Es gibt Tage, an denen bin ich schrecklich überempfindlich. Da ertrage ich kaum meine eigenen Berührungen. Meine eigene Stimme ist mir zu laut und zu hoch und meine eigenen Gedanken, kratzen gehörig an meinen Nerven. An diesen Tagen, mischen sich die Klänge in meiner Umgebung unangenehm ineinander und fluten meinen gestressten Kopf. Jede zufällige Berührung eines fremden löst bei mir eine Gänsehaut aus. Der fremde Mann neben mir in der Bahn, der einfach nur auf seinem Platz sitzt und etwas zu füllig für den schmalen Sitz ist. Die Frau die kurz gegen mich kippt, als die Bahn scharf zu bremsen beginnt. Zufällige Berührungen die ich eigentlich gar nicht wahrnehmen würde, lösen in mir das Gefühl aus, wirklich jetzt sofort hier aussteigen zu müssen. An diesen Tagen kann es passieren das ich mich selbst so sehr nerve, dass ich am liebsten einfach schlafen gehen will, egal ob es erst ein Uhr Mittag ist. Ich will mich dann in mein Bett legen, die warme Decke ganz dicht um meinen Körper gewickelt, so das wirklich nichts mehr an mich herankommen kann. Aber leider geht das in diesen Momenten meistens nicht, weil ich ein erwachsener Mensch bin, der erwachsenen Dinge machen muss wie Arbeiten gehen und einkäufe erledigen und Sachen regeln, die mir dann manchmal zu viel sind. An diesen Tagen wiederhole ich mantraartig: Es ist nur ein Tag und nicht dein Leben. Es ist nur ein Tag und nicht dein Leben. Es ist nur ein Tag und nicht dein Leben. Ich wiederhole das so lange bis ich mich soweit beruhigt habe das ich weitermachen kann mit dem was ich gerade halt so machen muss. Und ich beruhige mich tatsächlich, weil ich weiß das dieser Satz voller Wahrheit steckt und keine billige Lüge ist. Es ist nur ein Tag und nicht mein Leben. Morgen ist das vorbei. Morgen ist eine Bahnfahrt für mich wieder nur eine Bahnfahrt und kein kleiner Nervenzusammenbruch. Morgen ist ein neuer Tag.