Seine Texte ĂŒberraschen immer von neuem: ob Rap, MĂ€rchen, Dialog, Predigt oder Krimi. Er slammt, ĂŒber was und wie es ihn gluschtet: ernst, lustig, lakonisch und bisweilen bitterböse.
Andreas Kessler ist Slam-Poet und im Duo «blauibuebe» macht er Spokenblues: www.andreaskessler.ch. Auch ist er alle 14 Tage auf dem Podcast «Abgekanzelt» zu hören, auf dem er seine theologischen Referenzen verarbeitet.
Umschreibe kurz, wie du «mys bĂ€rndĂŒtsch» verstehst, d.h. welche regionalen, sozialen und sprachbiografischen EinflĂŒsse deine literarische Mundart geprĂ€gt haben.
Mein Berndeutsch ist mir immer noch ein RĂ€tsel, weil mein Vater war Sensler und meine Mutter kommt aus dem tiefsten Wallis, so dass zu Hause nicht Berndeutsch gesprochen wurde. Somit muss mein Berndeutsch jenes von Zollikofen sein, wo ich aufgewachsen bin. Vielleicht nennt man das den Agglo-Soziolekt âŠ
Warum und wann schreibst/publizierst du Hochdeutsch, wann Berndeutsch (gemeint ist journalistisches/literarisches Schreiben)?
Wenn ich literarisch schreibe, dann am liebsten in Berndeutsch. Ich durfte auch schon Texte zu AnlĂ€ssen verfassen, an denen ausdrĂŒcklich Hochdeutsch verlangt wurde und das fĂŒhlte sich einfach nicht gut an, mir fehlten Fluss, Rhythmus und Chuscht.
Schreibst du ein homogenes Berndeutsch, oder benutzest du ab und zu auch andere regionale FĂ€rbungen, Soziolekte oder ev. sogar andere Mundarten? â Wenn ja, welche und wozu?
Ich benutze mein Berndeutsch, das vielleicht auch regionale FĂ€rbungen hat, aber das ist mir nicht bewusst, weil Berndeutsch eben nicht meine Muttersprache ist. Ausser Walliserdeutsch kann ich keine Mundart, aber versuch mal z.B. in Frauenfeld auf Walliserdeutsch zu slammen âŠ
«spoken word»: WĂŒrdest du dich als spoken word-AutorIn bezeichnen? Inwiefern wird dein Mundart-Schreiben durch die Vorstellung, dass der Text vorgelesen wird, beeinflusst?
Ich bin ein spoken word-Autor durch und durch. Meine Texte haben stets eine gewisse Melodie, sie leben von Betonungen, Reimen, Tempowechseln etc. Auf Papier tun sie mir fast leid.
Gibt es fĂŒr dich richtiges / falsches Berndeutsch?
Als quasi Fremdsprachler kann ich das gar nicht beurteilen! Ich merke nur, dass es mich irritiert, wenn meine Tochter von «trĂ€ppe» und «arbeitÀ» spricht, so wie ich als Kind die Frau Jutzi von nebenan nicht verstand, wenn sie in diesen komischen berndeutschen Konjuktiven sprach âŠ
Legst du Wert auf bestimmte Prinzipien der Schreibung oder lÀsst du das deine LektorInnen machen?
Ich habe keine Lektorinnen und auch meine Frau ist mir als BĂŒndnerin keine Hilfe âŠ
Wenn du deine Schreibung selbst pflegst, welche Regeln sind dir besonders wichtig?
Keine
Gibt es Berndeutsch-Schreibungen bei andern, die dich aufregen? Nenne Beispiele und begrĂŒnde kurz.
Nein, aber einige Berndeutschkolumnen z.B. im «Bund» si u huĂ€rĂ€ mĂŒesahm zum LĂ€sĂ€! Aber ich weiss nicht genau weshalb.
Kultivierst du besondere Wörter, hast du Lieblingswörter? Gib ein paar Beispiele!
z.B. Schlufi, chĂ€ferfĂŒdlĂ€troche, raglete, mudere
Was fĂŒr WörterbĂŒcher konsultierst du? â Hast du auch schon mal www.berndeutsch.ch benĂŒtzt?
Wenn ich WörterbĂŒcher benutze, dann berndeutsch.ch. Ich habe z.B. einen am Alphabet ausgerichteten Text geschrieben, der gleichzeitig eine Geschichte sein sollte. Da habe ich mich in einer Beiz in Biglen einen Nachmittag lang durch berndeutsch.ch geklickt!
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