Laird HasenbÀr in Schottland - Tag 19 Teil 1
Was haben wir es hĂŒbsch hier, in Broughty Ferry. Unser Appartement ist ĂŒberraschend modern und sehr elegant ausgestattet.
Besonders hat es mir der nachtrĂ€glich angebaute Wintergarten angetan.Â
Die StĂŒhle darin finde ich ausgesprochen praktisch: mit einem eingearbeiteten Anbindering, etwa fĂŒr ein Pferd oder einen Hund.
Man weiĂ ja nie, was die GĂ€ste so alles mitbringen - da muss man vorbereitet sein ...
Besonders hervorzuheben sind die kleinen Aufmerksamkeiten, die dem Gast zur VerfĂŒgung gestellt werden und willkommen heiĂen. Alles sehr nett!
Der Ort Broughty Ferry ist ein Ferienort an der NordkĂŒste des Firth of Tay, etwa vier Meilen östlich von Dundee, im âSpeckgĂŒrtelâ gelegen.
Zu verschiedenen Zeiten wurde es "Brighton des Nordens" oder "The Jewel in Dundee's Crown" genannt und ist nach wie vor ein beliebtes Ausflugsziel, da es nur einen Katzensprung von Schottlands viertgröĂter Stadt entfernt liegt.
Es gilt als erwiesen, dass es bereits eine Siedlung in diesem Teil der NordkĂŒste des Tay im frĂŒhen 14. Jahrhundert gab, die hier lebten und fischten.
Es existierte auch schon eine kleine FĂ€hre die den Firth of Tay an dem, was ursprĂŒnglich als Partan Craig oder "Crab Rock" bekannt war, ĂŒberquerte.
Etwas spÀter wurde die strategische Bedeutung des Ortes erkannt und 1454 erhielt der 4. Earl of Angus von König James II die Erlaubnis, hier eine Burg zu erbauen.
Das Broughty Castle hat eine hervorragende Lage. Es steht an der Spitze einer seichten Stelle, die von der attraktiven Stadt Broughty Ferry, vier Meilen östlich von Dundee, in die MĂŒndung des Firth of Tay hineinragt. Das Wort âBroughtyâ kommt aus dem GĂ€lischen, es setzt sich zusammen aus âbruachâ fĂŒr âUferâ und âTathaâ fĂŒr âTayâ.Â
Kurz bevor sich die MĂŒndung des Flusses Tay endgĂŒltig zur Nordsee hin öffnet, kommen sich die beiden Ufer noch einmal sehr nahe. Genau hier war der strategisch gĂŒnstigste Ort, um die Einfahrt in den Tay zu kontrollieren.
Denn wer in den Firth of Tay hineinkam, dem stand der Weg offen weit hinein ins Hinterland. Immerhin ist der Tay mit 193 Kilometern der lĂ€ngste Fluss Schottlands. Â
Im Jahre 1454 erhielt der 4. Earl of Angus von König James II die Erlaubnis, hier eine Burg zu errichten. Es ist unklar, welche Form diese erste Burg hatte oder wie groà sie war. Sie war möglicherweise nicht sehr umfangreich.
Feindliche Schiffe konnte man schon in der Ferne aufs Korn nehmen. Anders herum dagegen war es schwieriger: die schnelle Strömung des Tay machte es den KapitĂ€nen schwer zu zielen. Â
1490 erhielt der zweite Lord Grey die Erlaubnis, die Burg weiter auszubauen. Nach einem Datum zu urteilen, das an der Wand des Schlosses eingraviert ist, dauerten die Bauarbeiten bis 1496.
Zu diesem Zeitpunkt bestand das Schloss aus einem Turmhaus mit vier Stockwerken plus Dachgeschoss, komplett mit einem Mauergang an der Spitze. Dieser stand auf der Landseite einer unregelmĂ€Ăig geformten, ummauerten Einfriedung, die an ihren nordöstlichen und sĂŒdwestlichen Ecken zusĂ€tzliche kleinere TĂŒrme hatte.
Wie bei anderen Ă€hnlichen Schlössern, die zu dieser Zeit gebaut wurden, befand sich die Haupthalle des Schlosses im ersten Stock des Turms, ĂŒber gewölbten GeschĂ€ften und einer KĂŒche. FĂŒr den Laien ist die Lage der Haupthalle ganz einfach daran zu erkennen, dass dort die Treppenstufen der Wendeltreppe am bequemsten zu besteigen sind. Willkommene Besucher sollten es schlieĂlich komfortabel haben.
Die oberen beiden Stockwerke des Turms boten SchlafrĂ€ume, deren Zugang ĂŒber die Treppen nicht ganz so mĂŒhelos war. Niemand wollte gerne im Schlaf ĂŒberrascht und ĂŒbermannt oder gar ermordet werden.
ZusĂ€tzliche UnterkĂŒnfte wurden an den InnenwĂ€nden des Innenhofes im SĂŒden errichtet wurden.
Das Broughty Castle spielte in den drei Jahren bis 1550 eine zentrale Rolle in der schottischen Geschichte. 1547 unterstĂŒtzte Lord Grey die einfallende englische Armee gegen die katholische Seite der jungen Königin Maria Stuart.
Die EnglÀnder kamen am 20. September 1547 auf dem Seeweg in Broughty Castle an, zwei Wochen nachdem sie die schottische Armee in der Schlacht von Pinkie besiegt hatten.
Die Burg wurde ihnen ĂŒbergeben, und die EnglĂ€nder machten sich sofort daran, die ziemlich schwache Verteidigung zu verbessern. HauptsĂ€chlich erbauten sie einen Verteidigungsgraben ĂŒber die landseitige Zufahrt zur Burg und eine Nebenfestung in kurzer Entfernung nördlich auf dem Balgillo-HĂŒgel.
Von der Burg aus beeinflusste die Besatzung auch die Stadt Dundee. Etwas, das der schottischen Krone nicht gefallen konnte. Â
Am 22. November 1547 trafen schottische Truppen ein, aber trotz der Zerstörung von Teilen des Turms konnten sie die Burg nicht zurĂŒck erobern.
Die EnglĂ€nder verstĂ€rkten ihren Einfluss auf das Gebiet in den folgenden Monaten, wĂ€hrend die Schotten und die unterstĂŒtzenden Franzosen ihre StreitkrĂ€fte in Dundee aufbauten.
Es dauerte bis 1550, bis die Schotten mit französischer UnterstĂŒtzung die Burg zurĂŒckeroberten. Am 20. Februar 1550 gelang es den Franzosen und Schotten, ein kleines Fort, das ebenfalls von den EnglĂ€ndern gehalten wurde, ein kurzes StĂŒck nördlich auf dem Balgillo Hill zu erobern, und am folgenden Tag ergab sich ihnen Broughty Castle. Â
Die SchĂ€den am Schloss wurden repariert und die Greys zogen fĂŒr relativ ruhige hundert Jahre wieder ein.
Aber 1651 unterstĂŒtzte die Familie die Sache der Royalisten im BĂŒrgerkrieg, was dazu fĂŒhrte, dass General George Monck und seine parlamentarische Armee am 31. August die Burg angriffen. Die Verteidiger flohen kampflos.
Es war die Zeit unter âSchlĂ€chterâ Oliver Cromwell. General Monck brandschatzte und massakrierte etwa 5.000 Einwohner. Die erbeuteten ReichtĂŒmer nahm er an Bord seiner Schiffe und segelte davon.
Es war der Fluss Tay selbst, der Dundee rĂ€chte. Schwere Winde und die Strömung lieĂ alle 60, mit ReichtĂŒmern beladenen, Schiffe sinken. Monck ĂŒberlebte und sollte Schottland noch weiter knechten. Die SchĂ€tze aber bewachen bis heute die Fluten des Tay.
Die Familie Grey verkaufte Broughty Castle im Jahr 1666 und es geriet im Laufe des folgenden Jahrhunderts langsam in Vergessenheit und zerfiel. Das Castle spielte schon keine Rolle mehr in den Turbulenzen des 18. Jahrhunderts und wurde bereits 1787 als Ruine beschrieben.
1801 entwarf der lokale Landbesitzer George Hunter einen Plan fĂŒr eine neue Stadt an der Stelle, die bis dahin lediglich als "North Ferry" bekannt war. Das von ihm entwickelte Gittermuster wurde 1825 weiter ausgebaut, und Broughty Ferry begann zu wachsen.
Eine Zeichnung aus dem Jahr 1807 zeigt eine traurige, dachlose HĂŒlle des Castles. Trotzdem wurde es 1821 mit dem Versprechen zum Verkauf angeboten, dass die Reparaturen kostengĂŒnstig wĂ€ren. Und âversprechenâ kann sich ja jeder einmal ...
Bald folgten eine Werft und eine Rettungsstation, und 1839 eröffnete die Dundee and Arbroath Railway einen Bahnhof in Broughty Ferry, das sich schnell als der begehrteste Wohnort um Dundee etablierte.
1846 wurde das Broughty Castle von der Edinburgh and Northern Railway Company gekauft, die daraufhin den Broughty Ferry Railway Quay direkt im Westen fĂŒr die EisenbahnfĂ€hre baute, mit der ZĂŒge ĂŒber den Firth of Tay transportiert wurden. Bis zur Fertigstellung der Tay Bridge im Jahr 1878 war die FĂ€hre offizieller Teil der Eisenbahnverbindung zwischen Edinburgh und Aberdeen. Â
Mit den EigentĂŒmern der florierenden Jutefabriken und Walfangschiffen der Stadt, die alle nach Broughty Ferry umsiedeln wollten, wurde es fĂŒr eine Weile als "reichste Quadratmeile in Europa" bekannt.
Mit der wachsenden Angst vor einer Bedrohung durch die russische Marine durch den Krimkrieg rĂŒckte die strategisch wichtige Lage von Broughty Castle wieder in den Vordergrund. Es wurde 1855 vom Kriegsministerium gekauft.
Bis 1860 wurde nichts weiter unternommen, als angesichts der BefĂŒrchtungen eines Krieges mit Frankreich mit den Arbeiten an einer umfassenden Befestigung des Schlosses begonnen wurde.
Die Arbeiten wurden nach dem Entwurf des Architekten Robert Rowand Anderson ausgefĂŒhrt, und obwohl der Kern des Turmhauses aus den 1490er Jahren erhalten blieb, wurde ein GroĂteil des Restes der Struktur und der Umgebung erheblich verĂ€ndert.
In den Jahren 1886-7 wurde unmittelbar östlich der Burg eine neue Kaserne gebaut, um die Taucher unterzubringen, deren Aufgabe es sein wĂŒrde, im Kriegsfall Minen ĂŒber den Firth of Tay zu legen. Eines der damals hinzugefĂŒgten GebĂ€ude steht noch.
Weitere Ănderungen wurden 1889 bis 1891 vorgenommen; wĂ€hrend des Ersten Weltkriegs; und wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs, als ein Aussichtsposten an der Spitze des Wohnturms angebracht wurde.
1969 wurde Broughty Castle als Museum eröffnet und ist kostenlos zu besichtigen. Es bietet auch einen fabelhaften Blick ĂŒber die Broughty Ferry und entlang und ĂŒber den Firth of Tay. Â
Das Museum wird von Leisure & Culture Dundee betrieben, wÀhrend die Struktur des Schlosses selbst in der Obhut von Historic Environment Scotland ist. Zu sehen gibt es hier einiges.
Wenn man das Schloss betritt, wird man mit einer Reihe von drei Kanonen konfrontiert. Dies sind Ă€uĂerst seltene gezogene 40-PfĂŒnder mit Hinterlader, die von der Firma Armstrong hergestellt und wahrscheinlich in den 1860er Jahren in der Burg installiert wurden.
Zu einem spÀteren Zeitpunkt wurden sie entfernt und mit dem Hinterteil nach unten auf dem nahe gelegenen Pier vergraben, wobei die oberen drei Fuà ihrer FÀsser hervorstanden, um Poller zu bilden. Erst 1989 erkannte ein Passant, worum es sich tatsÀch handelte, und die Kanonen wurden im folgenden Jahr wieder ausgegraben und restauriert.
Dann ist da das KernstĂŒck, das alte Towerhouse â eine typische Burgform in Schottland. Das Museum nimmt die oberen vier Stockwerke des Wohnturms ein.
Im ersten Stock, in dem sich auch die Rezeption befindet, finden sich eine Ausstellung ĂŒber âBroughty Lifeâ, die sich mit der Geschichte von Broughty Castle und Broughty Ferry befasst und einige hervorragende Modelle der EisenbahnfĂ€hren enthĂ€lt.Â
Dazu sieht man FundstĂŒcke von Ausgrabungen der Umgebung. Darunter ein Tonbecher, der  aus der Epoche zwischen Jungsteinzeit und Bronzezeit stammt. Â
Die zweite Etage ist ein Ausstellungsraum fĂŒr einen Teil der Kunstsammlung von James Guthrie Orchar, der im spĂ€ten 19. Jahrhundert einer der prominentesten GeschĂ€ftsleute von Dundee war.
Im dritten Stock finden man âBroughty Life on Landâ, eine Ă€uĂerst interaktive Ausstellung ĂŒber die Naturgeschichte der Region. Der Besucher lernt hier die Tierwelt im Tay-MĂŒndungsgebiet kennen. Â
In der obersten Etage befindet sich die âMilitĂ€rgalerieâ, die die Geschichte der militĂ€rischen Vergangenheit des Schlosses erzĂ€hlt. Unter anderem eine Waffensammlung â auch mit Exponaten aus den ehemaligen Kolonien GroĂbritanniens. Â
Von der obersten Etage aus gelangen man zu dem Aussichtsturm, der wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs an der Spitze des Schlosses errichtet wurde, dem buchstĂ€blichen Höhepunkt eines Besuchs. Dort schweift der Blick ĂŒber den langen Strand von Broughty Ferry.Â
Leider wurde der Turm am Mittag wegen heftiger Sturmböen, die bis zu 70 km/h erreichten, geschlossen. Da sahen wir frisurtechnisch aber schon aus, wie die verloren geglaubten Verwandten von Boris Johnson.Â
Im Castle selber wird fĂŒr Kinder unglaublich viel an Spiel und Unterhaltung geboten. Es gibt ganze Spielecken in denen gemalt und gebastelt werden kann.
Die vielen groĂen, prachtvollen viktorianischen HĂ€user sind nach wie vor ein wichtiger Teil dessen, was Broughty Ferry auch heute zu einem so attraktiven Ort macht.