The following paragraphs are in my first language. This has several reasons.
Tw: Depressionen, Meltdowns, Breakdowns, Drogen, psychische Probleme aller Art
Donnerstag Nachmittag habe ich angefangen, auszuformulieren, warum ich Ende letzten Sommers aus meinem Umfeld ausgetreten bin. ZunΓ€chst wollte ich es, wie ich es in der Vergangenheit oft getan habe, als Brief formulieren und am Ende zu den vielen anderen Briefen in ein KΓ€stchen packen. Am Abend waren dann einige Kernpersonen im Projekt, in dem ich aktuell wohne und haben sich umgesehen. Dabei bin ich ihnen zufΓ€llig ΓΌber den Weg gelaufen. Mir wurde ΓΌbel als ich gesehen habe, wie sie sich breit machten.
Deshalb habe ich entschieden, die MΓΆglichkeit zu schaffen, diesen Text auch zu verΓΆffentlichen. Wie genau ich das anstellen werde, weiΓ ich noch nicht. Vielleicht werde ich den Link zu diesem Post teilen, vielleicht werde ich unterschwellig auf diese Seite hinweisen, vielleicht werde ich diesen Post hier einfach ungelesen stehen lassen.
Es ist nicht alles, was passiert ist. Ich habe versucht, so viele Details wie mΓΆglich auszulassen, sodass nur mein damaliges Umfeld die ZusammenhΓ€nge versteht und keine RΓΌckschlΓΌsse von auΓen ziehbar sind. Viele VorgΓ€nge werden mir jetzt erst bewusst, manches verstehe ich bis heute nicht. Meine Einstellung zu gewissen Punkten wird sich vielleicht noch Γ€ndern, neue ZusammenhΓ€nge werden sich auftun, andere werden sich als Irrtum herausstellen. In meinem Kopf findet ein Prozess statt, der vielleicht nie zu Ende kommen wird. Aber das hier ist ein Anfang.
Es hat lange gedauert, bis ich mir selbst eingestehen konnte, dass das alles, was passiert war, dass mein psychischer Zustand und meine Konsequenzen nicht allein meine Schuld waren, sondern ich tatsΓ€chlich auch mein Umfeld dafΓΌr verantwortlich machen konnte, dass mein BedΓΌrfnis, jemanden aus dieser Zeit anzuschreien, tatsΓ€chlich einen Grund hatte und es zwar keine Probleme gelΓΆst hΓ€tte und vielleicht auch nicht gerechtfertigt gewesen wΓ€re, aber wenigstens der Adressat besser gewesen wΓ€re als diesen ganzen Schmerz, die Wut und die Verzweiflung in mich hereinzufressen.
Ich habe Fehler gemacht, mich nicht optimal verhalten, aber ich wΓΌsste nicht, wie ich richtig hΓ€tte handeln sollen und ab welchem Punkt es zu spΓ€t war, noch eine richtige Entscheidung zu treffen. Was geschehen ist, ist geschehen und es hat tiefe Wunden hinterlassen. Vielleicht kann ich eines Tages anders darΓΌber denken, vielleicht klarer und ohne einen Stich in der Brust. Vielleicht hilft es bis dahin, auszuformulieren und greifbar zu machen, was im vergangenen Jahr passiert ist.
Ich war psychisch auch vorher nicht stabil, doch es ging mir wesentlich besser. Ich hatte in den Herbst- und Wintermonaten groΓe Fortschritte gemacht, aber das Leben zurΓΌck in der Wohnung meiner Eltern und der Lockdown haben an meinen KrΓ€ften gezehrt. Ich brauchte einen Freundeskreis, der mich ablenken und auffangen konnte und vor allem eine Bezugsperson, der ich mich anvertrauen konnte und auf die ich vertrauen konnte, sollte ich einmal wieder in der Γffentlichkeit einen Meltdown haben.
Am Anfang dachte ich, genau das hΓ€tte ich gefunden. Ich fΓΌhlte mich zuhause dort wo meine Leute waren. Ich lebte wieder.
Vor allem zu einer Person baute ich Vertrauen auf. Ich dachte, jemanden gefunden zu haben, dem ich und meine Meinung, meine Sichtweisen und Erfahrungen wichtig wΓ€ren.
Die RealitΓ€t sah anders aus. Ich weiΓ nicht, warum das so ist, aber ich habe kein gutes Karma. Jemand wie ich darf einfach nicht glΓΌcklich werden.
Ich fing an, mich vor und wΓ€hrend Aktionen und Plena abzuschieΓen, mir Medikamentencocktails einzupfeifen oder andere Drogen zu nehmen, um mit der Situation fertig zu werden und meine Meltdowns und ZusammenbrΓΌche herauszuzΓΆgern, bis ich alleine war. Ich schoss mir regelmΓ€Γig die Birne weg, damit ich die Zufahrt ΓΌber mit meiner Γbelkeit zu kΓ€mpfen hatte, um erst zu Hause zusammenzubrechen.
Wann immer ich einen Vorschlag machte, auf Mitglieder meiner Bezugi zuging und darum bat, etwas zu Γ€ndern, wurde mir entweder erklΓ€rt, dass nur ich das so sΓ€he und ich mich nicht so aufspielen solle, oder gar nicht erst zugehΓΆrt. Einmal wurde mir sogar ins Gesicht gesagt: ich habe mehr Aktionserfahrung als du. Du wirst deine Einstellung noch Γ€ndern.
Γhnlich lief es bei AktionsplΓ€nen. Meistens wurde mir gar nicht zugehΓΆrt, ich wurde unterbrochen, meine VorschlΓ€ge wurden als kindisch und unnΓΆtig eingestuft. In Nachbesprechungen hingegen wurde dann ΓΆfter gesagt "hΓ€tten wir das doch so und so gemacht" und mein Vorschlag wΓΌrde rezitiert - dass es einmal mein Vorschlag gewesen war, wusste keiner mehr.
Vermutlich war das auch der Grund, aus dem ich mich so auf mein Tandem fixierte : wenn wir als Tandem enger zusammenrΓΌcken wΓΌrden, wΓ€re ich vielleicht fΓΌr mein Tandem wichtig genug, um mich ernst zu nehmen. Es war eine Spirale in die emotionale AbhΓ€ngigkeit, geprΓ€gt von EnttΓ€uschung und RΓΌckschlΓ€gen. Ich hatte keine Vertrauensperson und keinen Safespace.
Es ging so weit, dass ich meiner eigenen Bezugi nicht mehr vertrauen konnte. Sie war fΓΌr mich weniger ein Safespace als eine Pflicht, nichts, was die Aktionen leichter machte, sondern sie zusΓ€tzlich erschwerte.
Ich fing an, meine Menschenkenntnisse einzusetzen und die Mitglieder zu manipulieren. Zu der ΓΌblichen Belastung kam, dass ich mich, sobald Leute aus meinem "Freundeskreis" anwesend waren, verstellte und anfing, genau das zu sagen, was sie hΓΆren mussten. Ich drΓΌckte ihre KnΓΆpfe und redete mir ein, dass ich es tat, um den zerfallenden Freundeskreis zu retten - im Nachhinein habe ich nur mehr kaputt gemacht als ohnehin schon.
Ich war bereit, andere Menschen zu opfern, sie ausgrenzen zu lassen und an den Rand zu drΓ€ngen, um meinen verletzten Stolz zu verbergen.
Selbst, als ich offiziell aus der Bezugi austrat, machte ich noch weiter, drΓΌckte weiter KnΓΆpfe und hatte klare Ziele vor Augen, wie es weitergehen sollte. Die ganze Zeit ΓΌber war mir klar, dass das, was ich da tat, nicht okay war, doch im Nachhinein weiΓ ich, dass es in erster Linie eine Reaktion darauf war, dass ich auch von Seiten der Bezugsgruppe nicht ernst genommen wurde. Das rechtfertigt mein Verhalten immer noch nicht.
Ich habe oft versucht, Schlussstriche zu ziehen, bin wieder in alte Verhaltensweisen abgerutscht, habe neu angefangen und bin gescheitert.
Zwischendurch hatte ich drei gute Monate in einem Projekt fast ohne Kontakt zu meinem alten Umfeld. Ich habe fast alles an Kraft zurΓΌckgewonnen, was ich zu meinen besten Zeiten hatte. Aber wie gesagt, aus irgendeinem Grund will das Universum nicht, dass ich glΓΌcklich werde.
Ich bin jetzt zwei Wochen wieder da. Anfang des Monats war ich ein psychisch fast gesunder junger Mensch. Inzwischen besteht mein Tag fast nur noch aus Panikattacken und HeulkrΓ€mpfen. Ich habe ΓΌber zwei Monate hinweg jeden Tag gegessen und geschlafen. AuΓerhalb der Arbeit noch andere Dinge erledigt. Neue Menschen kennengelernt. Freundschaften begonnen. Das alles ist schon wieder weg. Ich weiΓ nicht, wie lange es noch dauern wird, bis ich einen neuen Tiefpunkt erreicht habe. Ich weiΓ nicht, wie es fΓΌr mich jetzt weitergeht, was ich aus der Erfahrung lernen soll, welche Rolle dieser Text spielt. Aber ich werde es herausfinden und vielleicht wird sich ja irgendwann etwas bessern.