Geschichte(n) schreiben
Es ist ziemlich genau vier Monate her, dass mich Michael Garthe nach dem Titel meiner Rede gefragt hat, die ich bei seiner Verabschiedung auf dem Hambacher Schloss halten wĂŒrde. Ich bin ehrlich: Das kam zu frĂŒh fĂŒr mich. Ich habe mit âGeschichte(n) schreibenâ eine Ăberschrift gewĂ€hlt, die mir FlexibilitĂ€t bewahren sollte. Erst spĂ€ter ist mir bewusst geworden, wie passend sie trotz der SpontaneitĂ€t war â in mehrfacher Hinsicht.
ZunĂ€chst das Offensichtliche: Die Verabschiedung erfolgte an einem Ort, an dem wiederholt Geschichte geschrieben wurde. Das Hambacher Schloss gilt als Wiege der deutschen Demokratie, hier sind mutige Menschen fĂŒr elementare Werte eingestanden, haben Gemeinsamkeiten gesucht und gefunden, Einigkeit demonstriert. Dieser Ort steht fĂŒr Vielfalt, Toleranz und Freiheit.
Orte wie dieser haben an Symbolkraft und Wichtigkeit nichts eingebĂŒĂt. Wir leben in einer Zeit, in der zu viele Menschen fĂŒr ihre Freiheit kĂ€mpfen mĂŒssen, in der zu vielen Menschen Toleranz wertlos erscheint, in der zu viele Menschen Vielfalt mehr als Gefahr denn als Bereicherung ansehen. In der vermeintliche SelbstverstĂ€ndlichkeiten auf dem PrĂŒfstand stehen, allzu oft der Laute den Leisen zum Verstummen bringt. Es ist eine Zeit, in der es gilt, auch Geschichten zu schreiben, die Mut machen. Es gibt sie. Wir schreiben sie. Jetzt und in Zukunft.
Eine Heimat im Wandel
Michael Garthe hat ĂŒber fast vier Jahrzehnte hinweg viele Geschichten geschrieben, die Mut machen. Er hat 37 Jahre lang mit seinen Kolleginnen und Kollegen im besten Sinne fĂŒr unsere Heimat recherchiert. Eine Heimat, die im Wandel, die vielfĂ€ltig ist. Die in der ehemaligen Schuh-Hauptstadt Pirmasens andere Geschichten produziert als im weinverwöhnten Wachenheim, in der Chemie-Metropole Ludwigshafen andere als im hĂŒgeligen Kusel. Eine Heimat, die Garthe im Herzen trĂ€gt. FĂŒr die er eben drum streitet, nachhakt und dranbleibt. Die er kritisch begleitet, wie es sich fĂŒr einen Vollblutjournalisten gehört.
Als Michael Garthe Chefredakteur wurde, war ich zehn. Vier Jahre spĂ€ter habe ich angefangen, die RHEINPFALZ zu lesen. Neben den Brötchen vom Mittrach und der Salami vom Helbling lag immer auch die ZweibrĂŒcker Rundschau. Weitere vier Jahre spĂ€ter habe ich meine ersten eigenen Geschichten fĂŒr diese Zeitung geschrieben. Die RHEINPFALZ wurde zu meiner journalistischen Heimat. Umso besonderer ist es fĂŒr mich, in diesen Zeiten Verantwortung zu ĂŒbernehmen fĂŒr diese Zeitung in dieser Region.
Das Herz war nie weg
Die Pfalz ist meine Heimat. Ich bin in ZweibrĂŒcken geboren, habe in Landau studiert, in Speyer meine Oma besucht. Meine Schwester wohnt im Donnersbergkreis, mein Onkel in Ludwigshafen. Ich liebe den PfĂ€lzerwald, den Betze, den Rhein und den Wein. Ich bin in den vergangenen drei Monaten oft unterwegs gewesen, um mich vorzustellen. Viele Begegnungen haben sich wunderbar vertraut angefĂŒhlt. Der Körper ist zurĂŒck, das Herz war nie weg. Es ist eine besondere Geschichte fĂŒr mich, mit meiner Frau und unseren Töchtern in die Heimat zurĂŒckzukehren. Eine Heimat, die ich im Herzen trage. FĂŒr die ich eben drum streiten, nachhaken und dranbleiben möchte. Die ich kritisch begleiten werde, wie es sich fĂŒr einen Vollblutjournalisten gehört.
Eine mutige und unabhÀngige RHEINPFALZ
Ich freue mich darauf, mit dieser groĂartigen Redaktion neue Geschichten zu schreiben. Michael Garthe ĂŒbergibt uns die beste RHEINPFALZ, die es geben kann: eine selbstbewusste, prĂ€sente, mutige und unabhĂ€ngige RHEINPFALZ. Eine, die wir nicht neu erfinden, aber weiterentwickeln werden. Die erlebbar und ein unverzichtbarer Begleiter im Alltag der Menschen bleiben soll. Die hinhört und nachfragt, die informiert und inspiriert, die verlĂ€sslich ist und ĂŒberrascht. Die die wichtigsten Geschichten fĂŒr die Pfalz schreibt. Oder aufnimmt. Oder filmt. Oder visualisiert.
Legen wir los!









