Heute vor sieben Jahren
An einem ziemlich heissen 9. August, und zwar 2015. Aufgenommen dort, wo das Hors Tribu und der Absinth zu Hause sind, im Val-de-Travers in Môtiers nämlich.

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Heute vor sieben Jahren
An einem ziemlich heissen 9. August, und zwar 2015. Aufgenommen dort, wo das Hors Tribu und der Absinth zu Hause sind, im Val-de-Travers in Môtiers nämlich.

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Der Schreiberlinge Manifest
Hoffentlich hilfreich-imperativische Gedanken zum Schreiben von Mensch Meyer
Lies!
Achte jede Silbe!
Gebrauche gewöhnliche Worte, um ungewöhnliche Dinge zu erzählen!
Höre auf das Geschwätz der Leute, es ist nicht immer nur Geschwätz!
Sei diszipliniert, ein Plan gelingt nur mit Plandisziplin!
Ehre den Gedanken und die Sprache, vergiss die Meinungen!
Hüte dich vor sinnlosen Ichs und sorge dafür, dass jedes Element im Text (s)eine Funktion erfüllt!
Die Wahrheit ist: Nichts ist wichtig!
Die Wahrheit ist auch: Alles ist wichtig!
Am Ende entscheidend ist: Deine Texte werden gern und gut gelesen!
Ein Bleistift auf der Wand (beim Rundkino an der Prager Strasse in Dresden im Sommer 2020)
Keine gewöhnliche Entdeckung: Orakel zum Welttag des Buches
Ein Orakel offenbart Antworten auf Fragen, die in aller Regel die Zukunft betreffen. Das braucht auch nicht gleich das Orakel von Delphi oder der altägyptische König der Götter Amun zu sein, Bücher können das nämlich auch! Zum heutigen Welttag des Buches eine Anregung:
Man nehme ein beliebiges Buch, schlage Seite 5 auf und lese den 5. Satz. Ganz ähnlich wie berühmte Orakelsprüche werden Fragen beantwortet und der Raum für Interpretationen (und weitere Fragen) geöffnet. Zum Beispiel:
1. Wie wird sich die Liebe entwickeln?
«Dies war keine gewöhnliche Entdeckung.» 1
2. Wie wird sich meine Gesundheit entwickeln?
«Genaugenommen wohnte Konrad Lang nicht in der Villa, sondern in einem Pförtnerhäuschen, einem kalten, feuchten Maueranbau im Schatten des Pinienwäldchens, das die Einfahrt säumte.» 2
3. Welche Aussichten habe ich im Beruf?
«Der hoffnungsvolle Dichter schrieb unter der Bank gerade sein achtes Gedicht, Lehrer Ondráš erwischte ihn dabei, nahm das Heft an sich, schlug es Hugo um den Kopf, überlas flüchtig die Verse seines Schülers und sagte: [...]» 3
4. Wie werden sich meine Finanzen entwickeln?
«Sie müssen mir aufmerksam zuhören.» 4
5. Wie wird meine Zukunft ganz generell aussehen?
«Diese Nacht, diese Worte, dann die gestellten Fragen und die Antwort auf diese Fragen – nun wird sich alles für alle Menschen so sehr ändern, dass sie sich selber nicht wiedererkennen werden, aber vorerst ändert sich nichts; alles bleibt so ruhig, so aussergewöhnlich ruhig über dem Wasser mit der nahenden Dämmerung, und vor ihrer schönen weissen Farbe raucht der Kamin eines grossen Schiffes, das man nicht sieht.» 5
Die Bücher
1 «Das Tagebuch von Edward dem Hamster, 1990 – 1990», von Miriam Elia & Ezra Elia, Fischer Taschenbibliothek 2017
2 «Small World» von Martin Suter; Diogenes Taschenbuch, 1999
3 «Maiandacht» von Ota Filip, Fischer Taschenbuchverlag, 1980
4 «Die Zeitmaschine» von H. G. Wells, Diogenes, 1974
5 «Sturz in die Sonne» von C. F. Ramuz, Limmat Verlag, 2023
Eines Nebelmorgens am Stadelhofen: Badeentchen, die als Werbetragende herhalten müssen. Es ist früh, ich warte auf Tante Frieda, super busy Businessmenschen warten drauf, am Rad zu drehen.
Der See glitzert im Nebelgrau.
Dadadialoge
oder
OTPoesie
Dadaisten hätten vielleicht auch Einwegpasswörter abgelehnt, hätte es die 1916 schon gegeben. Die OTPs, nicht die Dadaisten. Die gabs schon, 1916 haben sich Emmy, Hugo, Hans und Co. nämlich im Cabaret Voltaire zusammengesetzt und an allem gezweifelt.
Wie das damals wohl so klang? Wohl so:
Sigukuce, wrabiprume! Slamutruki, hepaspubri? Mafripijic. Freclugi? Beswuhicra bujethecra. Pehechasw? Hiswitus ...
Mehr zu Dada beim Cabaret Voltaire: Cabaret Voltaire – Geburtsort von Dada in Zürich. Ein Überblick von Laura Sabel

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«Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schrieb», hielt Khalil Gibran einst fest. Daran denke ich oft, wenn ich zwischen mächtigen Stämmen wandle und meinen Blick an ihnen hochwandern lasse. Und dann stelle ich mir vor, wie sie selbst anfangen zu wandeln, so wie Tolkiens Ents in Fangorn. Und dann wird mir klar: Sie tun das schon. Nur halt so gemächlich, dass ein Menschenleben nicht ausreicht, um auch nur einen ihrer Schritte zu sehen.
H _ _ _ _ _ _: Ein Wintermärchen
«This time tomorrow reckon where I‘ll be» Tom Dooley
Hangman, ein ganz passabler Zeitvertreib für Zwischendurch. Auch wenn man am Ende bisweilen am Galgen baumelt. Aber es kann auch ganz anders kommen und zum Beispiel ein ganz wunderbares Wintermärchen daraus entstehen. Und das geht so:
Sultan Sikīms Wintermärchen
Als Sultan Sikīm eines sonnigen Tages seinen kunterbunten Kaftan hervorholte, hatte er plötzlich grosse Lust auf Kichererbsen, Tahine und grosse, süsse Datteln. Das alles gab es hier im hohen Norden aber nicht und so stützte er seinen Kopf in seinen Händen ab und dachte nach. Er dachte so lange nach, bis ihm der Kopf rauchte (wären Computer und das Internet schon erfunden gewesen, hätte Sultan Sikīm bei einem der zahlreichen Onlineshops bestellt). Schliesslich zündete er seine Pfeife an und hatte sich schon fast damit abgefunden, auf die Köstlichkeiten verzichten zu müssen, als ihm der alte Teppich einfiel, den er in Pookies Schrank gefunden hatte. Rasch inspizierte er den Teppich, holte Nadel, Faden und Zwirn und machte sich daran, die alten Zaubersprüche zu sticken, an die er sich noch erinnerte. Das Schwierigste war, die geflügelte Kakerlake so zu sticken, dass ihre Flügel die Fransen berührten und die Augen in der Mitte des Teppichs lagen. Sultan Sikīm murmelte unaufhörlich Beschwörungen und Zauberformeln und verstummte erst, als der letzte Stich getan war. Mit dem Zerreissen des Fadens erhob sich der Teppich zitternd in die Luft. Der Sultan freute sich und war gleichzeitig besorgt, denn der Teppich war alt und würde sein stattliches Gewicht nicht transportieren können. Und so rief er nach seinem Lieblingswollschaf, einem kleinen, zarten, das so zutraulich geworden war, dass selbst der treueste Hund nicht mit ihm mithalten konnte, und machte es mit dem Teppich vertraut. Nebenbei schrieb er in zierlich-geschwungenen Buchstaben eine Nachricht, versiegelte das Couvert und hiess das Schaf, bis zum Reich der Sengenden Sonne zu reisen und Al-Matha den Brief zu überreichen. Das Schaf meckerte und schaute den Sultan aufgeregt an. Es hielt das Couvert fest in seinem Maul als es sich breitbeinig auf den Teppich stellte, der sich inzwischen zu Boden hatte gleiten lassen und sich nun erst langsam und dann immer und immer schneller hoch in die Lüfte schwang. Sultan Sikīm winkte auch dann noch, als Teppich und Schaf längst nicht mehr zu sehen waren.
Drei Tage und drei Nächte später hörte der Sultan ein vertrautes Blöken und schon bald landete der Teppich mit dem Schaf, das in feine Tücher gehüllt worden war und mit Stolz umherschaute, direkt neben dem Sultan. Er war gerade in eine Partie Wurfzabel vertieft gewesen, liess nun aber Steine und Würfel fallen, um die Heimkehrer zu begrüssen. Neben Schaf und Tuch hatte der Teppich auch Kichererbsen, Tahine und grosse, süsse Datteln mitgebracht. Und noch einige andere Köstlichkeiten, die der Sultan zum Feste in der Schneebar auftragen liess, zu dem er zur Feier des Tages geladen hatte. Das Lieblingswollschaf hat sich übrigens nicht mehr von seinem kostbaren Tuch getrennt.
Sultan Sikīm: Wer ist das?
Sultan Sikīm ist eine literarische Figur aus dem Land der Sengenden Sonne, der einst in das Land des Ewigen Eises kam, und zwar wegen einer Prophezeiung. Zum Leben erweckt von Janine Meyer, also von mir.
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«Ez isch ere chli schlecht»
Auf dem Tonband: Fast 90 Minuten dicht gepackte Lebenserinnerungen und Schreiberfahrungen, die transkribiert werden wollen. In der 41sten Minute dann Würgegeräusche, dem Hund gehts offensichtlich nicht besonders.
Ich so (betont kontrolliert): «Ez isch ere chli schlecht.»
Die Interviewpartnerin (unaufgeregt): «Vilich isst sies de wieder.»
‹Bloss nicht›, denke ich. ‹Wer weiss, ob ich dann mein Essen bei mir behalten kann?›
Erinnerungen beim Schreiben über das Aufschreiben von Erinnerungen.
Ein Blick aus dem Fenster der Interviewpartnerin.
Der Hund hat das Erbrochene übrigens nicht wieder aufgegessen und ich konnte mein Essen auch bei mir behalten.