Never mind the Berner Fasnacht. Here's the Schnitzupönks! 2024
Never mind the Berner Fasnacht. Here's the Schnitzupönks. 2024
Never mind the #Berner #Fasnacht. Here's the #Schnitzupönks 2024
Vor etwa sechs Jahren, anlĂ€sslich eines Familienfestes, habe ich entdeckt, dass ich gerne SchnitzelbĂ€nke schreibe. Ăber die Jahre hinweg habe ich immer wieder welche geschrieben, sie dann aber fĂŒr mich in der Schublade behalten.
Dieses Jahr wollte ich sie mal publik machen, was ich wahrscheinlich rasch bereuen werde.
Ich bin sehrâŠ
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Gedanke zur Schpraach im Buech «ChĂŒngold in dr Stadt»
D Schpraach vor Maria Lauber im Buech «ChĂŒngold in dr Stadt» isch Ă€s wunderbarsch Zytdokument fĂŒr dr DialĂ€kt vom Frutigland vor meh weder 50 Jahre. D Schpraach isch öppis LĂ€bigs, u öppis LĂ€bigs verenderet sech.
Von Hansruedi IndermĂŒhleÂ
Maria Lauber. Foto:Â Kulturgutstiftung Frutigland
Aber nid nume d Schpraach het sech verenderet, Ă€ ganz Ă€ Huuffe anderi Sachen o. Bim MĂ€lche u bim Höie isch hĂŒt fascht alls mechanisiert. Ir Chuchi het dr ElektrohĂ€rd dr HolzhĂ€rd verdrengt, mit em Outo transportiert me LĂŒt u War vil ringer. U das alls wĂŒrkt sech o uf ĂŒsi Schpraach us. Wörter verschwinde, anderi cheme nöi drzue. U fasch alli nöije Wörter cheme usem Englische.
Wort verschwinde, wils di Sache nid meh git
NĂ€ppi (ZwanzigfrankenstĂŒck): Ds NĂ€ppi gits nimme, aber dr Usdruck wird öppe no fĂŒr nes Zwenzgernötli brucht. I ha i mier Juget no ghört, wo ne Unggle vo mier bimene Vehhandel het ygschlage u gsiit: «Dr Prys isch guet, u de gisch da am Schtatterbueb no grad Ă€ NĂ€ppel». Dr Schtatter-bueb bin i gsy. Dr Hendler het wĂ€ge dem NĂ€ppel nĂŒt meh vo dem Handel welle wĂŒsse un isch drvogloffe. Un i ha dem Zwengernötli no lang nachitruuret.
Santine (Rappen): Dr RĂ€ppler gits nimme. Bim Wort Santine gseht me, wi gross dr Yfluss vom Französische uf ĂŒse DialĂ€kt lang isch gsy, Santine chunnt vom Französische Centime.
Nachtgschiri (Nachttopf), das Nachtgschiri brucht me nid meh, d Tualette isch im Huus inne, u mi brucht ir Nacht nid meh uf d Luube usi fĂŒr ga z bysle. Ăs git im BĂ€rndĂŒtsche ĂŒbrigens ds Wort Potschamber fĂŒr dr Nachttopf, Französisch pot de chambre.
GschtĂ€ltli (Unterkleid): A dem GschtĂ€ltli hii d Chind im Winter irer miischtens schafwullige SchtrĂŒmpf agheecht, aber weler Chind trage no wullegi SchtrĂŒmpf? Mier hii bis zur vierte Klass o im Winter no churz Hosi triit, de hets natĂŒrlech warmi SchtrĂŒmpf bruucht, u di SchtrĂŒmpf het me de mi emene Elastigg am GschtĂ€ltli befeschtiget.
Tangelschtii (Dengelstein): Will fasch nĂŒt meh mit dr SĂ€gesse gmeijt wird, tuet me d SĂ€gesse o nid meh tengele. Fasch uf jedem Burehof isch dr Tangelschtii no vorhande, aber brucht wird er nid meh.
Nam Fyrabe isch dr Pur ufe Tangelschtii ghocket u het d SĂ€gesse dengelet, am neechschte Morge het di SĂ€gesse bim Grase oder bim Meije vo Höi oder GwĂ€chs wider guet mĂŒesse houe. Ds Chlopfe vo dem Dengele het me wyt ume ghört. Ersch we des Chlopfe het ufghört, isch de wĂŒrklech Fyrabe gsy. FĂŒr mi isch das ging Ă€ wunderbari Musig bim Yschlafe gsy.
HĂ€ftli (Hafte): Das Wort kennt me no vor Redewendig «ufpasse wie ne HĂ€ftlimacher». HĂ€ftleni isch d Mehrzahl vo Hafte. Hafte sy chlyn Schpangi oder HÀÀgge, wo me brucht het fĂŒr Chliider zue z tue. Bir Produktion vo dene Hafte het me sehr genau mĂŒesse schaffe u Ă€be ufpasse wie ne HĂ€ftlimacher. HĂŒt het dr Ryssverschluss d HĂ€ftleni abglöst.
Gade (Schlafraum ĂŒber der Wohnstube): I de nöie PurehĂŒser gits ds Gade nimme. I den eltere PurehĂŒser gseht me ds Loch obem Trittofe öppe no. Dr Trittofe isch di inzegi Hiizig im Purehuus gsy. Wen i bi ga hĂ€lfe pure, de bin i am Abe vom Trittofe i ds Gade uechi gschloffe, aber dert isch de nid öppe ghiizt gsy.
Wort wÀrde verdrengt
I ha bis jitz no ke Frutiger gfunde, wo ds Wort Muhiime (Grillen, Heimchen, Einzahl Muhiim) no kennt. D Grilli gits no, aber Muhiim isch dĂŒr ds Wort Grille abglöst worde.
Aber Ă€s git o anderi Wörter, wo vo dr Maria Lauber im Roman «ChĂŒngold in dr Stadt» no brucht wĂ€rde, aber si sy verdrengt worde. GĂŒrmsch isch zu Vogelbeerbuum worde. Di gschwellte HĂ€rdöpfel wĂ€rde gschunte u nid me gschöent. Mier tragen Ă€ Huet u nid meh Ă€s Huutchliid, d Froui tragen Ă€s Jupe u nid meh Ă€s Chuttli. Murbi wird zu Murmeli, im Chientel isch das ĂŒbrigens Ă€ Murbede.
WĂ€r bruucht hĂŒt no âlocht oder lochtig als Endig vomene Iigeschaftswort. D Maria Lauber brucht das âlocht oder lochtig hĂŒfig. I zitiere: warmlochtig, dĂŒnnlochtigs, chlylochtigs, junglochtiga. Warmlochtig bedĂŒtet zum Byschpiil, dass es zwar warm isch, aber no nid sehr warm.
I mene Sammelband «Alpenrosen, ein schweizerisches Sonntagsblatt, 7. Jahrgang 1877» han i Agabi zum Oberhasler DialĂ€kt gfunde. Als Bsunderhiit vom Oberhasler DialĂ€kt wird i dem Artikel ufziigt, dass bi Iigeschaftswörter mengisch -locht oder -lochtig agheecht wird. Als Byschpiil list me da plattlocht fĂŒr plattenartig, wenilochtig fĂŒr wenig u bizytelochtig fĂŒr bizyte. Aber -locht u -lochtig wird nid nume im Oberhasli agheecht, im Frutigland wird das genau glych gmacht.
Zur Zyt vor Maria Lauber isch me am Sunntig no gsunntigets i d Chilche. Oder we me z Wisite isch, de het me d Sunntigschliider agliit. D Underschiide zwĂŒsche Sunntigschliider u WĂ€rchtigschliider sy hĂŒt imel bi de Junge fasch vollschtendig verschwunde.
Zu Lutgrenzi im BĂ€rnbiet
Di Charte unnedranne han i im BĂ€rner Staatskalender vo 1968 gfunde. Leider han i nid usegfunde vo wem dass di Charte schtammt. Drei vo dene Lutgrenzi cheme ds GĂŒrbetal uf u gah z Spiez ĂŒbere See gĂ€ge Merlige oder BeatebĂ€rg zue. Ds BĂ€rner Oberland wird dert klar halbiert i ne nördliche Tiil gĂ€ge Thun zue u ine sĂŒdliche Tiil mit em Chandertal, em Sibital u dem Engere Oberland. D Maria Lauber redt vomene Fugs. Im SĂŒde tuet me dr Fugs jage, nördlech tuet me dr Fuchs jage. Ds Thun hii d ChĂŒeh Horn u mi tuet HĂŒser boue, im Chandertal hi d ChĂŒeh Hore u mi tuet HĂŒser buwe.
Mii het vor es paar Jahr ds GĂŒegi gschtoche, un i ha welle wĂŒsse, öbs di Lutgrenzi uf dr Charte obedranne i ĂŒser GĂ€gend no git, di GĂ€gend, wo vom Nieseschatte ĂŒberdeckt wird. I bi no ging dranne, aber Ă€n erschti UswĂ€rtig het ergee, dass ir Gmiind Spiez, myr Wohngmiind, Ă€ dĂŒtlechi Grenze mitts dĂŒr d Gmiind giit. Spiez het 5 BĂŒrte, nĂ€mlech Iinige, Spiezwiler, Spiez, Fulisee u Hondrich. D Lutgrenzi hii sech verschobe. Iinige, Spiez u Spiezwiler ghöre hĂŒt zum nördliche Tiil, da hii d ChĂŒeh Horn, hingĂ€ge z Fulisee u z Hondrich hii d ChĂŒeh Hore.
Di alte Monetsneme
D Maria Lauber schrybt vom Wymaanet (Weinmonat). Drum zellen i hie di alte Monetsneme grad all uf, wi si bi eltere Oberlender im Nieseschatte öppe no brucht wÀrde:
Im Frutigland redt vom Maanet, wyter nördlich wirds de zum Monet. A dene Neme gseht me o ne Bitz d UswĂŒrkige vom Klimawandel. Im «Höiet» (Juli) isch hĂŒttigtags ds Höie lengschtens verby, im Wymonet sy d Spiezer TrĂŒbel miischtens glĂ€se, u im «Wintermonet» (November) isch me albe ersch dennd i ds Holz, we dr Bode isch gfrore gsy, de hets bim Holze o weniger Landschade gee. U we me ds Holz no het mĂŒesse mit em Schlitte a d Schtrass bringe, de hets Schnee oder imel de guet gfrorne Bode brucht. Aber Ă€be, dr Wintermonet isch hĂŒt fasch ging vil z warm u verdienet dr Name Wintermonet nimme.
Fasch nume no dr Chrischtmonet isch ar richtige Schtell, aber das het meh mit Wiehnachte als mit em WĂ€tter z tĂŒe, o we mier ĂŒs wyssi Wiehnachte wĂŒnsche.
U jitz no öppis Schpeziells oder wi sech Zyti endere
FĂŒr chlyni Sunneschirme bruucht d Maria Lauber ds Wort Suneparisöeleni, ir Einzahl isch das Ă€s Suneparisöeli. Dass dr Sunneschirm bin ĂŒs verschwunde isch, het drmit z tĂŒe, dass hĂŒt Ă€ wyssi Hut bi de Froui chuum meh gfragt isch, u dass me di schön wyssi Hut nid meh mit em Sunneschirm muess schĂŒtze. Ăs git alti Fotoni usem Heustrich-Bad, wo di Dami mit em Sunneschirm sy ga schpaziere u sech so gĂ€ge d Sunne gschĂŒtzt hii. HĂŒt isch sunnebruni Hut Trumpf.
Parisol isch o Ă€s Wort, wo usem Französische chunnt u Sunneschirm bedĂŒtet. Im Nieseschatte het sech ds Wort Parisol möge halte, o we das ki Sunneschirm isch, un er nume bruucht wird, wes rĂ€gnet.
U no grad öppis zum Heustrich-Bad. DĂ€ Gescht isch empfohle worde, si sölle flyssig dĂŒr d Schtallgeng duriluufe, dert sygi d Luft bsundersch ozonhaltig!
Zu myre Person
I bi am 25. Brachet 1941 z MĂŒlene ir Gmiind Rychebach uf d WĂ€lt cho, bi 1942 mit myne Eltere uf Wimmis zĂŒglet u bi o z Wimmis i d Schuel ggange.
D Familie vo myr Mueter het z Wimmis Ă€s chlys Hiimet gha u isch im Summer i ds Chientel z BĂ€rg. Ăs sy total zwölf GschwĂŒschterti gsy.
My Vatter isch im Mentel (Emdthal) i re Familie vomene Unggle ufgwachse. Sy Mueter, also my Grossmueter, isch a de Schpeetfolge vor Geburt vom sibete Chind gschtorbe. D Familie vom Unggle vo mym Vater het ds Purehiimet vom letschte DirĂ€kter vom Heustrich-Bad usemene Konkurs chönne chuufe. My Vater het dert bis fasch zu sym Hochzyt gholfe pure. Ăr hĂ€tti gĂ€rn puret, Ă€r het aber kes GĂ€ld gha fĂŒr nes Hiimet z chuufe, drum isch Ă€r froh gsy, won Ă€r 1941 ir Pulveri z Wimmis het Arbiit gfunde.
Wil i ĂŒser Verwandschaft ussert ĂŒser Familie alli puret hii u vo z hinderscht im Chientel bis uf RĂŒĂŒtige gwohnt sy, han i vil vom Chandertaler u Frutiger DialĂ€kt mitĂŒbercho. U als Schtatterbueb im Schtieregwindli fasch z hinderscht im Chientel underem Aermlighore han i o ds BĂ€rglerlĂ€be glehrt kenne. I ha mitere schwere Holzbrente Mischt ustrage, bim Ritzhöie gholfe u zu de Guschteni gluegt. Da hets no kes Telefon u kes Fernseh gee. Nam Znacht isch me usi, uf ds Benkli underem alte Ahore ghocket u het zĂ€me ddorfet.
Drum het mi d LektĂŒre vo dem, wo d Maria Lauber ĂŒber ds BĂ€rglerlĂ€be het gschribe, ging packt, u drum han i nume ganz wenig Wörter im Buech «ChĂŒngold in dr Stadt» mĂŒesse ga nachiluege.
Hansruedi IndermĂŒhle
Wörter-Index
Lischte vo dene Wörter, won i mier ha Gedanke gmacht drĂŒber mit em Titel vom Kapitel u dm Nummero vo den Amerkegi
gschöent (Kapitel Es grosses Ziil Nr. 88)
NĂ€ppi (Kapitel Es grosses Ziil Nr. 113)
Santine (Kapitel Es grosses Ziil Nr. 159)
Huutchliid (Kapitel Es grosses Ziil Nr. 168)
gsunntigets (Kapitel I frĂŒnden Gasse Nr. 2)
Suneparisöeleni (Kapitel I frĂŒnden Gasse Nr. 29)
«In den USA fĂŒhlte ich mich wie ein lyrischer Tourist»
Der Singer und Songwriter Trummer ĂŒber die Bedeutung von Musik und Sprache in seinem Leben, von Englisch, Frutigtaler Dialekt und Berndeutsch.
Musik und Sprache â fĂŒr Trummer kein Zwiespalt, sondern ein Zusammenspiel. (Foto: Renate Berger, zvg).
Berndeutsch.ch: Wie bist Du zur Arbeit mit Gitarre, Gesang und Worten gekommen? Wie hat es angefangen? Durch deinen Vater, der das Singer/Songwriterfestival in Frutigen ins Leben gerufen hat?
Christoph Trummer: Ich habe schon als kleiner Junge eigene Lieder auf Kauderwelsch gesungen, pseudo-englisch: Vater hat im Auto immer Countrymusik gehört. Insofern hat mich das schon beeinflusst. Als ich dann mit etwa 10 Jahren in der Jungschar (die freikirchliche Pfadi) eine Gitarre in die HĂ€nde bekam, habe ich mit den ersten Akkorden, die ich lernte, schon meine ersten Lieder geschrieben. Immer noch auf Englisch, nun bereits ein bisschen besser artikuliert: Ich hatte schon eine Weile begonnen, englische Texte zu ĂŒbersetzen, weil mich das immer sehr interessierte.
Wird dein Name manchmal irrtĂŒmlich auch Englisch ausgesprochen, «Trammer»? Und warum lĂ€sst du deinen Vornamen hĂ€ufig weg?
Ich habe schon als FrĂŒh-Teenie Kassetten mit eigenen Songs gemacht, auf denen ich mich Trummer nannte, weil sich das in einer Heavy Metal-Schrift so cool schreiben liess. Dann spielte ich jahrelang in Bands und wollte eigentlich auch einen Bandnamen nehmen fĂŒr meine ersten Soloprojekte. Aber Mathias Hofer, mein erster Produzent, hat mich ĂŒberzeugt, dass ich mit meinem Namen hinstehen mĂŒsse als Singer/Songwriter. Weil ich englische Musik als «Christoph Trummer» komisch fand, und weil mir «Chris Trummer» zu gekĂŒnstelt war (niemand nannte mich so), entschied ich mich fĂŒr den Nachnamen.
Mir war damals nicht bewusst, dass man unterhalb von Spiez den Familiennamen Trummer kaum kennt, und so passiert es bis heute, dass ich «Trammer» genannt werde. Tja.
In deinem Namen verbirgt sich der «Trommler»: Spielst Du auch Trommel?
Lustigerweise ist Schlagzeug das erste Instrument, das ich gelernt habe, ja. Inzwischen trommle ich noch bei der Mundart-Band «The Cotton Mafia», sonst nur noch auf meinen Demos. Die Trommeln sind auch in unserem Familienwappen.
Die TrĂ€gerinnen und TrĂ€ger des Namens Trummer sind in erster Linie Ăsterreicher. Wie kommen Trummers aus Ăsterreich ins Berner Oberland?
Man hat mir erzĂ€hlt, dass sie vor etwa tausend Jahren als Gastarbeiter gekommen seien, nach einem Dorfbrand. Verifizieren konnte ich das nicht. Der erste im Frutigbuch erwĂ€hnte «Trummer» kam ins GefĂ€ngnisâŠ
VerrÀtst du uns, warum?
Hui, das mĂŒsste ich hervorsuchen, und ich habe (frisch gezĂŒgelt) gerade kein Frutigbuch zur HandâŠ
Du bist in Frutigen aufgewachsen und wohnst jetzt in Urtenen-SchönbĂŒhl. Bist du ein Mundart-Switcher und wechselst je nach GegenĂŒber die Mundart, oder hat sich dein Frutigdeutsch mit der Zeit in ein oberlĂ€ndisch gefĂ€rbtes Berndeutsch verwandelt?
Ich habe meinen reinen Frutiger Dialekt in den spĂ€ten Jugendjahren im Ausgang in Thun etwas abschleifen lassen, weil die «coolen» StĂ€dterinnen mich ab und zu gefragt haben, ob ich ein Bauer sei â kein Witz. Ich wĂŒnschte heute, ich hĂ€tte selbstbewusster darauf reagiert. Aber so hat sich ĂŒber die Jahre ein Mittelberndeutsch ergeben, dem man den OberlĂ€nder aber noch gut anhört (ich sage zum Beispiel «L» statt «U», also «viil» statt «viiu»). Weil sich mein Privat- und Berufsleben seither vor allem in der Stadt abspielte, war das auch die natĂŒrliche Wahl fĂŒr die Sprache meiner Mundart-Songs â ich mache das lĂ€ngst nicht mehr bewusst. Ich mache aber nach wie vor Fehler. Zum Beispiel habe ich ein Lied, das «Nöcher» heisst. Aber sowohl Frutigdeutsch wie Berndeutsch wĂŒrde man «Necher» sagen.  Wenn ich mit meinem Bruder oder alten Freunden spreche, geniesse ich es sehr, dass mein Frutigdeutsch sofort wieder da ist. Ich fĂŒhle mich darin nach wie vor mehr zu Hause als im Berndeutschen.
Welche Mundart sprechen deine Frau und deine Tochter?
Stadtberndeutsch.
Spielt es dabei eine Rolle, dass ihr in einer Grossfamilie lebt?
Ich glaube nicht. Auch ich spreche zu Hause ja das angepasste Berndeutsch. Meine dreijĂ€hrige Tochter reagiert aber kaum darauf, wenn ich in Frutigen jeweils den Dialekt wechsle, auch das scheint fĂŒr sie â noch â natĂŒrlich zu sein. Spannend und auch ein bisschen rĂ€tselhaft finde ich, dass sie problemlos versteht, wenn ich gugge statt luege sage, obwohl sie das ja bei mir sehr selten hört. Das gilt auch fĂŒr andere Dialekte: Auch MĂ€rli auf ZĂŒrichdeutsch versteht sie ohne nachzufragen, obwohl der Wortschatz ja recht variiert.
Du hast Gedichte der Frutigtaler Dichterin Maria Lauber (1891 â 1973) vertont. Was hat dir das bedeutet? Hast du ĂŒber ihre ausgeprĂ€gte Frutigtaler Mundart zur Sprache deiner Kindheit zurĂŒckgefunden?
Das ist ein Herzensprojekt mit Nadja Stoller. Ich hatte den Draht nach Frutigen nie wirklich gekappt. Das Maria Lauber-Projekt hat aber die Heimat wieder mehr zur Heimat gemacht, weil damit auch viele Frutiger*innen wieder wahrgenommen haben, dass ich mich noch als einen «von da» empfinde. Das Thema Herkunft ist gross fĂŒr mich, familiĂ€r, aber auch örtlich, und auch mit Blick auf Milieus â ich bin in einer Freikirche, im Bauarbeiter-Milieu aufgewachsen. Eine sehr andere Lebenssituation als heute, in der Agglo mit studierten Mitbewohner*innen. Ich bin an einem Ort angekommen, wo ich gut hinpasse, wo ich aber auch immer wieder das BedĂŒrfnis habe, mich mit meiner Herkunft zu verbinden, ihren Spuren in mir nachzugehen. Ich verleugne oder verdrĂ€nge da nichts, im Gegenteil, ich pflege es. Und die Maria Lauber-Texte ermöglichen das auf vielen Ebenen: Sie erzĂ€hlen von Vergangenheit und VergĂ€nglichkeit, von einem GemĂŒt, das immer sehr stark mit der Natur korrespondierte, mit der Landschaft des Frutigtals. Die Texte gehen wahnsinnig tief, ohne je intellektuell verschlĂŒsselt zu sein. Diese Direktheit ist etwas, was ich auch an meiner Herkunft und vielen der Menschen da schĂ€tze.
Zu singen begonnen hast du ja auf Englisch, und du hast einige Zeit in New York verbracht. Was hat dich zur Mundart zurĂŒckgefĂŒhrt? Oder wĂ€re «weitergefĂŒhrt» passender?
WeitergefĂŒhrt ist auf jeden Fall treffender. Ich war zwischen 2006 und 2008 immer wieder fĂŒr einige Monate in den USA. Englisch war fĂŒr mich frĂŒh eine Herzenssprache, ich beherrschte es dank meinen TextĂŒbersetzungen bereits recht gut, als es in der Schule erst begann. Bis heute denke und fluche ich immer wieder auch auf Englisch. In New York habe ich dann erlebt, wie viel subtiler ich Texte formulieren kann, wenn ich weiss, dass man mich versteht, dass das Publikum sogar den Subtext und die Haltung zwischen den Zeilen versteht. Und da hatte ich einfach Lust, das zu Hause so erleben zu dĂŒrfen. Entgegen dem Traum eines internationalen Weges und trotz meiner Verstrickung in die amerikanische Folkkultur merkte ich, dass ich dieses GesprĂ€ch als KĂŒnstler eigentlich mit jenen Menschen fĂŒhren möchte (und sollte), mit denen ich auch die Herkunft teile. Ich wusste ehrlich gesagt auch gar nicht recht, was ich den Amerikaner*innen erzĂ€hlen sollte, ich fĂŒhlte mich wie ein lyrischer Tourist. Geschichten und Songs werden dann wahr, wenn sie auch einen Ort und ein Milieu haben. Ich konnte auf Englisch wahre Geschichten erzĂ€hlen, aber ich konnte sie nicht in eine Welt einbetten, die glaubwĂŒrdig die meine war â das Bernbiet, das Frutigtal sind auf Englisch schwer zum Leben zu erwecken.
Auf deinen Reisen hast du auch andere Sprachen kennengelernt. In Kenia Suaheli, in Tunesien Arabisch und Französisch. Auch Ukrainisch, Polnisch, Serbisch, Kroatisch, Bulgarisch und TĂŒrkisch hast du gehört. Hast du Sprache danach anders, bewusster wahrgenommen als zuvor?
Sprachlich ist da leider nicht viel hĂ€ngengeblieben â ausser einer gewissen Vertrautheit mit den Alltagsbegriffen, ĂŒber die ich mich immer sehr freue, wenn ich sie in einem Film oder auf der Strasse höre. Geblieben ist mir vor allem, wie aussergewöhnlich die Schweiz in vielerlei Hinsicht ist in dieser Welt. Unsere extrem individualisierte Lebensform, unsere grosse ZurĂŒckhaltung, (religiösen) Glauben im Alltag einzubauen,  unsere vergleichsweise weitmaschigen Familiensysteme sind dermassen nicht typisch fĂŒr das Leben der meisten Menschen auf diesem Planeten, sei es in Tunesien, der TĂŒrkei, Bosnien, Polen oder sogar in gewisser Hinsicht den USA.
In einem Interview mit Mathias Morgenthaler hast du von Texten gesprochen, die etwas Heiliges haben können: dann, wenn sie «die Wahrheit des Menschseins abbilden». Hat diese Wahrheit stark auch mit der Sprache zu tun, in der wir aufgewachsen sind, und in der wir unseren Alltag leben?
Das ist eine schöne Frage, ĂŒber die ich gern ein bisschen laut nachdenke. Ich glaube schon, dass eine geteilte Alltagssprache automatisch Vertrauen und NĂ€he schafft. Wenn man versucht, etwas Wahres zu sagen, merkt man rasch, wie unzulĂ€nglich die Sprache an sich ist, wie viele mögliche MissverstĂ€ndnisse in jeder Aussage drin sind â je nachdem, auf welche Ohren sie trifft. So wird alles zwischen den Zeilen, das Ungesagte, das nur Erahnbare so viel wichtiger. Da ist die Alltagssprache ein wichtiger Faktor: Ich höre jemandem auch an, wer er oder sie ist. Wortwahl, Tonfall, Tempo. Ob ich von diesem Menschen etwas erfahren will, hĂ€ngt damit zusammen, ob ich mich fĂŒr ihn interessiere. Es ist eben wie ein GesprĂ€ch. Ob eine Wahrheit gefunden wird, hat genauso viel mit den Zuhörenden zu tun wie mit den Sprechenden. Ich glaube, in einem gewissen Sinn filtert sich so bei uns Musikschaffenden auch unser Publikum heraus: Es kommen und bleiben jene, die unsere Sprache verstehen, die etwas bekommen von der Art und Weise, wie wir uns  in der kĂŒnstlerischen Arbeit einer «Wahrheit des Menschseins» annĂ€hern...
Ende Monat kommt dein neues Album heraus. Du sprichst in der AnkĂŒndigung von einem CD-Buch. Was verstehst du darunter?
Ein Buch mit einer CD. Die Musik ist auf der CD, und das Buch ist diesmal auch ein Buch an sich: Es enthÀlt einen langen Essay, GesprÀchsprotokolle mit anderen Menschen, dazu auch die Songtexte und Bilder von Andreas Gefe.
Wir haben den Eindruck, die Texte deiner Lieder wĂŒrden auch ohne Musik funktionieren. FĂŒhlst du dich als Dichter mindestens so wie als Musiker? Anders gefragt: Was ist zuerst da, das Wort oder der Ton?
Das freut mich. Ich habe mal versucht, meine Songtexte in Gedichtform darzustellen, und ich war davon nicht so ĂŒberzeugt. Sie funktionieren noch fast eher in einer Prosadarstellungsweise. Das liegt wohl daran, dass ich eine sehr alltĂ€gliche Sprache wĂ€hle und nicht unbedingt auf sprachliche Verdichtung setze. Ich fĂŒhle mich aber schon auf eine Art als Dichter: Ich versuche eine Versprachlichung meiner Erfahrungen als Mensch und von Fragen zum Menschsein. Die Musik, die ich dazu mache, ist mir aber auch sehr wichtig. FĂŒr mich hat alles einen Klang. Wenn ich in der Landschaft eine schöne Lichtstimmung entdecke, dann höre ich einen Akkord. So kommen die zwei Elemente Text und Musik fĂŒr mich ganz natĂŒrlich zusammen, beim Schreiben idealerweise im gleichen Moment. Meistens kommt zwar eines zuerst, aber wenn es die Musik ist, weiss ich doch auch schon, wovon ich erzĂ€hlen möchte, und wenn es der Text ist, weiss ich schon, welche Stimmung er bekommen sollte. Selbstkritisch muss ich leider sagen, dass mir die Umsetzung dieser Stimmungen bei Aufnahmen wohl erst auf den letzten vier Alben einigermassen durchwegs gelungen ist.
Zum Schluss hĂ€tten wir gern einen Werbespruch fĂŒr das neue Album. In dreissig Wörtern. Willst du es versuchen?
Ok! Das Familienalbum ist ein CD-Buch, in dem mit Liedern, einem Essay, GesprĂ€chsprotokollen und in GemĂ€lden von Gefe darĂŒber nachgedacht wird, welche Spuren die Familiengeschichte in uns hinterlĂ€sst. Ha! 27 Wörter!
Das Interview wurde schriftlich gefĂŒhrt. Fragen und Redaktion: Hans JĂŒrg Zingg, Christine Iselin-Kobler.
Christoph Trummer: Geboren 1978 in Bern und aufgewachsen in Frutigen. Ausgebildeter Primarlehrer.  Heute Vater, Singer-Songwriter, Produzent, Gitarrist und politischer Leiter und Lobbyist fĂŒr den Verband SONART â Musikschaffende Schweiz. Lebt mit seiner Familie in einer grossen Gemeinschaft in Urtenen-SchönbĂŒhl. Veröffentlicht seit 2002, ab 2006 auf Mundart. Zuletzt erschienen: Heldelieder (2014, CD-Buch), Loryplatz (2015, LP), Labor1: Amne sichere Ort (2018, CD & LP). Kolumnist fĂŒr die Regionalzeitung FrutiglĂ€nder.
Seine Texte ĂŒberraschen immer von neuem: ob Rap, MĂ€rchen, Dialog, Predigt oder Krimi. Er slammt, ĂŒber was und wie es ihn gluschtet: ernst, lustig, lakonisch und bisweilen bitterböse.
Andreas Kessler ist Slam-Poet und im Duo «blauibuebe» macht er Spokenblues: www.andreaskessler.ch. Auch ist er alle 14 Tage auf dem Podcast «Abgekanzelt» zu hören, auf dem er seine theologischen Referenzen verarbeitet.
Umschreibe kurz, wie du «mys bĂ€rndĂŒtsch» verstehst, d.h. welche regionalen, sozialen und sprachbiografischen EinflĂŒsse deine literarische Mundart geprĂ€gt haben.
Mein Berndeutsch ist mir immer noch ein RĂ€tsel, weil mein Vater war Sensler und meine Mutter kommt aus dem tiefsten Wallis, so dass zu Hause nicht Berndeutsch gesprochen wurde. Somit muss mein Berndeutsch jenes von Zollikofen sein, wo ich aufgewachsen bin. Vielleicht nennt man das den Agglo-Soziolekt âŠ
Warum und wann schreibst/publizierst du Hochdeutsch, wann Berndeutsch (gemeint ist journalistisches/literarisches Schreiben)?
Wenn ich literarisch schreibe, dann am liebsten in Berndeutsch. Ich durfte auch schon Texte zu AnlĂ€ssen verfassen, an denen ausdrĂŒcklich Hochdeutsch verlangt wurde und das fĂŒhlte sich einfach nicht gut an, mir fehlten Fluss, Rhythmus und Chuscht.
Schreibst du ein homogenes Berndeutsch, oder benutzest du ab und zu auch andere regionale FĂ€rbungen, Soziolekte oder ev. sogar andere Mundarten? â Wenn ja, welche und wozu?
Ich benutze mein Berndeutsch, das vielleicht auch regionale FĂ€rbungen hat, aber das ist mir nicht bewusst, weil Berndeutsch eben nicht meine Muttersprache ist. Ausser Walliserdeutsch kann ich keine Mundart, aber versuch mal z.B. in Frauenfeld auf Walliserdeutsch zu slammen âŠ
«spoken word»: WĂŒrdest du dich als spoken word-AutorIn bezeichnen? Inwiefern wird dein Mundart-Schreiben durch die Vorstellung, dass der Text vorgelesen wird, beeinflusst?
Ich bin ein spoken word-Autor durch und durch. Meine Texte haben stets eine gewisse Melodie, sie leben von Betonungen, Reimen, Tempowechseln etc. Auf Papier tun sie mir fast leid.
Gibt es fĂŒr dich richtiges / falsches Berndeutsch?
Als quasi Fremdsprachler kann ich das gar nicht beurteilen! Ich merke nur, dass es mich irritiert, wenn meine Tochter von «trĂ€ppe» und «arbeitÀ» spricht, so wie ich als Kind die Frau Jutzi von nebenan nicht verstand, wenn sie in diesen komischen berndeutschen Konjuktiven sprach âŠ
Legst du Wert auf bestimmte Prinzipien der Schreibung oder lÀsst du das deine LektorInnen machen?
Ich habe keine Lektorinnen und auch meine Frau ist mir als BĂŒndnerin keine Hilfe âŠ
Wenn du deine Schreibung selbst pflegst, welche Regeln sind dir besonders wichtig?
Keine
Gibt es Berndeutsch-Schreibungen bei andern, die dich aufregen? Nenne Beispiele und begrĂŒnde kurz.
Nein, aber einige Berndeutschkolumnen z.B. im «Bund» si u huĂ€rĂ€ mĂŒesahm zum LĂ€sĂ€! Aber ich weiss nicht genau weshalb.
Kultivierst du besondere Wörter, hast du Lieblingswörter? Gib ein paar Beispiele!
z.B. Schlufi, chĂ€ferfĂŒdlĂ€troche, raglete, mudere
Was fĂŒr WörterbĂŒcher konsultierst du? â Hast du auch schon mal www.berndeutsch.ch benĂŒtzt?
Wenn ich WörterbĂŒcher benutze, dann berndeutsch.ch. Ich habe z.B. einen am Alphabet ausgerichteten Text geschrieben, der gleichzeitig eine Geschichte sein sollte. Da habe ich mich in einer Beiz in Biglen einen Nachmittag lang durch berndeutsch.ch geklickt!
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Marc Sahli kam ĂŒber die Fotografie und die Malerei zum Schreiben. Seine SpezialitĂ€t sind kurze Texte â Kurzgeschichten, Prosaminiaturen, Haikus usw. Diese ĂŒberarbeitet er zum Teil wĂ€hrend Jahren immer wieder.
Marc Sahli nimmt regelmĂ€ssig an Leseperformances teil und steht immer wieder auf SlambĂŒhnen. Seine aktuellsten BĂŒcher «Logographien» (2014) und «Vielleicht ein anderer Augenblick» (noch nicht erschienen) werden vom KaMeRu Verlag publiziert.
Umschreibe kurz, wie du «mys bĂ€rndĂŒtsch» verstehst, d.h. welche regionalen, sozialen und sprachbiografischen EinflĂŒsse deine literarische Mundart geprĂ€gt haben.
Geboren in Bern, bin ich seit der ersten Klasse grösstenteils im Oberaargau aufgewachsen und habe dort alle Schulen besucht. Trotzdem ist das Stadtberndeutsch meiner Eltern und Grosseltern prĂ€gend geblieben, nebst EinflĂŒssen grosselternseitig aus dem Emmental.
Warum und wann schreibst / publizierst du Hochdeutsch, wann Berndeutsch (gemeint ist journalistisches / literarisches Schreiben)?
HauptsĂ€chlich schreibe und publiziere ich in Hochdeutsch. FĂŒr die SlambĂŒhne ĂŒbersetze ich manchmal, was schwieriger ist, als man gemeinhin glaubt. Online publiziere ich hingegen manchmal auf Berndeutsch. Manche Sachen kann man im Dialekt einfach «trĂ€fer» ausdrĂŒcken als in der Hochsprache.
Schreibst du ein homogenes Berndeutsch, oder benutzest du ab und zu auch andere regionale FĂ€rbungen, Soziolekte oder ev. sogar andere Mundarten? â Wenn ja, welche und wozu?
Wenn ich Dialekt schreibe, dann stÀdtisches Berndeutsch. Sprechen, respektive imitieren kann ich aber einige andere Dialekte, aber nur zum Spass. Wie unter Punkt 1 gesagt, benutze ich ein Stadtberndeutsch, die Oberaargauer FÀrbung habe ich nie angenommen.
«spoken word»: wĂŒrdest du dich als spoken word-AutorIn bezeichnen? Inwiefern wird dein Mundart-Schreiben durch die Vorstellung, dass der Text vorgelesen wird, beeinflusst?
Ich wĂŒrde mich als Autor bezeichnen, nicht explizit als Spoken Word-Autor. Siehe Punkt 2. Es kann vorkommen, dass ich fĂŒr die BĂŒhne ĂŒbersetze. Selten schreibe ich von vornherein in Berndeutsch.
Gibt es fĂŒr dich richtiges / falsches Berndeutsch?
Seit von Greyerz-Bietenhard (das Berndeutsch Wörterbuch) ist viel Wasser die Aare runter geflossen. Zum GlĂŒck ist der Dialekt nicht starr. Und dennoch regt mich manchmal der Teutonismus auf, der sich langsam ins Berndeutsche reinschleicht, Worte wie Butter, PfĂ€rd, MĂ€nner etc. oder aber auch Wort- und Satzstellungen aus dem Deutschen.
Legst du Wert auf bestimmte Prinzipien der Schreibung oder lÀsst du das deine LektorInnen machen?
Ich schreibe selten in Berndeutsch und wenn, versuche ich mich an den von Greyerz-Bietenhard, aber auch an von Tavel zu halten.
Marc Sahli auf spoken-word.ch (Video und Audio)
Wenn du deine Schreibung selbst pflegst, welche Regeln sind dir besonders wichtig?
Bei anderen stolpere ich ĂŒber die Endungs-Ă€, bei mir ist es immer ein auslautendes e. Auch bei den offenen oder geschlossenen i achte ich auf die Verwendung von i oder y.
Christian Schmid sagt: «We mer e Mundaart schribe fĂŒr Wortkunscht, sötte mer is fĂŒr d Gramatik u fĂŒr e Wortschatz interessiere. Das mache die, wo SchriftdĂŒtsch schribe, schliesslech oo. âŠâŠ.WĂ€r Wortkunscht schribt, schaffet mit dr, i dr u a dr Schpraach. We mer daas nid mache, schribe mer ĂŒsi VorishĂ€reploderimundaart, ooni druf z achte, wi si uf ds Papiir chunt» (Christian Schmid, «HĂ€bet nech am Huet», p. 104).
Gibt es Berndeutsch-Schreibungen bei anderen, die dich aufregen? Nenne Beispiele und begrĂŒnde kurz.
Siehe Punkt 7. Ă statt e oder auch die Verwechslung von z und ds. Oder die falsche Verwendung von zwe, zwo und zwöi. Man kann zwar sagen, es gebe keine Regeln,âŠ.und es gibt sie doch. Auch sprachliche Teutonismen, sei es in Wortschatz, in der Satzstellung oder Grammatik, finde ich unangebracht.
Kultivierst du besondere Wörter, hast du Lieblingswörter? Gib ein paar Beispiele!
Seit einiger Zeit habe ich eine AffinitĂ€t zum Matteberndeutsch. Und ich möchte eine Lanze brechen fĂŒr das hĂŒbsche Wort «kapöberle», das bereits bei von Greyerz-Bietenhard als «veraltet» gelistet wird. Es bedeutet kotzen. Tönt aber viel schöner.
Was fĂŒr WörterbĂŒcher konsultierst du? â Hast du auch schon mal www.berndeutsch.ch benĂŒtzt?
Von Greyerz-Bietenhard, www.berndeutsch.ch, das Idiotikon, diverse Duden, Woxikon, ganz selten ein mittelhochdeutsches Wörterbuch oder Lexika der Erlanger Liste und weitere SpezialwörterbĂŒcher.
Mundartliteratur sollte endlich wieder erforscht werden!
Christian Schmid begrĂŒndet in einem GesprĂ€ch mit berndeutsch.ch, warum er sein neues Buch im Untertitel «E Chiflete» nennt, eine Streitschrift.
Christian Schmid. Foto:Â Ute Schendel.
berndeutsch.ch: In Ihrem kĂŒrzlich erschienen Buch «HĂ€bet nech am Huet! E Chiflete» werfen Sie Deutschschweizern Sprachnarzissmus vor: Die Berner finden nur Berndeutsch schön, die BĂŒndner nur BĂŒndner Dialekt. Ist das nicht natĂŒrlich? Was hat Sie so in Rage gebracht, dass Sie mit dem Buchtitel gleichsam vor einer Katastrophe warnen?
Christian Schmid: Was ich mit dem Titel sagen wollte: Ich sehe zwar keinen Weltuntergang kommen, wohl aber eine gewaltige VerĂ€nderung der Welt, die uns gleichsam den Hut vom Kopf jagt. Die StrukturverĂ€nderungen, die gerade passieren, können wir noch gar nicht absehenâŠ
Sie beziehen den Titel also nicht nur auf die Mundarten, sondern auf unsere Epoche generell?
Eindeutig. Und ja, auch ich finde es natĂŒrlich, dass man die eigene Mundart liebt, doch dieser Liebe fehlt heute das Fundament. Man spricht nicht mehr darĂŒber, was gute oder weniger gute Mundart sei, was fĂŒr VerĂ€nderungen wir wollen oder nicht wollen. Im Anschluss an die «Modern-Mundart»-Bewegung [nach 1968] debattierte man noch intensiv ĂŒber die Mundart, publizierte auch viel. Seit dreissig Jahren herrscht hier Funkstille. Das ist es, was ich kritisiere, was mich wĂŒtend macht.
Sie schreiben, die Deutschschweizer und ihre Mundarten mĂŒssten kĂ€mpfen, mĂŒssten pÀÀgguhÀÀrig sein können, wenn das Regionale nicht unter einer grossen Monokulturdampfwalze verschwinden solle. Was verstehen sie darunter?
Mundarten sind Kleinsprachen. Sie haben die ĂŒbermĂ€chtigen nationalen und internationalen Sprachen neben sich, die es frĂŒher in dieser Dimension niemals gab. Erneuern können sich die Mundarten heute nur noch durch Anleihen aus den starken Nachbarsprachen: Alle Wörter, die neu in den schweizerdeutschen Mundartwortschatz einfliessen, kommen aus dem Standarddeutschen oder dem Englischen. Das verstehe ich unter Monokulturdampfwalze. Wenn wir aber «Kartoffle» und «TrĂ€ppe» und «TrĂ€ppeschtuefe» sagen â ist das dann noch Mundart? Aus meiner Sicht nicht. Ăhnlich wie den Mundarten ergeht es im Ăbrigen auch der deutschen Standardsprache. Diese lĂ€uft Gefahr, den Anschluss an Entwicklungen vor allem in den Naturwissenschaften zu verpassen, weil die gesamten massgeblichen Publikationen in diesem Bereich auf Englisch geschrieben sind.
Gibt es nicht auch Mundartwörter, die z.B. in der Jugendsprache eine Renaissance erleben â oder interessante Neuschöpfungen? Wir hĂ€tten da BeispieleâŠ
Ja, freilich, doch die Jugendsprache ist kurzlebiger, als man sich das einst gedacht hat. So wurde z.B. der Ausdruck «uf ne Trip gaa» sogar ins Idiotikon aufgenommen. Heute verwendet ihn kaum jemand mehr.
Es fehlt an wissenschaftlich soliden Biografien Â
Mundart sei nicht Gegenstand universitĂ€rer Forschung, schreiben Sie. ZĂŒrich, Basel, Freiburg und auch Bern haben aber doch LehrstĂŒhle fĂŒr Dialektologie, an der ETH hat Prof. Roland Ris schweizerdeutsche Dialektologie erforscht?
So generell habe ich es nicht formuliert. Die Dialektologie befasst sich durchaus mit den Mundarten, aber die Literaturwissenschaft nicht: Vor kurzem eliminierte das Deutsche Seminar der Uni ZĂŒrich doch tatsĂ€chlich sĂ€mtliche MundartbĂ€nde aus seiner Bibliothek!
Was mĂŒssten die UniversitĂ€ten anders machen?
Ich stelle fest, und das macht mich fast wahnsinnig, dass unsere Mundartliteratur nicht aufgearbeitet ist. Seit der Mundartliteraturgeschichte von Otto von Greyerz aus dem Jahr 1924 gab es nichts Vergleichbares mehr. Die meisten Publikationen zu diesem Thema waren AufsĂ€tze und BeitrĂ€ge von Wissenschaftern in irgendwelchen unbedeutenden Zeitschriften, die kaum Beachtung fanden. Und was vor allem fehlt, sind wissenschaftlich solide Biografien â wir brauchen nicht Dokumente unkritischer Verehrung wie Hugo Martis Schrift ĂŒber Rudolf von Tavel oder jene von Valentin Binggeli ĂŒber Simon Gfeller. Warum zum Beispiel die Tavel-Gesellschaft ihrem Ruedi bisher keine anstĂ€ndige Biografie finanziert hat, ist mir ein RĂ€tsel, wobei ich einrĂ€umen muss, dass ich die Tavel-Biografie «Bim Wort gnoh» (2014) von Konrad Tobler nicht kenne.
Kein einziges gutes Beispiel?
Wissenschaftliche AnsprĂŒche erfĂŒllt die Biografie ĂŒber Maria Lauber von Erich Blatter (Kulturstiftung Frutigland, 2018), daneben gibt es wissenschaftliche Biografien zum Schaffhauser Albert BĂ€chtold von Kurt BĂ€chtold (Schaffhausen 1986) und zum Thurgauer Bauerndichter Alfred Huggenberger von Rea BrĂ€ndle und Mario König (Thurgauer BeitrĂ€ge zur Geschichte 148/149 2011/2012). Aber das ist Sternenstaub im Universum! Jeder, der ĂŒber Mundartliteratur in der Schweiz schreiben will, muss neu anfangen, neu grĂŒbeln. Ich habe selbst einmal den Versuch einer Mundart-Literaturgeschichte unternommen, aber nach 80 Seiten brach ich ihn ab, weil ich merkte â entschuldigen Sie den Ausdruck â das interessiert kein Schwein.
«Ds bbluemete Trögli»
An verschiedenen Stellen denken Sie ĂŒber den Ausdruck «bbluemets Trögli» nach. Einmal ist es ein AbfallkĂŒbel, in den Vertreter der sogenannten «modern-mundart»-Bewegung alles versenkt hĂ€tten, was vor den Sechziger Jahren erschienen sei, darunter auch namhafte Autorinnen und Autoren. An anderer Stelle nennen Sie mit fĂŒhlbarem Stolz Ihr eigenes Berndeutsch «bbluemets Trögli» â obwohl Ihre von den FĂŒnfziger Jahren geprĂ€gte Sprache durchaus nicht stehen geblieben, sondern lebendig und fĂŒr Neuentwicklungen wunderbar offen ist. Was verstehen Sie unter besagtem Trögli?
Als Kampfbegriff lehne ich «bbluemets Trögli» vehement ab. Anderseits muss ich zugeben, dass mein Berndeutsch, da ich seit 1960 nicht mehr im Bernbiet lebe, irgendwann stehen geblieben ist. Ich benĂŒtze viele AusdrĂŒcke wie «Agerschte» (Elster), «HereggÀÀgger» (EichelhĂ€her) oder Redensarten wie «La nid aus la lige wi d HĂŒenner der DrĂ€ck». Mit dem verstorbenen Berner Troubadour Fritz Widmer stand ich seinerzeit in regem Austausch, und mehr als einmal wies er auf ein Wort von mir hin: «TatsĂ€chlich, brauchst du das noch?» Und ich: «Ja, natĂŒrlich». Damit werde ich von jenen, die alles antiquiert finden, was jenseits des 68-er-Ăquators liegt, zum alten Eisen gezĂ€hlt oder eben ins «bbluemete Trögli» gelegt.
Auch wir von berndeutsch.ch sind zum Teil kurz nach dem Zweiten Weltkrieg geboren und benĂŒtzen alte AusdrĂŒcke, doch hĂ€tten wir noch nie negative Reaktionen bemerkt.
Ich auch nicht â wenn ich bei alten Menschen vorlese. Aber ein Beispiel zeigt, wie der Begriff «bbluemets Trögli» heute noch Schaden anrichten kann: In der AnkĂŒndigung zur srf-«Schnabelweid»-Sendung vom 30. August 2018 wurde Maria Laubers Roman «ChĂŒngold» als «ein StĂŒck bbluemets Trögli-Literatur» bezeichnet. Damit war dieses Buch bei vielen bereits erledigt, obwohl ich der Meinung bin, wenn eine Autorin dieses Etikett nicht verdient hat, ist es Maria Lauber. Ihr ganzes Wesen hĂ€tte sich gestrĂ€ubt, Literatur im Dienste der geistigen Landesverteidigung zu produzieren.
Auch die ErzÀhlkultur ist  im Wandel
«Ds Chönne, won es usfĂŒerlechs Verzeuue druswachset, u ds chönne zuelose⊠gö hĂŒt zumene grosse Teeu verloore». Hat diese Beobachtung mit Mundart zu tun? Oder könnte es sein, dass Sie da ein wenig ins «Chiflen» ĂŒber die heutige Zeit im Allgemeinen geraten sind?
Ja natĂŒrlich bin ich das! Vielleicht habe ich da etwas zu stark verallgemeinert, aber noch einmal: Unsere Mundartkultur existiert nicht abgekoppelt von der andern, allgemeinen Kultur. Und da stelle ich einen Verlust an alltĂ€glichen ErzĂ€hlsituationen fest: In vielen Familien isst man nicht mehr gemeinsam, spielt nicht mehr gemeinsam â verglichen mit der Zeit der FĂŒnfzigerjahre, in der ich aufgewachsen bin. Die Jungen unter sich, die erzĂ€hlen sich immer noch sehr intensiv, doch die Mittel haben sich gewandelt. Statt einen Sonnenuntergang zu beschreiben, schicken sie einen Film und schreiben: «Schau mal!»
Das ist auch ErzĂ€hlen âŠ
âŠbei dem die Sprache verliert!
Mundartförderung in der Schule
«Us de Schuele si d Mundaarte verbannet», schreiben Sie. Ein Leserbrief-Autor im «Bund» hat dagegen kĂŒrzlich die «beinahe vollstĂ€ndige Verbannung des Hochdeutschen in den gesprochenen Medien» als Mitursache fĂŒr das schlechte Abschneiden in der PISA-Studie von Schweizer SchĂŒlern erkannt. Sogar Hochschuldozenten wĂŒrden teils in Mundart unterrichten. Wer hat recht â Sie oder der Leserbriefschreiber?
Den Vorwurf, den er erhebt, höre ich seit Jahrzehnten, doch ich weiss einfach nicht, ob und wo genau er wirklich zutrifft.
Aber in welcher Form sollte an den Schulen Mundart gepflegt werden?
Sicher nicht, indem man in der Schule Berndeutsch sprechen lernte, das wĂ€re völliger Blödsinn. Das Standarddeutsche hat als Kultursprache unbestritten PrioritĂ€t. Hingegen finde ich, wer durch unsere Volksschule gegangen ist, sollte irgendwann mit Mundarttexten in BerĂŒhrung gekommen sein, sollte auch Mundart geschrieben haben, und zwar so, dass nicht nur der Inhalt angeschaut wĂŒrde, sondern auch die Form. Sollte auch wissen, wie Standarddeutsch und Mundart zueinander stehen, so dass nicht die Idee aufkommen kann, Mundart sei «versifftes Schriftdeutsch», wie mir kĂŒrzlich ein junger Mensch erklĂ€rt hat. Und wenn manche argumentieren, Mundart lerne man schliesslich auf der Strasse, so  reicht mir das nicht. In der Schule sollte man etwas ĂŒber diese Sprachform lernen.
Was machen SchĂŒlerinnen und SchĂŒler, deren Muttersprache weder Mundart noch Hochdeutsch ist, wĂ€hrend den von Ihnen vorgeschlagenen Mundartlektionen? Â
Zugegeben, wenn sie als Ă€ltere Kinder hierher kommen, haben sie Schwierigkeiten. Leben sie aber von Klein auf hier, ist das kein Problem. Was man machen könnte: beispielsweise in einer Projektwoche die Tagesprotokolle in Mundart schreiben lassen, dann aber auch nachsehen und nachfragen: «Warum schreibst du «LiĂ€bi» und «hĂ€rzlĂ€ch», statt «Liebi» und «hĂ€rzlech»? So muss sich die betreffende SchĂŒlerin erklĂ€ren, man diskutiert ĂŒber verschiedene Varianten der Mundart-Schreibung.
Romandie und Tessin ticken anders
Was sagen Sie zu Mundarten in den ĂŒbrigen schweizerischen Landessprachen? Finden wir da dieselbe Situation vor?
Nein, ĂŒberhaupt nicht. In den französischsprachigen Regionen ist die Mundart â wiederum plakativ gesagt â seit der Französischen Revolution tot. Die Gesetze sollten damals vom Jura bis in die Provence hinunter verstanden werden, folglich musste es ein Französisch geben, die Mundarten hatten da nichts mehr zu suchen. Heute sind die französischen Mundarten keine lebendigen Alltagssprachen mehr, höchstens versuchen da und dort Vereine mit vorwiegend Ă€lteren Mitgliedern, sie am Leben zu erhalten. Im Tessin kenne ich die Situation weniger genau, doch weiss ich, dass man eine Weile auch dort SchĂŒlerinnen und SchĂŒler, die Mundart sprachen, bestraft hat.
Mundartliteratur und ihr Publikum
Angenommen, Deutschschweizer Mundartliteratur wĂŒrde gleichberechtigt mit Standarddeutsch geschriebener Literatur aus der Schweiz öffentlich debattiert und gewĂŒrdigt: Wie stellen Sie sich einen entsprechenden «Literaturclub» am Schweizer Fernsehen vor?Â
Keine Angst, soweit werden es die Verantwortlichen beim Schweizer Fernsehen nicht kommen lassen! Ăber MundartbĂŒcher auf Hochdeutsch zu reden, fĂ€nde ich vertretbar; aber auch eine reine Mundartsendung könnte ich mir denken.
Grenzte man so nicht einen grossen Teil des Publikums aus?
Es wĂ€re doch keine Katastrophe, wenn eine Sendung in Mundart nicht von allen verstanden wĂŒrde!  Ausserdem gĂ€be es ja noch die Möglichkeit der Untertitelung.
Bleiben wir bei der Frage der Ăbersetzung: Ihr Erinnerungsroman «Nebenaussen» erschien 2002 auf Standarddeutsch, drei Jahre spĂ€ter auf Französisch und erst 2015 in Mundart. Andere Autoren, etwa Pedro Lenz, liessen ihr eigenes Mundartwerk von einem andern Autor in die Standardsprache ĂŒbersetzen. Und bei Guy Krneta findet sich im gleichen Buch «Zmittst im GjĂ€tt uss» auch eine FremdĂŒbersetzung «Mitten im Nirgendwo». WĂ€re das fĂŒr Sie eine geeignete Form, Mundartwerke «gleichberechtigt» zu publizieren?
Zu meinem Roman kann ich Folgendes sagen: Ich bin sehr froh, dass die Mundartversion auch noch entstanden ist, denn sie liegt mir eigentlich nĂ€her als die erste Fassung in Standardsprache. Aber ich wĂ€hlte diese, weil es mein erstes Buch war, und weil die Jurassier es auch verstehen können sollten, es handelt ja zu einem guten Teil von ihnen. Dann dachte ich auch, Mundart wĂŒrde nicht gelesen.
Welche Ausgabe hat mehr Lesende erreicht, «Nebenaussen» oder «NÀbenusse»?
Von «Nebenaussen» wurden mehr Exemplare verkauft als von «NĂ€benusse», aus dem einfachen Grund, weil die erste Fassung schon viel lĂ€nger im Handel ist. GrundsĂ€tzlich aber bin ich gegen einen Zwang, Mundarttexte und ihre Ăbersetzungen in die Standardsprache parallel oder gar im gleichen Buch zu publizieren.
Letzte Frage: Haben Sie die Seite www.berndeutsch.ch auch schon besucht?
Aber natĂŒrlich! Im Moment sehe ich darin einen der wenigen AnsĂ€tze, um eine gewisse Diskussion ĂŒber die Themen aufrecht zu halten, die ich in meinem Buch aufgegriffen habe.
Interview: Christine Iselin-Kobler, Hans JĂŒrg Zingg
Eine Rezension von Hans JĂŒrg Zingg ĂŒber das neue Buch von Christian Schmid.
Der «Mundart-Papst» Christian Schmid. Foto: Peter Leutert.
Voorbemerkige
Aus Mitarbeiter bi www.berndeutsch.ch han ig em Christian Schmid sys nöje Buech mit ganz bsundrigem IntrĂ€sse gglĂ€se. Erschtens, wĂŒu mir d Mundart u schpeziell ds BĂ€rndĂŒtsch am HĂ€rz ligt, zwöitens wĂŒu i sĂ€uber Mundart-Outor bi u drittens, wĂŒu miir vo www.berndeutsch.ch regumÀÀssig Aafraage brchöme, wi me dises u Ă€is uf BĂ€rndĂŒtsch korrĂ€kt sĂ€gi oder schrybi.
Das het mĂŒesse gseit sy fĂŒr my RezensĂ€nte-Posizion besser vrschtĂ€ndlech z mache.
U no nes Wyters: «E Chiflete» isch ds Thema vor srf-«Schnabelweid»-SchpeziuaausĂ€ndig vom 3. Oktober 2019 gsy, da het im Raame vom Mundart-Festival z Arosa es GschprÀÀch zum Buech vom Christian Schmid schtattgfunde. Under dr Leitig vor Monika SchĂ€rer hei der Outor Christian Schmid, sy Schnabelweid-Nachfolger Markus Gasser u d Spoken Word-Poetin Stefanie Grob (e BĂ€rnere, wo z ZĂŒri lĂ€bt) zĂ€me ĂŒber das Buech diskutiert; vo Chifle wett ig auerdings nid rede, es isch aues im Raame vom Aaschtand bblibe. I ga uf di SĂ€ndig nid systematisch y, erwÀÀne se aber ab u zue, woâs mer schynt, es traagi öppis zum bessere Vrschtaa vom Buech by.
«HÀbet nech am Huet!»
Mit dĂ€m Titu, wo nach e re voukstĂŒmmleche Redensart töönt, berĂŒeft sech dr Schmid (un Ă€r erklÀÀrt daas oo im Aahang) uf eis vo de bekanntischte expressionistische Gedicht, nĂ€mmlech «Weltende», publiziert 1911 vom Jacob van Hoddis. Das faat soo aa: «Dem BĂŒrger fliegt vom spitzen Kopf der HutâŠÂ». Me list dĂ€ Titu auso richtig, we me drhinder d Warnig vor ne re Kataschtrooffe vrmuetet, wo im Aazuug isch.
«HÀbet nech am Huet!»
Christian Schmid
Cosmos Verlag, 2019
ISBN 978-3-305-00453-9
128 Seiten, 27 CHF
Ja, un um waas geit s de aber itz bi dĂ€m Soit-disant-WĂ€utuntergang? Dr Christian Schmid gseet d BĂ€rner Mundart, ds BĂ€rndĂŒtsch vo dr Zuekunft viiu neecher bir Schtandardschpraach, no viu mee dĂŒrsetzt vo Anglizisme weder das daas hĂŒtt scho dr Fau isch.
Undergang vor Mundart?
Im Schmid sym Buech, wo eigetlech nume grad am Aafang un am Schluss so richtig uf d Pouke ghoue wird, schtö no ganz viiu Informazione ĂŒber d Entwicklig vom BĂ€rndĂŒtsch, aber o vo de DĂŒtschschwyzer Mundarte augemein un ĂŒber d VerĂ€nderige vo de Schpraache im öiropÀÀische Ruum. Unger angerem erfaare mer, das de Mundarte i dr Schwyz geng wider der Undergang isch profezejt worde, am schterchschte ir zwöite Heufti vom nĂŒnzÀÀte Jarhundert, bis öppe zum erschte WĂ€utchrieg. We me itz ds Szenario vor Entwicklig i de nĂ€chschte zwĂ€nzg Jaar, wi se dr Christian Schmid o am Schluss vom Schnabelweid-GschprÀÀch het aaddĂŒtet, mit em Begriff «Weltende» vrchnĂŒpft, de ĂŒbertrybt me natĂŒrlech gwautig. Aber ooni derigi Ăbertrybige, das sĂ€gen ig o aus gschtandene Satiriker, generiert me hĂŒttigstags eifach ke Ufmerksamkeit.
Wie wyter? Dr Mundart d Liebi chĂŒnde, oder isch sĂ€mple ds RezĂ€pt?
Dr Schmid relativiert de am Schluss vo sym Buech oo, u redt vo «SchpraacheâŠ, wo i dere Richtig, wo sech d WĂ€ut hĂŒt entwicklet, geng mee unger Druck chöme.» Un Ă€r umrysst druuf d Probleemschtelig zur Mundart i dr DĂŒtschschwyz vo hĂŒtt esoo: «D Fraag isch fĂŒr mii nid, wei mer sen oder wei mer se nĂŒmm. Das entscheide die, wo se rede. D Fraag isch fĂŒr mii, wi mer se wei.» (S. 119-120). Un itz fasset er sy Kritik a ĂŒser Hautig zum BĂ€rndĂŒtsch reschpektyve zu de Schwyzer Mundarte augemein no einisch zĂ€me. I gryffe di wichtigschte Schtichwörter use: «..d Mundaarte verhĂ€tschelen ooni kĂșutuurpolitische Bode», «⊠sech fĂŒr angeri Mundaarte ĂŒberhout nid intressieren oder ĂŒber se z schpotte.» - «âŠsech dermit abzfinge, das d Mundaarten us der Schueu völlig verbannet sii u das si i dr KĂștuurvrwautig u i dr KĂșutuurpolitik schlicht nid voorchöme, en Aart Unschpraache sy.» Bis hie chan i em Christian Schmid syner Gedanke guet nachevouzie. Aber im nĂ€chschte Satz, schynt s mer, faat er aa trötzele oder, vĂŒrnĂ€mer gseit, lÀÀrt er ds Chind zĂ€me mit em Badwasser uus: «We mer nume daas fertigbringe [nĂ€mlech sech mit auem abzfinge, win er obe gseit het], bin i dr Meinig, das mr gschider fö afa SchriftdĂŒtsch oder Ănglisch rede. Witer Mundaartrede wĂ€r unger dene UmschtĂ€ng wi mit emene Mönsch zĂ€melĂ€be, wo me a ne gwanet isch, aber nen eigetlech nid gÀÀrn het u sech nid fĂŒr nen intressiert.» (S.120)
Im «Schnabelweid»-GschprÀÀch het im de o dr Markus Gasser etgĂ€ge ghaa u gseit, Ă€r wĂŒrd itz di Entwicklig nid so pessimistisch gsee. U so ganz Ă€rnscht, het s mi tĂŒecht, isch es o em Provokatöör Schmid nid gsy mit dĂ€m Pessimismus, jedefaus het er sym jĂŒngere Nachfouger Gasser nid heftig widerschproche. Schliesslech schrybt er a anderer Schteu o dr verheissigsvou (natĂŒrlech yroonisch gmeint) Satz «sĂ€mple isch ja ds Zouberwort.» (S.100) Drmit charakterisiert er Liedermacher u PopsĂ€nger, wo sech i irne LiedtĂ€ggschte «usemene Schpraachremise mit autem u nöiem Mundaart-, SchriftdĂŒtsch-, Ănglisch- u JugetschpraachwÀÀrchzĂŒĂŒg u -ggrĂŒmpu» tĂŒegi bediene, ooni uf Norme oder Regle z achte. â Aber vilicht isch ja grad daas ds RezĂ€pt fĂŒr d Mundartkultur vo dr Zuekunft?
⊠mĂŒesst öppis gaa u zwaar zĂŒmftig
Wichtiger weder d Fraag öb Undergang oder Verluederig (oder wi me dĂ€m Ching o wott sĂ€ge) fingen ig di posityve AasĂ€tz wo mer uf de letschte zwo Syte vo dĂ€m Pamphlet finde (i gloube dĂ€ Fachusdruck, wo «SchmĂ€hschrift» bedĂŒtet, syg zmingscht fĂŒr dĂ€ Teil hie am Platz). O dadruus es par Zitat: «D UniversitÀÀte mĂŒesse MundaartkĂșutuur u Mundaartliteratuur aus Schpraachfoorm leere:» - «Ăsi MundaartkĂșutuur ghöört aus Themaa i me ne gwĂŒsse Raame i d Schueu.» - «Dr Bund söu en Oort iirichte mit emenen Archiiv, wo ĂŒsi MundaartkĂșutuur deheimen isch, wos Varaaschtautige git u wo me kritisch u dischtanziert ĂŒber Mundaart diskutiert u wo men e gschidi Zitschrift macht, minetwĂ€ge onlĂ€in.»
Was ig aues mues ĂŒberschpringe âŠ
Zu de meischte vo dene Poschtulat het der Outor im Verlouf vom Buech scho Wichtigs gschribe, dadruuf chan ig hie nid ygaa. Ăbefaus ĂŒberschpringe mues i syner trÀÀfe, aber teilwys chly heterogene UsfĂŒerige zum «bbluemete Trögli» u zu drei eutere Mundartoutoore, nĂ€mlech em Simon Gfeller, em Karl Grunder und em Karl Uetz; mit dene wott ÀÀr zeige, das me o di euteri Mundartliteratur vom zwĂ€nzigschte Jarhundert sötti differĂ€nziert betrachte, schtatt se eifach mit der «bluemete-Trögli-Köjle» z tood z schlaa. U differĂ€nziert sy de di BytrÀÀg oo, i finde se leerrych u be-ydruckend; aber zum Grundthema vom Buech leischte si numen e teilwyse Bytraag. Si zeige nĂ€mmlech â u dadrmit leite si ĂŒber zum wichtige Thema vor Schrybwys â das i der erschte Jahrhundertheufti bis nam zwöite WĂ€utchrieg ds Mundartschrifttum, namentlech im BĂ€rnische Ruum, vo der Ideologie vor «geischtige Landesverteidigung» isch dominiert gsy. Un i chan ech sĂ€ge, dasch de es Kapitu fĂŒr siich! Insbesondere zeigt dr Schmid, wi under em Yfluss vom BĂ€rner ProfĂ€sser Otto von Greyerz, HerusgĂ€ber vom maasgĂ€bleche BĂ€rndĂŒtsch-Wörterbuech, wo no hĂŒtt sy Name treit, ds sogenannte MittubĂ€rnische zur dominante Mundart isch worde, wo o d VerlÀÀg hei ĂŒbernoo u wo vo viiune Outoore vrteidiget isch worde gĂ€genĂŒber VersĂŒech, o anderi regionaali YflĂŒss i di gschribni Mundart ufznÀÀ, syg s ds OberĂ€mmitaalische, syg s ds Frutigtaler DĂŒtsch, wi s du â eigewiuigerwys â d Maria Lauber i irne Gedicht u ProsawĂ€rk bbruucht het.
U no ne Punkt wett i schnĂ€u nume aatĂŒpfe: Ds FÀÀle vo re Mundart-Literaturgschicht. Di erschti u einzigi syg i de ZwĂ€nzgerjaar usechoo, prichtet dr Christian Schmid, u de zitiert e nöjeri Schwyzer Literaturgschicht (2007) vom Peter Rusterholz un em Andreas Solbach, wo sech uf sage und schreibe zwone Syte mit dr Mundartliteratur vo 1830 bis 1914 befasst, u de no erwĂ€hnt, ir Zyt vor geischtige Landesvrteidigung syg vor auem vatterlĂ€ndischi Lyrik gschribe worde! Es wyters Byschpiiu drfĂŒĂŒr, wi Ă€rnscht me d Mundartliteratur a de Schwyzer UniversitĂ€te nimmt! [1]
Ke gschidi Antwort uf d Fraag vo dr Schribwiis
Ke gschydi Antwort uf d Frag vo dr Schrybwys
Weli Schrybwys / Schribwiis gfaut ech besser? Der Outor vor «Chiflete» geschteit, eigetlech öödi iin di Fraag aa, wĂŒu si ne scho sit Jaare vrfougi u s ke gschydi Antwort druf gÀÀb. Isch Ă€cht daas dr Grund, werum er eine vo de giftigschte Eisse vom Schtryt zwĂŒsche BĂ€rndĂŒtsch-Schrybende gaar nid ufgschtoche het, nĂ€mmlech d Fraag, öb i/ii oder y/yy u i/ii oder sogaar nume y u i/ii. Dr Christian Schmid (wen er «Ryser» hiess, gsuuch er s vilecht andersâŠ) ĂŒsseret sech zu dĂ€m Problem niid, Ă€r schrybt nach dr Dieth-Regu, won er sit Jaare vrtritt, nume i u ii; öb schpitzig oder schtumpf, mues me us em ZĂ€mehang erraate.
Itz aber zrĂŒgg zum Schmid syne Raatschleeg. Eine heisst «Gööt usen i ds MundaartegschtrĂŒpp u finget sĂ€uber e WÀÀg.» Un e zwöjte lutet: «WĂ€r uf Schribreglen achtet, macht ds LĂ€sen u ds Schriben eifacher.» - Me merkt schnĂ€u, das sech di zwe Tipps gĂ€gesytig im WÀÀg schtöö. Klaar isch, dr Christian Schmid cha sech im Prinzip nume fĂŒr sy pĂ€rsönlechi Schrybwys entscheide u erklÀÀrt drum de o usfĂŒerlech d Schrybregle nach Dieth: «Schreibe, wie du sprichst.» Ăr seit, ÀÀr u viiu angeri, wo wĂŒsseschaftlech mit Mundarte z tĂŒe heige, bruuchi di Schrybwys scho lang, Ă€r macht d Prinzip vor Ungerscheidig zwĂŒsche lĂ€nge u churze Vokaale klaar u zeigt, weler Kompromisse me mues ygaa, fĂŒr zum Byschpiiu mit em Wort «Kultur» z schlaag z choo, nĂ€mmlech soo, das me en AkzĂ€nt uf ds schtumpfe «u» setzt: «KĂșutuur».
Nach em Exkurs ĂŒber d Dieth-Schrybig bringt der Outor de ne Hampfele MĂŒschterli vo inkonsequĂ€nter oder wiudwĂŒchsiger Schrybig, won er us em Netz, vo srf-SĂ€ndige u vo auerlei ddruckte Publikazioone zĂ€metreit het u entschprĂ€chend aaprangeret â aber geng soo, das me merkt, es geit im eigetlech nid um RĂ€chthaberei, Ă€r fingt s eifach schaad, das geng wi mee so inkonsequĂ€nt gschribe wird.
«Zwöi Laager» hiess aber oo: visuell hie, daa auditiv
Ei Gsichtspunkt het er us myre Sicht auerdings vrnaachlÀÀssiget. Ăr redt vo de zwöi Laager, uf der einte Syte die, wo mĂŒglechscht schnĂ€u bim Sinn wette sy u drum di schriftschpraachnaachi Schrybwys bevoorzuge. U di andere, wo uf e Toon achte u drum mĂŒglechscht lutnaach wette schrybe, was de Ă€be zu de Dieth-Regle gfĂŒert het.
I bi dr Meinig, di erschti Gruppe beschteit zur Houptsach us de sogenannt visuelle LĂ€sertype, wo sech Ă€be dr Sinn mit den Ouge erschliesse u drum d Lute, wo si lĂ€se, innerlech gaar nid nachevouzie, wott heisse, nid ghööre. FĂŒr die isch e lutnaachi Schrybig eifach nume schtöörend. De auditiv Veranlaagte hingĂ€ge, wo natĂŒrlech ir Schueu o d Schtandardschpraach hei gleert lĂ€se, chunnt di lutnaachi Schrybwys, sobau si sech dra gwanet hei, entgĂ€ge. Si ghööre, was si lĂ€se, o we si s schtiu fĂŒr siich mache. Das sy de myr Meinig naa o die, wo sech schnĂ€uer i anderi Mundarte ygglĂ€se hei, e Punkt, wo dr Christian Schmid zuesĂ€tzlech beklagt: «WĂŒu di Meischte jedi AaschtrĂ€ngig bim LĂ€se schĂŒĂŒche, lĂ€se si nid angeri Mundaarte, wo ganz angeri Wortbiuder hei aus iri eigeti.» (S.94) â Dadrzue wett i d Vrmuetig ĂŒssere, das daas Ă€be voorwiegend di visuelle LĂ€serinne u LĂ€ser sy, di auditive chöme mit angerne DialĂ€kt-Wortbiuder, we si lutgetröj gschribe sy, viiu schneuer z schlaaag.
Dr «Mundart-Paapscht» u dr «BĂ€rndĂŒtsch-Psychopapscht»
Es isch es offnigs Gheimnis, dr Christian Schmid wird vo viiune LĂŒt, syge s Laie oder settig wo druschöme, gglĂ€gentlech aus «Mundart-Paapscht» bezeichnet. Das verdanket er syr jarzÀÀntelange Ufbouarbeit bir «Schnabelweid» u syne viiune Publikazioone, wo vor auem eis Ziiu hei: intressierti LĂ€serinne u LĂ€ser zum bessere Vrschtaa vo irer Mundart, vo ĂŒsne Mundarte z fĂŒere. Myr Meinig naa isch dĂ€ Titu absolut ggrĂ€chtfertiget, dr Christian isch en OutoritÀÀt i dene Fraage, das zeigt grad o wider sys nöje Buech. â We der itz aber meinet, dĂ€ Maa gebĂ€rdi sech o pĂ€pschtlech, de trumpieret er ech schwÀÀr. Das het er im «Schnabelweid»-GschprÀÀch vom 3. Oktober z Arosa klaar bewise. Zwar vrtritt er dezidierti SchtandpĂŒnkt u schteit zue ne, putzt angerne d Chuttle u zeigt mit Naachdruck uf Schwachschteue, aber nie soo, das me ds GfĂŒeu brchunnt, wĂ€r en andri Meinig heig, syg dĂŒre bi Root.
Drum isch i dĂ€r Diskussion dr Toon ersch denn hĂ€ssig worde, wo d Moderatorin en andere «Paapscht» i ds Schpiiu bbrunge het, nĂ€mmlech dr «BĂ€rndĂŒtsch-Psychopapscht» Ben Vatter [2]. Si het vo sym «Bratwurscht»-Lied dr Schluss ygschpiut, wo s heisst, we au di Servierende oder Vrchöifferinne u Vrchöiffer nid aaschtĂ€ndig bĂ€rndĂŒtsch chönni rede, « ⊠de gööt doch uf ZĂŒri ga serviere!» Konkret geit s um d Höflechkeitsform «Sii» schtatt «diir», um d Fraag «u de, schmöcktâs?» schtatt «u de, ischâs guet?» u no par angeri Vrschtööss gĂ€g ds guete aute (Schtadt-) BĂ€rndĂŒtsch, wi s dr Ben Vatter gĂ€rn ghöört u sĂ€uber redt. Das gsunge voortreite Aasinne het du d Stefanie Grob richtiggehend uf d Paume tribe: fĂŒr di Ufforderig vom Liedermacher, wo natĂŒrlech humoristisch-satirisch gmeint isch, z qualifiziere, het si dr nöj Kampfbegriff «Mundart-Faschismus» i ds Schpiiu bbrunge. I huuf wette, d Stefanie het em Ben sys Buech «GvĂ€tterle» nid gglĂ€se, vrmuetlech het ere das Lied, wo s o aus youtube-Video git, scho gglĂ€ngt. NatĂŒrlech isch das «uf ZĂŒri ga serviere» e liecht gemeini, wĂŒu chauvinistischi, usgrĂ€nzendi Ufforderig; aber e Maa, wo sech mit dr geniale Bezeichnig «Psychopapscht» d Narechappe grad sĂ€uber ufsetzt, sött me Ă€be nid tierisch Ă€rnscht nÀÀ u drum o nid grad zur Faschismus-Köjle gryffe, sĂŒsch manövriert me sech schnĂ€u i glych Egge wi die, wo mit der aute Beschimpfig «bbluemets Trögli» d Mundartliteratur voor  u nach em zwöite Chrieg hei weue abtue.
Bilanz
I ha scho einisch druf hiigwise: Das Buech «HÀbet nech am Huet» isch nid us eim Guss. Es wott vilicht fasch zviiu:
Aus DokumĂ€nt ĂŒber en Outor sĂ€uber, bsunders im Kapitu «mys BÀÀrndĂŒtsch», isch es exemplarisch u glychzytig seer pĂ€rsönlech; e fĂŒfesibezgjĂ€rige Thuner win iig, aber o aui andere, wo das Buech lĂ€se, chöi iri eigeti Schpraachentwicklig drnĂ€be haa u vrglyche, dasch faszinierend u aaregend.
Aus schpraach- u literaturgschichtlechi Daarschtelig chunnt mer dĂ€ Band e chly zuefelig voor, o we di einzelne Abschnitte informativ u meischtens o bis zu me ne gwĂŒsse Graad vrtieft sy. Mitenang vrchlammeret sy di Kapitu aber houptsĂ€chlech dĂŒr e Begriff «bbluemets Trögli»; da fragt es si natĂŒrlech, öb s e gschickte Schachzuug vom Schmid isch gsy, dĂ€ Usdruck, won er eigetlech, win er seit, fasch hasset, so prominĂ€nt i Mittupunkt z schteue! Klaar brchöme di UsfĂŒerige dadrdĂŒĂŒr es Gsicht un es Ziiu. Es isch trotzdĂ€m nid eifach, di Kapitu churz u bĂŒndig zĂ€mezfasse.
Aus Betrachtig zum Thema «Mundart lĂ€se u schrybe» schwankt der Outor zwĂŒsche nere pragmatische Darschtelig (Mundart schrybe â wi macht me daas, wi sött me, wohii entwicklet sech ds Mundartschrybe i ĂŒser Zyt?) un ere philosophische (Was passiert, we me us ere ggredte Schpraach e gschribni macht?); uf dĂ€ Gsichtspunkt, won i hoochschpannend finde, han i leider nid richtig chönne ygaa. Aber ig empfile aune, wo kompetĂ€nt zum Begriff «spoken word» wei rede, ds Schtuudium vo de Syte 101 bis 108, zur Fraag «Isch e gschribni Mundaart no Mundaart?»
Am meischte z sĂ€ge het das Buech scho ganz klaar aus Pamphlet; Ă€s zeigt is, wo mer gĂ€gewĂ€rtig schtöö u wo mer hii sötte mit ĂŒsere Mundartkultur. Schöön wÀÀr eifach, we di Schtrytschrift ĂŒber ĂŒses verzwoorgglete VerhĂ€utnis zur eigete Mundart e chly weniger vrzwoorgglet ufbbout wÀÀr. Aber warschynlech isch grad daas der Usdruck vom Vrzwoorggletsy vo dĂ€m ganze Thema, u drum passt s eigetlech oo.
[1] Vilicht hĂ€tt dr Christian Schmid en anderi Literaturgschicht söue i d Finger nÀÀ, wo interessanterwys 1991 im ehemalige DDR-Verlag «Volk und Wissen» z Berlin isch usechoo: Geschichte der deutschsprachigen Schweizer Literatur im 20. Jahrhundert, von einem Autorenkollektiv unter der Leitung von Klaus Petzold. Dertdrinn hetâs vom Dieter Fringeli (wo o dr Schmid erwÀÀnt, aber i anderem ZĂ€mehang) e Darstellig vor Mundartliteratur uf immerhin 26 Syte mit aaschliessende Kapitu ĂŒber d Schpraachsituazioon ir dĂŒtsche Schwyz. LĂ€senswĂ€rt!
[2] Dir findet my Rezension zu sym Buech «GvĂ€tterle» Ă€befaus uf ĂŒser Syte hie.