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Danke für 4 unglaubliche Tage! Ach was... Danke für dieses geniale Turbostaat - Jahr! Das waren für mich 7 Konzerte... 2346 km mit den Auto geschrubbt... 08....
Haben sie einfach mal die Chorprobe geschmettert.

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foto von lennart adam
Konzerte: Turbostaat, 11.12. & 12.12. 2014, Bürgerhaus Stollwerck
"Ist das noch Punk Rock?" fragten die Ärzte vor gar nicht mal allzu langer Zeit selbstironisch-rhetorisch nach, und manch einem Punk-Hardliner kam diese Frage wohl angesichts der vorliegenden Konzertreihe erneut in den Sinn. Nein, es ist natürlich nicht Punk Rock alle bisher veröffentlichten Alben in chronologischer Reihenfolge zu spielen und den Fans obendrauf noch eine super limitierte (Nerd Alert!) 10" mit persönlicher Widmung in die Hand zu drücken. Doch wer die Frage nach Punk Rock ernsthaft bei Turbostaat stellt (ja wer sie eigentlich überhaupt stellt), der sollte auf den Konzerten dieser Band ohnehin nichts verloren haben. Wie man Privates, Politisches und Obskures unter Verzicht auf erhobene Zeigefinger, dennoch nicht ohne Haltung auf die Bühne bringt, das haben Turbostaat vielleicht nicht erfunden, zumindest jedoch maßgeblich geprägt und über die Jahre perfektioniert. Gerade da es sich hier also nicht um eine beliebige Band handelt, sondern obendrauf auch um eine die Wert auf das Album-Format legt, scheint die Idee, die komplette Diskografie an zwei Abenden pro Stadt aufzuführen, unbedingt gerechtfertigt. Neben der schnöden Theorie belegen das auch die beiden sowohl musikalisch als auch zwischenmenschlich formidablen Abende in Köln.
Doch natürlich gilt es an diesen beiden Abenden nicht nur Band und Publikum, sondern auch diverse Vorbands zu berücksichtigen. Eine darf sogar wie die Hauptband an beiden Abenden auftreten: Turboboost, eine groteske Coverband irgendwo zwischen Klamauk und Punk. Das Quintett steht während der Performance vor der Bühne und ist bodenständig bis obskur (etwa in einen Pijama) gekleidet. Auch die Musik lässt sich nicht so recht festlegen: einerseits ist das natürlich großer, manchmal allzu zotiger und berechenbarer Schabernack, in manchen Momenten offenbart die Gruppe jedoch ein feines Gespür für Arrangements, etwa im Falle des "I Was Made For Loving You"-"I Just Can't Get Enough" Medleys. Zur Ratlosigkeit die Turboboost hinterlassen tut die Wahl der Instrumente ihr übriges: neben einer E-Gitarre findet unter anderem auch ein Kazoo im Klangbild der Gruppe statt. Am Ende des Tages nennt man sowas wohl Unterhaltung. Kommt bestimmt super auf einem 30. Geburtstag, wenn alle gerade richtig besoffen sind. Zumindest ist es ein jeweils lockerer Einstieg, bevor der individuelle Support einheizen darf. Am ersten Abend übernehmen den Job die Turbostaat assoziierten Duesenjäger - eine halbe Stunde servieren sie sympathischen Deutschpunk, der in dieser Zeit zum Mittanzen einlädt, aber nicht im Gedächtnis bleibt.
Viel umgebaut werden muss im Anschluss gar nicht mehr, damit Turbostaat die Bühne entern dürfen. Zu Beginn gönnt man sich einen angemessenen Hauch Extravaganz: eine Leinwand wird heruntergefahren, der zum Inventar gehörende Merchverkäufer Friese durchstöbert eine Plattenkiste (mit Referenzplatten? Unter anderem befindet sich darin jedenfalls "Turn On The Bright Lights"), zückt schließlich "Flamingo", legt die Platte auf, wir hören das Geräusch der aufsetzenden Nadel und dann ertönt das Sample, das den Hörer auf der Platte willkommen heißt. Was folgt ist nicht weniger als ein Feuerwerk. Das Publikum rastet von der ersten Sekunde an vollkommen aus - kamen auch Duesenjäger schon ganz gut an, ist das Publikum im gut gefüllten Stollwerck permanent im Pogomodus, extrem textsicher und liefert eine Stagedivingeinlage nach der anderen. Das Besondere am ersten Abend ist natürlich, dass die frühen Werke nur noch selten und wenn dann extrem ausgewählt den Weg ins reguläre Tourprogramm finden. Gerade "Flamingo" wartet da doch mit einer Reihe überwältigender Momente auf, neben dem ikonischen "Wieso Herbst?" natürlich auch Stücke wie "18:09 Uhr Mist verlaufen". Die Freude über diese Perlen ist auf beiden Seiten der Bühne spürbar und tröstet leicht darüber hinweg, dass Ansagen an diesem Abend eine Rarität sind.
Doch was soll man auch erzählen? Wenn Jan Windmeier seine Stimme erhebt, sind die Worte dankbar und bedacht. Ansonsten überzeugt er mit seinen über die Jahre gewachsenen Posen und einer generell guten Leistung in diesem atemlosen Set. Denn das ist ja auch immer die andere Seite: wenn wenig gelabert wird, wird in der Regel auch mehr und vor allem intensiver gespielt. Die erste wirkliche Pause gibt es am Ende von "Wieso Herbst?": die Leinwand fährt wieder runter, die Platte getauscht, "Schwan" aufgelegt. Spätestens an diesem Punkt wird auch klar, wie gut man die Entwicklung von Turbostaat anhand dieser beiden Auftritte nachzeichnen kann. Am Anfang des Sets ertönt noch ein Sample wie auf "Flamingo", doch die Songs an sich sind schon deutlich melodieverliebter, wenn auch immer noch weitaus ruppiger als die späteren Alben. Insgesamt ein starkes Werk, doch mit weniger Hits ausgestattet als das umliegende Material. Das gibt den Stimmbändern kurz Pause, bevor das treffend am Angelpunkt platzierte "Vormann Leiss" stürmisch startet und noch mal alle Energie mobilisiert. Zwischen dem wilden Frühwerk, bei dem die heutige Band manchmal nur rudimentär erkennbar ist, und den späteren Indie Anwandlungen findet die Band hier ein adäquates Mittelmaß und etliche beliebte Stücke, in diesem Teil des Albums vor allem "Insel". Nach "Hau ab die Schildkröte" erfolgt der Schnitt, es ist unmissverständlich: keine Zuagbe, den Rest gibt es morgen.
Am nächsten Tag folgt das gleiche Spiel: erst Turboboost, dann Vorband. Leider läuft es erst mal nicht ganz so geschmiert - der Soundcheck von Ten Volt Shock zieht sich, so dass das Trio mit deutlicher Verspätung die Bühne betritt. Statt jedoch große Reden zu schwingen entschuldigt man sich kurz, um möglichen Unmut einfach im Keim zu ersticken. Zwischen Postrock, Noiserock, Queens Of The Stone Age und Lightning Bolt servieren die drei Figuren weitgehend instrumentalen Brachialrock. Zunächst beinahe etwas fahrig, hat man sich nach wenigen Minuten unter Kontrolle und serviert einen kompakten, teils enorm mitreißenden Stilcocktail. Darf man auf dem Zettel behalten, wenn man sich für mehrere der genannten Komponenten interessiert.
Dann folgt der zweite Akt des Mammutprojekts: Turbostaat legen "Vormann Leiss" wieder auf. Nach dem guten "Bei Fugbaums" folgt mein persönliches Highlight: das "Vormann Leiss" beschließende Songtrio "Am Ende einer Reise" (absolut unterschätzte Semi-Ballade), "Nach fest kommt ab" (zurecht geschätzter Nackenbrecher) und "Vormann Leiss" (unanfechtbare Hymne) selbst. Es ist der perfekte Auftakt zu meinem persönlichen Lieblingsalbum "Das Island Manöver", einem Album, auf dem sich Indie-Elemente endgültig etablieren und auf dem mit dem Titeltrack sogar Platz für ein wenig Post Rock gemacht wurde. Von Ermüdung jedoch keine Spur, ab dem eröffnenden Bassinferno wird gefeiert wie gehabt, bis zum wuchtigen "Oz Antep", das theoretisch alles mitbringt um ein Konzert würdig zu beschließen; stattdessen macht es die Überleitung zum fiese tapsenden "Eine Stadt gibt auf", der Eröffnung von "Stadt der Angst". Ich hatte Startschwierigkeiten mit dem Album (ca. ein Jahr lang), doch mittlerweile habe ich es für seine Vielseitigkeit schätzen gelernt.
Hier fällt es dennoch schwer, Highlights zu benennen, vielleicht auch weil die Platte noch so jung ist; das würdige Ende "Sohenmann Zwei" hätte sicher dazu gehört, wäre es denn das Ende gewesen. Stattdessen feuert die Band noch die drei kompakten, tanzbaren Bonussongs von "Stadt der Angst" aus dem Hinterhalt. Eigentlich ist alles gespielt und die Band runter von der Bühne, doch das Publikum verlangt nach mehr, also bekommt es mehr. Marten Ebsen schmeißt ein Sixpack Wasser ins Publikum, so dass sich das folgende Inferno namens "Frieda und die Bomben" zu einer Raserei von biblischen Ausmaßen entwickelt. Überall fliegt Wasser herum, die Menschen toben, schreien, kreischen, gefühlt ist alles Pit und am Ende lässt Bassist Tobert Knopp sich sichtlich genüsslich und erledigt ins Publikum fallen. Es sind eben auch diese kleinen Momente, die diese Abende zu etwas Besonderem gemacht haben: wie sich einzelne Fans beinahe von der Empore stürzen, um Knopp zuzuprosten oder die Texte mitzuschreien, wie ein Fan auf die Bühne rennt um Rotze Santos zu küssen, wie die Band all das geschehen lässt und dabei unbeirrbar ihr Set durchzieht. Natürlich, die Dynamik eines regulären Konzerts geht dabei flöten. Wenn aber stattdessen persönliche Lieblingssongs wie "Am 1. Mai ist Weltrevolution, weitersagen" gespielt werden entschädigt das mühelos für diesen Makel, der im Grunde keiner ist. Das hier war schließlich nicht Konzertalltag, das hier war eine Feier. Und als eben solche haben beide Abende perfekt funktioniert.
Turbostaat feiern Geburtstag mit: nostalgischen Abi-Punks/Indiepunk Chronisten/textsicheren Pogomenschen
Weiterlesen: Konzert: Turbostaat, 14.12.2012, Jugendzentrum Försterstraße
Album: Turbostaat/Stadt der Angst
Turbostaat auf dem Angst macht keinen Lärm Festival
Konzert: Turbostaat, 26.09.2014, Jugendzentrum Försterstraße
15 JAHRE, 2 ABENDE, 63 LIEDER ab jetzt gibt es für unsere tour im dezember nur noch einzeltickets ohne platte für die jeweiligen abende. danke für euer reges interesse bisher. das hat uns wirklich überwältigt! http://shop.turbostaat.de/browse/december-2014/en,0,4886,0,0.html