Die Via Arverna führt mitten durch die fantastischen Vulkanlandschaften der Auvergne. Einerseits entlang der „Chaîne des Puys“ (Kette der Vulkankegel) im Norden um Clermont-Ferrand. Andererseits durch die „Monts du Cantal“, die Reste eines riesigen Vulkans südlich davon.
Die ‘Chaîne des Puys’, die Kette der Vulkankegel bei Clermont-Ferrand. Bild: Auvernge tourism
Ein Vulkan explodiert und stürzt in sich zusammen
Zwei geologische Großereignisse prägen bis heute die Landschaft im Herzen Frankreichs. Vor Millionen von Jahren explodierte in der heutigen Auvergne, konkret im heutigen Cantal, ein mächtiger Vulkan um anschließend in sich selbst zusammen zu stürzen. Und das gleich dreimal zwischen 13 und 3 Mio. Jahren.
Der Puy Griou, der Rest des einstigen Riesenvulkans, der vor 30 Mio Jahren in sich zusammen gestürzt ist.
Naturgewalten schliffen Täler aus und hobelten Hochebenen glatt
Die Explosion des Mount St. Helens lieferte Vulkanforschern und Geologen eine Erklärung, was damals auch im Herzen des heutigen Frankreich passiert sein könnte. Der Vulkan war rund 3.500 m hoch und ein sogenannter Schildvulkan. Das sind Vulkane, die schildähnlich aufgewölbt sind. Im sogenannte ‚Miozän‘ entwickelten sich übrigens bereits die Vorfahren unserer heutigen Wölfe, Katzen, Pferde, Hirsche und Kamele. Die dürften den Ausbruch miterlebt haben.
Die sensationellen Gipfel des Cantal, ebenfalls Reste des einst riesigen Vulkans. Ich habe dieses Foto unter Verwendung von PeakFinder gemacht.
Bei den Explosionen wurde der Vulkan damals regelrecht ‚abgetragen‘. 250 m dicke Lavaströme schufen ganz eigene Landschaften. In späteren Jahrmillionen formten dann Gletscher quasi sternförmig vom Vulkanzentrum ausgehend Täler und schufen Seen. Mehr als 1800 m hoch ragen heute noch rund um die markante Pyramide des Puy Mary (1787) die Gipfel auf. Und diese Auswaschungen machten die Via Arverna heutzutage so ‚attraktiv‘: Alle, die meine Etappenbeschreibungen lesen werden feststellen, dass steile Aufstiege zur Morgengymnastik für die Pilgersleute gehören. Während des Tages hingegen spaziert der entspannte Pilgersmann, die fröhliche Pilgersfrau quasi auf einer Hochebene dahin. Bevor es am Abend wieder rasant abwärts geht.
Man darf erahnen, was Gletscher und Flüsse in den Jahrmillionen geschaffen haben: tiefe Täler. Während die Aubrac-Rinder in luftiger Höhe grasen.
Basaltorgeln am Wegesrand
Interessant ist es für neugierige Pilgersleute allemal zu erfahren, wie denn die eckig geformten ‚Basaltorgeln‘ entstanden sind. Sie bestehen aus erkalteter und erstrarrter balsatischer Lava. Basalt entsteht, wenn der Erdmantel aufgeschmolzen wird. Das dabei entstehende dünnflüssige, SiO2-arme Magma erkaltet an der Erdoberfläche oder im Ozean relativ rasch.
In Murat, der wunderschönen Stadt im Cantal, streben Basaltsäulen am Bonnevie empor.
Findet die Abkühlung jedoch verzögert statt, entstehen durch die Schrumpfung aufgrund der Abkühlung nicht selten meterlange plygonale Basaltsäulen, die sich senkrecht zur Abkühlungsfläche bilden. Sie erstarren hautpsächlich zu einer sechseckigen Form. Und da Lava an der Oberfläche schneller abkühlt als in der Tiefe, sind die oberen Säulen nicht selten dünner als die unteren.
Ein Berg, der zum Großteil aus Basaltsäulen besteht: Le Rocher de Laval
Solche Basaltsäulen werden hier bisweilen als Zaunpfosten verwendet.
Basaltpfeifen bilden den Bonnevie über Murat
Die sechseckigen Basaltsäulen werden im nahe gelegenene Steinbruch geschnitten und als Verzierung verwendet.
Diesen 2-kg-Brocken nahm ich als Briefbeschwerer mit.
Die Säulen erstarren dann mit einem Durchmesser, der von ca. 10 cm bis zu 1 m reicht. Auch vier-, fünf und siebenseitige Säulen sind nicht selten. Auf der Via Arverna begegnen die hurtigen Pilgersleute immer wieder diesen wunderbar anzusehenden ‚Basaltorgeln‘, so genannt, weil sie wie Orgelpfeifen aneinander gereiht sind. Wunderschöne Beispiele dieser Basaltsäulen sind in Murat und Neussargues zu sehen.
Mein Tipp: Es gehörte für mich zu den schönsten Erfahrungen, auf dem Puy de Dôme stehend auf die kleinen Vulkane am Fuß des Berges zu blicken. Ihre einstigen Krateröffnungen sind verwachsen und gleichen riesigen ovalen Satelliitenschüsseln. Ein Spaziergang ist äußerst empfehlenswert.
Blick auf den Puy de Dôme
Der Merkurtempel auf dem Puy de Dome, Clermont-Ferrand
Spaziergang vom Puy de Dôme zum Puy Pariou
Chaîne des Puys – die Kette der Vulkanstümpfe
Vor 95.000 Jahren warfen Lavamassen dann 80 Vulkane in der „Chaîne des Puys“ auf einer Länge von 45 km und einer Breite zwischen 3 und 5 km auf. Deren letzter Ausbruch erfolgte vor 8.600 Jahren. Der höchste dieser Vulkane ist der Puy de Dôme in Clermont-Ferrand.
Als Vorarlberger bemütze ich zur Bezeichnung solcher Vulkane unsere beliebte Verkleinerungsform: Das ist bei uns ein ‘Vulkänle’. Und es liegt bei Orsonette direkt an der Via Arverna
Solche ‘Vulkänle’ erinnern mich immer an den Kleinen Prinzen und seinen Mini-Vulkan.
Der Puy d’Isson, ein Bilderbuch-Vulkänle bei Perrier.
Im Unterschied zum verwitterten Supervulkan des Cantal ist die Chaîne des Puys, manchmal auch Monts Dômes genannt, eine Kette von vulkanischen Bergen, die als kegelförmige Hügel in der Landschaft sehen. Sie erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung über eine Länge von etwa 30 Kilometern und umfasst schlussendlich knapp hundert erloschene Vulkane. Die höchste Erhebung ist der gleichnamige Puy de Dôme, mit einer Höhe von 1465 Metern über dem Meeresspiegel.
Die Vulkane der Auvergne Die Via Arverna führt mitten durch die fantastischen Vulkanlandschaften der Auvergne. Einerseits entlang der „Chaîne des Puys“