vierundsechzig
Die Muettersproch-Gsellschaft stellt fest:
Unser Sproch isch en Kulturgut, wo erhalte werde sott.
(Muettersproch-Gsellschaft - Mehr Alemannisch ins Radio!)
und fordert daher feste Sendezeiten für Radiosendungen in alemannischer bzw. schweizerdeutscher Sprache mittels einer Online-Petition. Wobei sich die Frage stellt, ob eine Sprache mit deutlich eingeschränktem Wortschatz, ohne Futur und Präteritum sowie fehlendem grammatikalischem Reglement nicht nur Kultur, sondern auch tatsächlich ein Gut darstellt. Egal. Schützenswert ist den Initianten in diesem Fall nämlich nicht die Sprache als Instrument der differenzierten Übermittlung von Informationen, sondern die durch die Sprache vermittelte Identität.
Als eines der grössten [sic] Hindernisse beim Lernen des Dialekts nennt die Studie die Schweizerinnen und Schweizer. «Sie helfen Deutschen kaum in ihrem Bemühen, zum Schweizerdeutschen zu wechseln, reagieren negativ darauf, empfinden es als <Sich-Eindrängen> ins Schweizerische und empfehlen ihnen, besser beim Hochdeutschen zu bleiben», lautet das Fazit.
(Simone Schmid - Grüzi wohl!)
Als Faustregel gilt: Je unverständlicher und schwieriger zu lernen, dementsprechend sicherer abgegrenzt gegen die Fremdgruppe, desto besser.
«Vom Weschte ziend Gwitterwulke uuf, und es sind erheblichi Niderschleeg z erwaarte . . .» Für Dialekt-Puristen sind «erhebliche Niderschleeg» allerdings ein Graus, da es doch einfach heissen [sic] sollte: «Es chunnt fescht cho rägne.» Sie glauben, je näher der Dialekt beim Standarddeutschen sei, desto weniger gut oder rein sei die Mundart.
(Gordana Mijuk - Mythos Mundart)
Wem es um die reine Lehre geht, der kann Abtrünnige nicht dulden.
Spricht ein Schweizer in der Schweiz geschliffen Hochdeutsch – das heisst [sic], dass er aufhört, das R zu rollen, das Ch zu kratzen und so langsam zu reden, dass man denkt, er habe Lachgas geschnüffelt –, behandeln wir ihn wie einen Landesverräter.
(Reto Hunziker - Sind Schweizer alle ein wenig debil?)
Und für Landesverrat, das mögen Sie sich denken, ist der Autor dieses Blogs immer zu haben und findet die eingangs erwähnte Petition konsequenterweise - zum chotze.
P.S.:
Man lese die Kommentare zur Petition. qed.







