4./5. MĂ€rz 2021
Mein Handy tÀuscht einen Spaziergang vor, liegt aber in Wahrheit nur faul in der Ecke rum
Ich bin zu einem Treffen in Berlin in der SprengelstraĂe. Am Abend bin ich mit B. in der PaulsternstraĂe verabredet, aber bis dahin habe ich noch ein bisschen Zeit und hole ich mir mit Freundin C. zusammen Fritten, die wir drauĂen auf dem Gehweg sitzend essen. Danach verabschieden wir uns, ich gehe zum Auto, um zu B. nach Halensee zu fahren und bemerke beim Einsteigen, dass mein Handy nicht da ist. Ich renne schnell zurĂŒck zu der Stelle, wo wir die Fritten gegessen haben, weil ich vermute, dass mir das Handy dort aus der Tasche gerutscht ist, aber dort ist es nicht. Dann laufe ich weiter zum Sprengelhaus, wo tagsĂŒber mein Treffen war, aber da ist niemand mehr und alles verschlossen.Â
Bei B. in Halensee war ich noch nie, ohne mein Handy und die Navigation mit Google Maps weiĂ ich gar nicht wie ich dahin finden soll und habe die Adresse, die B. mir per Mail geschickt hatte, auch nicht im Kopf. Also fahre ich zu I., bei der ich ĂŒbernachte, um B. von dort aus per Laptop und E-Mail Bescheid zu sagen, dass ich nicht komme, wir uns aber wie sonst auch per Google Meet treffen können.
Als ich bei I. ankomme, kann ich ohne Handy nicht wie sonst meine ParkgebĂŒhren per App bezahlen, aber glĂŒcklicherweise habe ich Kleingeld in der Tasche.
I. ist nicht zu Hause. Sie hat einen neuen Router, den mein Laptop noch nicht kennt. Ich bin inzwischen ziemlich hektisch und finde in der langen Liste der Netzwerke nicht das passende. Also fahre ich I.s Rechner hoch und versuche mich dort bei Gmail anzumelden. Gmail erkennt den unbekannten Rechner und schickt einen Sicherheitscode an mein Handy. Also suche ich weiter nach dem passenden Netzwerk und schlieĂlich habe ich es gefunden, gehe mit meinem Laptop ins Netz und kann endlich B. per Mail Bescheid sagen, was los ist.
Danach kontaktiere ich C. per Facebook Messenger. Da ich fĂŒr sie eine Google Standortfreigabe eingerichtet habe, kann sie mein Handy orten und teilt mir mit, dass es in der TriftstraĂe liegt, etwa dort wo ich geparkt hatte. Also fahre ich wieder zurĂŒck, in der Hoffnung, dass es immer noch da ist und irgendwo in der Hecke liegt, die dort neben der StraĂe gepflanzt ist. Aber ich finde nichts.
Ich spreche einen jungen Mann an, ob ich mich kurz auf seinem Handy bei Facebook anmelden darf, um C. um eine aktuelle Ortung zu bitten. Er ist sehr hilfsbereit, hat Zeit und versucht erstmal mein Handy anzurufen. Ich habe wenig Hoffnung, weil auf meinem Handy standardmĂ€Ăig alles stummgeschaltet ist, aber es könnte immerhin leuchten. Nichts.
Immerhin kann ich mich wie durch ein Wunder an mein Facebook Passwort erinnern und lasse mir von C. eine neue Ortung schicken. Sie sagt, das Handy ist jetzt ein StĂŒck die StraĂe runter, in dem Haus vom Zeichencenter Ebeling. Sie schickt einen Screenshot. Ich gehe mit dem jungen Mann (leider habe ich ihn nicht nach seinem Namen gefragt) dorthin und klingle bei ein paar Leuten, um zu fragen, ob sie ein Handy gefunden habe. Inzwischen schickt C. einen neuen Screenshot, laut dem das Handy jetzt im Sprengelhaus ist, also dort, wo ich es nach meinem Termin vergessen haben könnte. Weil ich am nĂ€chsten Tag da wieder einen Termin habe, beschlieĂe ich, die Suche zu beenden und hoffe, das Handy am nĂ€chsten Tag wiederzufinden.
Ich bedanke mich bei dem jungen Mann und fahre zurĂŒck zu I. Da ich schon ein Parkticket in der Knaackstr. habe, versuche ich dort wieder zu parken, es ist aber inzwischen alles voll. Irgendwie schaffe ich es aber doch, mein Auto mit viel Gekurbel in eine winzige ParklĂŒcke zu zwĂ€ngen.
Bei I. Ă€ndere ich erstmal mein Facebook Passwort und entferne das Handy des jungen Mannes aus der Liste der zugriffsberechtigten GerĂ€te.Â
Bei der Gelegenheit entdecke ich die Funktion, mit der ich im Todesfall jemanden benennen kann, meinen Account weiterzufĂŒhren. Mir scheint dies der richtige Moment zu sein, solche Dinge zu regeln, also benenne ich I zu meiner Nachlassverwalterin.Â
SpĂ€ter fĂ€llt mir ein, dass ich ohne mein Handy auch meinen Wecker nicht dabei habe. Ich kontaktiere I. im Facebook Messenger und bitte sie, mich am nĂ€chsten morgen anzurufen. GlĂŒcklicherweise hat sie noch eine Festnetzleitung, so dass das möglich ist.
Am nĂ€chsten Morgen komme ich im Sprengelhaus an und rechne damit, von meinem Handy mit einem Lied begrĂŒĂt zu werden, weil mein Wecker aktiviert war. Aber offensichtlich hatte er irgendwann aufgegeben. Ich sehe nur noch die Information, dass ich einen Weckruf verpasst habe.
In der Anrufliste sehe ich die Nummer des jungen Mannes, der mir am Abend geholfen hatte. Ich schreibe ihm eine SMS, bedanke mich nochmal und frage nach seinem Namen. Danke Denis!
In den letzten 15 Stunden habe ich etliche Male den Impuls gehabt, irgendetwas in meinem Handy nachzusehen und immer hat es einen Moment gebraucht, bis ich kapiert habe, dass das gerade nicht geht. Ich habe mich kurz gefragt, ob ich mir Gedanken ĂŒber eine ungute AbhĂ€ngigkeit machen muss, aber diesen Gedanken als absurd verworfen. Mir ist einfach nur schmerzlich bewusst geworden, wie viele hilfreiche Funktionen zusammen mit meinem Handy im Sprengelhaus ĂŒbernachtet haben. Aber jetzt ist es ja wieder da.
(sleeplessdarkhorse)















