Neuer Weblogtext: "%title%" auf auf.recht (von Bernhard / Link: https://auf-recht.net/2016/10/21/die-wichtigsten-jobcenter-tipps-in-sechs-sprachen/) - Hashtags: arbeitslos, Asyl, Asylbewerber, Aufstocker, Behörden, Christy Schwundeck, Einwanderer, erwerbslos, Erwerbslose, Erwerbsloseninitiativen, Flugblatt, Fonts, Frankfurt am Main, Hamburg, Hartz IV, Hartz-Gesetze, Informationsblatt, Jobcenter, Kapitalismus, Klassenkampf von oben, Klassismus, LibreOffice, Migrant, Offenbach, Rassismus, Repression, SolidaritÀt, SPD, Sprachen, Vorlage, Zeichensatz
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Die Wichtigsten Jobcenter-Tipps in sechs Sprachen...
Erste Seite der farbigen DIN-A4-Ausgabe von: »Die Wichtigsten Jobcenter-Tipps â Jobcenter und andere Behörden: fĂŒnf Tipps in sechs Sprachen« â Link zum Download-Ordner.
Heute darf ich Euch eine Gemeinschaftsproduktion der AG FELIA und der Hartz IV Hilfe Offenbach prĂ€sentieren. Sie hat die Ăberschrift: »Die Wichtigsten Jobcenter-Tipps â Jobcenter und andere Behörden: fĂŒnf Tipps in sechs Sprachen«.
Das Informationsblatt liegt derzeit in sechs Sprachen vor: deutsch, bosnisch-serbo-kroatisch (frĂŒher: jugoslawisch), rumĂ€nisch, bulgarisch und griechisch. Eine italienische Ăbersetzung liegt inzwischen auch vor. Andere Ăbersetzungen werden folgen.
Wir bemĂŒhen uns um möglichst viele Sprachen. Sprachen, die noch nicht in unserem Repertoire sind, fĂŒgen wir gern hinzu, sollten uns die entsprechenden Ăbersetzungen zugekommen sein.
Wir sind an mannigfaltiger VervielfÀltigung und Verbreitung durch Euch interessiert.
Warum dieses Informationsblatt?
Erwerbslose als auch Aufstocker* (Wikipedia-Definition) mit oder ohne Migrationshintergrund mĂŒssen sich allesamt mit den Jobcentern herumplagen; sei es durch falsche Leistungsbescheide, sei es durch Unterstellungen, durch Sanktionen, ⊠â behördliche Macht trifft auf individuelle Ohnmacht. BeschĂ€mt erlebt man seine Situation als Einzelschicksal und fĂŒhlt sich wehrlos gegen behördliche Repression, gegen dort erlebte Diskriminierungen. Sehr viele Menschen sind den Formularen, die sie erwarten, kaum (nicht) gewachsen. VerstĂ€ndigungsprobleme tun ein ĂŒbriges.Â
*Wenn ich von Erwerbslosen (vereinfacht) alleine schreibe, gehören stets auch die Aufstocker dazu.
Statt â idiotisch â seine Wut rassistisch auf andere betroffene Gruppen zu lenken, gibt es noch die Möglichkeit, sich gemeinsam zu wehren. Es fĂ€ngt mit Kleinigkeiten an. Beispiel: Geht man mit Begleitung (Rechtsanspruch auf einen Beistand!) in das Jobcenter, dann sind die Behördenmitarbeiter gewöhnlich um einiges freundlicher (gab es rassistische ĂuĂerungen, werden diese unterlassen) und nicht selten auch hilfsbereiter. Diese Beobachtung wird sehr hĂ€ufig bestĂ€tigt.
Das gemeinsame sich-Wehren ist Ziel diese Informationsblatts. âRaus aus der Atomisierungâ, das ist die Devise. âRein in die SolidaritĂ€tâ, möge man anfĂŒgen â gewiss, ein Lernprozess. Das wollen wir auf niedrigstem Niveau anschubsen.
Gemeinsam gelebte SolidaritÀt statt Klassenspaltung und Atomisierung
âKlassenkampf von obenâ ist nicht aus der Luft begriffen. Reflektiert man seine Erfahrungen, wird man zu diesem SchluĂ kommen mĂŒssen. Klar ist, gemeinsam â solidarisch â kann meine seine Rechte besser behaupten und durchsetzen. Hier soll mit diesem Informationsblatt ein kleiner, erster Schritt vorgezeigt werden, um gemeinsam aus der Entrechtungs- und Armutsfalle unserer kapitalistischen Wirtschaftsordnung auszubrechen. FĂ€ngt man mit den kleinen Schritten an, fĂŒhlt man sich besser und weniger ohnmĂ€chtig (depressiv)âŠ
HintergrĂŒndiges I: Behörden
Die Gesetzgebung hierzulande ist repressiv und einem rassistischen Kontext geschuldet. Das spĂŒrt man deutlich im AuslĂ€nderrecht, insbesondere dem Asylrecht; den allgemeinen repressiven Charakter, der sich besonders gegen Erwerbslose und Aufstocker richtet, spĂŒrt man deutlich in der Rechtsentwicklung der entsprechenden SozialgesetzbĂŒcher. Einzelne âVerbesserungenâ sind der leichteren Verwaltungspraxis, weniger den Leistungsbeziehern und Antragsstellern geschuldet und werden von Regierungsseite zur Verschleierung der Verschlechterungen miĂbraucht. Angela Nahles (SPD), derzeitige Bundesarbeitsministerin, bezeichnet die ab August 2016 geltenden RechtsverĂ€nderungen (SGB 2), hauptsĂ€chlich reale Verschlechterungen, als sogenannte âRechtsvereinfachungenâ (???).
Die AusĂŒbung der repressiven Gesetze, die Praxis deren Umsetzung kommt erschwerend hinzu. Manche Behördenchefs schieĂen ĂŒber die vorhandenen repressive Gesetzgebung hinaus und lassen sich besondere EinschrĂ€nkungen und zusĂ€tzliche systematische Hemmnisse und Behinderungen einfallen. Die MainArbeit in Offenbach beispielsweise hat sich hier einen besonders schlechten Ruf erworben (spannend zu lesende Dokumentation: Blog der Hartz IV Hilfe Offenbach). Stets muĂ man damit rechnen, dass den Mitarbeitern in Jobcentern und anderen Behörden Fehler passieren. Die Statistik vieler erfolgreicher Klagen gegen die Jobcenter spricht alljĂ€hrlich BĂ€nde. Ăber die GrĂŒnde möchte ich mich an dieser Stelle nicht auslassen, möchte aber als Berichterstatterin der Jobcenter-Binnenperspektive Inge Hannemann benennen. Ihre Webseite (Inges Webseite bei der Hamburger BĂŒrgerschaft) ist sehr lesenswert. Als Whistleblowerin wurde sie âselbstverstĂ€ndlichâ in Hamburg unter dem OberbĂŒrgermeister Olaf Scholz (SPD) aus ihrer Arbeit weggeklagt. Man mag dies als Bossing, dem Mobbing von âobenâ, auffassen. Der breiten Ăffentlichkeit ist es zu verdanken, dass sie eine WeiterbeschĂ€ftigung an anderer Stelle â gleichwohl bei der Stadt Hamburg (!) â fand.
HintergrĂŒndiges II: Rassismus und Klassismus
Migranten, die sich um Asyl in Deutschland bewerben, so deren Asylantragsverfahren erfolgreich verlĂ€uft, landen in aller Regel in prekĂ€ren LebensverhĂ€ltnissen. Ob mit oder ohne ErwerbstĂ€tigkeit ist hier im Grunde genommen ohne Bedeutung. Das Gleiche gilt fĂŒr Migranten ĂŒber die erste Generation hinaus.
Migranten, die ohne Aufenthaltserlaubnis in Deutschland leben/arbeiten, sind, was die Arbeits- und WohnverhĂ€ltnisse angeht, faktisch ohne Rechte, âvogelfreiâ. Der vorhandene Rassismus in Deutschland fĂŒhrt dazu, dass sich Migranten regelmĂ€Ăig in den schlechteren Ausbildungs-, schlechteren Arbeits- und schlechteren WohnverhĂ€ltnissen wiederfinden.
Neben dem Rassismus ist Deutschland auch Ort des Klassismus (Klassismus in »Kultur der Respektlosigkeit«, vgl.: Andreas Kemper: »Sozialchauvinismus oder Klassismus«). Die Benachteiligung wird institutionell gestĂŒtzt gerade durch Behörden der Arbeitslosigkeitsverwaltung und -verwahrung, insbesondere den Jobcentern, die allesamt durchaus als Instrumente des Klassenkampfes von oben anzusehen sind. Gerade die Jobcenter vermitteln â besser: pressen â Erwerbslose in prekĂ€re ArbeitsverhĂ€ltnisse. Es bleiben den Erwerbslosen nur die ĂŒbrig gebliebenen KrĂŒmmel â allermeist in Form von ZeitarbeitsvertrĂ€gen bei Leiharbeitsfirmen. Noch schlimmer sind die dran, die WerkvertrĂ€ge untergeschoben bekommen. Und gute Jobs/ArbeitsplĂ€tze werden in der Regel auĂerhalb der behördlichen Jobvermittlung (âJobbörseâ) besetzt.
Die Tipps, die von den beiden oben genannten Erwerbsloseninitiativen zusammengetragen wurden, beruhen auf den Erfahrungen zahlreicher, unterschiedlichster erwerbloser Menschen im Kontakt mit Jobcentern. Migranten mit Sprachproblemen wird es allein wegen der VerstĂ€ndigungsschwierigkeiten noch schlechter gehen. Der Tod Christy Schwundecks in einem frankfurter Jobcenter sei hier nur als extremes Beispiel benannt. Ein Ereignis, welches sich aufgrund der repressiven Ausrichtung der Jobcenter jederzeit in jedem Jobcenter Deutschlands wiederholen kann â von Sozialarbeit keine Spur.
Die wichtigsten Tipps (in deutscher Sprache, Ăbersetzungstexte hier):
Nimm immer jemand mit! Nicht nur als Ăbersetzer, sondern auch als Zeugen. Du hast einen Rechtsanspruch darauf, jemand mitnehmen zu dĂŒrfen (Beistand). Gib immer Kopien ab und lass Dir den Empfang bestĂ€tigen! Zu oft gehen Unterlagen verloren. Viele Papiere vom Jobcenter können falsch sein. Nie soÂfort unterschreiben, sondern erst einmal mit jemand anderen zuhause in Ruhe durchlesen... Respekt: Wirst Du respektlos behandelt, bleibe Du gegenĂŒber den Mitarbeiter in den Behörden stets ruhig und sachlich. Wenn es Dir zuviel wird, komm zu uns oder zu einer anderen Initiative. Du bist nicht allein! Bei Jobcenter-Problemen helfen wir. VielÂleicht kannst auch Du uns helfen?
Zum Informationsblatt, âDie Lizenzâ und Gestaltungstipps
âLizenzlichesâ: Die Vorlagen und die pdf-Dateien sind frei mit der MaĂgabe, dass Eure Abwandlungen genauso frei sind und Ihr diesen Passus ĂŒbernehmt â und damit weiter gebt.
Das Informationsblatt mit den Ăbersetzungen könnt Ihr hier herunterladen. Weitere InformationsblĂ€tter werden folgen, sobald wir mehr Ăbersetzungen zusammengetragen haben.
Das Informationsblatt liegt farbig als pdf-Datei sowohl in DIN A4 als auch als doppelseitige DIN-A4-Druckvorlage eines DIN-A5-Faltblattes vor. GleichermaĂen könnt die einfarbigen Versionen auch zum Kopieren herunterladen. Von den einfarbigen Versionen stellen wir Euch editierbare Fassungen zur VerfĂŒgung, die Ihr genauso die anderen Dateien herunterladen könnt.
Bitte passt die Vorlagen den BedĂŒrfnissen Eurer Erwerbsloseninitiativen an (versteht sich von selbst: nicht rassistisch, nicht sexistisch und nicht klassistisch!). Vielleicht habt Ihr noch Platz, neben den Danksagungen an die Ăbersetzerinnen (sie sind schon in den Vorlagen enthalten, ĂŒbernehmt sie bitte, das wĂ€re mehr als fair!) auch ein Dankeschön an die AG FELIA und die Hartz IV Hilfe Offenbach zu ĂŒbernehmen.
Wenn ihr dann eigene InformationsblĂ€tter (FlugblĂ€tter) kreiert habt, lasst uns bitte an Euren Werken teilhaben und schickt uns Kopien (an die E-Mail-Adressen auf den pdf-VorÂlagen). Das wĂ€re brilliant und wir wĂŒrden Eure Ausgabe gfs. sogar vorstellen: Schickt uns bitte Eure Werke als pdf-Datei und als Vorlage.
Gestaltungstipps: Alle Vorlagen sind mit dem Programm LibreOffice Writer erstellt worden und beruhen sĂ€mtlich auf den odt-Dateien, die wir zum Download bereitgestellt haben. Libre Office ist im Internet kostenfrei herunterzuladen und zu installieren. In den Ubuntu-Repositorys (Paketquellen der Debian-Variante Ubuntu, einer Linux-Distribution) sind die jeweiligen Pakete bereits enthalten. Unsere Entscheidung fĂŒr Libre Office ist eine politische und nicht nur dem schlanken Geldbeutel geschuldet. Wir sind prinzipiell fĂŒr Freie Software.
Viele Schriften: Wie bekommen wir, bekommt Ihr, das hin? Wir haben uns fĂŒr FreeSans als Schrifttype (âSchriftartâ, Fonts: Unicode!) entschieden. Den Fonts FreeSans (GNU-Ăbersichtswebseite) könnt Ihr neben LibreOffice auf Euren Macs und Windows-PCs installieren (Downloads , Tipp: neuere Fonts herunterladen). Wer arabisch, japanisch, chinesisch, ⊠schreiben will, hat bei LibreOffice die Computer-Text-Layout-Option zu aktivieren (MenĂŒ Extras » Optionen » Spracheinstellungen » Sprachen » âComputer Text Layout (CTL)â anklickenâŠ).