18. März 2010
Ich verpasse fast ein Hörspiel, doch das Netz fängt es auf
Mit meiner Kollegin und Freundin S. treffe ich mich in einer Stadt zwischen unseren zwei Wohnorten, um zwei Geocaches zu suchen und im Kino, das Filme im Original ohne Synchronisation zeigt, den aktuellen Scorsese-Film "Shutter Island” zu sehen (in meinem Blog notiere ich später: “angenehm verstörend” als Fazit). Das damalige Auto, das ich gemeinsam mit meinem Mann besitze, ist ein silberner Honda Jazz, der einen CD-Player ohne Wechsler und ein Radio hat. Ich bevorzuge, auf längeren Fahrten Hörbücher und Hörspiele zu hören, aber habe nicht immer eine CD parat, so dass recht oft das Radio laufen lasse. Spätabends spielt der lokale Sender Eins Live manchmal alternative Hörspiele. Passend zur noch nachhaltenden Atmosphäre des Filmes und der dunklen Autobahn vor mir schalte ich heute zufällig in ein sehr surreales Krimihörspiel. Ich steige mittendrin ein – es geht um ein junges Paar und eine seltsame Vermieterin namens Frau Gantner und gefällt mir sehr gut.
Nach ca. 20 Minuten ins Hörspiel hinein ist meine Fahrt vor unserer Wohnung in Köln leider zu Ende. Durch das etwa einstündige Pendeln zur Arbeit am nächsten Morgen ist meine Zubettgehzeit unverhandelbar. Also schalte ich mit Bedauern den Motor und das Autoradio ab und gehe schlafen. Das Hörspiel um die seltsame Frau Gantner hängt mir aber bis zum nächsten Tag nach, so dass ich bei nächster Gelegenheit im Netz versuche herauszufinden, wie ich es vielleicht als MP3 oder Podcast bekommen könnte. Nach einiger Googelei finde ich ein Forum, in dem Hörspielfans Mitschnitte aus ihren teils sehr umfassenden Archiven untereinander tauschen. Relativ hoffnungslos schreibe ich eine Annonce – schließlich bin ich ein kompletter Newbie dort, das Hörspiel war total obskur und zum Tauschen anbieten kann ich nichts.
Ein paar Stunden später meldet sich ein freundlicher Herr und schickt mir das Hörspiel ohne Gegenleistung über den Upload-Service Rapidshare. Da ich mich so sehr darüber freute, das Hörspiel in den Händen zu halten, schicke ich ihm prompt einen kleinen Amazon-Gutschein. Das macht den User fast verlegen, und er besteht wiederum auf Gegenleistung. Er schickt mir eine Liste seiner gesamten, sehr beeindruckende Hörspielsammlung und ich darf mir aussuchen, was ich davon haben möchte.
Auf der Suche nach dem Hörspiel entdecke ich ich außerdem eine Software namens RadioRecorder, zur Verfügung gestellt vom WDR, die man auf Mitschnitte programmieren kann. Mithilfe dieses Programms baue ich mir in den nächsten Monaten sukzessive selbst eine kleine Sammlung an Krimihörspielen auf, die ich als mp3 abspeichere, auf Audio CDs brenne und auf der Fahrt zur Arbeit entweder in der Bahn über Kopfhörer auf meinem MP3-Player oder dem CD-Player meines Autos höre.
(Angela Heider-Willms)













