Vom Brenner nach Bozen wollte ich schon lange mal fahren, einfach um mitreden zu können und ein Gefühl für die Strecke zu bekommen. Also habe ich im kostenlosen Parkhaus des Outlet-Centers am Brennerpass geparkt und bin mit dem Mountainbike nach Süden gefahren, auch mit dem Ziel, mir die Orte, an denen man sonst mit dem Auto nur vorbeifährt, etwas anzuschauen.
Am besten hat mir Sterzing gefallen. Das Zentrum hat eine liebliche Atmosphäre. Ähnlich ist es in Brixen, nur etwas größer. Bozen hat mich dagegen wenig angesprochen. Ist halt auch mehr Stadt. Hier wird das südtiroler Flair von den vielen Geschäften überlagert. Es kam mir vor wie ein überdimensionales Olympia-Einkaufszentrum (Anm.: Das ist in München). Da ist Meran tausend Mal schöner als Bozen.
Unabhängig davon kann ich den Brennerpass für eine Alpenüberquerung nicht empfehlen. Da sind die Routen über das Verwalltal und das Paznaun oder das Obere Inntal und den Reschensee (Via Claudia Augusta) viel schöner. Vom Brenner nach Bozen geht es zwar fast nur über Radwege, aber die Staatsstraße ist häufig in der Nähe und so kehrt kaum Ruhe ein. Immerhin habe ich jetzt einen Eindruck von Sterzing, Brixen und Bozen.
Mit Alpenüberquerung im Sinne von Mountainbiking hat der Brennerpass eigentlich nichts zu tun. Der Brennerpass ist meines Erachtens eher was für mit Satteltaschen bepackte Radreisende, für die der Fimberpass oder die Uina-Schlucht nicht zu bewältigen sind. Wobei die Via Claudia Augusta auch mit schweren Satteltaschen zu schaffen ist. Das kann ich bestätigen. Die Via Claudia Augusta würde ich dem Brennerpass immer vorziehen, das schöne Vinschgau genießen und Meran anschauen. Hinzu kommt, dass die Auffahrt von Innsbruck zum Brenner, die ich vor einiger Zeit mal gefahren bin, kaum über Fahrradwege führt und wenig attraktiv ist.
Mit den Ortsbesichtigungen sind es vom Brenner nach Bozen für mich 111 km gewesen. Und obwohl es tendenziell bergab geht, waren es dennoch 800 Höhenmeter (lt. Relive) oder auch 1300 Hm (lt. Garmin Connect). Da weiß man auch nicht, was man glauben soll.
Schon auf den ersten Kilometern nach Sterzing habe ich mich gewundert, warum mir auf der Bahnlinie keine Züge entgegenkamen. Mir schwante schon Böses und wie ich später herausfand, war die Bahnlinie zwischen Franzensfeste und Brenner wegen Bauarbeiten tatsächlich unterbrochen. Da musste ich mir für den Rückweg zum Auto also als etwas einfallen lassen. Wenigstens kam ich trotz der dicken Wolken trocken in Bozen an.
Von Bozen zurück nach Franzensfeste habe ich dann den Zug genommen und eigentlich hatte ich schon eingeplant, dass ich die drei Stunden bis zum Brennerpass wieder mit dem Rad fahren muss. Denn der Ersatzbus nahm keine Fahrräder mit. Die Radfahrer hat man beim Schienenersatzverkehr offenbar vergessen. Immerhin hat mich ein Regionalbus bis nach Sterzing mitgenommen, so dass ich nur die letzten 20 km bzw. 1,5 Stunden hinauf zum Pass radeln musste. Denn eigentlich reicht es, wenn man diesen Radweg einmal gefahren ist, egal in welche Richtung.
In Sterzing habe ich aber erst eine Pause eingelegt. Polenta mit Gorgonzola überbacken und Pfifferlinge. Mal was anderes. Inzwischen war es dunkel geworden und es regnete in Strömen. Aber das war mir dann auch egal. Um 22:30 Uhr war ich wieder am Auto.