Oktober 2018 und bis heute
Neues Display, alte Bekanntschaften
Meine Geschichte nimmt ihren Lauf im Oktober des mittlerweile vergangenen Jahres. Ich war unterwegs gewesen und wie so oft, ist mir mein Handy wieder einmal runtergefallen. Nichts ahnend habe ich es aufgehoben und musste feststellen, dass der Bildschirm von oben bis unten gesprungen war. Ărgerlich, aber kein Problem, das dachte ich mir.
Also hin zu einem billigen Handy-Shop, wenn man am Tempelhofer Damm lebt, dann kann man diesbezĂŒglich aus dem Vollen schöpfen.Versprochen wurde mir von zwei Ă€uĂerst charmanten VerkĂ€ufern, dass ich mein Handy in kurzer Zeit wieder einwandfrei nutzen könnte, ganz ohne Probleme.
Ich hatte natĂŒrlich schon von diversen Geschichten gehört, ein gesprungenes Handy bedeutete oftmals einen sich selbststĂ€ndig machenden Bildschirm, sofern man nicht bereit war, es in die HĂ€nde von Apple zu legen und eine Unsumme an Geld zu zahlen. Da mein Kontostand das zu diesem Zeitpunkt eindeutig nicht war, vertraute ich es den charmanten VerkĂ€ufern des Handy-Shops an die sichtlich mehr an mir als an meinem Handy interessiert waren. Alles lief gut, das Handy kam wie neu zurĂŒck und nach einer Woche hatte ich bereits vergessen, dass es je kaputt gewesen war. Bis es zu meinem ersten lĂ€ngeren Telefonat kam.
Ich war inmitten einer komplizierten Geschichte, die ich meinem Freund am anderen Ende der Leitung dramatisch lange und kompliziert wie sie war offenbarte, bis vom anderen Ende der Leitung ein âHallo, bist du noch dran?â zu hören war. âJa natĂŒrlich bin ich noch dran, also ich habe ja gerade gesagt, dass ich dann eigentlich mitgehen wollte, aber ââ
âHallooo?â
Genervt blickte ich auf mein Handy und musste feststellen, dass ich scheinbar unabsichtlich die Stumm-Taste gedrĂŒckt hatte â er mich also nicht hören konnte, ich ihn aber schon. Zu diesem Zeitpunkt fand ich es noch lustig und dachte mir nichts weiter dabei.
Leider musste ich feststellen, dass die zufĂ€llige Tasten-DrĂŒckerei wĂ€hrend meiner Telefonate ein stĂ€ndiger Begleiter wurde. Kein Telefonat geschah mehr, ohne dass ich mittendrin auflegte, Freunde auf Lautsprecher stellte (am liebsten in der U-Bahn) oder weitere Kontakte in TelefongesprĂ€che einlud, oftmals sehr unangenehm, denn ihr wisst sicher, dass man nicht nur gute Freunde unter seinen gespeicherten Kontakten vorfindet. Neben lĂ€ngst vergessenen, flĂŒchtigen Bekanntschaften, die dank meines Handys wieder ausgegraben wurden, bescherte es mir ebenfalls viele peinliche kurze GesprĂ€che mit gespeicherten Kontakten, von denen man gar nicht wusste, dass sie existieren.
Was ich jedoch sagen kann: Ich habe gelernt, mich bei Telefonaten auf alles gefasst zu machen. Die goldene Regel beim Telefonieren lautet ab jetzt: Handy ca. 20 cm entfernt von meinem Kopf halten, es also in keinster Weise berĂŒhren. Ein Paranoia hat es mir ebenfalls verschafft: wenn auch nur ein kurzer Moment der Stille anstatt eines stĂ€ndigen Ahas, Mhms meines GesprĂ€chspartners erklingt, bin ich sofort am Bildschirm, um die vermeintliche Stummstellung zu beheben.
WĂŒrde ich beim nĂ€chsten Mal eine unverschĂ€mte, nicht gerechtfertigte Summe an Geld fĂŒr eine einfache Display-Reparatur zahlen? Wahrscheinlich schon.
(Leah Winzely)

















