*Dieser Text ist gestern entstanden - oder war es vorgestern? Jedenfalls nicht heute*
Wenn ich keine Schlaftablette nehme, träume ich wirr. So intensiv, dass ich morgens nicht weiß, ob ich tatsächlich geschlafen habe. Letztens war ich um vier Uhr wach. Ich habe ein Wasser getrunken und stand am Fenster. In meiner Nachbarschaft war Licht. Eine Uhrzeit, bei der man nicht weiß, ob sie schon aufgestanden sind oder die Nacht noch vor sich haben. Es regnete. Innere Unruhe. Mein Atem betont ruhig, während meine Brust sich zusammenzieht. Ich schlucke. Es wäre angebracht zu zittern. Aber mein Körper betrügt mich. Mein Geist ist müde, aber mein Körper will nicht schlafen. Ich habe Angst vor den Träumen. Obwohl ich weiß, dass damit der beginnende Tag wieder abgeschrieben werden kann. Ich frage mich, wie ich meine Energie zurückbekomme. Meinen Willen. Wie ich diese Verachtung mir selber gegenüber ablege. Ich erschrecke mich, dass ich es mir mittlerweile nicht mal mehr versuche, einzureden. Ich wache auf und weiß, dass ich nichts erledigt bekommen werde. Geschirr landet einfach nur in der Spüle. Es kostet mich Überwindung, den Teebeutel wegzuschmeißen. Wenn ich überhaupt esse oder trinke. Alles in mir ist schwer. Der Druck hinter meinen Augen ist permanent. Meine Kopfschmerzen sind permanent. Und ich permeabel. Ich bin nicht mehr. Ich existiere, aber irgendwo zwischen reiner Passivität und Aktivismus. Ich werde so hedonistisch. Bedürfnisbefriedigung. Einkaufen, konsumieren. Ich werde obsessiv, was mein Spiegelbild angeht. Ich bin schön. Ich bin schön. Ich bin schön. Begehrenswert. Aber zwei Minuten später bin ich langweilig. Es gibt immer eine bessere Alternative. Warum mit mir leben, wenn man ohne mich leben kann? Ich bin eine Alleinkämpferin, da bin ich stolz drauf. Ich will von niemandem abhängig sein. Dafür werde ich bewundert. Aber meine Unabhängigkeit macht mich einsam. Ich muss mir andauernd selbst genügen und das ist so anstrengend. Menschen fragen mich, wie es mir geht. Ich kann nicht ehrlich sein, denn ich weiß selbst nicht, wie es mir geht. Ich fühle mich zu schlecht, um gut zu sein. Und zu gut, um schlecht zu sein.
Ich habe Angst. Ich konnte nie jemanden an mich heranlassen und jetzt habe ich Angst, jemandem nahe zu kommen, weil ich bisher kaum Menschen in meiner Nähe hatte. Ich weiß nur, wie es ist, mit mir alleine auszukommen. Ich suche Ausweg nach Ausweg. Ich lüge. Lüge mich selbst an. Der Weg des geringsten Widerstands ist mein Weg. Ich will keine Missgunst empfinden, aber ich empfinde Neid. Wann bin ich so geworden? Warum bin ich so geworden? Manchmal erwische ich mich dabei, dass ich Menschen Schlechtes wünsche. Und ich verstehe nicht, warum. Ich erkenne den Schmerz anderer nicht als gleichwertig an. Ich stecke so tief in meinem eigenen Leiden, dass es mich immer immer immer wieder zurück in seine warme, enge Umarmung lockt.
Gerade denke ich an eine Freundin, bei der ich mich mal wieder melden muss. Ich mag sie. Ich mag sie, weil wir gleich ticken. Sowieso fordere ich mich selten heraus. Meine Freundinnen sind mir zu ähnlich. Es gibt keine, die mir sagt, ich solle mich verdammt nochmal aufraffen. Alle haben sie Verständnis. Alle machen es mir leicht. Aber vielleicht brauche ich jemanden, der mich endlich aufweckt. Ich habe es selbst versucht. Ich habe es wirklich versucht, aber meine Versuche sind wie ein Bumerang, der zu mir zurückkehrt. Kann Lustlosigkeit pathologisch sein?
Ich habe angefangen, mir Dinge zu merken, die man witzig finden könnte an mir. Zum Beispiel, dass ich den Sushi Ingwer gerne esse. Manchmal wache ich nachts auf und mache mir ein Spiegelei. Ich kann „Die Da“ von Fanta 4 mitrappen. Allgemein Lip Synce ich gerne. Ich habe das Gefühl, ich bin total uninteressant. Ich habe noch nie gekifft, weil ich Angst vor dem Kontrollverlust habe. Ich habe noch nie mit jemandem geschlafen, weil ich Angst vor Zurückweisung hatte. Jetzt schlafe ich mit niemandem, weil ich noch nie mit jemandem geschlafen habe. Ich ekele mich vor betrunkenen Menschen. Ich gehe gerne früh ins Bett. Ich bin grundsätzlich gerne allein. Regentage gefallen mir. Weil der Himmel dann so aussieht wie ich mich fühle. Wie eine hellgraue Farbe zwischen weiß und schwarz. Ich wäre gerne jeden Tag am Meer. Ich habe das Gefühl, dass ich ihm näher bin, wenn ich das Meer rieche. Ich vermisse ihn und ich kann nicht aufhören. Ich wünschte, er wäre nie gegangen. Es ist irrational zu glauben, er hätte mich hier rausholen können. Er hat es ja genauso wenig geschafft, wie ich es schaffe. Aber manchmal denke ich, ich müsste weniger alleine kämpfen, wenn er da wäre. Seit ich ohne ihn bin, ist mein Leben ein Kampf. Jeden Tag. Und gerade gebe ich jeden Tag auf. Wie pathetisch.
Warum schreibe ich es auf, wenn es niemanden interessiert? Du willst nur Aufmerksamkeit. Du willst nur, dass Menschen dich bemitleiden. Du liest diesen Text und denkst dir, gar nicht so schlecht. Selbst das hier schreibst du, um
Farce. Du bist eine Farce. Du bist schlecht, du kannst nichts. Verdammte Heuchlerin. Nicht mal deine Depression hast du verdient. Als ob du depressiv bist. Du bist nur faul. Siehst du? Jetzt hast du nichts mehr zu sagen. Fang ja nicht an zu heulen.