Zoya Manouk. A witch of some sort.
Nachts ist es immer das Holz, das mich wachhรคlt. Es รคchzt und ist ruhelos, weil es lebt. Ich kann es ihm nicht verรผbeln, schlieรlich ist es alt. Kรถnnte es in den Schlaf finden, wรผrde es das sicher tun. Das Haus und ich, wir haben schon viel gemeinsam erlebt. Und bevor ich da war, hat es andere Abenteuer bestritten. Mit meiner Groรmutter, und davor mit der Mutter meiner Baba. Viele Frauen haben schon in diesem Bett gelegen und die Muster in der Decke betrachtet, die von der Geschichte dieses Hauses erzรคhlen. Es ihr beruhigend, sich vorzustellen, dass dieses Holz auch dann noch da sein wird, wenn ich es lรคngst nicht mehr bin.
Das Haus behรผtet mich, das hat es immer schon getan. In Nรคchten, die zu frรผh enden und in denen ich mich nicht einfach wieder in den Schlaf drehen kann, stehe ich auf und koche mir einen Tee. Ich mag es, wenn der Teekessel รคchzt und schlieรlich pfeift, um mir zu erlauben, meine Krรคuter aufzugieรen. Es riecht dann im ganzen Haus nach Hagebutte, was mich immer lรคcheln lรคsst. Meine Baba mochte diesen Tee am liebsten. Ich verliere mich in solchen Momenten oft in Erinnerungen, eingehรผllt in eine bunte, weiche Decke sitze ich dann am Fenster und betrachte die Nacht. Manchmal ist sie trรผb und sternenlos, manchmal ist der Himmel glattpoliert und glรคnzt wie ein Onyx, gesprenkelt mit Sternen, deren Vielzahl mich immer wieder staunen lรคsst.
Wenn das Haus merkt, dass es mich wachhรคlt, bekommt es ein schlechtes Gewissen. Zumindest glaube ich das, weil es sich dann ganz langsam und vorsichtig erhebt, um mich nicht noch weiter zu stรถren. Es weiร, dass es mir gefรคllt, nachts zu reisen, weil es sich dann beinahe wie ein Traum anfรผhlt. Die knorrigen, dรผnnen Beine tragen die Holzhรผtte gewohnt sicher รผber das Land, geschรผtzt vor den neugierigen Blicken der Menschen. Die haben selten einen Blick รผbrig fรผr Wunder.
โShe herself is a haunted house. She does not possess herself; her ancestors sometimes come and peer out of the windows of her eyes and that is very frightening. She has the mysterious solitude of ambiguous states; she hovers in a no-manโs land between life and death, sleeping and waking.โ โ Angela Carter, โThe Lady of the House of Loveโ
Dieser Account ist eine Hommage an den Herbst, eine heiรe Tasse Tee, Raureif am Morgen, den Geruch selbstgebackener Kekse, dem Schnurren einer Katze und dem Knistern einer Buchseite, die man kaum schnell genug umblรคttern kann, weil man sich so sehr in der Geschichte verliert.
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