Namaste! In letzter Zeit war es ein bisschen still hier im Blog, was daran liegt, dass ich auf Reisen war. Ich durfte ein paar fantastische Wochen in Nepal verbringen und ich habe mehr erlebt, als ich jemals zu Papier bzw. auf den Monitor bringen könnte. Einen besonders magischen Moment möchte ich heute jedoch gerne mit euch teilenâŠ
Einer der Höhepunkte meiner Reise war sicher der Mardi Himal Trek. Los ging es in Pokhara, einer schönen, an einem See gelegenen Hippie-Stadt gut 200 km (aber 7-9 Stunden Autofahrt) entfernt von Kathmandu. Nach zwei Wochen Sonne starteten wir unsere Wanderung â wie sollte es anders sein â im Regen. Gut ausgerĂŒstet und voller Vorfreude erklommen wir dann Stufe um Stufe die ersten Höhenmeter.
Im Laufe des Treks und mit zunehmender Höhe verschlechterten sich nicht nur die Betten und Ăfen in den Camps, sondern auch das Wetter: auf Regen folgte Hagel, auf Hagel heftiger Hagel und dann kam der erste Schnee. Ab 2900 m kamen wir nur noch mit Steigeisen voran und wir kletterten durch immer weiter zunehmende Schneemassen.
Trekking = Grenzerfahrung
Ich erinnere mich daran, dass jemand sagte: âStell dir mal vor, jetzt hĂ€tten wir auch noch Sturm!â SelbstverstĂ€ndlich gehorchte der Wettergott und schickte uns neben Wind auch noch eine ordentliche Portion Nebel. Irgendwann war die Sicht so schlecht, dass man kaum noch seinen Vordermann erkennen konnte.
Die angekĂŒndigten 25 Minuten Restweg entpuppten sich als zweistĂŒndige Odyssee durch eine weiĂe Wand. SchlieĂlich war gewiss, dass wir unser geplantes Vorhaben des nĂ€chsten Tages, einen 4500 m hoch gelegenen Pass und das Mardi Himal Base Camp, witterungsbedingt nicht erreichen wĂŒrden. Erschöpfung und Frust machten sich in der Gruppe breit und nicht wenige, ansonsten durchaus mutige Menschen, bekamen es mit der Angst zu tun.
Einerseits ist Nebel beim Klettern eine gute Hilfe, denn man kann die AbgrĂŒnde, an denen man unweigerlich vorbeikommt, nicht erkennen. Andererseits war ich nicht in den Himalaya gekommen, um nur meine eigenen FĂŒĂe zu sehen statt der spektakulĂ€ren Bergkulisse.
Nach ĂŒber 9 Stunden durch Schnee, Nebel und Eis erreichten wir schlieĂlich unser Tagesziel, das Mardi Himal High Camp auf 3600 Höhenmetern. Zu sehen gab es weiterhin nichts als eine dichte Nebelwand und hĂŒfthoch aufgetĂŒrmten Schnee um das Camp.
Wir wĂ€rmten uns so gut es ging am verrusten Ofen, verarbeiteten das gerade Erlebte mit einem seit einem Jahr abgelaufenen Snickers und krochen schlieĂlich erschöpft in unsere SchlafsĂ€cke. In dieser Nacht schlief ich trotz der Höhe und Minusgraden, trotz gefrierendem Atem und Vollmond erstaunlich gut.
Von der Magie des Gipfels
Als ich am nÀchsten Morgen vor Sonnenaufgang aufwachte und mich aus meinem Schlafsack schÀlte, traute ich meinen Augen nicht: Der Himalaya! Strahlend blauer Himmel und einige der höchsten Berge der Erde direkt vor meiner Nase! Ganz ehrlich, ich bin in TrÀnen ausgebrochen. Etwas schöneres und beeindruckenderes habe ich noch nicht gesehen.
Ich habe selten mehr Yoga erfahren als auf diesem Trek. Ununterbrochen war ich mit mir, meinem Körper, meinem Atem, meinen Gedanken und GefĂŒhlen konfrontiert. Bei jedem Schritt ging es nur um mich. Das war ein echter Weg und es war kein leichter. Stunde um Stunde in die Höhe zu klettern und dabei im Nebel eingeschlossen nichts auĂer sich selbst, mit allen Licht- und Schattenseiten wahrzunehmen, ist eine unvergleichliche Erfahrung, fĂŒr die ich unendlich dankbar bin.
Der wahrhaft magischste Moment des Treks war zu erkennen, dass sich der Annapurna Himal und der heilige Berg Machapuchare mit imposanten 6997 m direkt vor mir auftĂŒrmen und ich sie durch den Nebel einfach nicht sehen konnte. Sie waren die ganze Zeit da. Na so was! :)
Was wir nicht sehen können
Manche Dinge in uns liegen derzeit noch im Verborgenen. Vielleicht ahnt ein Teil ins uns, dass es da etwas zu entdecken, zu erfahren gibt, doch die Zeit ist noch nicht reif. Das groĂe Unbekannte.
In meiner Meditationspraxis stoĂe ich immer wieder auf eine Art Schatten oder etwas Unscharfes, das mich magisch anzieht. Auch wenn ich nicht weiĂ, was mich da erwartet, so vertraue ich darauf, dass es ein Teil von mir ist. Irgendwann wird sich der Nebel lichten, zumindest ein bisschen.
Wie vertraut sind uns Yogis die Worte, dass alles, was wir brauchen bereits in uns vorhanden ist. UnzĂ€hlige Male riet mir mein Lehrer, meine Meditation fortzusetzen, auch wenn ich tage-, manchmal wochenlang im Dunkeln sitze, die Orientierung verliere und nicht weiĂ, wohin mich mein Weg fĂŒhrt. Was wir auch im dicksten Nebel nicht sehen können ist dennoch vorhanden und der Weg fĂŒhrt stets nach oben â ins Licht.
Vom Nebel und was uns verborgen bleibt Namaste! In letzter Zeit war es ein bisschen still hier im Blog, was daran liegt, dass ich auf Reisen war.