Wow, ich bin ein wenig aufgeregt.
Mein erster Eintrag in einem Blog jemals! Es wird in diesem Falle tatsĂ€chlich sogar ein Geburtstagspost an meinem Geburtstag (zumindest habe ich ihn wĂ€hrend des Geburtstages geschrieben, nun doch ein wenig verspĂ€tet gepostet). Ich bin nun also 27 Jahre, fĂŒhle mich weder alt noch jung gerade, sondern lediglich ziemlich ĂŒbermĂŒdet, leicht aufgekratzt und verdammt glĂŒcklich. Bisher war der Tag einfach perfekt, gerade noch saĂ ich am Flughafen Köln/Bonn â allerdings nur fĂŒr den nĂ€chsten Fernbus und jetzt schon sitze ich im Bus, schreibend.
Ich bin, seitdem ich gestern den Blog erstellt habe und mich schon einmal um das Aussehen gekĂŒmmert habe, voller wirrer Gedanken, WAS ich schreiben möchte und was nicht, wie ich das Ganze aufziehen und was ich lieber vermeiden möchte.
Nun, meine Ideen werden uneingeschrĂ€nkt zahlreicher und ordnen kann ich sie gerade mit zweieinhalb Stunden Schlaf letzter Nacht (naja, es war genau genommen schon morgens, dank Mate- meiner Hassliebe!) wirklich schlecht. Wer mich kennt, solche Szenarien passieren mir hin und wieder⊠Weniger Schlaf, als ĂŒblich, aber auch die wirren Gedanken gekoppelt mit unzĂ€hligen Ideen. Was dabei rauskommen wird?! Ich weiĂ es noch nicht. Sehr wahrscheinlich werden es ungefilterte persönliche Auseinandersetzungen mit mir selbst und meiner Umwelt. Eventuell wird es auch ein bi- oder sogar bald trilingualer Blog?! :) Das Chaos ist also vorprogrammiert â stellt euch drauf ein! Emotionen, wirre GedankengĂ€nge, in unregelmĂ€Ăigen AbstĂ€nden nach Lust und Laune! Ich bin mir allerdings sicher, dass ich euch â wer auch immer sich dazu zĂ€hlen mag â auf dem Laufenden halten möchte. Ich bin generell schon ein groĂer Social Media Muffel! Dabei schreibe ich schon echt lange und liebend gern, nur mit dem Unterschied, dass ich es fĂŒr mich tue. Teils mehrmals am Tag viele Seiten, teils wochenlang gar nichts. Aber die Entscheidung ist gefallen; ich möchte meinen Gedankenwust, emotionalen Irrsinn und mir persönlich wichtigen Momente teilen. Vor allem aber in Bezug auf das weltwĂ€rts Jahr! Darum soll es hier im weiten Sinne nĂ€mlich gehen. Sarah geht weltwĂ€rtsâŠ
Social Media, kein SelbstverstĂ€ndnis fĂŒr mich: Ich bekomme nach wie vor unterschiedlichste Reaktionen darauf, dass ich Ende letzten Jahres doch ein Facebookprofil erstellt habe. Der GroĂteil der Reaktionen ist voller VerblĂŒffen und die meisten können es nicht fassen. War ich doch sonst immer stark dagegen, sehr voreingenommen, wollte mit dem ganzen Zeug einfach nichts am Hut haben und war glĂŒcklich ohne. Doch seitdem ich immer mehr gereist bin, eine halbes Jahr in Kalifornien lebte und mittlerer Weile liebe Menschen ĂŒberall auf der Welt kenne â ist es einfach einfacher. Ja, auch ich bin bequem. Versuche trotzdem mir meine Grenzen zu setzen und meine Bedenken ernst zu nehmen und so kommt es nun, dass ich trotzdem einen Blog schreibe. Auch mich lĂ€sst das Staunen!
ZurĂŒck zu dem Punkt, WARUM ich das hier alles ĂŒberhaupt initiiere. Der Auslöser ist ein Jahr mit weltwĂ€rts nach Nicaragua. Das BedĂŒrfnis, Menschen von meinen Geschichten zu erzĂ€hlen â eben die innigsten Momente, emotionale Tiefen und Höhen sowie die allergeilsten Momente und Erfahrungen zu teilen, einen AUSTAUSCH anzuregen, Menschen da drauĂen von der Welt aus meinen Augen blicken zu lassen! :) ErgĂ€nzend hilft der Blog und die mir erschaffte Aufgabe bei der emotionalen Vorbereitung auf das Jahr.
Der ganz andere Auslöser sind meine Wurzeln. Ich bin aufgewachsen im schönen MĂŒnsterland, nahe der hollĂ€ndischen Grenze, in einem bezaubernden Dorf mit nichtmal 7Tausend Einwohnern (Stand 2010, wenn man Wikipedia fragt und das Nebendörfchen dazu zĂ€hlt). Ich mochte es sehr, als ich klein war und habe es wirklich genossen dort aufzuwachsen. Unfassbar, dass ich mich einige Male als Grundschulkind mit dem Fahrrad auf dem Heimweg ohne Orientierung verfahren konnte! Die Ăberschaubarkeit hatte einen positiven Nebeneffekt, sodass ich mich recht frĂŒh getrieben fĂŒhlte auszubrechen und in die Welt zu ziehen, weil ich nicht das bekam, nachdem ich suchte. Mittlerer Weile weiĂ ich, dass ich dieses verschlafene Dorf im Innern liebe! Es hat mich geprĂ€gt und fast jede Ecke und einen GroĂteil der Menschen zu kennen ist was Wundervolles im Zeitalter der Entfremdung und AnonymitĂ€t. Ich mag die NĂ€he, aber um dort zu bleiben, bin ich viel zu getrieben von meiner BegeisterungsfĂ€higkeit, der Wissbegierigkeit, sowie dem GefĂŒhl dass es noch mehr zu entdecken gibt!
Ein Telefonat mit einem lieben Menschen (bevor man der Person an die Kehle springt ohne Name) vor circa einer Woche ergab den Satz, der mir seitdem bestĂ€ndig im Kopf herumspukt: âDie Menschen bekommen viel zu schnell Angst vor dem Ungewissen; sobald sie nicht mehr ihren Kirchturm sehen, geraten sie in Panik.â Ich sehe die Aussage ein wenig kritisch, kann sie nicht verneinen und nicht bejahen und möchte sie gerne differenzierter sehen. Provokativ ist er alle Male. Der Satz bringt aber eines fĂŒr mich auf den Punkt: Mein Bild der Menschen im herzallerliebsten Dorf vor ein paar Jahren. Hart verurteilend, oder? (Zudem traue ich es mich kaum zuzugeben, da ich gerne den Blog auch unter die Dorfmitbewohner_innen verbreiten möchte, aber das waren meine Gedanken, die wiederum geholfen haben, mich rĂ€umlich zu distanzieren und dann doch wieder im Herzen zurĂŒck zu finden). Das erklĂ€rt allerdings doch sehr, warum es mir ein Anliegen ist, den Austausch von verschiedenen Kulturen zu fördern, zu zeigen, dass man keine Angst haben muss vor dem Unbekannten. Gefahren lauern ĂŒberall, die Gefahr in dem Fremden zu sehen, finde ich schwer zu akzeptieren. Manche finden es naiv, andere bemerkenswert.
Was ich nicht möchte ist, Menschen zu sagen, sie sollten tunlichst raus und vom Land wegziehen. Ganz und gar nicht. Ich möchte euch lediglich ein wenig teilhaben lassen an dem, was ich erlebe.
Ich möchte Ăngste abbauen, Menschen empowern* und hoffentlich ermutigen, ihre eigenen Erfahrungen zu machen! :)
Wo wir wieder beim Projekt wÀren, mit dem ich weltwÀrts gehe und denen ich hoffentlich eine Hilfe sein kann: Asociación colectiva de mujeres constructoras de Condega (AMCC).
Ich möchte euch kurz die Organisation vorstellen: âDie AsociaciĂłn Colectiva de Mujeres Constructoras de Condega (AMCC) begann ihre Arbeit schon in den 90er Jahren und setzt sich fĂŒr die Förderung von Frauen in lĂ€ndlichen Regionen um die Kleinstadt Condega ein. Erste Erfahrungen machte eine Gruppe von Frauen 1987 beim selbststĂ€ndigen Bau der Tischlerei. SpĂ€ter wurden von AMCC gezielt Gruppen von Frauen motivierte eine Ausbildung in technischen Berufen wie Schreinerin oder Elektrikerin an zu gehen. Neuerdings wird auch Lehmbau und Wartung von Solaranlagen in Kursen angeboten. Gleichzeitig bietet die Organisation Kurse fĂŒr junge MĂ€dchen im Bereich SexualaufklĂ€rung und ârechte, sowie Kommunikation an. Ziel ist dabei die Förderung einer ganzheitlichen Entwicklung von Frauen â es geht neben einer Ausbildung auch um die StĂ€rkung des Selbstbewusstseins der Frauen. Die erlangten Kenntnisse sollen dann an andere junge Menschen weitergegeben werden. AMCC will durch diese Arbeit den Frauen eine persönliche und berufliche Entwicklung ermöglichen und gleichzeitig zu einem sozialen Wandel beitragen.â (Auszug aus der âStellenbeschreibungâ)