#3 Einmal Vanille, bitte.
Variationen dieser Aussage sind 'Stracciatella', 'Schokolade', 'Nuss' oder Eissorten, die man noch nie gehört hat.
Es gibt einige Vorurteile uns Münchnern gegenüber, wie zum Beispiel unsere Spießigkeit und das Festhalten an alten Gewohnheiten. Anzeichen dafür gibt es genug, nicht nur, dass München die Singlehauptstadt ist, sondern auch wer hätte es gedacht, wie der Großteil unserer Kunden das Eis bestellt. Eis mit aufregenden und ungewöhnlicheren Geschmäckern ist mittlerweile in beinah allen Eisdielen verbreitet, wesewegen es eigentlich schade ist, dass Phantasie und Neugierde noch nicht in viele Münchner Köpfe geraten ist. Der Kunde steht häufig mit suchendem Blick vor der Theke ('nasser Hund'), scheint dabei aber seine Umwelt nicht wahrnehmen zu können, da er danach sofort mit traurigem Unterton nach einer der oben genannten Sorten fragt. Warum? Wer weiß, vielleicht besitzt die Eisdiele seines Vertrauens doch eine geheime, eigene Truhe für gewöhnliche Sorten? Vielleicht stehen an der Außenwand des Ladens und an den Schildern in der Theke ja komplett falsche Sorten? Man weiß es nicht. Eventuell gilt hier einfach, niemals die eigene Hoffnung aufgeben. Denn wenn Vanille eben die Lieblingssorte sein sollte, darf man natürlich danach fragen. Nur eben nicht jedes Mal.
Übrigens gilt für alle Eisverkäufer in dieser Sache Ruhe zu bewahren und geschicktes Verkaufstalent auf die Theke zu legen, da viele Kunden aufgeplustert und entrüstet sofort den Laden verlassen, wenn es besagte Sorten nicht gibt. Sich fallen zu lassen und etwas Neues auszuprobieren, dass fällt dem Münchner hier sichtlich schwer, und dass obwohl es sich nur um eine kleine Portion Eis handelt. Liebe Eiskunden, wir können doch über Alles reden!














