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#4 Gehirnwäsche
Neben den normalen Tätigkeiten eines Eisverkäufers, wie zum Beispiel Eisverlaufen, Eis auffüllen oder das Abräumen der Tische, reinigen wir selbstverständlich auch unsere Eisdiele. In diesem Zusammenhang gibt es, zu unser aller Leidwesen, ein nie enden wollendes Dilemma. In unserer Eistheke herrscht das Kunde-ist-König-Prinzip, was letztendlich genau das bedeutet, egal was passiert, der Kunde ist König, also unschuldig. Der Leidtragende ist immer der Diener. Es gibt eine Aufgabe, die wir bei frier Zeit meistens als erstes erledigen müssen, nämlich das Reinigen der Frontscheiben unserer Eistheken. An sich eine einfache Aufgabe, aber wie bei vielen Dingen, kommt der Kunde mit ins Spiel. Die Bedienung wischt die Scheibe, stolz auf die streifenfreie Leistung und darf sofort zusehen, wie der Kunde neben ihm die vollen Handflächen auf der Scheibe ablegt. Natürlich können Kinder nichts für ihre Erziehung, deswegen lasse ich diese hier aus. Aber was muss im Kopf eines 20-,30-,oder 40-jährigen Münchners vorgehen, direkt neben der Bedienung die Arbeit zu Nichte zu machen? Wissen wir nicht. Fakt ist nur, dass sich ab diesem Zeitpunkt nicht in der gleichen Gelassenheit und fancy-freaky guten Laune weiterarbeiten lässt. Erst recht nicht, wenn man die betroffene Person gleich als Kunde weiter bedienen darf. Aber, Kunde ist König. Jetzt bloß nichts anmerken lassen. Breit lächeln. Vielleicht schlecken wir auch einfach demnächst das Eis des Kunden ab, nachdem er erst einmal von der süßen Nachspeise gekostet hat. Mal sehen, wie er damit umgehen kann.
#3 Einmal Vanille, bitte.
Variationen dieser Aussage sind 'Stracciatella', 'Schokolade', 'Nuss' oder Eissorten, die man noch nie gehört hat.
Es gibt einige Vorurteile uns Münchnern gegenüber, wie zum Beispiel unsere Spießigkeit und das Festhalten an alten Gewohnheiten. Anzeichen dafür gibt es genug, nicht nur, dass München die Singlehauptstadt ist, sondern auch wer hätte es gedacht, wie der Großteil unserer Kunden das Eis bestellt. Eis mit aufregenden und ungewöhnlicheren Geschmäckern ist mittlerweile in beinah allen Eisdielen verbreitet, wesewegen es eigentlich schade ist, dass Phantasie und Neugierde noch nicht in viele Münchner Köpfe geraten ist. Der Kunde steht häufig mit suchendem Blick vor der Theke ('nasser Hund'), scheint dabei aber seine Umwelt nicht wahrnehmen zu können, da er danach sofort mit traurigem Unterton nach einer der oben genannten Sorten fragt. Warum? Wer weiß, vielleicht besitzt die Eisdiele seines Vertrauens doch eine geheime, eigene Truhe für gewöhnliche Sorten? Vielleicht stehen an der Außenwand des Ladens und an den Schildern in der Theke ja komplett falsche Sorten? Man weiß es nicht. Eventuell gilt hier einfach, niemals die eigene Hoffnung aufgeben. Denn wenn Vanille eben die Lieblingssorte sein sollte, darf man natürlich danach fragen. Nur eben nicht jedes Mal.
Übrigens gilt für alle Eisverkäufer in dieser Sache Ruhe zu bewahren und geschicktes Verkaufstalent auf die Theke zu legen, da viele Kunden aufgeplustert und entrüstet sofort den Laden verlassen, wenn es besagte Sorten nicht gibt. Sich fallen zu lassen und etwas Neues auszuprobieren, dass fällt dem Münchner hier sichtlich schwer, und dass obwohl es sich nur um eine kleine Portion Eis handelt. Liebe Eiskunden, wir können doch über Alles reden!
#2 Einmal Das da, bitte.
Gibt es in den verschiedensten Ausführungen: 'Einmal das Schwarze.' (Farbangabe), 'Einmal das Dunkle.' (wage Farbangabe), 'Einmal das da oben.' (Ortsangabe) und 'Ich nehme das.' (wage Angabe allgemein).
Ich freue mich unendlich, dass wir von unseren Kunden für kleine Eisverkaufsgenies gehalten werden. Anders kann ich mir dieses Phänomen nicht erklären. Der Kunde steht hierbei vor der Eistheke und äußert sich wie oben genannt zu seinem Eiswunsch. Das weitere Vorgehen liegt jetzt bei uns. Hier kommen verschiedene Taktiken zu Tage, Abschätzen der Blickrichtung des Kunden, Interpretation dessen Körpersprache oder das Aufzählen aller 20 Sorten, bis die gewünschte Eiscreme erreicht wurde.
Wir danken Euch natürlich für Euer Vertrauen, aber eine kleine Anmerkung an die ganze Geschichte haben wir dann doch. Denn genau wie beim Waffel-Becher-Dilemma treten bei der falschen Auswahl des Verkäufers die bedrohlichen Frustsyndrome auf und viele Kunden werden plötzlich zu wahren Wortpoeten. Damit allen Beteiligten geholfen wird, vielleicht einfach das Schild mit dem Namen der Eissorte lesen oder die Kritzikratzi-Schrift des männlichen Kollegen bemängeln.
#1 Waffel oder Becher?
Waffel oder Becher? Auf den ersten Blick wirkt das wie eine einfache Frage. Falsch gedacht. Wie es scheint, scheiden sich hier Welten voneinander. Da wird schon einmal so lange überlegt, dass sich der Partner unruhig am Kopf kratzt, die Schlange bis zu 7 neue Besucher dazu bekommt oder ein anderer Kunde fragt, ob er denn nicht schon mal bestellen dürfe. Gedanken über Gedanken scheinen durch die Köpfe der Kunden zu rasen, wahrscheinlich wird sogar teilweise die Recyclingmöglichkeit des Bechers erwogen. Vielleicht wäre es also für uns alle einfacher, würde diese Entscheidung schon vor dem Betreten der Eisdiele für das zukünftige Eisessen gefällt werden. Vielleicht.
Was aber auf keinen Fall getan werden darf, ist die Entscheidung für den Kunden zu fällen. Steckt man ohne vorher gefragt zu haben, die Eiskugel in eine Waffel, weiten sich die Augäpfel, der Mund öffnet sich zu einem entrüsteten 'Aber..' und die Gesichtsfarbe wechselt zu einem nicht der Sonne zuzuschreibendem Rot.

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Kremig
Dieser Blog wird aus Texten und eventuell einigen Illustrationen bestehen, die unsere Eissaison 2014 in München reflektieren. Denn auch wenn es nur um die kälteste italienische Süßspeise geht, haben wir alles Erdenkliche erlebt, Erlebnisse im Rahmen von traurig bis fröhlich, von lustig bis erstaunlich nervig. Wir sind in einer Eisdiele in München und der ein oder andere wird auch erkennen in welcher Eisdiele wir uns genau befinden. Sinn und Zweck? Schwanke hier noch zwischen Prävention für 2015 oder Schreibdrang.