Vom 6.2.1986 bis zum 14.4.2026
Wenn ich mir etwas fĂŒr lĂ€ngere Zeit merken muss, lege ich auf dem Computer an passender Stelle eine Textdatei an und schreibe die entsprechende Information dort hinein. Ein Laptop (oder frĂŒher oft ein PC) ist bei mir nie weit entfernt; meist sitze ich sowieso schon direkt davor.
Die Datei nenne ich meist README, seltener auch INFO oder MEMO. Da ich GroĂbuchstaben verwende, erscheint die Datei beim Auflisten des Folderinhaltes ganz vorne.
Einfacher Text hat den Vorteil, dass es ein universelles Format ist, das zum Lesen oder Weiterverarbeiten keine spezielle Anwendung bzw. App benötigt. Nur so kann die Information auch nach Jahrzehnten noch problemlos jederzeit gelesen werden.
Ich habe noch Textdateien aus den 1980er Jahren. HÀtte ich damals zum Speichern der Information eine spezielle Anwendung genutzt, wÀre das Lesen der Daten heute wahrscheinlich unmöglich, denn die Anwendung gÀbe es ja schon lùngst nicht mehr.
Eine Suche in meinen persönlichen Daten lieferte eben 831 README-Dateien. Die Ă€lteste, auf die ich noch zugreifen kann, ist vom 6. Februar 1986 um 15:13 Uhr; die jĂŒngste habe ich eben vor etwa 20 Minuten angelegt.
Im Schnitt musste ich mir seit frĂŒher also alle 17,5 Tage etwas merken.
Wahrscheinlich sind es sogar ĂŒber 1.000 Dateien, etliche davon auf uralten Disketten, fĂŒr die es schon seit Jahrzehnten keine LesegerĂ€te mehr gibt oder auf untergegangenen Festplatten, einige Ă€lter als von 1986.
In einigen wahllos herausgegriffenen README-Dateien finde ich die folgenden Informationen:
Wo man im Jahr 2002 Filzgleiter fĂŒr Parkettboden bestellen konnte
Wer im Jahr 2000 in der âHopi Nationâ in Arizona Silberschmuck
hergestellt hat (Antwort: Alvin Taylor und Duane Koinva, beide aus
dem âShongopavi Villageâ)
Was bei einer Impfung gegen Tollwut zu beachten ist
Wie man im Haus den Wasserfilter austauscht
Wie man Windows 2000 installiert
Wie man die Holzarbeitsplatte in der KĂŒche behandeln muss
Was man tun muss, um mehrere PDF-Dateien zu einer zusammenzufĂŒgen
Die minimale Umsteigezeit in Paris Charles de Gaulle (45 Minuten)
Wie man eine Audio-CD âripptâ und die Audiodaten in einen
Apple iPod lÀdt
Heute nachmittag kam mir kurz der Gedanke, dass ich die hunderten von Wissens-HĂ€ppchen vielleicht einmal als E-Book veröffentlichen könnte. Das Buch mĂŒsste dann eigentlich Everything there is to know heissen. Aber leider gibt es das schon; ich besitze es sogar. Und es ist viel schöner als meine Sammlung von Textdateien, mit Zeichnungen und Grafiken auf jeder Seite und einem Diagonal-Banner â10% extraâ auf dem vorderen Einband.
Vorhin musste ich herausfinden, wie man auf einem Mac automatisch ein Programm periodisch (z.B. jeden Sonntag um 12:00 Uhr) laufen lassen kann. Dazu muss man eine Konfigurationsdatei in einem etwas kryptischen Format erstellen. FrĂŒher hĂ€tte ich daraufhin sofort ein neues README angelegt mit einer kurzen Ăbersicht ĂŒber die wichtigsten Parameter des kryptischen Dateiformats, damit ich beim nĂ€chsten Mal nicht wieder von vorne beginnen muss mit der Recherche.
Heute fiel mir jedoch auf, dass ich eigentlich gar keine groĂe Lust mehr
habe, immer alles aufzuschreiben. Ich kann ja jetzt jederzeit eine KI wie âGoogle AIâ oder ChatGPT fragen, wenn ich etwas wissen möchte, und bekomme es dann ausfĂŒhrlich und geduldig erklĂ€rt.
Ganz sicher bin ich mir aber nicht. Was, wenn alle KI-Dienste irgendwann sehr teuer werden? Oder wenn auch hier die Plattform-Enshittification um sich greift und ich sie nicht mehr nutzen mag? Ich habe dann doch ein kurzes README angelegt und werde die Angewohnheit erstmal beibehalten.