Ăbersetzer launchen in den Cyberspace
Zwei Fragen sollten Ăbersetzer*innen im Jahr 1997 bei der Entscheidung helfen, ob sie einen eigenen Internetzugang brauchten oder nicht. Wolf Harranth, Beiträger in der Zeitschrift âDer Ăbersetzerâ (heute âĂbersetzenâ), dem Verbandsblatt des LiteraturĂźbersetzerverbands VdĂ, formulierte sie wie folgt:
âHaben Sie häufig und auf vielen Themengebieten nach Aberwitzigstem zu recherchieren?
Sind Ihre wichtigsten LektoratspartnerInnen freischaffend tätig, meilenweit entfernt und per e-mail zu erreichen?
Sollten Sie die erste Frage ruhigen Gewissens verneinen kĂśnnen, genĂźgt auch weiterhin die nächstgelege FachbĂźcherei, allenfalls ein CD-Laufwerk (âŚ) und, im Notfall, eine e-mailierende Bezugsperson in Reichweite.
Sollten Sie auch die zweite Frage verneinen, weil Ihre Ansprechpartner allesamt im Verlagslektorat sitzen, kĂśnnen Sie sich Internet definitiv sparen, denn in den Lektoraten will man sich ja nicht mit elender Bildschirmarbeit die Augen verderben; daher endet der technische Fortschritt dort beim Fax.â
(Wolf Harranth, âDrum prĂźfe, wer sich e-wig binde â Entscheidungshilfen vor dem Launch in den Cyberspaceâ, in: Der Ăbersetzer Nr. 1/1997, S. 7-8, zsue.de/heft/der-uebersetzer-01-1997/).
Interessant ist, dass die daran anschlieĂenden Tipps noch selbstverständlich von Providern ausgehen, die ihren Nutzern nicht nur einen Zugangspunkt und Datenvolumen, sondern auch eine E-Mailadresse zur VerfĂźgung stellen â die Entkoppelung muss etwas später passiert sein. In anderer Hinsicht war das Angebot ausdifferenzierter als 2020, zum Aufschreibezeitpunkt dieses Beitrags: âSchlagen Sie zu, wenn Ihnen der Provider uneingeschränkten Zugang zu e-mail, news-groups, FTP, Telnet und WWW bietet, ebenso zu bewegten Bildern und ruckelnden TĂśnen (RealAudio).â
Nicht jeder Computerhersteller machte die Entwicklung mit: âDOS-Computer mĂźssen Sie zu den Nippes in die Vitrine stellen (oder auf Internet verzichten).â Wer den âLaunch in den Cyberspaceâ allerdings schaffte, den erwarteten dort unter anderem bereits das âForeign Language Forumâ, ein Forum fĂźr Ăbersetzer*innen aus aller Welt, sowie amazon.com, âein amerikanischer Buchversender mit angeblich 2,5 Millionen Titeln (neu und aus zweiter Hand), der sich vor allem zum Bibliographieren schĂśn eignet; ob der Versand was taugt, hat noch niemand ausprobiertâ. (Wolf Harranth, âWer suchet, wird mĂźndig, in: Ăbersetzen 2/1997, S. 15-16, zsue.de/heft/uebersetzen-02-1997/)
Diese und andere technische Meilensteine sind im Online-Archiv der VdĂ-Verbandszeitschrift unter dem Schlagwort âTechnikgeschichteâ versammelt: zsue.de/thema/technikgeschichte/
Eine technikgeschichtliche Fundgrube ist aber auch Wolf Harranths von 1997 an regelmäĂig gefĂźhrte Computer- und Internetkolumne , die noch bis zum Jahr 2000 âNeues aus dem Cyberspaceâ betitelt war, im Themenkatalog der Website unter âPC-Rubrikâ verzeichnet: zsue.de/thema/pc-rubrik/