Von Dominic Schafflinger, 19.2.2020
Wie weit kann man in 36 Stunden kommen, wenn man eine Reise wagt? Gewiss, bis ans andere Ende der Welt. Aber man kann auch weiter als das kommen, nĂ€mlich von dort gleich wieder zurĂŒck in Richtung Heimat. Auch heute noch kann es einem ergehen wie einst Odysseus auf seiner langen Heimreise nach Ithaka. Alles begann an einem ganz normalen Reisetag um 6:00 morgens in Salzburg, die Koffer waren gepackt, der Zug zum MĂŒnchener Flughafen gebucht und das Flugticket in der Jackentasche. Aber war es wirklich ein ganz normaler Reisetag? Das ist nun definitiv eine der Seltsamkeiten des Panoptikums der Globalisierung, man weiĂ sehr wohl, dass in einem Teil am anderen Ende der Welt gerade Chaos herrscht, trotzdem, man fĂŒhlt es nicht, die Zeitungsberichte sind weit genug weg um Sicherheit zu suggerieren und am Ende wird alles nicht so heiĂ gegessen, wie es nun einmal gekocht wird. In meinem Fall war es das Corona Virus, das gerade in China um sich greift und dem in Wuhan an meinem Abreisetag schon ca. 60.000 Menschen zum Opfer gefallen waren, KrankheitsfĂ€lle, nicht TodesfĂ€lle. Nun gut, die WHO hat natĂŒrlich einen weltweiten Katastrophenfall ausgerufen, doch, hier kommt wiederum das Aber, mit dem der reisende Historiker, dessen Schwerpunkt nun mal Asien ist, diesem Argument entschlossen begegnet. In Europa erkranken und sterben viel mehr Menschen, als das bei der aktuelle Epidemie aus Wuhan. Somit ist Europa eigentlich der gefĂ€hrlichere Ort. Ausserdem ist Hongkong weit genug von Wuhan weg (nĂ€mlich 1000 Km.) und die KrankheitsfĂ€lle beliefen sich in Hongkong nur auf 46 an diesem Tag. Bei einer Bevölkerung von 7,5 Millionen ist es immerhin fast so schwer sich mit dem Virus zu infizieren, wie wenn ich einen Lottosechser in Ăsterreich abstauben wĂŒrde. Vorausgesetzt ich wĂŒrde Lotto spielen natĂŒrlich. Erschwerend kommt nun noch meine mitteleuropĂ€ische MentalitĂ€t hinzu. Das Projekt muss pĂŒnktlich vollendet werden, jeder Aufschub ist Verlust an Ressourcen. So erklĂ€rt es sich von selbst, dass ich an jenem Donnerstag Mittag des 13.2.2020 in MĂŒnchen in ein Flugzeug der Air China stieg um in Hongkong die Vorbereitungen fĂŒr meine Interviews im Sommer diese Jahres durchzufĂŒhren. Ausserdem hatte mir der Mitarbeiter des Recyclinghofes, an dem ich vor ein paar Tagen meinen SperrmĂŒll entsorgt hatte ja erklĂ€rt, dass Chinesen eh viel anfĂ€lliger fĂŒr Krankheiten sind, und einem österreichischen Naturburschen das alles sowieso nicht soviel anhaben könne, ja das Virus bei uns keine Epidemie auslösen könne - hart wie Kruppstahl wir Ăsterreicher, ist nun mal soâŠ.
Alles gut soweit, die Atemschutzmaske trage ich hauptsĂ€chlich damit die Chinesen mich nicht fĂŒr einen ĂŒberheblichen EuropĂ€er halten und nicht weil ich mir ernstlich Sorgen mache. Als ich nach sechst Stunden brutto Reisezeit im Flieger ankomme, einer groĂen Boing 777, entspanne ich mich dann ganz schnell. Schön einmal so viel Platz beim Fliegen zu haben, kaum besetze PlĂ€tze, und ich hatte Angst vor dem keuchenden Chinesen neben mir. Nein, ich habe zwei SitzplĂ€tze, Fenster- und Gangplatz, fĂŒr mich allein und im restlichen Flugzeug sieht es nicht viel anders aus. Hier packt mich die Ruhe vor dem Sturm, bei so wenigen Leuten, und dann auf einem Flug aus Deutschland, da kann ja nichts passieren. Ich bin beruhigt, wirkliches GedrĂ€nge hĂ€tte mich wahrscheinlich gleich zu Anfang verunsichert. Das Einzige was mich immer noch etwas verstört, sind die Masken, die hier wirklich fast alle aufhaben, und das ausser mir wirklich fast keine EuropĂ€er mit an Bord sind. Aber was solls, knapp 10 Stunden lesen und schlafen, da gibt es schlimmeres. Noch schnell ein Foto mit Maske auf Facebook und dann gehts los.
Ich bin nun 16 Stunden unterwegs, Ankunft in Peking, mitten in der Nacht. Selten habe ich einen so groĂen Flughafen so ruhig erlebt, das liegt wahrscheinlich nicht nur am abnehmen Flugverkehr seit Corona, sondern auch an der nachtschlafenden Zeit, es ist fast 5 Uhr morgens.Trotz oder gerade wegen der fehlenden Menschenströmen ist es nicht ganz so einfach zu den TransferflĂŒgen zu finden und nach dem Verlassen des Fliegers bin ich bald ziemlich allein, mit einem deutschen PĂ€rchen, dass weiter nach Shanghai will. Also suchen wir den Weg zu den AnschlussflĂŒgen, wer hĂ€tte gedacht, dass bei all den Absperrungen dann doch ganz hinten ein Weg zu einer versteckten Treppe fĂŒhrt, nur um uns zu einer recht improvisiert aussehenden Sicherheitskontrolle zu bringen. Die chinesischen Zollbehörden haben zwei Talente. Erstens: Sie finden fast bei jedem etwas, dass sie ihm wegnehmen können. Und Zweitens: Sie können Westlern den Grund einfach nicht logisch verstĂ€ndlich machen. Meine neuen Kurzzeitfreunde bĂŒĂen eine externen Akku ein, und ich mein 50ml HĂ€ndedesinfektionsgel, beides anscheinend unglaublich BrandgefĂ€hrlich, glaube ich zumindest! Egal, wer diskutiert hat verloren, also abgeben und weiter. Gott sei dank haben sie meine brandgefĂ€hrlichen DesinfektionstĂŒcher nicht bemerkt. Was ich damit alles im Flugzeug anstellen könnteâŠ
So nun heiĂt es Zeit totschlagen. Immerhin 5 Stunden Aufenthalt gilt es hier abzusitzen. NĂ€her werde ich Corona , also dem Virus, nicht mehr kommen (dem Bier hingegen mit Sicherheit schonâŠ). Aber wieder habe ich GlĂŒck, es ist quasi Menschenleer hier. Trotzdem macht mich genau diese Tatsache ein bisschen stutzig, ich weiĂ aus frĂŒheren Asienaufenthalten, dass diese LĂ€nder ist niemals wirklich schlafen. Ein leeres GebĂ€ude bedeutet hier eindeutig, dass etwas nicht stimmt, schon ein bisschen mulmig, mein GefĂŒhl. Aber diesem hing ich nicht lange nach, dazu war ich eindeutig zu mĂŒde, und schlieĂlich ĂŒberwogen die Vorteile dieser gĂ€hnenden Leere. Ich kann mich nach Herzenslust durchbiegen und bewegen, da lacht das Herz des Taiji-Meisters. Langsam eine meditative Form laufen, tief durchatmen, seine Mitte wieder finden und dabe die Flugzeuge im pekinger Schneegestöber beobachten, das hat Stil. Und wĂ€re viel unentspannter wenn mir stĂ€ndig jemand in die Quere kommen wĂŒrde. 40 Minuten spĂ€ter und sensationell erholt geht der Luxus-Stopover weiter, das erste Mal in meinem Leben habe ich eine Loungemitglied-schaft abgeschlossen, da ich dieses Jahr wohl wirklich viel unterwegs sein werde. Diese Mitgliedschaft sollte sich auf der Reise noch richtig bezahlt machen. Aber jetzt bin ich erst einmal neugierig und begebe mich in die exklusive Lounge im ersten Stock. Auch hier bin ich völlig einsam und habe das gesamte Buffet in den nĂ€chsten zwei Stunden fĂŒr mich allein. Als ich mich dann mit vollem Magen zum Gate begebe ist es bereits hell geworden und dichtes Schneegestöber hĂŒllt alles in dicke Wolken. Boarding kurz und schmerzlos, allerdings wieder sehr wenige aber dafĂŒr einheitlich maskierte FluggĂ€ste und viele âNichtchinesenâ sehe ich auch nicht. Egal, ich bin nun sehr mĂŒde, schlieĂlich ist es zuhause weit nach Mitternacht, und wenn man mit der Gabe gesegnet ist, ĂŒberall schlafen zu können, wird das Flugzeug schonmal zum Sehnsuchtsort. Nach endlosen Enteisen, bei dem ich schon befĂŒrchtete, dass der Airbus vorne wieder zufriert bevor die fleiĂigen Flugzeugtechniker hinten fertig sind, geht es los. Auf nach HongkongâŠ
Und nach dem Start schlafe ich gleich nach dem Take-of friedlich ein. Kurz vor der Landung wache ich wieder auf, der Schlaf im Sitzen ist nun nicht mehr erholsam, was ein mal geht, wird beim Anschlussflug nicht besser. Vielleicht sollte ich das nĂ€chste mal nicht so billig buchen und 200 Euro mehr investieren um doch schneller am Ziel zu sein. Aber egal, etwa 24 Stunden nach Verlassen der HaustĂŒr komme ich nun doch in Hongkong an, dem Ziel meiner Reise. Hier wartet alles auf mich, der Mythos dieser Stadt, mit dem ich mich in meinem nĂ€chsten Buch beschĂ€ftige und der nebenbei Thema meiner Masterarbeit werden soll. Und tĂ€gliches Training mit den Kungfu Meistern dieser kosmopolitischen Metropole.Â
Hafen der DĂŒfte, ich komme â oder doch nicht?
Nachdem wir das Flugzeug verlassen haben und bemerke, dass Reisen mit zunehmendem Alter wohl wirklich immer anstrengender wird, nĂ€here ich mich mit brennenden Augen und einer ĂŒberdurchschnittlich langsamen HirntĂ€tigkeit dem Migrations Schalter. Hier wird mir ĂŒbrigens das dritte Mal auf meiner Reise die Temperatur gemessen (da sich das Virus nicht unbedingt durch erhöhte Temperatur zeigt, eine wohl eher psychologische MaĂnahme) und ich weiĂ zuerst nicht wo ich hin soll. Der nette Mitarbeiter fĂŒhrt mich dann zu einer fast leeren Schlange, bei der sich aber herausstellt, dass es sich um jene fĂŒr die Residentâs, also die stĂ€ndigen Bewohner handelt. Ich versuche ihm ĂŒbermĂŒdet zu erklĂ€ren, dass ich nur kurz, fĂŒr 12 Tage hier verweile und er schaut mich verdutzt an und sagt, dass das nicht funktionieren könne, nun bin ich verwirrt (und immer noch ĂŒbermĂŒdet) und wir brabbeln auf English etwas hin und her. Zu guter Letzt finde ich dann den Schalter, der fĂŒr die âTouristenâ gedacht ist und muss auch hier ein Gesundheitsformular ausfĂŒllen. Der nette Herr fragt mich zweimal mit welcher Maschine ich gekommen bin und ich antworte wahrheitsgetreu: âMit der CA111 aus Peking!â Dann beginnt das Drama des Tages, ich werde aufgeklĂ€rt, dass ich nur in Hongkong bleiben könne, wenn ich eine 14 TĂ€gige QuarantĂ€ne auf mich nehme. Dies gilt fĂŒr alle Passagiere die aus China einreisen. Ich stehe mit offenem Mund da, damit habe ich nicht gerechnet und erklĂ€re entschlossen, dass ich in Peking nur eine Zwischenlandung hatte und den Flughafen nie verlieĂ. Gleich wĂŒrde sich das MissverstĂ€ndnis aufklĂ€ren dachte ich, als mich der nette Herr an einen Schalter weiter verwies und mir sagte, dass ich in diese Fall mit dieser Dame sprechen mĂŒsste. Die Dame sprach dann zwar viel besser Englisch als der nette Herr von vorhin, aber das war es auch schon mit den Unterschieden. Ich erfuhr genau das selbe. Hongkong ja, aber nur mit QuarantĂ€ne! Vielleicht war es besser, dass ich zu mĂŒde war um zu protestieren. Ich fragte nun einfach nach der besten Lösung und man bot mir freundlich an, doch einfach im Hongkonger Transitbereich zu bleiben und gleich wieder einen Flug, am besten nach Hause, zu buchen. Das war also deren Lösung: âWir lassen dich nicht in unsere wunderschöne Stadt, weil wir Angst haben, dass du einen tödlichen Virus mitbringst. Aber du darfst ihn gerne mit nach Europa oder wo immer du hinwillst mitnehmen, das ist dann deren Problem.â Gesagt wurde mir das natĂŒrlich viel netter und eine Infektion war quasi unmöglich, da ich niemandem zu nahe gekommen war, ich auf der ganzen Reise von extrem wenig Menschen umgeben war und meine DesinfektionstĂŒcher meine stĂ€ndigen Begleiter waren. Also, statistisch unmöglich. Wenn doch Virus eingefangen, dann fang ich an Lotto zu spielen, ein 6er muss sich ausgehen. Nun gut, was tun? Es ergeben sich zwei Möglichkeiten. Zum Einen schnell zurĂŒck nach Ăsterreich und den ganzen Alptraum vergessen, zum Zweiten, das beste daraus machen und in Asien bleiben. Das daraus dann die zweite Möglichkeit wurde liegt vor allem daran, dass meine Verlobte gerade bei ihren Eltern in Bangladesh weilte und ich den ganzen Weg nicht völlig umsonst gemacht haben wollte. Auch wenn mir die österreichischen Auslandsvertretungen in Hongkong und Delhi (die fĂŒr Bangladesh zustĂ€ndig ist) empfahlen, mit meinem China Aufenthalt gleich nach Hause zu fliegen, da in ganz Asien Corona Panik herrsche. Aber seis drum, wenn die mich nicht reinlassen, kann ich noch immer heim fliegen, stur wie ich bin, ist es jetzt auch schon wurst. Also ab zu Cathay Pacific und den Flug nach Bangladesh gebucht. WĂ€hrenddessen liefen die Vorbereitungen fĂŒr meine Ankunft in Bangladesch schon auf Hochtouren. Flugticket One Way (ich wĂ€re nach Hongkong sowieso ĂŒber Bangladesh zurĂŒckgeflogen und brauchte deshalb den RĂŒckflug nicht nocheinmal) doppelt so teuer wie MĂŒnchen-Hongkong und Retour, verrĂŒckte Flugwelt! Abflug um 21:45 Hongkong Zeit, also noch massig Zeit. Diesmal bin ich wirklich unendlich froh, Zugang zu Lounges zu haben. Die Investiution in die Jahresmitgliedschaft bei Priority Pass waren die besten 270 Euro meines Lebens, zumindest fĂŒr heute. Nicht nur reichlich zu essen und zu trinken, und das alles kostenfrei, angenehme AtmosphĂ€re, sondern auch ein weiteres ganz wichtiges Detail. Man kann nahezu ĂŒberall seine elektronischen GerĂ€te aufladen, egal ob MultiladegerĂ€t oder nur USB-Anschluss, all das findet man auf ganz vielen SitzplĂ€tzen in den Lounges und im Falle einer unfreiwilligen Strandung, wie in meinem Fall, ist der Kontakt nach aussen essentiell. Aber und das war nun wirklich ein Lebensretter, es gibt in vielen Lounges auch kostenfreie Duschen â Und die hatte ich bitter nötig, 20 Minuten unter heiĂem Wasser brachten mich wieder zurĂŒck auf die Spur, die ich vor Erschöpfung schon fast verloren hatte, danach noch ein gutes Essen und die nĂ€chsten Schritte konnten geplant werden, allerdings war nun nichts mehr zu planen. Meine Verlobte hatte schon alles arrangiert, also Abflug nach Bangladesh. Vier Stunden spĂ€ter Ankunft am Flughafen Dhaka, Mitternacht und 19 Uhr in Mitteleuropa. Nach 36 Stunden unterwegs endlich angekommen. Ich hatte nun ca. 1 Tag in China verbracht, wenn auch nur im Luftraum und auf FlughĂ€fen, bevor es wieder in Richtung Westen ging. Nun wartet am indischen Subkontinent eine völlig andere Kultur auf mich, doch inzwischen stellt sich die Frage: âWelche Erkenntnisse lassen sich von meiner Odyssee nun mitnehmen?â
Obwohl wir in den entwickelten LĂ€ndern auf ein immer gröĂeres Netzwerk an Information zurĂŒckgreifen können, welches via Internet jederzeit abrufbar ist, bleiben uns die UnabwĂ€gbarkeiten einer Reise nicht gĂ€nzlich erspart. Nicht alles ist planbar, nicht alles ist voraussehbar. Im Westen tendieren wir dazu, uns zu wichtig zu nehmen, und manchmal ist es einfach auch gut so, wenn wir merken, dass wir doch nicht immer im Zentrum stehen und sich nicht alles unserem Willen unterzuordnen vermag. Nun bin ich zwar der Einstellung nach sicher Kosmopolit, doch auch ich kann mich unserer westlichen, eurozentristischen Einstellung nicht entziehen. Ich verstehe zwar, warum diese Restriktionen bei der Einreise in Hongkong gelten, aber es fĂŒhlt sich trotzdem falsch an, als EuropĂ€er nicht einreisen zu dĂŒrfen, egal von wo aus ich einreise. Ertappe ich mich gerade mit einem Ăberbleibsel imperialistischen Gedankengutes? Edward Said wĂŒrde hier sofort eine Komponente des Orientalismus ausfindig machen, die sich in der Ăberzeugung der Dominanz des Westens zeigt. Und war nicht auch der eingangs erwĂ€hnte Ausspruch des Recyclinghofmitarbeiters eindeutig in diese Richtung zu bewerten? Ich verdanke den Chinesen meinen Beruf, die meisten Inhalte meines Studiums, und habe viele Freunde in China, bin also sicher niemand, der hier zu Ressistements neigt, aber auch ich kann mich unserem westlichen âFĂŒhrungsanspruchâ nicht ganz entziehen. Dieser FĂŒhrungsanspruch wird momentan gerade durch die USA via Handelskrieg auf forscheste Art und Weise eingefordert, und auf der Sicherheitskonferenz in MĂŒnchen waren sich alle einig, das die âWestmĂ€chteâ geschlossen zusammen stehen mĂŒssen, um Chinas Vormachtstellung einzudĂ€mmen. Ich frage mich, ist es verwunderlich, dass wir als Individuum so denken, wenn uns die Politik vorlebt, dass Europa und die USA die FĂŒhrungsmĂ€chte der Welt sind und unsere Demokratie die einzig gangbare Regierungsform? Und gibt uns nicht gerade Corona nun die Möglichkeit, unsere Xenophobie auszuleben. Im Moment scheint es an der Tagesordnung, dass chinesische Touristen in Europa diskriminiert und ausgegrenzt werden. War davor meist schon nur ihr Geld willkommen, gibt es nun noch einmal mehr Grund, diese unliebsamen GĂ€ste, vor die TĂŒr zu weisen. Diese Vorurteile habe ich in vielen Hotels und Restaurants erlebt und sie fuĂen meistens auf einem UnverstĂ€ndnis der chinesischen Sprache und Kultur, und nun gibt ihnen Corona endlich einen NĂ€hrboden. Wir haben noch viel zu lernen, wenn wir irgendwann in einer gleichberechtigten Welt leben wollen. Das sogar ich, als jemand der China seinen gesamten Beruf verdankt und mit einer Asiatin verlobt ist, gelegentlich in diese Imperialismus-Falle tappt, stimmt mich sehr nachdenklich.
Nachtrag vom 11.3.2020: Inzwischen ist der Coronavirus bei uns angekommen und die Diskriminierung chinesischer Touristen hat ein Ende, weil diese schlussendlich nicht mehr nach Europa kommen. Zu gefĂ€hrlich. Aber der saure Nachgeschmack bleibt. Sind nicht die Chinesen schuld an allem??? Wie man wem welche Schuld gibt, gibt uns viel Aufschluss ĂŒber unsere Denkweise. Sofern wir uns nicht belĂŒgen und ehrlich mit uns selbst sind, besteht die Chance mit diesen Fragen nun zu ergrĂŒnden, ob doch noch ein bisschen Imperialist in uns steckt...