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19.04.2021
Alt – aber tut
Für ein Schallplattenprojekt muss ich die Gesamtspielzeit einer Sammlung von mp3-Dateien wissen. Meine naive Vorstellung: Markieren, Rechtsklick und dann wird einem das schon irgendwie angezeigt. Tja. Von wegen! Mac OS wie Windows sträuben sich gegen mein unverschämtes Vorhaben. Erst, nachdem ich in “Groove-Musik”, einem bordeigenen Musikplayer von Windows 10, eine Playlist anlege, wird mir wenigstens in ganzen Minuten die Gesamtspieldauer angezeigt.
Dann erinnere mich daran, auf meinem alten programmierbaren Taschenrechner Sharp PC-1403 beim Batteriewechsel eine Software wiederentdeckt zu haben, der ich den Namen “Spielzeitberechnung” gab. Nachdem ich herausgefunden habe, wie man Programme auf dem alten Rechner startet, leuchtet mir auf der LCD-Anzeige “SPIELZEITBERECHUNG” entgegen. Na, prima!
Zum Aufschreibezeitpunkt kann ich mich nicht mehr ganz genau erinnern, wann ich die Software wofür geschrieben habe. Ich nehme an, dass ich damit entweder die oft auf Schallplatten oder CDs angegebenen Spielzeiten der einzelnen Stücke zusammengerechnet habe, um Mixtapes für das Autoradio in meinen ersten Autos (ab 1988) mit einer Punktlandung bei 45 Minuten je Kassettenseite zusammenzurechnen. CD-Player kamen bei mir erst mindestens 10 Jahre später im Auto an.
Nach dem Programmaufruf gibt man mit einem Punkt getrennt die Spieldauern nacheinander ein und bekommt Summe nach jedem weiteren Titel angezeigt.
Hätte nicht gedacht, dass der Rechner nach so vielen Jahren noch mal zu mehr als aus nostalgischen Gründen zum Einsatz kommt!
(Markus Winninghoff)
08.04.2020
Spielstand beim Hörbuch
Das Kind hat seit der Schulschließung im März ein neues Hobby: es liest. Harry Potter. Da es aber auch sehr gerne zeichnet oder herumrennt oder mit Heißkleber hantiert oder sehr sehr filigrane Dinge aus Fimo oder Modelliermasse herstellt, oft auch wunderschöne Questgegenstände aus berühmten Computerspielen, muss es sich ständig entscheiden, ob es lesen will oder die anderen spannenden Dinge tun.
Die Lösung kommt über Nacht: wir haben Harry Potter Band 5 noch auf CDs. Richtigen CDs. Wir haben auch einen CD-Spieler. Alle sind glücklich, vor allem das Kind. Nun kann es spannende Dinge tun UND Harrys Schicksal weiterverfolgen.
Eines Abends komme ich sehr spät am Zimmer vorbei, Rufus Beck raunt noch immer magische Dinge. “Du musst ins Bett, Kind”, sagte ich, “auch wenn du keine Schule hast.” – “Ich weiß”, murmelt das Kind. Und dann zückt es schlaftrunken sein Smartphone, fotografiert das Display des CD-Players, macht die CD aus und dreht sich endgültig zur Wand.
“Warum hast du das gemacht?”, frage ich das Kind.
“Falls ich morgen die Heißklebepistole brauche und den CD-Player ausstecken muss.”
Ich erkenne den Zusammenhang erst nach einer Minute. Der CD-Player merkt sich die Stelle, an der er die CD abgespielt hat nur so lange, wie er eingesteckt bleibt. Steckt man ihn aus oder nimmt man die CD heraus, weiß er nicht mehr, wo er war.
Mit Hilfe des Fotos kann das Kind aber jederzeit zumindest an die Stelle vom vorigen Abend zurückspringen. Oder eben an die Stelle, die es zuletzt fotografiert hat.
Die langfristige Lösung war dann der Kauf einer Doppelsteckdose für diese Ecke des Zimmers.
(Pia Ziefle)
Von 2003 bis 2011
Audiovisuelles Tanzgedächtnis
Ähnlich wie beim Gebärdenesprache-Lernen hat auch das Erlernen und Üben von Gesellschaftstanzfiguren und -choreographien das Problem, dass bloßes Aufschreiben der Figuren Gefahr läuft, im Laufe der Zeit essenzielle Aspekte verloren gehen zu lassen.
Auch hier greifen wir also (schon einige Jahre früher) zu Videoaufnahmen als Behelfsmittel; wir tun uns mit einem befreundeten Tanzpaar zusammen, benutzen einen großen Raum am Arbeitsplatz meiner Schwiegermutter und verbringen nach jedem der mehrwöchigen Kurse ein paar Stunden damit, unsere Tanzfiguren aufzuzeichnen, wobei wir die passende Musik auf einem mitgebrachten CD-Player abspielen. Der Vollständigkeit und der Ausführungsvarianz halber nehmen wir alles zweimal auf, einmal mit uns und einmal mit dem befreundeten Tanzpaar.
Eine Hälfte des besagten Tanzpaares macht uns dann nach zwei Jahren aus den gesammelten Videos sogar eine DVD mit Menuführung und allem Drum und Dran (wobei sich in der Praxis herausstellt, dass die Dateien einfach auf der Festplatte zu haben deutlich einfacher wäre) und hat das auch mit der zweiten Hälfte vor, das passiert dann aber leider doch irgendwie nie.
(Lukas Daniel Klausner)

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30. Januar 2018
Was tun mit der CD?
Ich bin zu Gast beim Deutschen Musikrat und bekomme unter anderem eine CD ausgehändigt. „Falls Sie die verwenden können“, sagt mir der Gesprächspartner und meint vermutlich eher den Inhalt.
Dabei klingt das Cover ganz gut, es sind klassische Stücke von Schubert und Co. Mein Verwendungsproblem ist eher ein Abspielgerät. Ich habe keines mehr. Mein Apple-Rechner ist schon der zweite ohne CD-Laufwerk, das externe Laufwerk funktioniert nicht mehr am Macbook 12″, einen CD-Player zuhause habe ich auch schon seit vielen Jahren nicht mehr und das letzte brauchbare Abspielgerät, ein DVD-Player, ist auch schon seit einigen Jahren nicht mehr vorhanden.
Im Büro herrscht ebenfalls Ratlosigkeit. Kein Abspielgerät, nirgends. Dann fällt der Kollegin ein: „Mein Auto hat einen CD-Schacht!“ Ich schenke ihr die Silberscheibe.
(Johannes Mirus)
2017
Haushaltstechnik 2017, Großbritannien
Haushaltstechnikerfassung im schottischen Haushalt von Aleks. Was es nicht gibt: Fernseher, Desktop-PC, Festnetztelefon.
Das Internet kommt durch ein Kabel ins Haus. Der von British Telecom gestellte Router erzeugt daraus WLAN, das nicht bis zur Küche reicht.
Daran ändert auch das WLAN-Verlängerungsgerät in einer Steckdose auf halbem Weg nichts.
Für das Foto habe ich den Schalter an der Steckdose betätigt, damit niemand glaubt, die WLAN-Verlängerung scheitere nur am nicht fließenden Strom. Die meisten britischen Steckdosen haben solche Schalter. Der Grund dafür ist in Vergessenheit geraten. Hier kann man eine Erklärung nachlesen. (Die Kurzfassung: Früher war so ein Schalter nützlich, weil es bei Gleichstrom beim Rausziehen des Steckers zu einem Lichtbogen kommen konnte. Es war also sicherer, erst den Schalter umzulegen und dann den Stecker zu ziehen. Später, nach der Umstellung auf Wechselstrom, hatten sich in Großbritannien alle an den Stecker gewöhnt und verlangten ihn weiterhin, weil sie ihn praktisch fanden. In welcher Hinsicht er praktisch ist, steht in der Erklärung nicht.)
Alle elektrischen Leitungen sind voriges Jahr neu verlegt worden, weil ihre Vorgänger alt, textilummantelt und brandgefährdet waren. Seitdem gibt es auch einen neuen Sicherungskasten.
Vom alten Sicherungspanel existiert leider kein Foto. Es seien aber Glühfäden im Spiel gewesen.
Nur auf dem Dachboden sind noch Reste der alten Elektroinstallationen zu sehen:
Mit diesem noch ziemlich neuen Gerät kann man CDs abspielen und theoretisch auch Radio hören, was aber noch nie vorgekommen ist. Der Lautsprecher ist eingebaut.
Theoretisch wohl funktionsfähiger, aber nie benutzter Kamin, davor eine Sperrholzplatte, damit es nicht so zieht. Holz kostet in diesem waldarmen Land Sammlerpreise, außerdem hat Aleks kein Interesse an offenem Feuer im Wohnzimmer.
Rechts im Bild ein elektrischer Heizkörper, 2000 Watt. Er wird im Winter gelegentlich als Notheizung eingesetzt, weil er schneller reagiert als die regulären Heizkörper, deren Gastherme eine eigene Kammer bewohnt:
Von der Straßenseite kommt das Gas ins Haus. Wenn anderswo im Haus jemand das warme Wasser aufdreht, hört man hier den Gaszähler ticken.
Das Handtuchtrocknungsgestell im Bad hat keine Verbindung zum aktuellen Heizungssystem. Über seine Vorgeschichte ist nichts bekannt.
Das Licht im Bad schaltet man durch Ziehen an einer Schnur ein. So ist es vorgeschrieben in Großbritannien: entweder muss der Lichtschalter außen sein oder durch eine Schnur betätigt werden. Bis zur Renovierung des Bades gab es an der Wand außerdem noch einen elektrischen Heizstrahler, ebenfalls mit Schnur.
Der Herd, ein Creda Hallmark, könnte aus den 1970er Jahren stammen. Die Heizspirale rechts hinten funktioniert. Wenn man die anderen drei, den Grill (im oberen Fach) oder das Backrohr (unteres Fach) zu benutzen versucht, fliegt die Sicherung raus. Mit dem Schalter an der Wand lässt sich die Stromzufuhr zum Herd ein- und ausschalten.
Das alte Schalterpanel ist wegen seiner Schönheit erhalten, aber an nichts mehr angeschlossen.
Links vom Herd steht die Waschmaschine, neu angeschafft 2014, ohne Timer. “Es war die zweitbilligste bei Argos.” Argos ist eine britische Ladenkette, in deren Filialen es nur einen laminierten Katalog zu sehen gab. Man wählte in der Filiale aus dem Katalog aus und gab seine Bestellung dann an einem Tresen auf. Diese Waschmaschine allerdings wurde online bestellt, denn die Argos-Filiale in St Andrews existiert schon seit 2013 nicht mehr. “We’re never too far away”, warb ein Poster im Fenster der schließenden Filiale, und verwies auf die regular bus services nach Dundee, Cupar und Leven. Die drei Orte sind aber eigentlich schon eher weit entfernt, und zum Internet braucht man nicht mit dem Bus zu fahren.
Die Mikrowelle ist so alt, dass sie sich nicht googeln lässt.
Früher stand sie im Observatorium der Universität St Andrews, aber dort wird sie nicht mehr gebraucht und würde wohl auch die jährlichen technischen Prüfungen nicht überstehen.
Der kleine Kühlschrank wird im Winter ganz abgeschaltet, denn die Küche ist dann selbst kaum wärmer als das Innere eines Kühlschranks. Er enthält pro forma ein winziges Gefrierfach, an dem sich auch Eiskristalle bilden. Speiseeis muss man trotzdem sofort aufessen, am nächsten Tag ist es flüssig. Obendrauf ein Wasserkocher.
(Kathrin Passig)