"Die Demonstranten, die in Athen protestierten und im FrĂŒhjahr 2011 den Tahrir-Platz in Kairo besetzten, inspirierten Menschen in der ganzen Welt. Den Anfang machten Jugendliche in Spanien und Israel. Aus der Besetzung des Zuccotti-Parks nahe der Wallstreet in New York im September leitet sich der Name fĂŒr eine neue Bewegung ab: Occupy. Sie verzichtet bislang auf Forderungskataloge im Unterschied zu Globalisierungskritikern und traditionellen Linken. Die Bewegung ist zumindest in den USA und Spanien anarchistisch beeinflusst. Statt einer sozialdemokratischen Einhegung des Kapitalismus stehen der direkte Anspruch auf Gebrauchswerte und eine direkte Demokratie im Vordergrund. Anstelle des Gipfelhopping der Globalisierungskritiker engagieren sich spanische âEmpörte" ebenso wie Occupy in den USA in AlltagskĂ€mpfen: gegen den Abbau von Gesundheitszentren und Bildung, gegen Polizeiterror gegen illegale Einwanderer (Spanien), gegen ZwangsrĂ€umungen und Zwangsversteigerungen von HĂ€usern, fĂŒr Gewerkschaftsrechte (USA). Ihre Methoden sind die direkte Aktion und der zivile Ungehorsam. Das sind erfreuliche Aspekte. In Deutschland dagegen beschrĂ€nkte sich Occupy aufs Zelten, obskure Gruppen wie die Zeitgeist-Bewegung und die marktradikalen AnhĂ€nger der Zinstheorien Silvio Gesells mischen mit. Occupy pflegt wie viele Linke und Globalisierungskritiker einen regressiven Antikapitalismus. Dazu gehören falsche Vorstellungen von einem Gegensatz zwischen Finanzkapital und âRealwirtschaft" und dass gierige Banker und Börsianer fĂŒr alle Ăbel der Welt verantwortlich wĂ€ren, was einem verbreiteten Unbehagen in der Bevölkerung entspricht und nach rechtsauĂen anschlussfĂ€hig ist. Praktisch drĂŒckt sich das in Camps im Frankfurter Bankenviertel oder an der Wallstreet aus. Der Anthropologe David Graeber verstellt eine stringente Kritik des Kapitalismus schon im Ansatz, insofern er die Marxsche Werttheorie verwirft. Stattdessen entwickelt er konfuse Vorstellungen ĂŒber Schulden und Schuldenerlass. Geben-und-Nehmen in Familie, Nachbarschaft, Dorf und Stadtviertel gilt ihm als Kommunismus und zusammen mit Warentausch und Hierarchien als Basis menschlichen Zusammenlebens. Solche VerklĂ€rungen schĂ€tzt das bĂŒrgerliche Feuilleton und feiert Graeber als Mastermind der Bewegung. In dem Vortrag sollen die Occupy-Bewegung und ihre lĂ€nderspezifischen AusprĂ€gungen, Aktionen und Strukturen skizziert und die Diagnosen und Perspektiven der Bewegung, ihrer Vertreter und Bezugspersonen kritisch analysiert werden." (Quelle & Text: http://audioarchiv.blogsport.de/2012/... )












