das wunder der existenz: einfallgebiet phantasmatik grenzkontrolle.
dass es unangenehm ist, ohne gesamtzusammenang in die welt zu kommen. dass die einbettung in eine erzĂ€hlung lebens- und handlungsfĂ€hig macht. dass man ohne erzĂ€hlungs-aufhebungszusammenhang weder rebellieren, noch am status quo eigene positionen schĂ€rfen - ĂŒberhaupt finden - kann. dass jede perspektivierung dann immer willkĂŒrlich erscheint. dass man so groĂ geworden ĂŒberhaupt eh nur philosoph werden kann.
dass es wie eine nicht-existenz ist, das erleben nicht teilen zu können. oder besser: es nicht als geteiltes vorgelebt zu bekommen. dass also nicht mama und papa am tisch sitzen und erzÀhlen, wie das war. wie das war, als man geboren wurde. wie das war, als man anfing, zu laufen. wie das war, als man mal die treppe runterfiel. wie das war, als die zahnfee, usw. und das aber aus einer perspektive ausserhalb. also: aus der teilung der eltern her. also von daher, von wo das eigene begehren sich dann strukturiert.
weil: wenn da zwei erwachsene sitzen, die gemeinsam eine imaginÀre blase, also gesamterzÀhlung, also aufhebungszusammenhang, in sich zu zweit hin und her produzierend projizieren, dann ist das eine ordnung, in die man sich von unten her; beinah unbemerkt so hineinleben kann.
wenn da aber nur ein erwachsener sitzt, der all seine imaginĂ€re kraft, seine lebenserhaltenden geschichten, sein eigenes begehren: wenn der also das kind mit seiner ganzen libido vollstopft. dann wird das kind da hineingeraubt in die aufhebungszusammenhangsruinen eines erwachsenen, der keine spiegelungen sonstwo erfĂ€hrt. und die dann aus dem kind herholt. und das kind so den aufhebungszusammenhang und das narrativ des einen elternteils da fĂŒllt. und sich das begehren so völlig anders konstitutiert. nĂ€mlich: gleichzeitig empfunden als lebenserhaltendes und lebensvernichtendes prinzip: wenn ich dem elternteil mitmach in seiner perversen narration und ihm seinen spiegelclown spiele oder eben halt nicht. dass also lustprinzip und todestrieb das begehren konstituieren und eine kranke jouissance entwerfen. in der man dann halt ab da an drin lebt. die man dann auf sich selber anwendet irgendwie.
dass man dann halt zum beispiel konservativ und irgendwie aufklĂ€rerisch denken will. dass man gar nicht versteht, was diese menschen wollen in ihren deterritorialisierungslinien, in ihrem immer aufbrechen wollen der ordnungen, in ihrem immer neuordnen wollen des als alt und ĂŒberkommen gedachten. also politisch sozusagen. dass man froh ist, dass irgendeine art von kleinstordnung ĂŒberhaupt trotzdem möglich ist. genese des individuums.
das wunder, dass man ĂŒberhaupt lebt.
dass es dann aber auch so wird: dass man also es viel schwerer hat, abschied zu nehmen; dinge gehen zu lassen. dass nostalgie irgendwie wird; dass nĂ€mlich die punkte der kristallisation von erzĂ€hlungsfĂ€higen situationen, dass also ein bestimmtes halbwegs funktionierendes sozialgefĂŒge einem dann so wertvoll aussehen kann. dass das also immer konserviert bleiben muss. dass also das fehlen der progressiven lust am zerstören und neuordnen macht, dass man sich dann endlich doch verhĂ€rtet irgendwie, aber sehr seltsam. auch aber dass man also nicht verhĂ€rtetes sediment vor sich hat, einfach so in sich selbst vorfindet und dann langsam abgrĂ€bt und durchdringt durch die verkrustungen der eigenen geschichte. sondern dass da höchstens nur so eine gefrorene seifenblase (minimalimaginĂ€res) vorzufinden ist. oder eben ein eiskristall. und dass diese minimalverhĂ€rtung also gar nicht ankommt gegen einen abgrabungstrupp von - sagen wir mal psychoanalytischem, therapeutischem gezedere. dass das schon im anmarsch des abrissbirnenkommandos vom alleinigen fuĂauftritt deren entfernten ankommens, deren nĂ€herwerdens, dass da schon von der bodenvibration her, diese vorsichtige minimalstruktur einfach zerfĂ€llt.
dass man dann diesem bodentrupp einfach nichts anbieten kann. dass man denken wĂŒrde, dass es so leichter sein mĂŒsste. dass also ohne subjektverhĂ€rtungen es viel leichter sein mĂŒsste. dass es aber nicht so ist. dass es nĂ€mlich viel mehr so ist, dass man in diesem leben ein erfinder der narrationen geworden ist. dass man nĂ€mlich, wegen der fehlenden gesamteinbettung der eigenen genese, des eigenen in-die-welt-kommens, genauer wegen der fehlenden ĂŒber/einschreibung dieser geschichte durch einen immer je schon vorgelebten erzĂ€hlungszusammenhang von mama und papa; dass also da wo mama und papa fehlen, also da wo anti-ödipus denkt, dass da selbst-ausgedachtes so wichtig wird. das als erklĂ€rung ĂŒbergroĂer phantasmatik.
dass man halt eben selbst diese zusammenhĂ€nge ersetzen muss. und dass das halt willkĂŒrlich ist. und dass man dann so strauchelnd vor sich hin sucht nach sinnperspektiven. dass man da dann eben dem beobachter nichts gutes anbieten kann, auĂer: dass er da zuschauen darf, wie man da so herum eiert auf der sinnsuche.
dass jedenfalls diese idee, dass man da hinwollen muss, dass es ohnehin so wĂ€r, dass alles zersplittert wĂ€r, dass man sich gegen absolute dinge so wehren will: dass das halt blödsinnig einem erscheint, der so aufgewachsen ist. aber halt auch - jetzt kommts - doch mitkonstitutiv fĂŒrs eigene welterleben ist. dass also das nichts etwas produziert hat doch am ende.
dass also nicht es so rum funktioniert, dass man ein papier immer wieder teilt und am ende ein etwas und ein nichts hat. sondern dass zuerst das nichts war, aus dem dann bei der teilung ins gröĂerwerden plötzlich doch etwas wurde. also dass das nichts in der synthetischen bewegung mit sich selbst plötzlich fluktuiert und etwas erschafft.
das wunder der existenz: einfallgebiet phantasmatik grenzkontrolle.