Comics: Lesen und Zeichnen â wie es begann
Als mir mein Vater 1983 den Lucky Luke-Band âDie Postkutscheâ schenkte, ahnte er nicht, was er damit bei mir auslösen wĂŒrde. Und als Germanist hĂ€tte er das wohl auch nicht ganz so beabsichtigt â denke ich mal. Aber seiâs drum: Danke Papi! Ohne dich wĂ€re ich vielleicht Lehrer geworden đ
Comics lesen kann nicht jeder, die Gleichzeitigkeit von Wort und Bild ĂŒberfordert manchen Leser. Ich jedoch tauchte in dieses Medium ein und fĂŒhlte mich darin so wohl wie der Fisch im Wasser. Ich amĂŒsierte mich ĂŒber den Wortwitz, freute mich ĂŒber die Zeichnungen, entdeckte immer mehr Details im Hintergrund und merkte: Das will ich auch machen! Im selben Sommer 1983 folgte dann auch mein erster selbstgezeichneter Comic: âCharlie der âwachsameâ Sheriffâ, der eine interessante Metamorphose durchlief. Begann er zunĂ€chst eher als Funny, wurde Charly zunehmend muskelbepackter (die Anatomie dafĂŒr lieferte mir der römische Athlet Musculus aus âAsterix bei den Olympischen Spielenâ) und der Ton wurde ernster. 1984 folgte der Comic âNur Wasserâ in Koproduktion mit meinem Freund Torsten und 1985 entstand mein erster Superheldencomic âDie Fliegeâ (Not so Fun Fact am Rande: Aus ZeitgrĂŒnden habe ich diesen Comic nie getuscht, so dass am Ende lediglich meine sehr schwachbrĂŒstigen Bleistiftzeichnungen auf den Kopierer kamen â ein Umstand, der heute noch an mir nagt). Parallel dazu entdeckte ich den Animationsfilm fĂŒr mich und baute mit meinem GroĂvater nach PlĂ€nen aus einem Preston Blair-Buch ein Animationspult (dessen GlĂŒhbirne es nach ca. 15 Minuten auf Spiegeleibrathitze aufheizte).
Als Autodidakt hatte ich natĂŒrlich sehr schnell das Ende der Fahnenstange erreicht. SĂ€mtliche Hefte der âWalter Fosterâ-Reihe hatte ich dem damals noch in der Kölner EhrenstraĂe existierenden âBruno Wolkenaerâ-GeschĂ€ft (DEM Zeichenbedarfsladen schlechthin) abgekauft, GerĂŒchten nach sollte es aber in Amerika mehr zu den Themen âComics selber Zeichnenâ und âAnimationâ geben. Nur ĂŒberprĂŒfen konnte man das nicht, es gab ja schlieĂlich kein Internet. Ich aber hatte einen Onkel in Amerika.
1986 wurde ich konfirmiert (mein probater Versuch, eine brauchbare Stereoanlage zu erlangen) und zu diesem Anlass trudelte auch ein Paket aus Ăbersee ein. Dessen Inhalt sollte mein Leben verĂ€ndern.
In dem Paket, das mir mein Onkel Dieter schickte, befanden sich BĂŒcher. Nicht irgendwelche BĂŒcher sondern Literatur, die im Deutschland von 1986 einfach nicht zu kriegen war (kein Internet!). Und ich weiĂ bis heute nicht, wer fĂŒr die Zusammenstellung der BĂŒcher verantwortlich war, aber jedes einzelne war eine Punktlandung! Period.
ZunĂ€chst einmal âCartooning the Head and Figureâ von Jack Hamm, dem von mir damals am wenigsten geschĂ€tzten Buch in der Kiste (sollte sich aber Ă€ndern). Hamm geht hier explizit darauf ein, wie man den menschlichen Kopf und Körper ĂŒberzeichnet. Damals empfand ich den Zeichenstil als antiquiert (das Original stammt aus dem Jahr 1962), heute mag ich den 60er Jahre-Look und den schweren Strich des Tuschepinsels sehr.
Das zweite Buch im Paket war âHow to Draw Caricaturesâ von Len Redman, ein Standardwerk fĂŒr angehende Karikaturisten (zu denen ich mich damals selber zĂ€hlte). FĂŒr lange, lange Zeit sollte es auch die einzige SekundĂ€rliteratur in meinem Regal zum Thema âKarikaturâ bleiben und auch heute noch sind BĂŒcher dazu rar gesĂ€t. Ein zweiter Mort Drucker ist aber dann doch nicht aus mir geworden. Leider.
Drittes Buch in der Kiste war der Jawdropper âDisney Animation: The Illusion of Lifeâ von Ollie Johnston und Frank Thomas. NatĂŒrlich wusste ich damals rein gar nichts ĂŒber Disneyâs Nine Old Men, ahnte aber, was ich da fĂŒr einen Schatz in den Fingern hielt. Ein Blick hinter die Kulissen der klassischen Disney-Zeichentrickfilme gepaart mit jeder Menge Skizzen und Tipps zu Illustration und Animation. Wie man Zeichnungen lebendig macht? In diesem Buch erfuhr ichâs.
Last but definitely not least: âHow to Draw Comics the Marvel Wayâ von Stan Lee und John Buscema. DAS Standardwerk in Sachen âComics wie die Amis zeichnenâ kennt heute jede Sau, frĂŒher wusste man maximal, âdass es da sowas geben sollâ â unbekommbar fĂŒr uns Jungs von der SchĂŒlerzeitung. Und ich besaĂ nun diesen Heiligen Gral, der mich noch viel inspirieren und aus dem ich mir jede Menge abgucken sollte.
Das Fundament meines Comiczeichnens â vielen Dank, Onkel Dieter!
Comics: Lesen und Zeichnen â wie es begann was originally published on ComicCabin