Das okkupative Denken
Oder: die Entstehung der Cannabis Ruderalis
Eine alte Frau ging einmal friedlich die Straße runter, um neben Lastern und vermüllten Büschen eine Dhalie zu pflanzen. Und während sie so den Müll einsteckt und ein paar verkommene Lavendelpflanzen herausrupft, donnert ein Polizeiauto mit viel Tatü-Tata daher. Der Boss der Bosse, der Xerxes des Polizeiunternehmens, steigt aus, flüstert seinen Kollegen etwas ins Ohr („der Feind“), entsichert seine Walther und drückt der Oma sieben symbolische 9mm-Kugeln irgendwo zwischen Frontallappen und Hypothalamus. Vor einem aufgewühlten Häufchen Erde schwillt das Blut in ein kleines Tal. Während die Polizei-Studentin daneben zu grübeln beginnt „war das mit dem roten Ozean gemeint?“, schreit der Oberpolizist laut auf „Seht ihr!“. Aber das verdunkelnde Rot streicht nicht im Ansatz die Wände dieses Beetes neu. Tausend Jahre vergehen, bis endlich, dahergebracht von einem Vogel, die rechte Pflanze diesen Fleck bewächst. Eine kaum bemerkte Cannabis Ruderalis. Übrigens die erste Pflanze für die sich Toben, ein Nachfahre der alten Frau, das erste Mal in seinem Leben, interessiert. In seiner Welt kennt man die Worte Hanf und Cannabis nicht. Nur der jüngste Polizist konnte nie den Tag vergessen, an dem sein Chef das Wunder einer goldroten Elster mit einer alten Frau verwechselt hat und so den Lauf der Pflanzen um ein Jahrtausend verzögerte.
keinjournalist 16:23 06.01.2022













