Lebensziele: Warum wir hÀufig scheitern, obwohl wir scheinbar alles richtig machen
Wir sind durchoptimiert wie keine Generation vor uns. Trotzdem haben wir oft das GefĂŒhl, unsere Ziele im Leben nicht zu erreichen.
Vision Boards. Jahresziele und -reflexion. Dankbarkeitstagebuch. Fitness-, Schlaf- und Zyklus-Apps. Habit-Change. Home-Gym-Fitness-Videos. Wir reflektieren, setzen, tracken und verfolgen Lebensziele als wÀre der Teufel hinter uns her. Und doch ist das Resultat oft eher enttÀuschend:
Erschöpfung statt persönlicher Balance. Netflix und Pizza statt Power Walking und Rohkost mit Humus. Pokerface statt ehrlichem Feedback. Karrierejob statt Weltverbesserung.
Was ist da los? Warum klappt das alles nicht? Warum scheitern wir so oft daran, Ziele im Leben zu erreichen? Und was können wir tun, um das zu Àndern?
Ziele im Leben - Zwei Theorien. Keine hilft.Â
Spitzt mal ein bisschen die Ohren, wenn Menschen ĂŒber ihre PlĂ€ne und Versuche berichten. Ihr werdet merken: Die meisten Menschen hĂ€ngen zwei diametral entgegengesetzten Theorien an.
1Die Drill-Instructor-Theorie: Wir strengen uns einfach nicht genĂŒgend an! Zielerreichung braucht Disziplin, Fokus, HĂ€rte und Konsequenz.
2Die Oooohhhm-Theorie: Mach Dich mal locker. Sei achtsam. GenieĂe das hier und jetzt. Lass Dich inspirieren. Und mach Dir keinen Druck.Â
Meine These: Beide Theorien sind zu simpel - und helfen deshalb nicht weiter, Ziele im Leben zu erreichen.
Die Wahrheit ist ein wenig komplexer:
Wir sind weder einfach zu faul oder dumm, um Ziele zu erreichen. Noch machen wir uns einfach nur "zu viel Druck". Sondern: Wir stellen uns permanent Fallen, weil wir zerrissen sind zwischen diesen beiden Extremen.
Anders ausgedrĂŒckt: Die meisten Tipps, RatschlĂ€ge und Forschungsergebnisse zu Motivation, Selbstmanagement und Zielerreichung sind nicht falsch. Aber sie haben Risiken und Nebenwirkungen. Und werden meist ohne Beipackzettel ausgehĂ€ndigt. (Und ja, auch ich bekenne mich schuldig im Sinne der Anklage. Mach ich auch oft genug.)
In diesem Artikel zeige ich die 8 hÀufigsten Selbst-Sabotage-Fallen. In die wir tappen, wenn wir versuchen, alles richtig zu machen. Und VorschlÀge, wie wir sie umschiffen können.
Los gehtâs.
Es regnet. DrauĂen pfeift kalter Wind. Mein Sofa entwickelt die VerfĂŒhrungskraft einer Sirene. Mein Ziel, Ende des Jahres unter 90 Kilo zu wiegen, liegt verstaubt unter einem groĂen Haufen Netflix, KĂ€se, NĂŒssen und meinem Smartphone....
Du weiĂt, diese Geschichte geht nicht gut aus.
Aber habe ich nicht alles richtig gemacht? Ein SMART-Ziel formuliert. Spezifisch, messbar, ausfĂŒhrbar, relevant und temporĂ€r definiert. Und eins, das mir wirklich wichtig ist! Eigentlich vorbildlich. Warum klappt es nicht?
Ich bin in die Ergebnis-Falle getappt:
Mein Lebensziel beschreibt einen Zustand am Ende des Prozesses. Aber es beschÀftigt sich nicht mit der meiner eigenen VerÀnderung, meinem Lernprozess auf dem Weg zu diesem Zustand.
Ergebnisziele geben Fokus, Orientierung und Motivation, solange uns die Schritte auf dem Weg leicht fallen. Und solange wir daran glauben, das Ziel erreichen zu können. Aber: Sobald Hindernisse auftauchen. Sobald die Gefahr des Scheiterns im Raum steht. Sobald kurzfristig lohnenswerter erscheinende Alternativen locken. Also genau zu dem Zeitpunkt, wo wir das Ziel wirklich brÀuchten, um uns zu motivieren. Genau dann verlieren Ergebnisziele ihre Kraft.
Die bekannte Psychologin Carol Dweck nennen das âFixed Mindsetâ: Eine Haltung, die vor allem auf Ergebnis-ZustĂ€nde fokussiert. Und darauf, wie wir sind, welche Labels wir uns geben.
Wie geht es anders?
Wir ergĂ€nzen unsere Ergebnisziele um Prozessziele. Und zwar nicht einfach nur Meilensteine, sondern Prozessziele, die unseren Lern- und Entwicklungsprozess beschreiben. Und nicht als automatisierten Fertigungsprozess. Also eher âIch teste tĂ€glich eine neue Methode, mich zur Bewegung zu motivierenâ als âtĂ€glich 10.000 Schritte". So haben wir auch dann das GefĂŒhl, auf dem Weg zum Ziel zu sein, wenn etwas schief geht. Und das nennt sich dann âGrowth Mindsetâ - und ist empirisch belegbar gut fĂŒr Lern-, VerĂ€nderungs- und Entwicklungsprozesse (Madame Moneypenny hat das dazugehörige Buch "Mindset" schön auf deutsch zusammengefasst).
Ok, jetzt haben wir ein attraktives Ergebnisziel plus mehrere Prozessziele, die unseren Lernprozess reflektieren. Alles gut? Leider nein...
2. Die Sonnenschein-Falle
Wann warst Du das letzte Mal so richtig erfĂŒllt von der Idee, Dein Leben verĂ€ndern zu können? Hast einen inspirierenden TED-Talk gesehen? Dich freudig durch motivierende Insta-Bilder geklickt? Dich mit der besten Freundin in wilde TrĂ€umereien geredet? Dich im GefĂŒhl gebadet, alle Ziele erreichen zu können?Â
Damit hast Du Deinen Lebenszielen leider einen BĂ€rendienst erwiesen. Zumindest, wenn Du es bei der positiven Inspiration belassen hast.
Lebensziele werden oft im Sonnenscheinmodus gesetzt. Wir sind froh und dankbar ĂŒber positive Stimmung. Wir haben das GefĂŒhl alles schaffen zu können. Wir fĂŒhlen uns verbunden mit der Gemeinschaft der anderen Menschen, die gerade auf einem Ă€hnlichen Weg sind. Und auch das ist auch gut so! Visionsarbeit, Inspiration, Community und positive Energie helfen, dem eigenen Trott zu entfliehen. Und Freude daran zu entwickeln, sich ein herausforderndes Ziel zu setzen.
Aber.
In diesem Modus unterschĂ€tzen wir systematisch die Herausforderungen und Probleme auf dem Weg. Deshalb bereiten wir uns mental nicht darauf vor. Und schlittern ungebremst in die Frustration, wenn Dinge eben nicht so einfach sind wie vorher gedacht. Wenn druckvolle Tagesarbeit ansteht statt transformationalen FĂŒhrungsgesprĂ€chen. Oder ein schmerzendes Knie den Jogging-PlĂ€nen einen Strich durch die Rechnung macht.
Am Besten funktioniert eine Kombination aus beidem: Wir kĂŒmmern uns um eine positive, lebhaft ausgemalte und emotionale Vision des Zustandes, den wir erreichen wollen. Ben Hunt-Davis nennt diese Art von Zielen im Leben âCrazy Goalsâ.
Und.
Wenn wir diesen haben denken wir in die andere Richtung. Wir begeben uns in die Niederungen des realen Lebens. Welche HĂŒrden, Hindernisse und Negativtrigger könnten uns auf dem Weg begegnen?
Wir fragen uns, was wir tun könnten, wenn diese negativen Ereignisse eintreten sollten. Und formulieren dann âWenn-Dann-Zieleâ. Also Ziele, die relativ zum aktuellen Zustand formuliert sind. So erscheinen sie erreichbar - auch wenn es regnet und stĂŒrmt.
Jetzt aber. Wir haben unsere Prozess-Ziele wetterfest gemacht. Jetzt kann doch nix mehr schief gehen, oder? Jetzt haben wir doch alles unter KontrolleâŠ
Life is a bitch.
Wir wissen alle, dass Kontrolle eine Illusion ist. SpÀtestens seit dem Corona-Lockdown.
Die harte Wahrheit ist doch: Dinge passieren. Und wenn sie uns in die Quere kommen fĂŒhlt sich das frustrierend und entmutigend an. Und es werden Dinge passieren. Nicht alle können wir vorhersagen.
Leider gibtâs fĂŒr die Kontroll-Falle keine ganz einfache Lösung. Denn rein logisch befinden wir uns in einem paradoxen Zirkel: Wir versuchen die Zukunft zu kontrollieren. Wissen aber, dass das gar nicht geht. Systemabsturz vorprogrammiert.
Was hilft?
Am wirksamsten finde ich persönlich folgende Ăbung:
Ich sortiere, welche Faktoren des Prozesses ich beeinflussen kann - und welche nicht. Und versuche, den ersten Teil aktiv zu verĂ€ndern - und den zweiten Teil zu akzeptieren. Schon beim Setzen von Zielen im Leben ist es hilfreich, so eine konkrete Liste zu machen. Und dann unser âCrazy Goalâ und unser âConcrete Goalâ zu ĂŒbersetzen in das, was Ben Hunt-Davis âControllable Goalsâ nennt. Also eigene AktivitĂ€ten statt positive Reaktionen des GegenĂŒber. Die eigene Geisteshaltung statt das Wetter.
Noch wichtiger aber ist diese Ăbung, wenn Unvorhergesehenes passiert. Nicht umsonst ist im Corona-Lockdown dieses Bild hier viral gegangen:
Diese âListenĂŒbungâ in der Schublade ist eine gute Versicherung gegen Unvorhergesehenes.
Sie macht das Leben nicht programmierbar. Aber sie ist ein guter Trick, um sich wieder in ein GefĂŒhl von Kontrolle ĂŒber das eigene Leben zu bringen.
Kommen wir zu einem anderen Thema. Einem, das wir scheinbar kontrollieren können: Belohnungen.
Die Belohnung ist Standard in allen Selbstoptimierungs-Ratgebern. Und eigentlich ist der Gedanke ja auch einleuchtend: Am Ende eines anstrengenden Weges winkt ein attraktiver Endorphin-Kick.
Aber.
Erstens ist dieser Endorphin-Kick zeitlich viel zu weit weg. Die menschliche FĂ€higkeit, kurzfristig Belohnungen aufzuschieben um langfristig etwas zu erreichen ist deutlich geringer ausgeprĂ€gt, als wir uns wĂŒnschen. Der berĂŒhmte âMarshmallow-Testâ weiĂ ein Lied davon zu singen. Und das gilt leider nicht nur fĂŒr Klassiker wie Abnehmen oder UnternehmensgrĂŒndung - sondern fĂŒr alle Ziele im Leben, die kontinuierliches Dranbleiben erfordern.
Zweitens beeinflusst Belohnung die extrinsische Motivation, nicht die intrinsische. Wenn ich mein Ziel im tiefsten Herzen gar nicht erreichen will, dann aktiviert eine Belohnung bestenfalls einen kleinen Abklatsch meiner möglichen KrÀfte.
Drittens neigen Belohnungen dazu, sich zu verselbstĂ€ndigen und unflexibel zu machen. Selbst wenn man zu den Menschen gehört, die positiv auf Belohnungen regieren, optimiert man danach unbewusst genau auf die Belohnung. Und wird so betriebsblind fĂŒr Umwege, Seiten-Aspekte und nötige Anpassungen.
Wie setzt man Belohnungen auf persönlicher Ebene richtig ein?
Kurz gesagt: Lieber kurz- statt langfristig. Lieber intrinsisch statt extrinsisch. Und lieber relativ statt absolut.
Am einfachsten geht das meiner Erfahrung nach mit Bildern im Kopf. Klingt "fluffy"? Funktioniert aber.
Beispiel von mir selbst: Ein wichtiges Ziel in meinem Leben war, endlich nicht mehr dick zu sein. 2016 habe ich das, nach Jahren vergeblicher Versuche, geschafft und 35 Kilo abgenommen - von Adipositas Typ II auf fast Normalgewicht.
Dabei hat mir sehr geholfen, die langfristige Vision - fit und sexy bis ins hohe Alter - in ein momentanes KörpergefĂŒhl zu ĂŒbersetzen. Wann immer ich Schritte gegangen bin - und anfangs waren das wenige - habe ich mir vorgestellt, schon jetzt fit, sexy und aktiv zu sein. Dieser Endorphin-Kick war schnell und einfach verfĂŒgbar. Er war unabhĂ€ngig davon, ob ich einen guten oder einen schlechten Tag hatte. Und er war unglaublich viel motivierender als das Versprechen, nach geglĂŒckter Abnahme neue Kleidung zu kaufen.
Inzwischen ist mir dieses GefĂŒhl so in Fleisch und Blut ĂŒbergegangen, dass ich es noch nicht mal aktiv herbeiholen muss. Ich fĂŒhle mich gut - sobald ich beginne, mehr als 10 Schritte am StĂŒck zu gehen.
Du merkst schon, wir kommen immer weiter weg von Worten und Zahlen - und immer nÀher zu Bildern, Körperhaltungen und Emotionen. Und das hat seinen Grund:
Es geht um die Art und Weise, wie wir Ziele formulieren und festhalten. Diese hat enorme Auswirkungen auf die motivatorische Kraft, die Ziele entwickeln. Nicht umsonst verwenden wir in meinem Coaching-Programm "Found" einen ganzen Sprint dafĂŒr, Ziele des Coachees so zu formulieren, dass sie âpassenâ. Und das ist hĂ€ufig ein erstaunlich langwieriger Prozess.
Aber was heiĂt das - âpassenâ?
NatĂŒrlich gibt es eine Reihe von Tipps, VorschlĂ€gen und Regeln, wie Ziele formuliert sein sollten. Die berĂŒhmte SMART-Regel. Das Anmahnen von Konkretheit, AttraktivitĂ€t, Messbarkeit.
Im Alltag erlebe ich es eher so, dass âpassendâ etwas höchst individuelles ist. Manche meiner Klient*innen wollen und brauchen Excel-Sheets mit Zahlen und Ziel-Tracking. Anderen helfen sloganartige Jahreszielformulierungen, verbunden mit einem bunten Bild. Bei mir selbst merke ich, dass innere Bilder und die dazugehörige Körperhaltung und ein Song viel besser wirken als alles, was ich schriftlich niederlegen könnte. ErgĂ€nzt um ein paar kleine Routinen wirken sie Wunder.
Das heiĂt - passend heiĂt einfach passend fĂŒr Dich!
Deshalb ist es eine gute Idee zu experimentieren. Wir probieren einfach verschiedene Möglichkeiten der Zielformulierung aus - und testen, wie sehr sie uns im Alltag dazu bringen, wirklich etwas anderes zu machen. Wir beschrĂ€nken uns dabei nicht auf Worte und Zahlen, sondern testen auch Bilder, Musik, GegenstĂ€nde, GesprĂ€che, ⊠Nur so finden wir heraus, welche Art der Zielformulierung bei uns selbst âeinrastetâ, uns unterbewusst motiviert, uns im Alltag prĂ€sent bleibt - und uns auch dann voran bringt, wenn es uns nicht so gut geht oder wir abgelenkt sind.
6. Die Verzettelungs-Falle
Karriere. Fitness. Familie. Hausbau. Innere Ruhe. Leseliste. Mirical Morning. Musikinstrument lernen. Freunde sehen. FĂŒhrung lernen⊠Selbstoptimierung ist das Motto unserer Zeit.
Der moderne Mensch ist so beschĂ€ftigt mit dem Setzen von Zielen. Da kann man schon schnell mal den Ăberblick verlieren. Wenn dann zu den Lebenszielen noch Ziel von AuĂen dazu kommen - sei es von oben, Partner*in oder Fitnesstrainer*in, ist oft alles zu spĂ€t. Unser Geist weiĂ einfach nicht mehr, was eigentlich gerade wichtig ist. Und unsere Stimmung hĂ€ngt im Keller, denn irgendeines dieser Ziele hat man bestimmt gerissen. Die Saboteure machen Party.
Aber wie soll man sich beschrÀnken, ohne dabei ebenso wichtige Dinge aufzugeben?
Erstens: Eins nach dem Andern. Definiere einen konkreten Zeitraum, zum Beispiel ein Quartal oder ein Jahr, in dem Du Dich auf wenige Ziele konzentrierst (eine gute Zahl sind drei, aber weniger geht auch. Mehr eher nicht).
Zweitens: Vertraue auf den âHebelâ-Effekt. Du wirst merken, dass Du im Windschatten dieser wenigen, mit vollem Elan und Kraft verfolgten Wow-Ziele viele andere Dinge besser schaffst und quasi ânebenbeiâ erledigen kannst. Die Motivation aus der BewĂ€ltigung wirklich wichtiger Dinge trĂ€gt weit ĂŒber den engen Kreis des aktiv verfolgten Ziels hinaus.
Drittens: Mach mal Pause. Niemand zwingt Dich, zu jeder Zeit und in jedem Moment Ziele zu verfolgen. Gepflegter MĂŒĂiggang und eine kuschelige Phase der SelbstfĂŒrsorge inklusive fröhlichem Rumlungern tun jedem Menschen mal gut. Und können sich durchaus als genau die Phase entpuppen, in der einem klar wird, was man wirklich erreichen möchte. Oder eben auch nicht.
Ich höre schon, wie mein innerer Saboteur sagt: âAber Du kannst doch nicht einfach rumgammeln? Willst Du Deine Karriere ruinieren? Du musst doch die Welt retten! Du musst Dein Potenzial nutzen! Die Welt braucht Dich!â
Wir alle haben solche Saboteurstimmen. Innere Kritiker, innere Relativierer - oder auch Impulsgeber, die uns wegtreiben von dem, was eigentlich gerade noch wichtig war. Und um die geht es in der nÀchsten Falle:
7. Die Selbstabwertungs-Falle
Wenn ich meine Klient*innen im Check-In einer Coachingsitzung frage, was in den vergangenen Wochen (noch) nicht geklappt hat, fĂ€llt eine Formulierung sehr oft: âIch war (noch) nicht konsequent genug.â
Hier spricht eine mĂ€chtige innere Stimme, die uns weismachen will, dass wir ânicht gut genugâ sind, um die vorgenommenen Ziele zu erreichen. Oder dass wir keine guten Menschen wĂ€ren, wenn wir uns nicht hohe Ziele setzen im Leben.
Und diese Stimme ist gefĂ€hrlich: Sie erodiert Motivation und Freude und behindert aktiv den Prozess, selbstbewusster und aktiver zu werden. Wir wĂŒrden gerne an die beste Version von uns selbst glauben. Und aktiv Verantwortung dafĂŒr ĂŒbernehmen, sie zur RealitĂ€t zu machen. Aber wir werden behindert von der kleinen, hartnĂ€ckigen Stimme von der Seitenlinie, die im Kern sagt: âDu bist nicht gut genugâ.
Schauen wir uns an, was andere schlaue Menschen zu diesem Thema zu sagen haben:Â
Wie können wir, diese Selbstabwertungsfalle umgehen? Und zwar ohne uns die Welt schön zu reden?
Hier ein Beispiel:
Ein Klient von mir will seine FĂŒhrungskarriere voranbringen. Er hĂ€lt sich aber fĂŒr einen schlechten Netzwerker. Er hat sich vorgenommen, regelmĂ€Ăig in Kontakt mit Menschen in seiner Branche zu sein. Will sichtbarer sein und sich positionieren. Er formulierte diesen Gedanken ursprĂŒnglich so: âIch muss drei Mal die Woche aktiv auf jemanden zugehen und ein Mittagessen oder ein Telefonat vereinbarenâ.
Das Ziel war also formuliert als eine Ăberwindung eines vermeintlichen Defizits. Das Problem dabei: Wann immer er es nicht schaffte, seine drei Kontakte pro Woche zu machen, sprang sofort der Saboteur an. Das Nicht-Erreichen des Ziels wurde zum scheinbaren Beweis dafĂŒr, dass er eben doch nicht gut genug ist fĂŒr das, was er sich vorgenommen hatte. Die Folge: NĂ€chste Woche hatte er noch weniger Lust, seine Kontakte anzugehen. Und tat es dementsprechend auch nicht.
Ganz anders sah die Sache aus, als er begann, das Ziel aus der Perspektive seiner Leidenschaften und seiner Lebensaufgabe zu betrachten. Damit hatte er nicht mehr das GefĂŒhl, sich andienen zu mĂŒssen mit einer TĂ€tigkeit, von der er glaubte, sie sei eine SchwĂ€che von ihm ("netzwerken"). Sondern er hatte eher das GefĂŒhl, fĂŒr die anderen mit seinen FĂ€higkeiten und StĂ€rken einen wertvollen Beitrag zu leisten.
Seine Leidenschaft ist es, Klarheit und Transparenz zu schaffen in scheinbar unĂŒbersichtlichen Faktenlagen. Er ist ein schlauer Strukturierer und Analytiker, der es liebt, mit Zahlen Analysen und Aufbereitungen Unsicherheit zu reduzieren und die Energie auf konstruktive Arbeit zu lenken.
Aus dieser Perspektive formulierte er sein Ziel neu: âIch suche tĂ€glich nach Situationen, die mehr Klarheit und Transparenz gut brauchen könnten - und biete meine Hilfe anâ. Ăber diese Schiene konnte er ganz nebenbei neue Kontakte machen. Und siehe da - die Kontaktanzahl stieg und er wurde hĂ€ufiger als Experte hinzugezogen.
Der Trick ist also, sich nicht zu fragen, wie man sein gröĂtes Defizit ĂŒberwinden kann. Sondern sich zu fragen, was man fĂŒr andere aus Leidenschaft und StĂ€rke heraus tun möchte - und zu beginnen, diese Motivation zu nutzen, um auf Umwegen das eigentliche Ziel zu erreichen.
Kommen wir zur letzten Falle. Die Mutter aller Fallen bei der Erreichung wichtiger Ziele im Leben:
Jedes System von Zielen, MaĂnahmen und FortschrittsprĂŒfung hat die Tendenz, sich zu verselbstĂ€ndigen.
Es ist ein bisschen wie das VerhĂ€ltnis von ambitionierter Politik zu lĂ€hmender UmsetzungsbĂŒrokratie: Was als groĂe, inspirierende Kampagne startet, endet spĂ€testens in den Umsetzungsbestimmungen im anstrengenden, nervigen Klein-Klein der tĂ€glichen Regeln, ĂberprĂŒfungsmechanismen und Ăberkorrektheiten.
So Ă€hnlich lĂ€uft es, wenn wir uns Lebensziele setzen. Wir haben eine inspirierende Idee, malen uns diese plastisch aus. Und dann fragen wir uns: Was kann ich tun, um diese Idee umzusetzen? Wir suchen uns Rat und Hilfe bei Frameworks, BĂŒchern und Anleitungen - und ĂŒbersetzen die Idee in ein System aus Aufgaben, Zahlen, Regeln, Tabellen, Kontroll- und Belohnungsmechanismen.
Damit setzen wir uns selbst unter Druck.
Andererseits geht es ja aber auch nicht ohne System. Greifbare und attraktive Zielformulierungen, Fokus auf wesentliche und relevante Herausforderungen, Abgleich von Plan und Wirklichkeit⊠all das ist nicht per se falsch, sondern sogar hilfreich und notwendig.
Aber.
Es wird falsch, wenn Du es nicht zu Deinem System machst.
Der beste Experte, die beste Expertin fĂŒr Dein Motivationssystem bist: Du selbst.
Deshalb - nimm die Anregungen, die Anleitungen und die RatschlÀge als das, was sie sind: Informationen und Möglichkeiten.
Aber dann folge dem Slogan einer bekannten Fast-Food-Kette: Make it yours.
Du weiĂt, dass Du vor allem Motivation durch andere Menschen brauchst? Dann lass das Excel-Tracking und telefoniere lieber regelmĂ€Ăig mit einem Freund oder einer Kollegin ĂŒber Deine Entwicklung. Du magst den Druck und Schmerz enger TrainingsplĂ€ne? Dann hol Dir die âInstructor-Drill-Appâ, auch wenn Du noch so oft liest, dass extrinsische Motivation nicht funktioniert.
Damit ein System zur Zielerreichung funktioniert braucht es nur ganz wenige Elemente zwingend:
1Eine konkrete Vorstellung dessen, wo Du hin willst
2Eine Vorstellung davon, welche Herausforderungen Du auf dem Weg dahin meistern wirst
3Eine Ăbersetzung dieser Herausforderungen in konkrete Handlungen und Gewohnheiten
4Einen Feedback-Loop, um aus Erfahrungen zu lernen.
Wie Du diese Elemente ausgestaltest - das ist allein Deine Sache.
Sei dabei neugierig auf das, was funktioniert. FĂŒr Dich. Und gnĂ€dig mit Dir, wenn Du noch nicht den Weg gefunden hast, der Dich weiterbringt.
Lebensziele verfolgen ohne Selbstsabotage
Gucken wir uns das Ganze nochmal im Ăberblick an. Ziele im Leben lassen sich besser erreichen, wenn wir...
1Uns nicht nur Ergebnis-, sondern auch Prozessziele setzen
2Nicht bei der positiven Vision aufhören, sondern sie ergĂ€nze um Wenn-Dann-Ziele fĂŒr RegentageÂ
3Uns auf den Teil fokussieren, den wir kontrollieren können
4âUns mit kleinen, intrinsischen und flexiblen EndorphinstöĂen belohnen, noch wĂ€hrend wir auf dem Weg sind
5Ziele in eine Form bringen, die zu uns passt Â
6Uns auf wenige, wirklich wichtige Ziele beschrÀnken - und uns Zeiten ganz ohne Ziele gönnen
7Ziele nicht als âich mussâ formulieren, sondern aus der Perspektive dessen, was wir gerne machen und gut könnenÂ
8Den Mut haben, es einfach so zu machen, dass es âfĂŒr uns passtâ - und RatschlĂ€ge und Frameworks nur als Information verwenden, aber nicht als Gesetz.
Infografik: Ziele erreichen
Und wie immer gilt:
Lebe mutig, gestalte wirksam - und hab SpaĂ dabei.
Dein
Florian
P.S.: Wenn es bei Dir so weit sein sollte, dass eine gröĂere Phase der Transformation ansteht, dann meld Dich gerne fĂŒr ein kostenloses Strategie-Telefonat. Ich helfe gerne beim Sortieren der Ziele und Herausforderungen fĂŒr die nĂ€chsten Monate.
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