22.2.2020
Wie ich mich sehr dramatisch selber aus meinem Server aussperre
Ich will für den Kommunalwahlkampf die Website unseres Partei-Ortsverbandes aufpeppen. Die läuft auf WordPress, was ich sehr gut kenne.
Auf meinem eigenen Server habe ich eine Sandbox eingerichtet, über die ich das Projekt abwickeln kann. Die Sandbox ist einfach ein Servername auf meiner eigenen Domain, also zum Beispiel sndbx0.doamin.de
Heute will ich dem Vorstand zeigen, was ich umgesetzt habe und warum.
Auf der Sandbox liegt ein Passwortschutz. Bevor man irgendetwas sieht, muss man in ein aufpoppendes Fenster einen User und ein Passwort eingeben. Damit sperre ich auch Google aus – wenn mal irgendjemand versehentlich die Adresse meiner Sandbox bei Google eingibt, würde sie möglicherweise gescannt und wäre als scheinbare Webseite der Partei auffindbar.
Ich vertippe mich beim ersten Mal. Und nochmal. Versuche das andere Passwort. Geht auch nicht.
Ich logge mich in die Adminoberfläche ein und deaktiviere die Passwörter.
Im Tab mit der Sandbox kommt nun eine Fehlermeldung, dass der Server die Verbindung ablehnt.
Auch auf meiner Website. Auch auf den anderen ca. 10 Domains, die ich dort hoste.
Ich boote den Server über das Admininterface neu.
Hilft nicht.
Möglicherweise hat die Adminüberfläche die Konfiguration der Sandbox so zersemmelt, dass der Webserver gar nicht mehr läuft. Ich deaktiviere die Sandbox im Webserver, um wenigstens die anderen Domains wieder online zu bekommen – kein Erfolg.
Während ein anderer Tagesordnungspunkt vorgezogen wird, versuche ich, den Fehler zu finden. Ich logge mich per Kommandozeile ein. Die Konfiguration scheint ok, der Webserver läuft. Im Log sehe ich sogar Zugriffe von einem Downtime-Monitor, der mir eine Mail schreiben sollte, wenn die Webseiten nicht erreichbar sind.
Komisch.
Ich versuche es per Handy.
Kein Erfolg. Liegt es vielleicht am Netz, das wir im Büro haben und in dessen WLAN ich bin?
Ich deaktiviere das WLAN. Zack, alle Webseiten funktionieren.
Mir schwant was. Auf dem Server läuft ein Dienst namens “fail2ban”, der wie ein Türsteher alle Netzwerkadressen mit mehr als drei Login-Fehlversuchen komplett für 24 Stunden vom Webserver aussperrt. Brute Force Abwehr nennt man das.
Ich werfe einen Blick in die Konfiguration des Tools. Zwei Adressen werden aktuell gesperrt. Eine davon ist überraschenderweise die unseres Routers, mit der wir alle ins Netz gehen. Ich setze sie auf die Liste “Vertrauenswürdige Adressen”, sie wird jetzt nie wieder gesperrt und der Zugriff auf die Website funktioniert wieder.
Das Ganze ist noch peinlicher, weil mir exakt dasselbe auch zu Hause passiert ist.
Zweimal.
Aber wir sind ja unter uns, ihr erzählt das ja nicht weiter.
(Volker König)



















