um die Ohren gehauen. Und selbst die große Augustus-Biografie von Jochen Bleicken zeichnete sich 2000 noch durch streckenweise ermüdende Diskursivität aus. Dahlheims „Augustus“ nimmt radikal Partei für den Leser und setzt damit einen Standard, den die Geschichtswissenschaft viel zu lange vernachlässigt hat.
Dabei ist Dahlheims Werk, und das macht seine Meisterschaft aus, nicht einfach eine elegant formulierte Beschreibung eines Lebens. Sondern ihn leitet ein geschichtsphilosophisches Motiv: Was machte den Usurpator und Massenmörder zum Friedensbringer und Heiland? Und wie breit waren die Klüfte, die zwischen diesen Polen liegen, menschlich, gesellschaftlich und historisch?
Augustus ist "kein Sympatieträger"
Noch Bleicken hatte konstatiert: Augustus „ist kein Sympathieträger, weder damals wie heute“. Wie konnte er auch. Der rücksichtslose Gewalttäter, dem mit 18 Jahren das Erbe des ermordeten Diktators Caesar in den Schoß fiel, in häufig wechselnden Bündnissen um die Macht kämpfte, dabei seinen Legionen die Städte und Menschen Italiens opferte und am Ende, als alle seine Feinde tot oder gebrochen waren, eine mühsam verschleierte Militärdiktatur errichtete, wurde die Erinnerung an seinen blutigen Weg nicht los. Die Überlebenden und nachwachsenden Karrieristen, mit denen Augustus sein Imperium schuf, trugen die Erinnerungen an Chancen und Ruhm ihrer Vorfahren weiter und kleideten ihren verhaltenen Hass in Spott über den Mann, der ihnen als Erster Bürger Lebensweg und Moral diktierte, sich selbst aber von seiner Frau Livia bis ins hohe Alter Bettgenossen beiderlei Geschlechts zuführen ließ.
Die schlecht verhüllte Maske des Militärmachthabers ist es denn auch, die den bürgerlichen Revolutionär von 1848, Mommsen, vor Augustus schaudern ließ, wie jene, die lieber mit Caesar auf einem glänzenden Feldzug ihr Leben aufs Spiel gesetzt hätten als in einer staubigen Provinzmetropole die Unterworfenen zu verwalten und Rom zu dem zu machen, was es aus der Sicht der Nachgeborenen wurde: die große Zivilisationsbringerin.
Immer und immer wieder durchmisst Dahlheim die Handlungsspielräume. Die des Partei- und Heerführers, dessen Soldaten nach all seinen Siegen wohl bis ans Ende der Welt marschiert wären. Und den des peniblen Bürokraten oder Charisma, der in den ersten Jahrzehnten das Glück hatte, dass sein engster Vertrauter Agrippa nicht nur ein glänzender General, sondern auch ein Inbegriff an Treue war.
Aus diesem Perspektivenwechsel gewinnt Dahlheim auch plausible Neudeutungen. Der von Augustus ungeliebtem Nachfolger Tiberius befohlene Abbruch der Rachefeldzüge für die Varuskatastrophe des Jahres 9 erklärt er nicht nur mit der Einsicht in die Kosten des Unternehmens, sondern dem klaren Blick auf die nahe Zukunft, in der sein Feldherr Germanicus Germanien in einen Leichenberg verwandelt haben würde. Dessen Legionen würden ihren Führer zum Kaiser ausrufen. Den neuen Bürgerkrieg wollte Tiberius dem Reich ersparen, wie schon seinem Adoptivvater Augustus die Zähmung der Legionen das wichtigste Anliegen gewesen war. Der Traum vom Wirklichkeit gewordenen Weltreich folgte von Anfang an der Albtraum, dass jene, die für seinen Bestand sorgten, ihn darüber erodieren könnten.
Der Friedenskaiser führte mehr Kriege als die meisten seiner Nachfolger
Um das Heer bei Arbeit und Laune zu halten, führte der Friedenskaiser Augustus mehr Kriege als die meisten seiner Nachfolger. Erst unter ihm wurde Rom von einer mediterranen zu einer Macht, die die weiten Binnenräume Europas beherrschte. Die pausenlosen Feldzüge sorgten dafür – wieder so ein ambivalentes Ergebnis – dass die neue Reichsaristokratie eine Vorstellung davon bekam, was das Imperium war, und was für eine fette Beute.
Einer wachsenden Gruppe darin widmet Dahlheim einen besonderen Schwerpunkt, den Christen. So sehr sie der Anspruch von ihrer heidnischen Umgebung trennte, einem Menschen göttliche Verehrung zukommen zu lassen, erkannten sie doch die Möglichkeiten, die der römische Universalherrscher ihnen bot: „Damit er die Welt befriede und der Lehre von der Erlösung der Menschen den Weg ebne“. Deswegen, so Dahlheim, konnten die Christen dem Kaiser geben, was des Kaisers sei. Und so gelangte der Mann, dem es gelang, die von ihm selbst geschlagenen Wunden der Welt in seiner langen Regierungszeit von 44 Jahren weitgehend zu heilen, in die Geburtsgeschichte des christlichen Heilands: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot des Kaisers Augustus ausging ...“
"Dieser Römer war ein großer Mann"
In seiner Entschlossenheit, sich nie zu beugen, sieht Dahlheim die Kraftquelle des Augustus. Er beugte sich nicht, als Caesars Generäle dies verlangten, er beugte sich nicht den Niederlagen und seinen eigenen Schwächen. Und bis zuletzt beugte er sich nicht den Beharrungskräften der vergangenen Zeit. So konnte er die Welt von Grund auf verwandeln.
„Wenn die Dauer einer Leistung der Maßstab für Größe ist, dann war dieser Römer ein großer Mann.“ Auch mit seinem Schlusssatz setzt Dahlheim neue Maßstäbe.
https://amp.welt.de/kultur/article9955474/Augustus-der-Militaerdiktator-wird-zum-Heiland.html

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Der Augustus-Brunnen in Augsburg © Heribert Pohl/CC BY-SA 2.0
Herrscher und Heiland
Augustus begründete das römische Kaisertum. Grausam war er und zugleich für viele ein Erlöser aus der Not. Man fürchtete und man verehrte ihn – als Friedensbringer wie als Kriegsherrn und Eroberer.
Werner Dahlheim
20. Mai 2014, 8:00 Uhr
Herrscher und Heiland
Am 19. August 14 n. Chr. starb Augustus im süditalischen Nola in den Armen seiner Frau Livia. Ein ganzes Zeitalter trägt bis heute seinen Namen. Denn der Erbe Caesars hatte nicht nur der Macht ein neues Gesicht gegeben, sondern alle Lebensäußerungen seiner Zeit geprägt. Ihre Spuren findet der Betrachter in Politik und Gesellschaft, in Religion und Kunst. Er trifft auf sie an vielen Orten des Mittelmeerraums und der angrenzenden Länder. Augustus war der Herr eines Imperiums, und weit über dessen Grenzen hinaus entschied er über das Glück der Menschen.
Viele jedoch, die ihn nach seinem Tod beweinten, verdrängten die Erinnerung an seine ersten Jahre. Denn in ihnen war Ciceros prophetischer Satz bittere Wirklichkeit geworden: "Geschehen wird, was die wollen, die die Macht haben, und die Macht wird immer bei den Waffen sein."
Alles begann im Frühsommer des Jahres 88 v. Chr. – 15 Jahre bevor Augustus zur Welt kam. In jenem Jahr erreichte der Kampf um die Macht in Rom eine neue Stufe der Gewalt. Zum ersten Mal brannten die Wachtfeuer römischer Truppen auf dem Forum wie in Feindesland. Zum ersten Mal trieben Legionäre Senatoren und Ritter aus ihren Häusern, zum ersten Mal verlas im Senat ein General seine Befehle. Sein Name: Cornelius Sulla, sein Amt: Konsul, seine Passion: der Kampf, sein Ziel: das Kommando im großen asiatischen Feldzug, das ihm seine Gegner trotz aller seiner Verdienste um den Staat vorenthalten wollten.
Ohne Zögern waren seine Truppen auf Rom marschiert, hatte er ihnen doch einen leichten Krieg in Ländern versprochen, in denen unerhörte Beute und Ruhm warteten. Nach dem Sieg winkte als Lohn für ihre Treue die Versorgung mit Land in Italien. Der Zorn eines Generals über die Kränkung, die ihm seine Widersacher angetan hatten, verband sich mit der Furcht seiner Truppen, um den Feldzug geprellt zu werden, der sie reich machen und aller künftigen Sorgen entheben sollte. Mit ihnen erreichte Sulla, was er forderte, und darüber hinaus nach seinem Triumph im Osten das Amt des dictator in Rom.
Was die Zeitgenossen allenfalls erahnen konnten: Sulla hatte die Axt an die Wurzeln der Adelsrepublik gelegt. Jeder, der nach ihm Macht, Ehre und Ruhm begehrte, kannte nun die Zauberformel, die den Weg dorthin öffnete. Und nur allzu schnell zeigte sich, dass die Schar der Lehrlinge wuchs, die diese Formel gebrauchten und den Pakt zwischen Soldat und General immer fester schmiedeten.
Wie aber kam es dazu? Was brachte einen Staatsbeamten dazu, die Heimat mit Krieg zu überziehen?
Der Historiker Tacitus fand dafür eine einfache Erklärung: Die alte, in den Menschen verwurzelte Gier nach Macht sei mit der Vergrößerung des Reiches gewachsen, habe die Gleichheit der Adelsfamilien zerbrochen und einige wenige übermächtig werden lassen. Anders formuliert: Als Rom die Eroberung der Welt auf seine Fahnen schrieb, entfesselte es Energien, die schließlich die Republik selbst an den Abgrund drängten.
Die Armeen, über die Roms Feldherren geboten, um Krieg in alle Himmelsrichtungen zu führen, überstiegen bereits unter Pompeius (106–48 v. Chr.) und Caesar (100–44 v. Chr.) alles, was die Republik notfalls gegen sie aufbieten konnte. Mit Sulla marschierten sechs, mit Caesar zwölf und mit Octavian, dem späteren Augustus, sogar zwanzig Legionen. Die meisten waren kriegserprobt und durch Hilfssoldaten aus den Provinzen verstärkt.
Das soziale Gesicht der Legionen hatte sich gründlich verändert. Statt bäuerlicher und staatstreuer Milizionäre heuerten mehr und mehr Berufskrieger an, die einzig auf ihr Wohl bedacht waren und ihren Kommandeuren auf jeden Kampfplatz folgten, gleichgültig, wer ihnen dort entgegentrat. Die Hoffnung auf Lohn und Beute und die Versorgung mit Land nach der Entlassung ließen sie die jahrelange Abwesenheit von der Heimat und das harte Leben an fernen Einsatzorten ertragen.
Im Januar des Jahres 49 v. Chr. überschritt Caesar mit seinen Armeen den Rubicon und begann einen Bürgerkrieg, der fünf Jahre dauerte und alle Provinzen des Reiches in Not und Elend stürzte. Der Auslöser war wie bei Sulla gekränkte Ehre. Der General, der ganz Gallien für die Republik erobert hatte, forderte als Lohn das Konsulat und ein neues Kommando im Krieg gegen die Parther. Beides verweigerten ihm der Senat und seine adligen Konkurrenten, wohl wissend, dass einem siegreich aus dem Osten heimkehrenden Caesar die Alleinherrschaft nicht zu nehmen war. Sie wehrten sich mit dem Dolch in der Faust und erschlugen den Übermächtigen an den Iden des März des Jahres 44 v. Chr. – einen Tag bevor er mit seinen Soldaten gegen die Parther ziehen wollte.
Vermächtnis und Name Caesars verschafften ihm Geld, Waffen und Männer
Der ein oder andere seiner Mörder mag sich nach der Tat an die Mahnung des Toten erinnert haben, "es läge doch mehr im Interesse des Staates als in seinem eigenen, dass er unversehrt bleibe. Er habe schon längst genug Macht und Ruhm erlangt, und der Staat werde, wenn ihm etwas geschehe, keine Ruhe finden, sondern von neuen Bürgerkriegen unter weit furchtbareren Bedingungen als bisher heimgesucht werden." Denn Caesars Prophezeiung ging in Erfüllung. In den 15-jährigen Kämpfen, in die sich seine Erben verstrickten, verbrannte zu Asche, was von der alten Ordnung noch übrig geblieben war.
Ob die Republik ohne den Mord an Caesar noch zu retten gewesen wäre? Wohl kaum. Zu tief steckte sie in einem Dilemma, das sie nicht auflösen konnte: Ihre Eliten begehrten die Weltherrschaft wie nichts sonst und führten ihre Legionen in Länder, deren Namen in den römischen Gassen wie Fremdwörter klangen. Ihre Eroberung verlangte mehr und mehr Offiziere und Soldaten, deren Macht, kehrte sie sich nach innen, die überkommene Ordnung tödlich bedrohte. Genau dies war geschehen, als Caesar als Sieger über Gallien nach Italien zurückgekehrt war und seinen und den Lohn seiner Tausendschaften eingefordert hatte. Dafür hatten sie ihr Leben aufs Spiel gesetzt, und niemand durfte ihnen nehmen, was sie sich so hart verdient hatten.
Caesar hinterließ ein Testament, das zunächst niemand so recht ernst nehmen wollte. Denn es erklärte seinen 18-jährigen Großneffen Octavius zu seinem Sohn und machte ihn zu seinem Haupterben. Der neue Caesar hatte im September 63 v. Chr. das Licht der Welt erblickt und war in Velitrae am Südhang der Albanerberge aufgewachsen. Der Milchbart hatte auf der politischen Bühne noch keinen Schritt allein getan. Nahm er das Erbe an, entschied dies über sein ganzes Leben. War dieser Schritt getan, gab es keine Umkehr. Er tat ihn, ungeachtet aller warnenden Stimmen, schüttelte den väterlichen Namen Octavius ab und nannte sich Iulius Caesar.
Das Vermächtnis und der Name Caesars verschafften ihm Geld, Waffen und Männer. Nur wenige von ihnen gehörten zum alten Adel, und so mancher wäre in ruhigen Zeiten zu den Feinden der Gesellschaft gezählt worden: Bankrotteure, Veteranen, die ihre Landlose verspielt hatten, Hasardeure, die auf jeden Umsturz setzten. Aber es gab auch andere, verschwiegene und unauffällige Anhänger. Ihre auf Wissen und Einfluss gegründete Macht hielt die Gefolgschaft zusammen, erschloss neue Geldquellen und öffnete die Türen zu vielen adligen Häusern, an die Caesars Adoptivsohn vergebens geklopft hätte.
Zu ihnen stießen junge und ehrgeizige Militärs. Die meisten kamen wie Agrippa, der Treueste der Treuen, aus dem Nichts, aber sie lehrten die Gegner des vermeintlich unreifen Knaben schon bald das Fürchten. Mit ihnen gelang die Aufstellung einer Armee, ohne die jedes noch so geschickte politische Taktieren ins Leere gelaufen wäre. Im Herbst des Jahres 44 sammelten sie Veteranen und aus Makedonien heimgekehrte Legionen unter den Fahnen des neuen Caesar. Sie alle köderte ein fürstliches Handgeld, und die Hoffnung, jetzt endlich Rache an den Mördern ihres Abgottes Caesar üben zu können, hob ihre Moral.
Dies aber ging nicht im Stil eines Dschingis Khan, sondern verlangte nach staatlicher Legalität. Sie wurde im Sommer 43 v. Chr. erreicht – mit Gewalt, doch wer wollte als Ankläger auftreten? Als der Senat damals zögerte, Octavian das Konsulat anzutragen, schlug der Anführer eines herbeigeeilten Soldatenrates mit einer obszönen Geste seinen Kriegsmantel zurück, deutete auf sein Schwert und rief: "Wenn ihr es nicht tut – dies wird es tun!"
Sein blanker Stahl spiegelte eine peinliche Wahrheit: Der Aufstieg des Augustus begann mit einem Akt des Hochverrats. Niemand vergaß ihn. Denn er löste einen Bürgerkrieg aus, der Unzählige das Leben kostete oder in Armut stürzte.
In diesem jahrelangen Krieg mit wechselnden Fronten kämpfte am Ende der Adoptivsohn Caesars gegen dessen treuesten Gefolgsmann, Marcus Antonius, und gegen dessen Geliebte Kleopatra, die Königin Ägyptens. Als im September 31 v. Chr. bei Actium an der Westküste Griechenlands die Kriegsflotte des letzten Gegners auf den Meeresgrund sank, richtete sich eine erschöpfte Welt darauf ein, künftig von einem Mann regiert zu werden. Sein Leben war nun unendlich wertvoll geworden. "Wollt ihn doch nicht hindern", flehten die Menschen zu den Göttern, "Retter zu sein der zerrütteten Welt."
Wie aber sollte eine Herrschaft Bestand haben, auf deren Gründungsakt die tiefen Schatten von Aufruhr und Verrat fielen? Konnte ein Mann, der so schwere Schuld auf sich geladen hatte, der Rolle des Retters überhaupt gerecht werden, konnte er Vergebung für das Leid erwarten, das er so vielen angetan hatte?
Irdische Kritik wurde zur Gotteslästerung
Vorbilder, wie dies zu erreichen war, gab es nicht. Sicher war nur eins: Die Republik war dahin. Selbst die auf ihre Geschichte stolzen Familien Roms zweifelten nun nicht mehr, dass ihre Sache verloren war. Wer von ihnen sein Leben gerettet hatte, wollte nichts mehr aufs Spiel setzen.
Verzichtbar aber waren sie nicht. Denn sie verfügten über militärische und administrative Tugenden, ohne die das Imperium nicht zu regieren war. Tacitus fällte über ihre Führer ein boshaftes Urteil: Je eilfertiger einer den Rücken gekrümmt habe, umso schneller sei er nach oben gelangt; dort habe er als "Günstling der neuen Verhältnisse die Sicherheit der Gegenwart den Gefahren der Vergangenheit vorgezogen". In der Tat: Das Sichbeugen wurde zum neuen Lebensideal des Adels und zur Voraussetzung für die Funktionsfähigkeit der Alleinherrschaft.
Was aber bewegte ihn, den Sieger im Bürgerkrieg? In welchem Gewand sollte er sich Rom präsentieren? Welche Zugeständnisse verlangte die Elite für ihre Dienste? Wie hoch war der Preis, den die Gefolgschaft, allen voran die Armee, für ihre Treue forderte? Welche Zukunft konnte der neue Herr der Welt den Untertanen versprechen, die unter der Misswirtschaft römischer Ausbeuter unendlich gelitten hatten?
Als Erstes galt es, demonstrativ Abschied zu nehmen von der Anmaßung, mit der sein Vorgänger, der alte Caesar, seinen Platz im Staat bestimmt hatte. Im Januar 27 v. Chr. stellte sich der neue den Senatoren. Mit großer Geste begrub er die eigene revolutionäre Vergangenheit und machte den Senat wieder zum Mittelpunkt des staatlichen Lebens. Wie seit Jahrhunderten sollte es keine Angelegenheit von Bedeutung geben, zu der er nicht gehört wurde.
So viel Republik, mochte mancher meinen, war nie. Er wurde schnell eines Besseren belehrt. Denn er sah nur den ersten Schritt eines sorgfältig inszenierten Coups. Der zweite folgte Tage später und war ein Akt vollendeter politischer Dressur. Der Senat, ob des zuvor Gehörten in enthusiastischer Stimmung, teilte das Reich. Er selbst behielt die Verfügung über die befriedeten Provinzen, in denen nur wenige Truppen standen. Octavian aber bekam alle Grenzprovinzen und das Kommando über die dort stationierten Legionen.
Mit diesem Beschluss trugen die Senatoren eigenhändig ihre alte Macht zu Grabe. Der Oberbefehl über die Armee und die Befugnis, Soldaten zu rekrutieren, oblagen fortan nach Recht und Gesetz dem neuen ersten Mann im Staat. Militärisch konnte seine Herrschaft künftig nur noch von eigenen, aufrührerischen Paladinen angegriffen werden.
In diesen Januartagen verschaffte Octavian der Schauspielerei in der Politik eine neue Dimension, als er die alleinige Macht hinter der Formel von der erneuerten Republik verbarg, obwohl diese längst untergegangen war. Dies aber war alles andere als eine Komödie, aufgeführt zur öffentlichen Irreführung. Denn die Verbeugung vor der Tradition diente dazu, dem Hohen Haus die Würde zu lassen, die seinen Mitgliedern die Eselslast des Dienens leichter machte.
Viele moderne Beobachter haben dies als Betrugsmanöver abgetan – zu Unrecht. Ihr Urteil verkennt die Macht der Geste, die politisch nicht minder schwer wiegen kann als die getroffenen Beschlüsse. Mit dem Kniefall vor den alten Eliten, die das Imperium geschaffen hatten, überdeckte der einstige Rebell die Rohheit seiner Militärmonarchie durch eine künstliche historische Patina und verlieh ihr damit eine Milde, die sie überhaupt erst erträglich machte. Anders: Der Gründungsakt der Monarchie wurde als Hochzeit des Usurpators mit der Republik, als Versöhnung alter Gegensätze und als Verzicht auf die Militärdiktatur gespielt.
Für das politische Überleben des Alleinherrschers aber reichte dies nicht aus. Es galt, eine Instanz zu finden, welche die Frage "Wer hat dich zum Herrscher gemacht?" überzeugend beantworten konnte. Unstrittig halfen dabei die Masken der Republik. Erprobt waren auch die Treue einer wohlversorgten Gefolgschaft und die Loyalität der Armee. Aber wirklich festen Halt konnte nur eine Instanz geben: der Himmel.
Den Segen seiner Bewohner galt es nun einzuholen. So erfuhr in den Januartagen die staunende Öffentlichkeit, welchen Beinamen der Herrscher führen wollte: Augustus. Der Begriff, mit "erhaben, heilig" richtig übersetzt, diente bis dahin als Attribut für die Götter und ihre Botschaften. Übertragen auf einen Menschen, bekam er eine ganz neue Qualität. Denn er verwies auf das heilige Vorzeichen, mit dem die Himmlischen einst die Gründung Roms begleitet hatten. Damit hob dieser Name den Sohn Caesars in eine sakrale Sphäre, in der irdische Kritik zur Gotteslästerung wurde.
Genau dies hat Augustus gewollt. Schon bei seiner ersten Ankunft in Rom 44 v. Chr., so verkündeten die Marktschreier, habe eine große Menschenmenge über seinem Haupt den Strahlenkranz der Sonne gesehen, und bei den Spielen zu Ehren der Venus habe sieben Tage lang ein Komet am Himmel gestanden, welcher der ganzen Erde Rettung und Segen verheißen habe.
Soldaten zähmt man, indem man sie marschieren lässt
In den Provinzen traf die Botschaft von der Niederkunft eines neuen Gottes auf offene Ohren. Zahllose Weihinschriften sprachen von den Hoffnungen auf eine gerechte Herrschaft, die nach so vielen Jahren der Drangsal nur ein Gott schaffen könne.
Diesem Gefühlssturm konnte sich Augustus gar nicht entziehen. Warum sollte er den Glauben von Millionen an den Erlöser von allen Übeln enttäuschen? Und warum sollte der General, der nur im Licht des römischen Rechts seine Macht allein der Gewalt verdankte, die Zuversicht der Massen zerstören, dass seine Herrschaft gottgegeben sei? Die Antwort fanden die Untertanen selbst, die sich seinen Schutz suchten. Sie bauten ihm Tempel, wählten Priester, zuständig nur für ihn, und knieten vor seiner Statue.
Diese Anbetung der Macht des Einen verband alle Menschen zwischen Britannien und Syrien, und ihre Liturgie war überall dieselbe. Dies kam einer religiösen Revolution gleich. Denn zum ersten Mal in der Geschichte des Mittelmeerraumes beteten die Menschen zu einem Gott, der ihnen allen gemeinsam war. Er beschützte sie vor den Plagen der Bürgerkriege und versprach ihnen Glück und Wohlstand. "Die Vorsehung", meißelten die Bürger des kleinasiatischen Priene in Stein, "schenkte uns Augustus, und sie sandte ihn als Heiland, der dem Krieg ein Ende machen und das All ordnen sollte."
Die welthistorische Einordnung dieses reichsweiten Kultes drängt sich geradezu auf: Als die Untertanen ihren Kaiser zum Gott erhoben, kam der Glaube an einen in Bethlehem geborenen neuen Heiland in die Welt. Dessen Lehren lehnten die Römer zwar zunächst als ihrem Lebensstil wesensfremd ab. Zugleich aber war die römische Welt durch den Augustuskult gleichsam präpariert dafür, früher oder später den christlichen Glauben auf- und anzunehmen.
Zu den Nutznießern des augusteischen Sieges gehörten viele: Soldaten, Parteigänger und Kriegsgewinnler. Sie alle forderten jetzt ihren Lohn und riefen nach Geld, Land und Ämtern. Augustus gab ihnen, was sie verlangten. Denn auch das gehört zu den Grundgesetzen des Herrschens: Hände, die man zum Regieren braucht, aber zugleich fürchten muss, beschwert man mit Gold und schmückt sie mit allen äußeren Attributen der Macht.
Unverzichtbares Fundament der kaiserlichen Befehlsgewalt blieb das Heer. Soldatische Treue war in den Wirren des Bürgerkrieges zu einer Frage des Preises verkommen. Dabei durfte es nicht bleiben. So tat Augustus, was ihm und dem Staat diente: Er entließ einen Teil der Revolutionsarmee, entlohnte die Altgedienten und half ihnen, eine bäuerliche Existenz aufzubauen und eine Familie zu gründen. Die meisten übten sich künftig in der Rolle des braven städtischen Bürgers, der am abendlichen Stammtisch mit seinen Heldentaten prahlen durfte.
Die Streitkräfte, die blieben, verwandelten sich in ein stehendes Heer. Stationiert an den Grenzen, gehorchten sie allein dem Kaiser. Damit schien der Albtraum zu Ende, hilflos marodierenden Truppen ausgeliefert zu sein. Künftig schwor der Rekrut den Diensteid auf Augustus, sein Bild trugen die Legionsadler, und seine Büste stand zwischen den Statuen der Götter, denen der Soldat opferte.
Doch allen Sicherungen zum Trotz ließen sich die Geister, die der Bürgerkriegsgeneral gerufen hatte, nicht völlig bannen. Die Armee blieb ein Wolf, den an den Ohren zu halten unendlich schwer war. Dies offenbarte nicht erst der Thronwechsel nach Augustus’ Tod im Jahr 14 n. Chr. Damals meuterten die Legionen an Rhein und Donau und schrien nach Geld und Erleichterung ihres Dienstes. Ihre Ansprüche unterstrichen sie mit der Drohung, einen ihrer Generäle zum Kaiser auszurufen.
Solche Soldaten zähmt man, indem man sie marschieren lässt. Anlässe dazu gab es im Übermaß, und niemand nahm daran Anstoß. Im Gegenteil: "Unsere Vorfahren", wusste Cicero, "führten Krieg, nicht nur um die Freiheit zu gewinnen, sondern um zu herrschen." Er sprach für ganz Rom. Daher führte Augustus Krieg wie kein Römer vor und keiner nach ihm und vergrößerte das Imperium. Denn jeder Feldzug bewies, dass seine Herrschaft dem Willen von Göttern und Menschen entsprach. Am Ende aller Triumphe herrschte er über ein Weltreich, das vom Atlantik bis zum Euphrat, von den Alpen bis zur Sahara reichte.
Zum Sinnbild des Zeitalters wurde jedoch nicht Mars, der Gott des Krieges, sondern Pax, die Göttin des Friedens. Sie symbolisierte indes mehr als ein wiedergefundenes Paradies. Der nüchterne Sinn der Römer hatte die Hoffnung auf Frieden früh mit dem Gedanken imperialer Herrschaft verbunden. "Friede, durch Siege gefestigt" lautete die von Augustus geprägte Formel.
Sie spiegelt sich auf dem Bildprogramm des Friedensaltars, der Ara Pacis. Erbaut auf dem Marsfeld in Rom, machte er das erste Gebot der augusteischen Herrscherideologie sichtbar. So sitzen sich an der Ostseite des Altars Roma, die Schutzgöttin der Stadt, und der vergöttlichte Friede gegenüber. Roma, thronend auf einem Waffenhügel, spricht von den Siegen, die den Frieden brachten, die Friedensgöttin, umgeben von Bildern der Fülle, kündet vom allgemeinen Glück und von der Wiederkehr des Goldenen Zeitalters.
Zuneigung oder gar Verehrung erfuhr Augustus nur selten
An den Segnungen dieser neuen Zeit wollten auch die Untertanen in den Provinzen teilhaben. Die Republik hatte sie Gouverneuren ausgeliefert, die als Wildhüter kamen, als Wilderer hausten und als Räuber mit reicher Beute nach Hause zurückkehrten. Der Anführer eines an der Donau tobenden Aufstandes hatte recht, als er rief: "Ihr Römer habt als Wächter für eure Herde keine Hunde, sondern Wölfe geschickt!"
Sie musste Augustus zähmen, wollte er als Retter der Welt und Bringer des Friedens geliebt werden. So begann er, auf die Klagen der Provinzialen zu hören. Mit jedem Einspruch, mit jeder in Rom ankommenden Gesandtschaft begann die kaiserliche Bürokratie zu arbeiten und Dinge zu regeln, die sie immer tiefer in die Belange der Beherrschten verstrickten.
Wohin das führte, zeigt ein Blick auf das kleinasiatische Knidos. Im Januar des Jahres 5 v. Chr. regelte der Kaiser auf Drängen der Stadt einen Kriminalfall, den die lokale Gerichtsbarkeit nicht in den Griff bekam. Zwei verfeindete Familien waren wie die Montagues und die Capulets in Shakespeares Romeo und Julia aufeinander losgegangen und hatten sich drei Tage lang geprügelt, bis einer von ihnen, von einem Mistkübel tödlich getroffen, zu Boden sank. Augustus wies den Prokonsul an, den Fall vor Ort nach den ihm mitgeteilten Verfahrensregeln abzuschließen.
Am Ende verdichteten sich die Erfahrungen einer immer effektiver arbeitenden Verwaltung zu einem Regierungsprogramm: "Keiner unserer Untertanen", schrieb Augustus an die Stadt Kyrene, "soll wider die Billigkeit etwas erleiden oder einer Erpressung ausgesetzt sein." Der Satz wies den Weg, auf dem die einst Geschundenen dem Machtanspruch Roms zustimmten und ihm Dauer verliehen. Zudem entsprach er der imperialen Logik, den Wohlstand der Untertanen durch den Frieden und durch den freien Verkehr von Waren aller Art zu mehren.
Zuneigung oder gar Verehrung, wie sie Caesar durch alle Zeiten hindurch zuflogen, erfuhr Augustus nur selten. Er finde in der Geschichte keinen, schrieb 1782 der Aufklärer Christoph Martin Wieland, "dessen Charakter zweideutiger, rätselhafter und schwerer unter einen Begriff zu fassen wäre".
Selbst die Bewunderer seiner Leistungen als Monarch lobten ihn nur hinter vorgehaltener Hand. Das Herz wärmte er ohnehin niemandem. Viele sahen in ihm den Gewalttäter, der in den Bürgerkriegen seine Pläne mit tödlicher Durchtriebenheit umgesetzt hatte. Persönlich anziehend fanden ihn nur wenige. Viele amüsierten sich über den Mann, der gerne lange Unterhosen trug, wenige fühlten mit dem skrupellosen Erotomanen ohne den Charme eines Don Juan, kaum einer verzieh es dem gefühlsarmen Moralapostel, dass er seine eigenen Lehren in den Wind schlug. Die meisten verachteten den Soldaten, der Magenkrämpfe bekam, wenn es ins Gefecht ging, und jeder belächelte den Abergläubischen, der sich beim Ausbruch eines Gewitters unter ein Seehundfell verkroch. Selbst sein ausgeprägter Familiensinn und sein lebenslanges Festhalten an der Ehe mit Livia, obwohl sie kinderlos blieb, fanden keine Lobredner. Nichts, so scheint es, spiegelt den Glanz eines Caesar, alles aber das Grau eines machthungrigen Strebers.
Seine Herrschaft jedoch, so wenig anziehend er persönlich sein mochte, priesen alle Geschlechter. Gewiss, Augustus hatte sie als Usurpator mit Feuer und Schwert gewonnen. Trotzdem stimmten ihr Rom, Italien und die Provinzen zu. In einer Mischung aus Glauben und Zuversicht zweifelten immer weniger Menschen daran, dass der Mann, der auf dem Weg zur Macht Elend und Tod gesät hatte, von sich sagen konnte, er habe das Glück auf die Erde zurückgebracht.
Die christlichen Kaiser des Mittelalters taten das Ihre, um einen Zipfel vom Ruhm dieses Römers zu erhaschen. Die karolingischen und ottonischen Herrscher rühmten sich, das Imperium erneuert zu haben. Der Augustustitel zierte ihre amtlichen Urkunden und Münzen. Und immer wieder neu war es der alte Traum vom ewigen Frieden, der die Taten des Augustus durch alle Zeiten hindurch rechtfertigte – Jahrzehnte nach seinem Tod selbst in den Augen der verfolgten Christen. "Es begab sich in jenen Tagen, dass ein Gebot vom Kaiser Augustus ausging", leitete Lukas sein Evangelium von der Geburt des Gottessohnes ein, und der Engel, den er vom Himmel steigen ließ, pries den "Frieden auf Erden". Diese Verknüpfung der kaiserlichen Order mit der Geburtsgeschichte Jesu wirkte lange nach. Das Imperium Roms und sein Kaiser als Retter und Heiland ordneten sich in den göttlichen Heilsplan ein.
Augustus hätte dieser Deutung gewiss zugestimmt. Nicht so der Nazarener, der zum Mann geworden war, als ihn in einem stillen Winkel Galiläas die Nachricht vom Tod des Kaisers erreichte. Denn seine Predigt galt nicht einem Paradies in dieser, sondern in einer jenseitigen Welt. Dorthin öffnete nur der Tod das Tor. Und der Retter, der den Weg wies, konnte auch kein Mensch sein, der zum Gott wurde, sondern nur ein Gott, der Menschengestalt annahm.
Der Autor
ZEIT-Gastautor Werner Dahlheim, Jahrgang 1938, ist Professor em. für Alte Geschichte an der Technischen Universität Berlin. 2010 erschien bei C. H. Beck seine Biografie Augustus. Aufrührer, Herrscher, Heiland
https://www.zeit.de/zeit-geschichte/2014/02/kaiser-augustus-roemisches-reich/komplettansicht
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