26. Meeresumwelt-Symposium [Tag 2]
Wie geht es dem Meer und wie geht es weiter?
Die erste Hälfte des zweiten Tages beschäftigten sich die Referenten intensiv mit dem Thema Naturschutz. Sie stellten ihre Beobachtungen der Meeresfauna vor. Dass zum Beispiel in der Nordsee nicht alle seltenen Arten auf der Roten Liste stehen und nicht alle Rote-Liste-Arten selten sind. Außerdem wird derzeit der Einfluss von anthropogenen Strukturen im Meer untersucht. Erste Ergebnisse zeigen, dass die meisten Basstölpel die nördlichen Offshore-Windparks bei Helgoland auf ihren langen Nahrungsflügen meiden. Ins Meer eingebrachte Betonsteine zum Küstenschutz haben eine Verschiebung der Häufigkeiten zur Folge. Sie locken tagsüber größere Fische und Krebse an während die kleineren Arten eher fern bleiben. Generell verringert sich die Zahl der wirbellosen Meerestiere um diese Betonsteine.
Das soll aber in Zukunft alles besser werden! 2014 wurde auf EU-Ebene eine Richtlinie zur Meeresraumordnung (MRO) verabschiedet, die momentan in Deutschland umgesetzt wird. “Überall wo menschliche Nutzung ist, soll auch Umweltschutz geschehen”. Viele Punkte der Richtlinie sind bereits Teil der deutschen Raumordnung, aber nun kann ein Schulterschluss innerhalb der EU passieren. Die MRO berücksichtigt Ökosysteme sowie die Bewegungen der Meerestiere, die in der Vergangenheit oft vernachlässigt wurde. Im Gegensatz zur Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie vereint die MRO mehrere Bereiche wie Transport und Energie und nicht nur die Umwelt.
An welchem Punkt ist die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) überhaupt? 2020 ist nicht mehr weit hin und bis dahin sollen die Meere in einem guten Umweltzustand sein. 2008 ist die Richtlinie der EU in Kraft getreten. Es fand eine Anfangsbewertung der Meere statt. 2012 wurden die Umweltziele formuliert. Ein intensives Monitoringprogramm entwickelt und durchgeführt. Das Bundesumweltministerium hat letztendlich einen Maßnahmenkatalog entwickelt mit 31 Maßnahmen für die verschiedenen Umweltziele. Schwerpunkte sind hier der Meeresmüll, Unterwasserlärm und der stoffliche Eintrag. Kritik gibt es allerdings von Umweltverbänden, denen die Maßnahmen nicht weit genug gehen, sowie von der Wirtschaft bezüglich der Kosten und der Machbarkeit. Für die Referatsleiterin des Bereiches Meeresschutz heißt das, sie habe alles richtig gemacht, denn so sei es definitiv ein Kompromiss. Bis zum Ende des Jahres werden die Maßnahmen nun ausgearbeitet, sodass sie konkrete Vorgaben geben. Dann sollten sie bis 2020 durchgeführt werden.
Ein Beispiel für Fortschritt bezüglich der Maßnahmen ist der Plastikmüll in den Meeren. Nach dem die Bundesregierung diesen Punkt als einen der wichtigsten angesprochen hat gab es eine positive Entwicklung. Zwar ist die Situation weiterhin dramatisch: Seevögel bauen inzwischen ihre Nester hauptsächlich aus Müll - 94 % toter Eisvögel haben Plastik im Magen. Aber Plastik in der Meeren findet Einzug auf den deutschen Lehrplänen. Auch die Primärquellen konnten bereits reduziert werden. Zahnpasta wird inzwischen ohne Mikroplastik hergestellt. Fortlaufend wird aktiv Müll aus den Meeren und von den Küsten eingesammelt, Abwässer besser gefiltert.
Ebenfalls weiter auf dem Vormarsch ist die Forschung zum umstrittenen Sea-bed mining - die Entnahme von Manganknollen, die seltene Metalle für z.B. die Elektrotechnik enthalten. Diese befinden sich in einer Tiefe von 4000-6000m auf dem Meeresboden und sind im Laufe von Millionen von Jahren entstanden, also kein (schnell) nachwachsender Rohstoff. Deutschland besitzt wie weitere größere Staaten Lizenzgebiete auf hoher See für den Abbau dieser Knollen. Damit sind sie aber auch verpflichtet zunächst eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen. Nur wenn die Habitate nach dem Abbau wieder natürlich besiedelt werden gibt es eine Genehmigung. Momentan gibt es noch keine erprobte Abbautechnik für Sea-bed mining, alles bisher nur auf dem Papier und in Modellen. Der erste Pilot soll 2019 starten. Erste Untersuchungen der Fauna zeigen, dass um die Manganknollen eine sehr hohe Diversität besteht. Es wurden schon tausende Arten beobachtet, von denen 90 % noch unbekannt waren. Eine Entnahme der Knollen wird die vorherrschende Fauna mindestens 10 Jahre lang beeinflussen durch Habitatzerstörung, Materialentnahme und aufgewirbelte Sedimente.
Über den Vortrag zu den überraschenden Pottwal-Strandungen im Frühjahr dieses Jahres blogge ich morgen. Die interessanten Ergebnisse sind einen einzelnen Beitrag wert.


















