Mai 2023
Langer zĂ€her Beitrag ĂŒber eine lange zĂ€he Auseinandersetzung mit den Nahverkehrs-Apps der BVG
Ich habe Besuch, den ich vom Bahnhof abholen will. Deshalb fahre ich zum ersten Mal seit vor der Pandemie mit der Berliner S-Bahn. In der "BVG Ticket"-App, die ich (nach anfĂ€nglichen Schwierigkeiten) 2018 und 2019 gern benutzt habe, ist noch meine alte Bankverbindung als Bezahlverfahren eingetragen. Der Versuch, der App die neue beizubringen, fĂŒhrt nur zu einer Fehlermeldung des Zahlungsanbieters Logpay.
Macht nichts, ich habe gesehen, dass man auch in der "DB Navigator"-App Tickets fĂŒr den Berliner Nahverkehr kaufen kann, und kaufe damit ein Vier-Fahrten-Ticket. Ich werde gefragt, ob das erste der vier Tickets gleich aktiviert werden soll und bestĂ€tige.
Am Bahnhof mĂŒsste ich das zweite der vier Tickets aktivieren, um mit meinen abgeholten GĂ€sten (fĂŒr die diese Fahrt in ihrem Bahnticket inbegriffen ist) zurĂŒckzufahren. Aber ich finde die drei verbleibenden Tickets nirgends in der App. Ich suche und fluche ein paar Minuten lang, gebe dann auf und kaufe mir ein neues Einzelticket in der Bahn-App.
SpĂ€ter, mit mehr Ruhe, suche ich weiter danach. Weil es mir nicht gelingt, meine drei bezahlten Tickets wiederzufinden, google ich schlieĂlich und erfahre, dass man sie nur sehen kann, indem man nach der zu fahrenden Strecke sucht und so tut, als wolle man ein neues Ticket kaufen. Dann gibt es nach einigen Schritten die Option, null Euro zu bezahlen. Dahinter verbirgt sich der nĂ€chste Teil des Mehrfahrtentickets. Intuitiv geht anders, aber ich verstehe auch, dass es fĂŒr die Bahn nicht einfach sein kann, die Spezialticketangebote aller regionalen VerkehrsverbĂŒnde zu integrieren.
Mit einer neuen Ticketkauf-App könnte mein Leben einfacher sein, denke ich. In den letzten Wochen habe ich offline und online Werbung fĂŒr "Jelbi" gesehen, eine neue App der BVG, mit der man nicht nur Tickets fĂŒr die öffentlichen Verkehrsmittel lösen, sondern auch Leihfahrzeuge ausleihen können soll. Ich installiere Jelbi und gebe meine Daten ein.
Bis zur nĂ€chsten U-Bahn-Fahrt mit den GĂ€sten bin ich damit noch nicht fertig. Deshalb ziehe ich ein Viererticket aus einem BVG-Automaten und bezahle kontaktlos mit der Karte. Das dauert anders als frĂŒher nicht mehr mehrere Minuten, sondern alles in allem inklusive Entwerten der vier Tickets vielleicht dreiĂig Sekunden. Es ist so bequem, dass ich kurz darĂŒber nachdenke, doch wieder zu Papiertickets zurĂŒckzukehren.
Aber vielleicht wird mit der Jelbi-App ja alles noch viel besser werden. Man kann in der App zwischen drei Bezahlverfahren auswÀhlen: Lastschrift, PayPal und Kreditkarte. Ich wÀhle als Lastschrift, suche meine Bankdaten heraus, trage alles ein und bekomme eine Fehlermeldung.
Hier fehlt eine Abbildung der Fehlermeldung, weil die Ă€uĂerst sicherheitsbewusste App Screenshots unterbindet.
Im zweiten Versuch trage ich als Bezahlverfahren PayPal ein. Nachdem ich mich bei PayPal eingeloggt und 2-Faktor-authentisiert habe und so weiter, passiert nichts. In der Jelbi-App ist weiterhin kein Bezahlverfahren hinterlegt.
Ich mache alles noch mal, mit demselben Ergebnis.
Ich trage meine Kreditkarte als Bezahlverfahren ein und erhalte dieselbe nichtssagende Fehlermeldung wie beim Lastschriftverfahren.
Ich gebe auf und installiere eine weitere App der BVG, mit der man angeblich auch Tickets kaufen kann. Sie setzt aber genau wie die anderen beiden auf den Zahlungsdienstleister Logpay, so dass ich den Plan gleich wieder aufgebe.
SpÀter lese ich im Play Store Bewertungen der Jelbi-App und finde heraus, dass viele andere dasselbe Problem mit den nicht akzeptierten Bezahlverfahren haben. Und zwar schon seit mindestens einem Jahr. Die BVG reagiert auf alle diese Beschwerden mit der Aufforderung, man möge sich doch direkt an Logpay wenden, damit die das Problem beheben können, telefonisch.
Ich sehe auf der Kundenserviceseite von Logpay nach, ob das Problem vielleicht bekannt ist. Es wird nirgends erwĂ€hnt, aber dafĂŒr kann ich dort etwas bewundern, was ich noch nie gesehen habe: Die ganze Seite ist unscharf. Nach dem Laden ist sie eine Sekunde lang scharf, und dann wird sie unscharf.
Ich habe in der Tat Fragen.
Als ich mich im Techniktagebuch-Chat beschwere, sagt Thomas Wiegold:
"Interessant finde ich, dass gerade die Vielreisende Kathrin offensichtlich kein Deutschlandticket hat. Ist das evtl auch Technik? (Neue Perspektiven, wenn ich nicht mehr rausfinden muss, welches Ticket ich von MĂŒnchen Innenraum nach Wabe 333 ĂŒber Wabe 007 brauche)"
Das liegt daran, dass ich bei der EinfĂŒhrung des Tickets dachte "Brauch ich nicht, ich fahre immer nur lange Strecken mit dem ICE und den Rest mit dem Rad." Und wenn ich Besuch hĂ€tte, wĂŒrde mir das Deutschlandticket auch nichts nĂŒtzen. Aber fĂŒr einen kurzen Moment denke ich, dass es mir vielleicht doch 49 Euro im Monat wert wĂ€re, nie mehr einen Techniktagebuchbeitrag ĂŒber Nahverkehrs-Apps schreiben zu mĂŒssen.
(Kathrin Passig)
















