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VOICE CRACK [Norbert MÖSLANG & Andy GUHL]
"Voice Crack"
(LP. Uhlang Production. 1984) [CH]
26. April 2020
Feuerschlagen oder am Herz operieren
Mein Vater Andy Guhl hat die Arbeit in seinem Atelier in die Häuser der Stiftung Bick verlegt. Das 300 jährige Steinhaus im Tessin erschwert die Verbindung für Videotelefonie, die Arbeit von vielen anderen Künstlern in diesen Räumen aber scheint zu inspirieren.
Hier wird eine Sense geschärft. Alle Screenshots aus der Livedemonstration heute Vormittag via Jitsi.
Der Künstler ist zu einer 8-stündigen Online-Performance Session eingeladen, welche von OptoSonic Tea durchgeführt wird. Einer Gruppe von Video und Sound Künstlern, mit denen er im September letztem Jahr in den USA performt hat. Er erklärt mir, wie die Kuratoren wie Dirigenten die verschiedenen Inhalte der Teilnehmer aufschalten werden – über Zoom.
Sein Set-Up sieht folgendermassen aus: Über die Dropbox spielt er auf seinem iPhone X eine Filmaufnahme ab. Das Bild seines Mobil-Telefons überträgt er mittels Kartonbox ...
... worin er einen Spiegel eingebaut hat aus dem Kosmetik-Set meiner Mutter ...
... und so das Bild auf die Kamera seines Laptops übertragen kann.
Das ist das Bild, das auf Zoom gesehen wird.
Er kann jetzt seine Sensoren und Blinklichter zwischen sein Telefon und die Kamera vom Laptop halten und so Überlagerungen kreieren. Daneben kann er mit seinem Lighttransformer ...
Bau-Anleitung Lighttransformer
... und zwei Fahrrad-Blinklichtern ein analoges Ton- und Bild-Erlebnis produzieren, das er über Whats-App Kamera mit dem Mobil-Telefon meiner Mutter auf seinem Mobil-Telefon live-schalten kann.
Die 300 Jahre lassen mich einen Höhlenmenschen sehen, der Feuer schlägt – meine Mutter sieht eine Operation am Herzen. Die Unschärfe der Übertragung kreiert Raum für diverse Assoziationen. Live ist der Event heute Abend, 21 Uhr zu sehen.
(Tabea Guhl)
19. April 2020
Ein Teufelskasten in der Rocktasche – Teil I: Die drei Batterien
Hintergrund: Der Sankt Gallener Musiker Andy Guhl zeigt an diesem Sonntag zum vierten Mal Geräte aus seiner Werkstatt. Interessierte verfolgen das über einen Livestream im Videokonferenztool Jitsi. Über das hier vorgestellte Gerät gibt es so viel zu sagen, dass der Bericht in mehreren Teilen erfolgen muss.
Andy Guhl: Dieses Gerät nennt sich minifon. Das Gerät hatte tatsächlich drei verschiedene Batterien. Eine Batterie, die da reinkommt:
Andy Guhl: Eine Batterie, die hier reinkommt.
Andy Guhl: Und noch eine dritte Batterie, das ist die hier.
Moritz Metz: Haben die alle die gleiche Spannung?
Andy Guhl: Nein. 3 Volt ist dieses Teil hier, das da reinkommt. Dann 12 Volt ist das hier. Die andere ist 1,5 Volt.
Kathrin: Durch geschickte Lobbyarbeit der Batteriehersteller, oder?
Moritz Metz: Wofür waren die unterschiedlich zuständig? Für den Motor, für die interne Elektronik und für die Audiowiedergabe, oder, weißt du das?
Andy Guhl: Ja natürlich, ich hab da die technische Anleitung dazu. Das ist wirklich für Fachleute, für Reparaturen. Wart mal … Sie nennen die eine Batterie, die große da, die nennen sie Distributorenbatterie. Für den Motor, oder. Dann, 17 Volt ist die Anodenbatterie. Weil drin ist eine Radioröhre … ich zeig sie mal.
Andy Guhl: Also da hat es eine Röhre.
Andy Guhl: Und da ist eine Röhre. Die haben ja einen Anodenstrom. Und das ist eben, die Nummer 17, diese Batterie da, ist für den Anodenstrom.
Andy Guhl: Und die kleine Batterie, die 16, die ist die Heizbatterie, auch für die Radioröhre.
Moritz Metz: Was man damals alles brauchte!
Andy Guhl: Ja, die haben eben die Spannung so in der Batterie gespeichert, gelagert. Und im Gerät drin, da hat es natürlich wenig Bauteile.
Fortsetzung folgt, es gibt noch einiges zu sagen über das minifon.
(Andy Guhl, transkribiert von Kathrin Passig)
12. April 2020
WAGAWATTA WAGAWATTA WAGAWATTA
Hintergrund: Der Sankt Gallener Musiker Andy Guhl zeigt an diesem Sonntag zum dritten Mal Geräte aus seiner Werkstatt. Das Dictaphone Ultravox, ein Schweizer Gerät von 1970, ist das dritte von drei vorgestellten Aufnahmegeräten. (Beiträge über die ersten beiden folgen.) Beim Streaming kommt wie schon bei den ersten beiden Terminen die Videokonferenzplattform Jitsi zum Einsatz. Da die Aufzeichnungsfunktion von Jitsi wegen Überlastung nicht funktioniert, wird der Stream mit der “Screen recording”-Funktion von Quicktime aufgezeichnet.
Andy Guhl: Das Dictaphone, das ist eben transistorbetrieben. Das hat auch einen Lesekopf hier. Und der Lesekopf, der wandert.
Gerät: WAGAWATTA, WAGAWATTA, WAGAWATTA, WAGAWATTA …
Andy Guhl: Der Schall kommt aus diesem Lautsprecher.
Tabea Guhl: Sieht aus wie ein Telefonhörer.
Andy Guhl: Jawohl, genau. Wenn ich da reinspreche, dann wird das aufgenommen und nachher abgespielt: “Eins zwei drei”.
Gerät: “Eins zwei drei”
Andy Guhl: Seht ihr? Und das Tolle ist, das ist eine Folie, und die wird von einem Lesekopf dann eben bespielt, eine Magnetfolie.
Die Bildqualität des Livestreams war nicht immer ideal.
Andy Guhl: Die kann auch rausgenommen werden, archiviert werden und dann eben wieder ganz einfach in dieses System da eingesetzt … und so abgespielt. Und das, was ich gemacht habe zum Musikmachen, ich hab diesen Tonkopf eingeklemmt, und zwar dass einfach …
Was an dieser Stelle genau geschieht, ist im Bild nicht zu erkennen.
Andy Guhl: So hat man einen Loop. Ich mach mal einen Loop.
Es brummt, zirpt und zischt., Ob es sich um Kompressionsartefakte der Videostream-Übertragung oder um Kunst handelt, bleibt unklar.
Andy Guhl: Ich weiß nicht, Kathrin, ob du dieses Gerät … Kennst du das?
Kathrin Passig: Nein, ist mir alles unbekannt.
Andy Guhl: Zwischendrin gibt es noch so Geräte mit Folien im Format A4 – das ist Format A5 – und diese haben dann auch mit Radioröhren verstärkt, die sind etwa zehn Kilo schwer. Aber die haben auch wunderbare Tonqualität. Diese kleinen, die sind eben praktisch zum Mitnehmen. Die haben auch Ausgänge für Lautsprecher. Die hab ich dann jeweils auch benutzt …
Kathrin Passig: Moment, was sind das für Symbole? Wofür sind die?
Andy Guhl, von rechts nach links erklärend: Die Symbole – das eine ist eben als Telefonbeantwortungsmaschine, dann Lautsprecheranschluss – Kopfhörer und Lautsprecher. Das andere ist dann Mikrofon. Und das ist ein Fußschalter. Man konnte dann mit dem Fuß diese Tastatur schalten, so wie ich das jetzt mache von Hand. Und mit diesem Joystick konnte man eben stoppen, laufen, rückwärts plus aufnehmen. Alles mit einem Knopf.
Die Transkriptionistin würde dazu eher Trackball sagen als Joystick. Aber als das Gerät neu war, hieß es vermutlich noch mal anders. Ein Handbuch, dem man die zeitgenössische Bezeichnung entnehmen könnte, ist im Netz leider nicht auffindbar.
Hier wird mit dem Daumen an einem Rädchen links auf und ab gedreht, das wohl die Magnetfolie oder den Lesekopf steuert. Das Gerät zwischert daraufhin wie ein Strauch voller Spatzen.
Andy Guhl: Und die Aufnahmezeit, zehn Minuten, da konnte man von der ersten Minute zack zur zehnten Minute.
Andy Guhl: Und damals gab es kein Gerät, mit dem man so sehr viel machen konnte. Ich hatte sehr viel Freude daran. Damals kriegte ich das geschenkt von diesen Geschäften. Und die Geschäfte sagten, ich dürfe das nicht mehr in den Handel bringen. Ich dürfe es für mich gebrauchen, aber nicht mehr in den Handel bringen. Weil sonst müsste Dictaphone eben die Ersatzteile weiterhin liefern. Und wenn das aus dem Verkehr gezogen ist, dann haben die keine Pflicht mehr, die Ersatzteile zu haben.
(Andy Guhl, transkribiert von Kathrin Passig)

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norbert möslang / andy guhl -- nächstes stück
Andy Guhl. http://www.earlightseyesounds.ch/