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PROCESS update!
Gegen neuen Visana-CEO lief Ethik-Investigation
Angelo Eggli, Allianz Partners, bald Krankenkassen-Boss, nannte sich „Machete“ – Unflätiges über Ausländer – Ermittler abgesetzt.
Gegen Angelo Eggli, den designierten Chef der Berner Visana, eine der grössten Krankenkassen des Landes mit 1’300 Mitarbeitern, lief am alten Ort eine grosse Ethik-Untersuchung.
Es ging um Egglis Führungsstil bei der Allianz Partners, die damals noch Allianz Global Assistance hiess, eine Art weltweiter TCS mit über 10’000 Mitarbeitern.
Eggli, von Haus aus Jurist, hatte Ende 2014 beim Schweizer Ableger der Allianz Partners mit Sitz in Wallisellen ZH das Kommando übernommen.
Sein Chef wollte ihn laut mehreren Quellen loswerden, musste dann aber selbst das Feld räumen. Seither kommandiert Eggli rund 300 Mitarbeiter.
Rasch wechselte der Berner Advokat fast die gesamte Geschäftsleitung und erste Kaderstufe aus. Ziel sei es gewesen, Ja-Sager um sich zu scharen, die ihm nicht die Stirn bieten würden, sagt eine Quelle.
Egglis Vorgehen gab intern zu reden. Selbst gab er sich den Übernamen „Machete“. Andere waren bei ihm „Onkel Tom“, „Bademeister“, der „Doktor“. Er begründete harte Massnahmen gerne mit seinem Glauben. Alle müssten „Busse tun“, und zwar eine „katholische Busse“.
Egglis SMS-Führungsstil war im Kader der Allianz Partners gefürchtet. Ab 22 Uhr nachts, wenn er vom Hometrainer abstieg, sollen 20 und mehr SMS nicht unüblich gewesen sein – pro Nacht.
Auch am Wochenende gab es für Egglis Kader keine Verschnaufpause, berichten übereinstimmend Auskunftsleute. Von Samstag früh an sei man mit Befehlen per Handy bombardiert worden.
Egglis Führungsstil führte zu unzähligen Arbeitsprozessen. Ein Ex-Finanzchef seines Teams, der über 15 Jahre lang für die Firma tätig war, ist bis heute am Kämpfen mittels Klage.
Bei den meisten Auseinandersetzungen war hingegen schon beim Friedensrichter Schluss – zu wenig Substanz hatten offenbar die Vorwürfe des Allianz-Managers.
Eggli machte trotzdem immer weiter mit Prozessieren. Er gab geschätzte Hunderttausende von Franken für Klagen gegen Ex-Mitarbeiter aus. Ziel waren Konkurrenzverbote gegen die Leute.
Meistens nutzte Eggli dafür einen Partner des Zürcher Ablegers der Berner Rechtsanwalts-Kanzlei Kellerhals Carrard. Der Anwalt verfasste in einem Fall eine Klage über 50 Seiten. Der Richter sah darauf nichts, was man dem Ex-Kadermann vorwerfen könnte. Der Prozess wurde eingestellt.
Auf Kununu, einem Portal für Angestellte, um ihren Arbeitgeber zu benoten, häuften sich schlechte Zeugnisse. „Himmeltrauriger Arbeitgeber“, titelte jemand im Frühling 2015, „Leider nicht mehr empfehlenswert“ hiess es im Sommer 2016.
Da passierte etwas, mit dem Eggli nicht gerechnet hat. Adam Mrozowski, der von einer angehängten Firma aus für die Informatik der Allianz Partners Schweiz zuständig war, wurde zum Whistleblower.
Mrozowski, ein Pole, der als Unternehmer mit einer eigenen Informatikfirma grossen Erfolg gehabt hatte, erhob schwere Vorwürfe gegen den Berner.
Am 9. September 2016 fragte der Manager bei den für Ethik und Personal zuständigen Allianz-Verantwortlichen nach, ob Egglis Führungsstil zur Allianz-Philosophie passe und dem Ethikcode des Multis entspreche.
„On Wednesday 2.12.2015 we had a management meeting with our CEO Angelo Eggli where he said in front of over 30 department managers the following sentences”, führte Mrozowski aus.
„Stop hiring foreigners! Swiss company can be successful only if it’s managed by Swiss people. Nobody in Switzerland wants to deal with foreigners and in my company we must have only Swiss employees otherwise we will not be successful. In my company foreigners will not make careers any more.”
Der Pole legte in seinem Email an die Allianz-Zentrale seinem damaligen Chef dann noch Kräftigeres in den Mund. In einem Telefongespräch diese Woche bestätigte Mrozowski sein Vorgehen von damals.
„Für mich war klar, dass ich etwas gegen Angelo Egglis Führungsstil unternehmen musste“, meinte Mrozowski in der Unterhaltung. „Es darf nicht sein, dass ein CEO einer grossen Firma wie Allianz sich derart abschätzig und beleidigend über Mitarbeiter äussert“
Er sei „längst nicht der Einzige im Kader“ gewesen, der „dies so sah“, meinte der Informatiker. Er selbst habe sich damals entschieden zu kündigen. Nicht aber, ohne Egglis Führungsstil zu melden.
Die Zuständigen im Allianz-Konzern reagierten rasch. Eine Art Taskforce wurde gebildet, mit dem Ziel, eine Geheimoperation durchzuführen.
Mit dabei: der Leiter Compliance, der aus historischen Gründen in Paris sass, die Chefin Personal mit Arbeitsort in der Allianz-Zentrale in München, ein Forensiker, auch er aus München.
Auch der weltweite Ehtik-Chef der Allianz war im Bild. Alle wussten, was es geschlagen hat. Operation Eggli konnte beginnen.
Am 4. November 2016 war High Noon. 5 Leute der Allianz quartierten sich im Hotel Krone in Zürich Unterstrass ein. Drei von ihnen gingen als eine Art Überfallkommando zur Allianz in Wallisellen und informierten Eggli und seine Geschäftsleitung über die Untersuchung.
Zwei empfingen im Hotel Betroffene. Diese schilderten ihre Erlebnisse mit Eggli. Lange Protokolle wurden unterzeichnet, SMS und andere Beweisstücke eingesammelt.
Danach wurde es ruhig. Eggli blieb auf seinem Stuhl. Mehrere Wochen später hiess es, die Untersuchung habe nichts Schwerwiegendes zutage gefördert.
Für Whistleblower Mrozowski unverständlich. „Kurz nach der Untersuchung wurde der Leiter Compliance in Paris entlassen. Und mir wurde ein Job weit weg von Angelo Eggli angeboten. Eggli aber blieb. Seine Resultate im Geschäft machten ihn unangreifbar.“
Inzwischen sind die Zahlen schlechter geworden. Die sogenannte Combinded Ratio, die zeigt, wie effizient eine Versicherung arbeitet, hat sich deutlich verschlechtert.
Nicht Teil der Untersuchung war Egglis Geschäftspraxis. Er liess Allianz-Daten auf einem externen Server eines Partners laufen. Die Kosten dafür betrugen mehrere Zehntausend Franken. Dabei handelte es sich nur um einen Miniaufwand.
Eine Sprecherin der Allianz in München schrieb, man würde sich „grundsätzlich … nicht zu Interna“ äussern. Eggli nimmt wie folgt Stellung:
„Bei Allianz Partners Schweiz gab es in den letzten 5 Jahren 3 Arbeitgeberkündigungen, im Rahmen welcher Forderungen vor dem Friedensrichter bzw. Arbeitsgericht geltend gemacht wurden. In keinem der Fälle, die allesamt einvernehmlich verglichen wurden, ist eine rechtswidrige oder missbräuchliche Vertragsauflösung festgestellt worden.“
Zu seinem Führungsstil mit den Übernamen meint er: „Das ist nicht korrekt. Uns sind aber in diesem Zusammenhang gefälschte SMS bekannt.“
Zu den SMS-Aufträgen an Mitarbeiter rund um die Uhr und wie das zur zukünftigen Führungsaufgabe beim Krankenversicherer Visana passe sagt Eggli:
„Allianz Partners (vormals Allianz Global Assistance) betreibt eine 24/7-Notruf- und Assistancezentrale, wo wir rund um die Uhr Menschen helfen, die in Notsituationen sind. Unser Business läuft also rund um die Uhr. Bei meinem neuen Arbeitgeber wird das so nicht mehr der Fall sein.“
Schliesslich sieht er sich durch die Untersuchung der Allianz-Zentrale wegen seines Führungsstils nicht belastet, sondern gänzlich entlastet.
„Aufgrund von Vorwürfen eines leitenden Mitarbeiters in gekündigtem Arbeitsverhältnis gegen das Unternehmen und gegen mich als CEO der Schweizer Einheit musste die Compliance-Abteilung am Hauptsitz in Frankreich von Amtes wegen eine interne Untersuchung einleiten. Die umfassenden Prüfungen ergaben, dass alle im Raum stehenden Unterstellungen haltlos waren, und ich wurde vollständig entlastet.“
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