âNot since the UN partitioned Palestine in 1947 against the will of the indigenous people, setting the stage for 80 years of Nakba, has the UN acted in such a baldly colonial way, and trampled so recklessly on the rights of a people.â
Craig Mokhiber,
International human rights lawyer and former senior United Nations Official
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Mit seinem Kurs der militÀrischen HÀrte zerstört Israel nicht nur die palÀstinensische Existenz, sondern gefÀhrdet auch die eigene. Eine Kol
Kolumne Berliner Zeitung 22.9.2025
Weg ins Verderben. Wie Netanjahu sein Land international isoliert.
Mit seinem Kurs der militÀrischen HÀrte zerstört Israel nicht nur palÀstinensische Existenz, sondern gefÀhrdet auch die eigene. Eine Kolumne.
Israel unter Benjamin Netanjahu marschiert sehenden Auges in die selbstverschuldete Isolation. Diplomatie? Zeitverschwendung. US-PrĂ€sident Donald Trump und Deutschland hat man in der Hand, alle anderen sind âAntisemitenâ, âIsraelhasserâ oder âVerrĂ€terâ. Verhandlungen? Unnötig. Wozu Kompromisse schlieĂen, wenn man alles mit Gewalt erreichen kann. Sicherheit? Gibt es nur made in Israel â im Alleingang und mit militĂ€rischer HĂ€rte.
Diese Haltung ist nicht neu, aber so offensichtlich wie nie. WĂ€hrend man den VerbĂŒndeten frĂŒher mit Floskeln, Lippenbekenntnissen oder Schweigen half, die Augen vor der RealitĂ€t zu verschlieĂen, sagt diese Regierung offen, was sie vorhat und arbeitet konsequent an der Umsetzung: palĂ€stinensische Lebensgrundlagen in Gaza zerstören, möglichst viele Menschen vertreiben, das Gebiet wiederbesetzen und besiedeln, die Westbank annektieren, einen palĂ€stinensischen Staat verhindern, ein jĂŒdisch-suprematistisches GroĂ-Israel vom Jordan bis zum Mittelmeer errichten und Drittstaaten bombardieren, wann immer man das fĂŒr nötig hĂ€lt. Ăbersetzt in humanitĂ€res Völkerrecht heiĂt das: Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Genozid.
Diplomatische Lösungen sind nicht erwĂŒnscht, denn Geiselabkommen, Waffenstillstand und Zwei-Staaten-Modell stören die PlĂ€ne der messianischen Siedler und Ethnonationalisten, die Israel zu einem faschistischen Apartheid-Staat machen wollen. Dabei handelt es sich nicht um ein paar radikale Spinner, sondern die derzeit dominierende politische Kraft des Landes, lĂ€ngst besetzen sie staatliche SchlĂŒsselpositionen in Politik, Polizei und Geheimdiensten.
Zehntausende Kritiker im eigenen Land und die Angehörigen der Geiseln werden ignoriert, was fĂŒr Netanjahu zĂ€hlt, ist der eigene Machterhalt. âWir gegen den Rest der Weltâ lautet das Credo seiner Koalition â und genau damit fĂŒhrt sie Israel ins Verderben. Denn Sicherheit gibt es nur durch VerstĂ€ndigung und Gleichberechtigung, sie lĂ€sst sich nicht einseitig herbeibomben, weder in Gaza und in der Westbank noch in Syrien, Qatar, im Libanon oder Jemen.
Selbst wenn man alle Hamas-FĂŒhrer ermordet, werden neue nachwachsen, solange die Besatzung anhĂ€lt. Staaten wie Syrien, Libanon und Jemen zu destabilisieren, macht die Region nicht sicherer, sondern unsicherer. Die Machthaber am Golf zu brĂŒskieren, wird sie von den USA entfremden und weitere Abraham-Abkommen verunmöglichen. Warum sollten sie mit milliardenschweren Waffendeals amerikanische Sicherheitsgarantien erkaufen, wenn Trump seinen Freund Netanjahu nicht mal von einem Angriff auf Katar abhalten kann? Warum Beziehungen zu einem Israel aufnehmen, das die Völker und LĂ€nder der Region dominieren möchte? Und auch wenn Europa nicht mit einer Stimme spricht â abgesagte WaffengeschĂ€fte, gezielte Sanktionen und weniger Handel machen sich in Israel bemerkbar.
Netanjahu schwört seine Landsleute deshalb auf Isolation ein, trĂ€umt von âSuper-Spartaâ, fordert âSelbstversorgungâ und âradikale Deregulierungâ, denn das Leben sei wichtiger als das Gesetz. Was er damit meint? Weniger Rechtsstaatlichkeit, eine Militarisierung der Gesellschaft und freiere Hand beim Geldausgeben â fĂŒr Waffen, Siedlungen und neue SchulbĂŒcher.
Deutsche Politiker und Medien machen sich derweil im In- und Ausland und selbst in Israel lĂ€cherlich, indem sie noch immer Netanjahus Behauptungen nachplappern â die Propaganda einer Kriegspartei, die seit 23 Monaten von unabhĂ€ngigen Menschenrechtsorganisationen, internationalen Gerichten, UN-Gremien, israelischen Journalisten und sĂ€mtlichen humanitĂ€ren Hilfsorganisationen widerlegt wird.
Wer die Mittel hat, aber nichts tut, um einen Genozid abzuwenden, wird zum Komplizen. Deutschland und seine Politiker werden sich dafĂŒr vor Gericht verantworten mĂŒssen. Die erste Anzeige gegen sieben Politiker und vier RĂŒstungsmanager liegt bereits bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Und weder das Völkerrecht noch das Grundgesetz kennen eine StaatsrĂ€son, der zu folge man einen anderen Staat ins Verderben begleiten muss.